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Full text of "Hans Sachs"

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CVI. 



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TÜBINGEN. 



OEDBUCKT AUF K08TKN I>Kä LITTKUAllISCHKX VKRKINS. 

1870. 



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BIBLIOTHEK 



DES 



LITTERARISCHEN VEREINS 



IN STUTTGART. 



CVI. 



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TÜBIN&EN. 



GEDRUCKT AUF KOSTEN DES LITTEKARISCIIEN VEREINS. 

1870. 



PROTECTOR 

DES LITTERARISCHEN VEREINS IN STUTTGART : 

SEINE MAJESTÄT DER KÖNIG. 



VERWALTUNG : 

Präsident: 
Dr A. V. K e 1 1 e r , ordentlicher professor an der k. Universität in Tübingen. 

Kassier: 
Professor Dr Kommereil, vorstand der realschule in Tübingen. 

Agent: 
Fues, buchhändler in Tübingen. 



GESELLSCHAFTSAUSSCHUSS : 

Dr Bartsch, ordentlicher professor an der g. Universität in Rostock. 

Dr K. freiherr v. Cotta in Stuttgart. 

Oberstudienrath Dr Haßler, conservator der vaterländischen kunst- 

und alterthumsdenkmäler in Ulm. 
Dr Holland, außerordentlicher professor an der k. Universität in 

Tübingen. 
Dr G. V. Karajan, präsident der k. akademie in Wien. 
Dr E. V. K ausler, vicedirector des k. haus- und Staatsarchivs in 

Stuttgart. 
Dr Klüpfel, bibliothekar an der k. Universität in Tübingen. 
Director Dr 0. v. Klump p in Stuttgart. 

Dr Maurer, ordentlicher professor an der k. Universität in München. 
Dr Menzel in Stuttgart. 

Dr Simrock, ordentlicher professor an der k. Universität in Bonn. 
Dr Waitz, ordentlicher professor an der k. Universität in Göttingen. 



HANS SACHS 



HERAUSGEGEBEN 



VON 



ADELBEßT VON KELLER. 



FÜNFTER BAND. 



Y'K!^^ DEN LITTER ARISCHEN VEREIN IN STUTTGART 

NACH BESCHLUSS DES AUSSCHUSSES VOM JULI 1867 
GEDRÜCKT VON H. LAUPP IN TÜBINGEN 

1870. 




J^. -i-i^^c^. 



1 



[ABC 1,460. Kl, 988] Das füiiflft thajl: 

fabel unnd gut schwenck. 

Der fünfft und letzt theil dieses buchs ist gesamelt von 
coraedien, faßnachtspieln, kampflf-gesprech , sprtich, fabel und 
gut schwenck, gar mamiicherley art, doch ohn alle unzucht, 
zu zimblicher freudt unnd fröligkeyt unnd zu erquicken die 

schwermütigen, trawrigen hertzen. 



1 C filnffte. 2 C gute. 

UHns Sachs. V. 



'6 



Ein faßnacht - spiel mit dreyen personen, Das 

narren-schneyden. 

Der artzt tritt ein mit seinem knecht und spricht. 

Ein guten abend! Ich bin dort nieden 
r* Von einem worden rauff beschieden, 

Wie etlich kranck heroben wern, 

Die betten einen artzet gern. 

Nun sind sie hie, fra\Y oder man. 

Die mügen sich mir zeygen an, 
10 Sie liaben faul flaisch odern. stein, 

Die husten odern zipperlein. 

Den meuchler oder truncken zfiel, 

Den grimb gevvunnen ob dem spie, 

Eyfersucht oder das seenen, 
15 Das lauffend, krampff, mit bösen zeenen, 

Auch sunst für kranckheit was es sey, 

Dem hüff Ich durch mein artzeney 

Umb ringe soldung unbeschwerdt, 

Weil ich des bin ein artzt bewert, 
20 Wie ir des brieff und siege! secht. 

Er zaigt brieff und sigel. Der knecht sieht hin und her und 

spricht : 

herr, wir sind nit gangen recht. 
Ich sich kein krancken an dem ort. 
25 Secht ir die leut nicht sitzen dort 
All frölich, frisch, gesund und freyV 
Sie bedtti*ffen keyner artzney. 

* 

1 Abgedrnokt in L. v. Tieok deutsohem theater, in W. Wackernagels deut- 
schem lesebueh. 2, 89 ff. Basel 1840. 10. 11 C oder den. 12 C trunckn 
2U. 13 BC spiel. 27 C bedörffen. 

1 * 



Hettens ein hofirer darfttr 

Und wer wir daussen vor der thür, 

Das deucht uns beyden sein am besten. 

Der arlst neigt sich und spricht: 

ft Got gsegn den wirt mit seinen gesten! 
Weil wir haben verfeit das hauß, 
Bitt wir: legt uns zum besten auß! 
[K 1, 939J Da& nemb wir an zu grossem danck. 

Inn dem kumpt der großpauohet kranok an zweyen k rucken; 
10 der knecht spricht: 

Mein herr, schaut zu! hie kumpt der kranck. 

Der kranck: 

herr doctor, seyt ir der man, 

Von dem ich lang gehöret han, 
15 Wie ir helfFt yederman so fein? 

So kumb ich auch zu euch herein, 

Weil groß geschwollen ist mein leib, 

Als sey ich ein groß-pauchet weih. 

Und rürt sich tag unnd nacht in mir. 
20 mein herr doctor, schawet ir, 

Ob es doch sey die Wassersucht, 

Oder was ich trag für ein frucht! 

Und schawt, ob mir zu helffen sey 

Durch ewer heylsam artzeney, 
«ft Weil euch der kunst nye ist zerrunnen. 

Der artaet spricht: 

Hast du gefangen deinen, prunnen, 
Sogib und laß mich den besehen! 

Der kranck gibt im das harmglaß unnd spricht : 

so Ja, lieber herr, das sol geschehen. 

Nembt hin und bschawt den prunnen selb! 

Der artBt besieht den prunnen unnd spricht: 

Gesell, dein prunn ist trüb und gelb. 

* 

1 1 kommt. 



5 
Es ligt dir warlich inn dem magen. 

Der kranok greifPt den bauch unnd spricht: 

Es that miah' iu dem pauch hart nagen 
Und ist mir leichnam-hart geschwollen. 

5 Der artst. 

Gesell, wenn wir dir helfen sollen, 
So must du warlich für den todt 
Ein trflncklein trincken über not. 
Das will ich dir selbert zui-ichten. 

10 Der kranck: 

Ja, lieber herr, sorgt nur mit nichten! 
Ich hab ofift vier maß auß-getruncken, 
Das ich an wenden haym bin ghuncken. 
Solt ich erst nicht ein trtincklein mttgenV 

10 Der artst: 

Gesell, das selb wirt gar nicht dügen. 
Du hast forthin her in viel tagen 
Gesamelt ein inn deinen magen. 
Das ist dir als darinn verlegen. 
20 Des muß ich dir dein magen fegen. 

Der kranck setst sich und spricht: 

Ja, herr, und wenn ir das wolt than, 
So haist hin-nauß gehn yederman! 
Es wurt gar leichnam-ubel stincken. 

25 Der knecht: 

Eymerck! du must ein trüncklein trincken : 
Das wirt dir fegn den magen dein. 

Der kranok: 

Was wirt es für ein trüncklein sein? 
30 Ist es wein, mät oder weiß hier? 
Mein lieber herr, und het ichs schier, 
[K 1, 940] letz het ich eben gleich ein durst 

.♦ 

32 letzt. 



Per artzet: 

. Du must vor essen ei» roselwurst. 
Öarnach nembst du den trunck erst billich, 
Nemblich ein vierteil putter-millich, 
5 Tempriert mit eym viertl summer-pier. 
Das must ein-nemen des tags zwier. 
Das selb wirt dir dein magen räumen. 

Der Jcranck: 

Herr, nun fraß ich zweyhundert ptiawmen, 
[ABC 1, 467] Tranck pier unnd putterrailch darzu. 
Das macht mir im pauch ein unrhu 
Und rumplet .mir inn meynem pauch 
Und ranmbt mir wol den magen auch, 
Trieb mich wol zwölf mal auff den kübel 
15 Unnd riß mich inn dem leib so übel. 
Noch ist mir yetzund nichts dest baß. 

Der artsset spricht: 

Knecht, lang mir her das harm-glaß! 
Laß mich der kranckheit baß nach*8ehen ! 

20 Er schaut den haxin und spricht: 

Sül ichs nit zu eym wunder jehen? 
Der mensch steckt aller voller narrn. 

Der knecht spricht: 

Mein freund, so ist gar nicht zu han*u. 
25 So muß man dirNdie narren schneyden. 

Der kranck spricht: 

Das selbig mag ich gar nit leyden. 
Der ai*tzet hat nit war gesprochen. 
Wo woltn die narrn in mich sein krochen? 
30 Das west ich armer krancker gern. 

Der artzet spricht: 

Die ding will ich dir baß bewem. 
Seh hin und trinck dein aygen härm. 

«- 

2 R<W«elwur8t. :; C nimmst. 



7' 

Dieweil er noch ist also warm! 
So weru die narru iu dir zabeln, 
Wie ameiß durch einander krabeln. 

Der kranck trinckt den härm und sprioht : 

5 lierr doctor, yetz prüff ich wol. 
Und das ich steck der narren vol. 
Sie haben inn mir ein gezösch, 
Als ob es weren lauter frösch. 
Ich glaub, es wern die würm sein. 

10 Der raioht im ein spiegel unnd spricht: 

Schaw doch inn diesen spiegel nein! 
Du glaubst doch sunst dem artzet nicht. 

I>er kranck schawt in spiegel unnd greifft im selb an die narren- 

ehren unnd sprioht: 

15 Erst sich ich wol, was mir gebricht. 
Helfft mir, es gschech gleich, wies wöll! 

Der knecht: 

Soll man dich schneyden, lieber gsell, 
So must du dich dem artzt voran 
20 Ergeben .für ein todten man, 

Dieweil das schneyden ist geferlich. 

Der kranck spricht: 

Für ein todn mau gib ich mich schwerlich. 
Stürb ich, das wer meiner frawen lieb, 
i'ö Für kein todn man ich mich dargieb. 

[K 1, 940] Der knecht: 

Wo du denn wirst zu lang verharru, 
Das überhand nemen in dir die narrn, 
So wurdens dir den bauch auffreysen. 

30 Der kranek: 

Da würd mich erst der teuffei bscheissen. 
Weil es ye mag nit änderst sein, 

« 

5 C jetBt. 10 C Der kueoht. 24 C meinr. ?7 wirdst. 



5 



^8 

So facht nur an und schneidet drein! 
Doch müst ir mich vor-hin hescheyden : 
Was gibt man euch vom narren zechneidn? 

Der artzet. 

Ich will dich schneyden gar nmb sunst, 
An dir beweren diese kunst. 
Mich dunckt, du seist ein aimer man. 
Knecht, schick dich nur! so wöll wir dran. 

Der knecht legt seinen zeug auß unnd sprioht: 

10 Herr, hie ligt der zeug allersammen, 
Zangen, schermesser und blutschwanimen, 
Zu labuug sefft und köstlich würtz. 

Der kranok sprioht: 

Nein herr, das man mich nit verkürtz, 
15 Gebt mir doch vor zu letz zu trincken. 

Der artzet: 

Knecht, schaw! so bald ich dir thu wincken. 
So schlaich im dhantzweel umb den hals! 
So will ich anfahen nachmals. 

20 Der knecht bindt den krancken mit der handzwehel umb 

den hals unnd spricht: 

Grehab dich wol! yetz wird es gehn. 
Beiß auff einander fest die zehn! 
So magst dues dester baß erleyden. 

25 Der artzet sprioht: 

Halt für das peck! so will ich schneyden. 

Er schneidt. Der kranck sohreyt: 
Halt, halt! botz angst! du thust mir weh. 

Der kneoht spricht: 

30 Das hat man dir gesaget eh, 

Es werd nit sein wie küchlein zessen. 

« 

4 (' Artzt. 15 C leUt. 22 C jetst. 24 du es dest. 31 C essen. 



Wilt dich die narreu lassen fressen? 

Der artBt greifft mit der zangen in bauch, aeuoht den ersten 

narrn herauß und spricht: 

Schaw, mein gseil, wie ein grosser tropff! 
5 Wie hat er so ein gscb wollen kopff! 

Der kranok greiflt sein bauch unnd spricht: 
letz dunckt uüch gleich, es sey mir baß. 

Der artzet : 

Wie wol will ich dir glauben das! 
10 Der narr hat dich hart auffgeplebt. 

Er übet dich in hoffart stät. 

Wie hat er dich so groß aufilplasen. 

Hochmütig gemacht ubermassen, 

Stoltz, üppich, aygensinnig und prechtig, 
15 Rümisch, gewdisch, samb seist du mechtig! 

Nicht wunder wer, und wilt dues wissen, 

Er het dir lengst den pauch zurissen. 

Der kneoht. 

Mein lieber herr, schawt baß hiu-nein, 
20 Ob nicht mehr narren drinnen sein ! 
[K 1, 942] Mich dunckt, sein bauch sey noch nichts kleiner. 

Der artzet schawt im in bauch unnd spricht: 

Ja freilich, hierinn sitzt noch eyuer. 
Halt, lieber, halt! yetz kumpt er auch. 

25 Der kranck schreyt: 

Du thust mir wee an nieynem bauch. 

Der knecht spricht: 

Botz leichnam, halt und thu doch harrn! 
Schaw, wie ein viereckichten narrn! 
30 Sag! hat er dich nit hart getrücketV 

Der kranck spricht: 

* 
7 G letst. 17 C serrissen. 



10 

Ja freylich ; nun bin ich erquicket. 
Nun west ich ye auch geren, wer 
Der groß vierecket narr auch wer. 

Der artet reckt in in der sangen auf unnd spricht: 

[ABC 1, 468] Das ist der narr der geitzigkeyt, 
Der dich hat trücket lange zeit 
Mit fftrkauff, arbeytn/ reytn und lauifn, 
Mit sparen, kratzen als zu hauffen, 
Das noch ein ander wirt verzeren, 
10 Der dir gund- weder gut noch ehren. 
Ist das denn nit ein bitter leydeo? 
So laß dir kein narren mehr schneyden! 

Der l[ranck greifet in die seyten nnnd spricht: 

Herr doctor, hie thnt mich noch nagen 
15 Ein narr; den hab ich lang getragen. 

Der knecht: 
Hört, hört! der negt gleich wie ein mauß. 

Der artet grei£ft hin-nein, zeucht ihn mit der zangen herauß 

unnd spricht: 

20 Schaw ! ich hab diesen auch herauß. 

Der kranck : 

Mein lieber herr, wer ist der selb 
Narr, so dürr, mager, blaich und gelb? 

Der artzet spricht: 

25 Schaw !' dieser ist der neydig narr. 
' Der machet dich so untrew gar. 

Dich freudt des nechsten unglück 

Und brauchest vil hemischer duck. 

Des nechsten glück das bracht dir schmertz. 
30 Also nugst du dein aygen hertz. 

Mich wundert, das der gelb nnflat 

Dein hertz dir nit abgfressen hat. 

4 auf! fehlt 0. 27 frewet, 



11 

Der kraack. 

Herr doctor, es ist entlich war; 
Er hat mich fressen lange jar. 

Der knecht: 

5 Mein gsell, schaw selb und prüf dich seer, 
du nit habst der narren mehr! 
Es ist dir ye dein pauch nocli groß. 

Der kranck greiflt sich unnd spricht: 

Da gibt mir eyncr noch ein stoß. 
10 Was mag das für ein narr geseinV 
Nur her ! greyfft mit der zangen nein I 

• 

[Kl, 943] Der artst greyift nein und reist. Der kranck schreyt: 
weh ! last mir den lenger drinnen ! 

Der artzt zeygt im den narren unnd spricht : 

15 Ey halt ! du kembst von deinen sinnen. 

Schaw! wie kumpt so ein groß gemeuschV 

Das ist der narr der unkeusch. 

Mit tantzen, bulen und hofiren, 

Meyden und sehnen thet dich vexieren. 
20 Mainst, dein sach wer haimlich auffs best, 

So es all menschen von dir west. 

Des must noch schand und schaden ley den, 

Thet ich den narrn nit von dir schneyden. 

Der kranck: 

25 Ich roaiu, dast eiu zygeuner seist, 
Weil all mein haimligkeyt du weist. 
Noch dunckt mich, es steck eyner hinden. 
Mein herr, schaut, ob ir in möcht finden 1 

Der artet greifft mit der zangen hin-nein unnd spricht: 

30 Botz angst, wie ist der narr so feucht ! 
Er weret sich und vor mir fleucht. 
Ich muß in mit gewalt rauß-zucken. 

« 

13 C laß. 14 C ArtKt r«okt den N, aafif und. 15 G koinpflt. 



12 

Der kranok sohreyt: 

wee! du ihust mir wee am rucken. 
Last mirn! er hat mich lang emert. 

Der.artzet reckt den narren auff unnd spricht: 

5 Der hat dir schier dein gut verzeert. 
Es ist der narr der füllerey, 
Der dir lang hat gewonet bey 
Und dich gemachet hat unmessig, 
Vernascht, versuffen'und gefressig, 

10 Dein leib bekrenckt, dein sinn beschwert 
Dein magen gfült, dein peutel giert, 
Bracht dir armut und viel unrats. 
Was woltst du lenger des unflats? 

Der kranck: 
15 dieser nar rewt mich erst sehr. 

Der knecht: 
Mainst, du hast keinen narren mehr? 

Der kranck: 

Ich hoff: sie sind nun all herauü. 
so Hefff mich zu ! last mich haym zu hauß ! 

Der knecht lost und spricht: 

Mich dunckt, ich hör noch einen gronen. 
Herr doctor, ir dürfft sein nit schonen. 
Er ist noch starck und mags wol leyden. 
2d Thut im den narren auch rauß schneyden! 

Der artset greiffet nein unnd spricht: 

Halt her ! laß mich den auch rauß-brechen ! 
Der thut mir inn die zangen stechen. 
Knecht, hilff mir fest halten die zangen! 
30 Laß uns den narren herauß fangen! 

Der kranck: 

wee! der sticht mich inn die seyten. 

9 C yersoffen. 



13 

* 

Reist ihn heraaßl helfft mir bey zeyten! 

Der artzet spricht: 

Halt still! sey guter ding unnd harr! 
Das ist der schellich, zornig narr, 
5 Das du mochst nyemand uber-sehen. 
Viel heder und zenck thetst du an-dreen, 
[K 1, 944] Inn gsellschafft machest viel auffrur, 
Dein hawt dir oflPt zerblewet wur. 
Was woltest du denn des dildappenV 

10 Der kranck : 

Ey lieber, last mich haymbin sappen! 
Es hats yetz gar; helft mich nur zul 

Der knecht: 

Mein guter freund, hast du yetzt rhu V 
15 Zwickt dich yetzund gar keyner meh? 

Der kranck. 

Im ruck thut mir noch eyner weh. • 
Der ist wol als ein groß pachscheyt. 
Helfft mir deß ab! es ist groß zeyt. 

20 Der artzet greyffet nein unnd spricht: 

So halt nur stUt und sey auch keck! 
Schaw zu! wol weret sich. der geck. 

Er zeucht ihn rauß. Der knecht spricht: 
Schaw zu ! wie hecht der nan* den kopff. 

85 Der artzet -spricht : 

Es ist der aller-fewlest tropff. 
Hat dich gemacht inn alle weg 
Hinlessig, werckloß, faul und treg, 
Langkweilig, schleffng und unütz, 
so Vertrossen, aller ding urdrtttz. 
Het ich dirn nit geschnitten ab, 
[ABO 1, 469] Er hett dich pracht an pettl-stab. 

* 

18 C Backsoheidt. 22 Jeck. 24 Waokernagel: hengt. 



14 

. Mein guter man, nun sag an mir! 
Entpfindst du keins narni mehr in dir? 

Der kranck greifft sich und spricht: 

Kein narr mich in dem pauch mehr kerrt. 
5 Doch ist mein pauch noch groß und herrt. 
Was das bedeudt, ist mir verborgen; 

Der art8t greifit den bauch unnd spricht: 

Sey guter ding unnd laß mich sorgen! 
Inn^ir steckt noch das narren-nest. 
10 Sey keck und halt dich an gar fest! 
Du must noch ein walckwasser leyden. 
Ich will das nest auch von dir schneyden. 

Der kranck. 

langt mir her ein reben-safft! 
15 Mir ist entgangen all mein ki*afft. 
Ich sitz da in eym kalten schweyß ! 
Zu halten ich gar nit mehr weiß. 
last mir nur das nest zu fried! 

Der knecht. 

20 Mein freund, du verstehst warlich nit. 
Schnitt man das nest dir nit herauß, 
So prtitest du jung narren auß. 
So würd dein sach denn wieder böß. 

Der kranck spricht: 

25 So schneyt mich nur nit in das kröß! 
So will ich gleich die marter leyden, 
Das nest auch von mir lassen schneyden. 

Der artzt greifift mit der sangen nein unnd spricht : 

Halt fest, halt fest, lieber! halt fest! 
30 Es ist so groß und ungelachsen 
Und ist im leib dir angewachsen. 
[Kl, 945] Schaw! yetzund knmbt der groß unfurm. 
Schaw wie ein wilder wüster wurm! 

2 Ü Narreu. 



15 

Schaw, wie thnt es vol narreo tfimeln, - 
Oben und unden als von krimmein! 
Die hetst du alle noch geborn. 

Der kranck: 
5 Was weren das fl|r narren wom? 

Der knecht. 

Allerley gattung, als falsch Juristen, 

Schwartzkünstner Und die alchamisten, 

Finantzer, alifantzer und trttgner, 
10 Schmaichler, spotfeler und lügner, 

Wundrer, egelmayr unnd lewnisch, 

Grob, ölprer, unzüchtig und hewnisch, 

Undanckpar, stocknarrn unnd gech, 

Fürwitzig, leichtfertig und frech, 
15 Gronet und gremisch, die alzeit sorgen, 

Böß zaler, die doch gereu porgen, 

Eyfrer, so hüten irer frawen, 

Die on not rechten und on nutz pawen, 

Spiler, bögschützen und waidleut, 
20 Die viel verthun nach kleyner pcwt, 

Summa summarum, wie sie nant 

Doctor Sebastiimus Brandt, 

Inn seinem narren-schiff zu faren. 

Der art^et spricht : 

25 Vor solchen narrn uns zu bewai'en, 
Mein knecht, so würffe das unzifer 
Inn die Pegnitz hiu-nein, ye tieflfer, 
Y.e bessers ist, und lau sie baden! 

Der kranck spricht: 

30 Mein herr, hefft mir zu meinen schaden ! 
Mich dünckt: yetz hab ich gute rhu. 

Der artzet hejQPt in zu and spricht: 

So halt! ich will dich heiften zu. 
Nun magst du wol frölicli auffstehu. 

■9 C Alefantzer. 10 Wackemagel: spotvögel. 11 C Wunderer. 13 C ^tocknarren. 
31 C d. ich hab jetit. 



16 
Schaw! kanst du an dein knicken gen? 

Der kranck steht auff und spricht : 

Mein herr, ich bin gar gsund and ring. 
Vor frewden ich gleich hnpff und spring. 
Ä Wie hetten mich die narren bsessen^ 
Sagt! het ichs truucken oder gessen? 
Fort wolt ich meyden solche speiß. 

Ber artat: 

Waist nit? man spricht nach alter weiß, 
10 Das yedem gfelt sein weiß so wol, 

Des ist das land der narren vol. 

Von dem kamen die narren dein. 

Das dir gefiel dein sinn allein 

Und lißt deym aygen willen räum. 
15 Hieltst dich selbert gar nit im zäum. 

Was dir gefil, das thetst du gleich. 

Der kranok. 

herr doctor gar künstenreich, 

Ich merck: ewer kunst die ist subtil. 
20 Ich thet ye als, was mir gefiel, 

Es brecht mir gleich nutz oder schaden. 

Nun ich der narren bin entladen, 

So will ich fürbaß weißlich handeln, 

Farsichtigklich heben und wandeln 
25 Und folgen guter lehr unnd rath. 

wi6 an zal inn dieser stat 

Waiß ich armer und reicher knaben, 

Die auch mein schwere kranckheit liaben. 

Die doch selber entpfinden nicht, 
[K 1,94H] Noch wissön, was in doch gebricht. 

Die will ich all zu euch bescheyden. 

Das ir in mttst den narren schneyden. 

Da werd ir gelts gnug uberkummen. 

Weil ir von mir nichts hat genummen, 
35 Sag ich euch danck ewer milten gab. 

Aide ! ich schaid mit wissen ab. 

» 

15 C selber. 2C C on. 3.S C vherkommen. :U G habt genommen. 36 C Ade. 



17 

Er geet ab. Der kneoht sohreyt auß: 

Nun hört! ob iüdert einer wer, 
Der dieser artzeney beger, 
Der such uns iun der herberg hie 
5 Bey eym, der haist, ich waiß nit wie. 
Dem wöU wir unser kunst mit-ihailn 
Und an der narren-sucht in hayln. 

Der artzet beschleust: 

Ir herrn, weil ir yetz habt vemummen 
10 Viel narren von dem krancken kummen, 

Die bey im wuchsen vor viel jaren, 

Vor solcher kranckheyt zu bewaren, 

Las ich zu-letzt ein gut recept : 

Ein yegklicher, dieweil er lebt, 
15 Las er sein vernunfft mayster sein 

Und reytt sich selb im zäum gar fein 

Und thu sich Üeissigklich umbschaweu 

Bey reich und arm, mann und frawen, 

Und wem ein ding übel ansteh, 
20 Das er des selben müssig geh. 

Rieht sein gedancken, wort und that 

Nach weyser leute leer unnd rat! 

Zu pfand setz ich im trew und ehr, 

Das als-denn bey im nimmer-mehr 
25 Gemelter narren keiner wachs. 

Wünscht euch mit guter nacht Hans Sachs. 

Die person in das spiel. 

1. Der artzet. 

2. Der knecht. 

3. Der kranck. 

Anno salutis 1557, am 3 tag Octobris. 

5 0^ weiß. 9 C jetat. C vernommen. IOC Narru. kommen. 14 C 
jedlioher. Id C Zaum allein. 18 ? unde f. 



Hans Sachs. V. 



18 



LABC 1,470] Ein kurtzweyligs und lustigs faßnacht- 

»piel mit dreyeii personen, nembiich ein bnrger, ein pawer 
und ein edelmann; die holen krapffen. 

Der burger geht in die Stuben, siebt sich umb und spricht: 

5 Ir erbarn herrn inn eyner sumb. 

Seyt mir zu tausent mal wilkumb! 

Ich hab euch heint zu mir geladen, 

Zu holen krapifen und die fiaden 

Und faßnacht heint mit mir zu halten 
10 Der gwonheyt nach, wie bey den alten, 

Zu haben einen gutten mut. 

ßitt, wölt mit mir haben vergut. 

Der bawer tritt in die stuben und spricht : 

Ein guten abend, ir biderleut! 
Iß Ich hab mir fttrgenommen heut, 

Heint faßnacht inn der sat zu halten, 

Sehen, was sich für kürtzweyl walden. 

Will gleich ein siben grosch dran wagen. 

Nun hat mein weg mich Iierein tragen 
553 Zu euch; weil ich hört so viel gest 

So frölich sein, daucht mich das best, 

Beym nechsten wirrdt zu keren ein. 

Drumb traget äuff den külen wein! 
I K 1 , 947 1 So will ich die nacht bey euch hausen, 
«ä Euch helffen lären becher und krausen. 

Da habt ir ayer zu den Sachen. 

Last uns eiji metzen krapffen pachen! 

Irt l|C Statt. 17 V sie f. kurttweil. 



19 

Der burger stöst den bawern wegk, ist zornig und spricht: 

Bawer, wer hat dich rein beschieden V 
Troll dich hinwegk! laß uns zu frieden! 
Heb dich hin-nauü zu deins geleichen! 
5 Was darffst du inn die hewser schleichen, 
Als wolst du stein oder fewer einlegen? 

Bawer : 

Mein hen', was thut euch hie bewegen, 
Das ir mich also grob thüt sehenden? 

10 Burger: 

Ich waiß nit, wer dein gens noch enden 
Sind; drurab raura mirs hauß, du bawer! 

Baw^er : 

Ach lieber herr, secht nit so sawer, 
15 Dieweil ich mich noch wol darff nennen! 

Die gantz dorf&neng thut mich kennen. 

Darumb, mein herr, vernembt mich recht! 

Ich bin von eym groben gschlecht, 

Die man bey uns die Dölpen nendt. 
20 Habt ir nit den Fritz Tölpen kondt? 

War mein anherr nach meym beduncken. 

Ist inn eym henffen weyer ertruncken. 

Haintz Tölp, mein vatter, der ist mir 

Ertrückt worden inn eym thurnier, 
25 Da man eins mals ein spend auß-gab. 

Ein bruder ich verloren hab, 

Den haben die Zigeuner hin. 

Von meiner muter gschlecht ich bin 

Ein Götz ; derhalben, wer mich kendt, 
so Mich den Götz Tölpen Fritzen nendt. 

Yetzund wist ir auch, wer ich bin. 

Darumb last mich zun gesten hin, 

Wie ander herm zu tisch auch sitzen! 

Burger : 
85 Wir dürffen keynes Tölpen Fritzen. 

3 C hinauü. 12 K grober b. 16 BC gantw. 18 BC einem. 22 Vgl. 

UhlABds fohrifteii 1, 461. 7, 616. 

2* 



20 
Ich halt zu gast nur erbar leut. 

Pawer : 

Botz leichnam angst, vernembt mich ! heut 
Hab ich ein theydung helffen machen. 

5 Mein gfatter het eim gstolen ein pachen. 
Den haben wir all bayd vertragen, 
Das kein frum mensch darvon darff sagen. 
Drumb dürfft ir mich nit so leg halten. 
Ich bin auch einer auß den alten. 

10 Ich sitz nit allmal undten an. 

Ich sich viel gleicher eym biderman, 
Denn kein weih inn der gantzen pfarr. 

Burger : 

Ey heb dich nauß, du voller narr! 
15 Siehst nit? da kumbt ein edelman. 
Was wölst du bey uns hinnen thanV 

Der edelman geht hin-nein und spricht zum bawern : 

Sich Tölpen Fritz! was thust du hinnen? 
Kanst auif dem dorff kein wirtshauß finnen, 
20 Das du zu den burgern einkerst? 

Burger : 

Juncker, ich habs gesaget erst, 
Er sol hin-nauß zun pawer n gehn. 

[Kl, 948] Pawer: 

26 Solt ich euch anreden all zwen. 
Was ich inn meinem sinne hab? 

Edelman : 

Ey sags! es stöst dir sunst liertz ab. 
Du Tölp, du hast auch pewrisch sitten. 

30 Pawer : 

Wern euch die pawrn-adern abgschnitten, 
All bald würd ir zu tod euch bluten. 

5 C gstoln. JI6 C woltst. 28 C dirs Hertz sonst. 32 C ir euch «u todt. 



21 

Edelman : 

Hör eyner zu der groben stuten! 
Fluchs werfft den pawrn die stiegen ab! 

Pawer ; 

5 Höret, wie ichs gemaynet hab! 
Adam, thut unser pfarrherr lesen, 
Ist unser aller v^tter gwesen; 
So sind wir ye all seine kinder. 

Edelman : 

10 Doch eyner mer, der ander minder. 
Noa het drey sön; der ein lawer 
Hieß Ham, der selbig wurd ein pawer, 
Sem und Japhet, von dem mit namen 
Kumbt burgerschafft und adels stamen. 

15 Pawer : 

Juncker, ich hab änderst vernummen, 
Der adel sey von tugend kummen, 
Das sie bschützen witwen und waysen. 
Die armen bschirmen in den raysen. 
20 Juncker, habt ir noch diesen brauch? 

Edelman: 

Sag! wart ir nit vor zeyten auch 
Ir bawern all in eyner sumb 
Einfeltig, schlecht, gerecht und frumb? 
25 Yetzt habt ir die dryfeltigen sucht 
A'erschalckt, durchtrieben und verrucht, 
Hertmewlich, unghorsam darbey. 

Pawer : 

Gott weiß wol, wer der besser sey. 

30 Edelman : 

Ich bin von meynem stamb gut edel, 
So bist du gar ein grober wedel. 
[ABC 1,471] Kanst weder gatzen noch ayr legen. 



* 



11 C ein, ein. 13 BC den. 26 C dreyfelting. 



l 



22 

Ich aber bin höflich dargegen. 
Wo ich zu hof den fürsten reyt, 
Hab ich provision allzeyt 
On arbeyt, darzu rendt und zinst. 

5 Bawer : 

Dennoch bin icli aucli nicht der minst. 
Mein höfligkeyt ist ackern und seen, 
Schneyden, dreschen, hewen und meen, 
Reutten unnd andere arbeyt mehr. 
10 Darmit ich euch all bayd erneer. 

Burger r 

Dergieich ich besser bin, wann du. 
Mein narung gwinn ich in der rhu, 
Darf nit solch grobe arbeyt thon. 
15 Ich bin ein bürgerlicher mon, 
Derhalb besser, wann du, in ehren. 

Bawer : 

ir thut euch all bayd emeern, 
Gott waiü wol wie; ich darffis nit nennen; 
[K 1, 949] Eins thails mit stechen und mit rennen. 
Juncker, hat ewer roß mit wissen 
Keym kauffman nyo kein wetzker abpissen ? 
Ich hab für euch all baid das lob. 

Sdelman: 

t^ (^ti Tölpeu Friti, wir liegen ob. 
Wir halten inn das regiment. 
Aller gwalt steht inn hhmt hend. 
Da must uns liegen undtern ftißen. 

Bawer: 

»# Das hab ich ja >n>l leyden müssen. 
Ir w«rd mir lieber nit so gwaltig« 
So wer die stewer uit so maaigCiltig. 
kh aber hab Tiel besser rhu« 
Wenn kh ah^iu hoff erpawen th«. 



23 

So hab ichs denn versorget als. 

Euch ligt ein groß sorg auff dem halß. 

Des bin ich viel freyer, dann ir. 

Burger : 

5 Inn rath und gericht sitzen wir, 
Da unser nam noch grösser wirt. 

Pawer ; 

Mein herr, da hab ich nit gstulirt. 
Wir bsitzn das ghricht undter der lindn, 
10 Doch etwan kurtz ein urthail finden. 
Das ir offt langksara künd erraten. 

Edelman : 

Wir liegn dir ob mit künen thaten. 
Im hämisch wir raysen und reyten 
15 Und inn dem krieg die feind bestreyteii. 
Mit ritterlichem lob gesiegn. 

Pawer : 

Ich hab inn meym hauß gnug zu kriegii, 

Wann ich hab mich bey dreyen tagen 
20 Wol vier mal mit meym weih geschlagen, 

Hab dannoch nit viel dran gewunnen. 

Es wer mir schier der kunst zerrunen. 

Sie gab mir ein treff mit dem rocken 

Da von*en eben auff den knocken, 
25 Das mir geleich das Hecht erlasch, 

Dieweil sie immer auff mich drasch. 

So hab ich auch sunst gnug zu fechten 

Im hauß mit mägden und mit knechten 

Und mit meym nachpawrn der-geleich. 
30 Ich war nun auff eyner kirch weich, 

Da wurden ihr wol drey erschlagn. 

Ich mayn: ich waiß vom krieg zu sagn. 

Drumb ewer krieg mich nit anficht. 

Burger : 

* 
9 C vnter Linden. 21 C dannoohtt 24 C voroen. 2*.' C Naohpawem 
dergleioh. 



24 

Ich maiu, der krieg fehl dein auch uicht, 
So man dir nembt roß, kü und henuen, 
Thut hauß und stadi dir ab-brennen. 
Da sind wir zwen versorgt für das. 

5 Bawer : 

Der krieg verderbt euch bayd viel baß, 
Wenn man döi*ffer und stet gewindt, 
All ewer hab raubt und verbrind. 
Mein pargelt hab ich eingraben. 

10 Und kummen gleich die kricgs-knaben, 
Brennen mir ab mein alte schewreu. 
Mein haußrath thut mirs nit verteuren, 
So bleybn mir äcker und wiesen liegen. 
Wie bald will ich ein anders kriegen, 

15 Roß, kü, und sitz denn wol befriedet! 

\K 1, 950] Edelman : 

Zum waidwerck sind wir auch gewiedet, 
Jagen bern, hirschen, rech und hasen. 
Das wirdt dir auch nit zu-gelassen. 
80 Das seyen wir weyt über dich. 

Pawer : 

Wenn ich mich schon stell jegerlich, 
Fach ich eh ein lauß, denn ein hasen. 
Ich muß mich dran benügen lassen, 
86 Schlag all jar ein saw oder zwu, 
Etwan ein alte kuh darzu. 
Das ist mein wildpret ubers jar. 
Ir dürfft mit ewrem waydwerck zwar 
Den gwin nit all mal mit mir theyln. 

so Burger : 

Wie gern woltst du dich an uns heyin! 
Wir thunt dirs vor mit köstling schauben, 
Mit mardren rocken, gülden hauben. 
So gehst du her und bist beschlept, 
35 Geschmutzt, geflicket und bestrept. 

* 

3 G nimmt. 3 G stadel. 15 G dann. 20 B Deß. G Des. 2S C 
gleich. 28 G dörfft. C ewerm. 32 G thun. 33 B Mardern. 



25 

Derhalb magst du nit bey uns sein. 

Bawer: 

Nun bin ich auffs schönst gangen rein, 
Der kittel ist mein ostertag, 
5 Den ich auff alle hochzeyt trag. 
Habt ihr viel kleyder sampt den weyben, 
Habn die magd dest mehr auß-zureybeii 
Und die schaben dest mehr zu fressen. 

Burger : 

10 Ich main, du seist mit eym unflat bsessen. 
Pfuy, wie stinckst du nach roß-mist! 

Pawer : 

Mein lieber herr, das selbig ist, 

Ich geh umb uudter sew und rindern, 
15 Schafen, gaissen, bschissen kindern. 

Ich hab kein andre apodecken. 

Wie künd ich denn nach pysen schmecken V 

Nembt die faßnacht mit mir vergut! 

Wer waiß, wens sichs verkeren thut, 
20 Das ich möcht etwan Schultheiß wern! 

Wolts bey meim ayd als wieder ehm. 

Edelman : 

Ey pawer, troll dich nur darvon! 
Unser faßnacht geht dich nichts an. 
25 Wir müssen scharpff rennen und stechen, 
Viel ritterlicher sper zerbrechen. 
Von den dingen kanst du nit sagn. 

Bawer : 

Junckher, wir haben vor acht tagn 
80 Dahaymen auch mit kolben gstochen. 
Da hat mein sun ein bain ab-brochen. 
War zwar ein schlechte frewd darbey. 

Burger : 

7 G Mägd. 8 C schabn. 10 ? mit u. 15 ?be8ohißen. 17 G Bisem. 



26 

Auch müssen wir auflF zwo partbey 
Noch herumb fareii auff dem Schlitten. 

Bawer : 

[ABC 1,472] Deß farens muß ich mich teglich nieten 
5 Auff Schlitten, wegen und auff kerren. 
Wenn ich die gtlld bring meinem herreu, 
Bin ich deß farns verdrossen gantz. 

Edelman : 

Heint mttß wir haben noch ein dantz. 
10 Der wirt köstlich mit grossem prenck, 
[K 1, 951] Da mit dem danck und mit der schenck 
Der beste Stecher wirt begabt. 

Bawer : 

Wir habn auch ein hannen-tautz ghabt. 
15 Inn unserm dorff umb unsern mayen 
Zwen sackpfeiffer pfiffen den rayen. 
Da liffen wir so gschwind hin-numb. 
Offt warff einer ein metzn herumb, 
Das man ihr nicht weiß wohin sach. 

20 Burger : 

Denn halt wir ein pancket hernach. 

Bawer : 
Lieber, sagt, was das selbig sey! 

Bürger : 

26 Da halt wir heint ein gasterey. 
Hecht, forhen wir berayten lassen, 
Vögel, capaun, rephtlner und hasen 
Und trinckn reinfal und malfasier. 

Bawer : 

30 viel köstlicher leben wir, 
Essen gut eingmacht kudelfleck, 
Gut wolgewtirtzet bawem-dreck, 

17 C lieffen. 18 C Metzen rumb. 26 C Forren. 



27 

Faist leber-würst and groß rotseck, 
Ein gelben prey, gut semel und weck, 
Semel und milch, gut schweine-braten. 
Darauff mag eym ein trunck geraten. 

5 Edelman : 

Darnach wir inn die bursch gehn. 

Bawer : 
Sag mirs, das ichs auch thu verstehn ! 

Edelman: 
10 Wir gehend halt auff ein schlaff-trunck. 

Pawer : 

Schweigt, Juncker! ich hab sein auch gnungk. 
Wir pawern holen heint auch krapffen. 
Da iindt man manchen vollen zapffen, 
15 Der oft kaumb die stubn-thür kan treffen. 
Offt nembt im uber-hand die heffen. 
Ir sehendt ewern lust daran. 

Edelman : 

Wenn wir ein weil gedantzet han, 
20 Darnach umbtregt man das confect. 

Pawer : 
Juncker, was ist das für ein gschleck? 

Edelman : 
Zucker, rosin, mandel und feygn. 

26 Pa'wer : 

' Mein Juncker, des kindwerck thüt schweign! 
Wir essen gut öpffel und pirn 
Und thun uns in den krapffen diern. 

Burger : 

30 Auch kummen etlich mumerey. 

* 

10 G gehn. G einen. 12 G sein genung. 16 G nimpt 17 G sehet. 
26 Mein] fehlt G. G kindtweroks. 28 Vergl. 3, 291. 297. 30 G kommen. 



28 



Mein herr, i^agt, was das selbig sey! 



Das sind jnng mender nnd jong gselln. 
5 Die sich verbatzen nnd verstelln, 
Die treyben etlich faßnacht-spiel 
Und an zal andrer kürtzweil viel. 
|K 1, 952] Da wirdt yederman frewden vol. 

Bawer : 

10 Ja ihr abweiß versteh ich wol. 
Ist gleich wie unser rocken-stubu. 
Da eß wir hntzel unnd holdem rubn. 
Die magd inn die sackpfeiffen singen, 
Da unser knecht ölpem und ringen, 

15 Eins thayls die karten inn die nüG. 
Eins thails des rüpfleins auff dem küß, 
Des stocks-blindn-meuß und öl außschlagn, 
Eins thails den raägdn abschütn die agn. 
Ist das nit ein fröliches leben? 

20 Inn sumpa sumparum gleich eben 
Bin ich gleich über euch all zwen. 

Burger : 
Bawer, wa-mitV laß michs verstehn! 

Bawer : 

25 Ich iß nur eytel ringe speiß. 

Sie schmeckt mir für mandel und reiß. 

So ist mir die arbeyt gesund, 

Macht mich lustig, munder und rund. 

All ungnad arbeyt ich von mir. 
80 Des bin ich nit so kranck, wie ir, 

Am stain, ziperlein und contrackt, 

Das burger und den adel plagt. 

Weil ir habt ob der arbeyt scheuch, 

Wont mancherley kranckheyt bey euch, 
aö Langkweil, vertruß und schwermütigkeyt. 

7 no Oll. (« kurtiwoil. 15 die] fehlt C. 17 C blindtmeuß. 



29 

Der ding mir keins zu schaffen geyt. 
Des bin ich ye über euch gar. 

EdelmaiL : 

Aotz marter, der bawer hat war. 
5 Kumb! ich will faßnacht mit dir halten. 

Bawer : 

£y das mttß alles glück walten! 
Ich hab gehöret all mein tag, 
Es fall ein paum nit von eym schlag. 
10 Mun muß noch öffter daran klopffen. 

Edelman : 

Kumb mit mir gehn Hoff-allers-tropffen ! 
Da will ich heint dein wird sein. 
Da wöll wir dapffer schencken ein, 
15 Trincken und spieln, was einer mag, 
Und wölln biß an den Hechten tag 
Mit andrem adel halten hauß. 

Bawer : 
A'^ester Juncker, ich bleib nit auß! 

Ein gute nacht. Der burger bsehleust und spricht: 

Ir frummen herrn, es ist mein bitt, 

Das ir uns wölt verargen nit. 

Ob wir im betten zu viel gethan, 

Mit diesem groben bawers-man, 
25 Der ungfer kummen ist herein. 

Der kund ye nit subtiler sein. 

Wie dann das alt sprich-wort vermag: 

Wenn man ein bawren stieß inn sack, 

Würdn doch die stifel herauß-ragen. 
30 Auch ist uns noch ein Sprichwort sagen, 

Ein yeder vogel sing ali frist, 

Wie ihm sein Schnabel gwachsen ist. 

Auch wird man bey den groben grob, 

4 BC Botz. 10 BC Man. 17 C andorm. 21 C frommen. 23 C hettn. 
25 ü kommen. 31 BC aU. 



30 

Bey den höfling erlangt man lob. 
Des sol ein janger man sich halten 
Zu den züchtigen, weisen, alten 
Und nemb ir zucht und leere an, 

[K 1, 953] So wirdt auß im ein dapffer man. 

[ABC 1, 473] Deß thü er die grobn dölpen fliehen, 
Wann als was grobe leut auffziehen, 
Muß auch werden unkttnnend grob 
Und lebt hernach an rumb und lob, 
10 Zuchtloß mit Worten und mit thaten, 
Aygensinnig und ungeraten, 
On all hößich sitten und tugend, 
Dieweil es in blüender Jugend 
Auffwuchs wie 6in ungschnayter paum. 
15 Derhalb ein jttngling sich nit säum, 
Halt sich zu erbarn wie obgemelt, 
Auflf das er auch in dieser weit 
iun dem alter leb tugentsam 
Und uberkumb ein guten nam, 
üo Des lob bey yederman erwachs. 

Ein gute nacht wünscht euch Hanns Sachs. 

Die person in das spiel. 

1. Edelman. 

2. Burger. 
8. Bawer. 

Anno salutis 1540^ am 31 tag Decembris. 
6 C Tölpel. 9 C on rhum. 22 C Personen. 



31 



Ein schön kürtzweilig faßnacht-spiel mit dreyen 

Personen, nemlich ein keiner und zwen bawren, die holen 

den bachen im teutschen hoff* 

Der keiner tritt ein und spricht: 

r» Seyt gott-will-kumb, ir erbarii gest! 

Mein herr bat euch geschafft das best 

Aufzutragen von speiß und tranck. 

Drumb last euch sein die weil nit lanck! 

Macht euch ein weil selb kurtzweil viel 
10 Mit würffei oder karten-spiel ! 

Thut bocken, flössen oder rtlmpffen! 

Gwinn einer den peutel zu den stümpffen! 

Oder spielt in dem pret der lurtz! 

Macht auch eynem die zeyt offt kurtz. 
15 Wer lurtz wird, zal das spiel zwifach! 

Ziecht mit einander in dem schach! 

Darob wirt auch offt eynem haiß. 

Oder schiest ein weil in den kraiß! 

Treibt ein weil ghradigkeyt mit springen 
2« Oder thut für die lang-weil singen 

Oder sagt von seltzamen schwencken! 

Und was ir kurtzweil mügt erdencken, 

Das selbig mügt ir als anfangen, 

Frewd und kurtzweil mit zu erlangen. 
25 Bring eynr dem andern ein starckn trunck ! 

Weins solt ir haben beint genunck, 

FrencMsch und reinisch; was ir wölt han, 

Das zayget mir nur frölich an! 

1 C KurtzweiUg. 23 C mögt. 27 und] fehlt C. 



32 

Weil mein herr der haußkummeter, 
Welcher euch hat geladen her, 
Ist heut geritten auff das jayd. 
Hat mir gelassen den beschayd, 
^ Ich soll euch weins genug auftragen, 
Biß es aulf morgen frü wöU tagen. 

Die pawern klopjffen an. Der keller spricht: 

Ey wer klopfft also dölpisch an? 
Halt, halt! yetz will ich dir auffthan. 

10 Sie tretn all baid mit einander ein. Hainta Flegl: 

Glück «u! bist nit der kelner-knecht? 
[Kl, 954] Sag, ob wir bayd sind gangen recht! 
Wir wolten in das teutsche hauß. 

Keiner : 

15 Ich dacht, es klopfften zwen narren dauß; 
So seyt irs. Was ist ewer beger? 

Haintz Flegl: 
Wir wolten zum haußkummeter. 

Keiner : 
20 Was bringt ir gtlldt? so will ichs ansagn. 

Simon Frawenknecht : 

Ach mein keiner, ich muß eins fragn. 
Wir bahn gehört von frembden sachen, 
Wie im teutschen hof hang ein bachen, 
25 Der sey den ehmendern befolhen. 
Den selbn pachn woltn wir bayd holen. 
Fürchtn, er werd eym allein zu schwer. 
Wenn wir nur westen, wo er werl 
Mein keiner, zayg! wo thut er hangen? 

30 Keiner : 

Ir bawern, ir seit zu spat rein gangen. 



« 



20 C Was] fehlt C. 24 Vgl. oben b. 4, 338. Hans Weitenfelders 

lobspruoh der weiber hg. Haydinger. Wien 1861. s. 5. 25 C Ehmännern. 26 
C selben, bayd] fehlt C. 31 ir] fohlt C. 



3B 
Der pach ein ander maynung hat. 

Haintz Flegl: 

Seind wir kumnien lieint zu spat. 
So wftll wir klimmen morgen frti. 

5 Keiner : 

Ir bawern, es darff grosse müh. 

Wer den bachen will tragen nauß, 

Der muß sein herr in seinem hauß. 

Das im sein fraw sey underthan 
10 Und er sey allmal herr und man, 

Als, was er schaff, red und gepiet, 

Das sie das thu und änderst nit, 

On murmeln, unwilln und einred. 

Seyt ir im hauß solcli herrn all bed, 
15 So soll der bachen ewer sein ! 

Haintz Flegl: 

Sich! mainst, wir wern gangen rein, 
Den bachen hinn zu holn nauß, 
Wern wir nicht yeder herr im hauß? 
20 Du solst an hannen-federn wol sehen, 
Das wir uns patzet machen und hieben, 
Es sey beym wein oder beim tantz, 
So mach wir gar seltzam kramantz, 
Das uns muß fürchten yederman. 

25 Keiner : 

Ir bawern, das geht mich nicht an. 
Ob ir gleich seyt zwen eysenfresser. 
Tragt spitzparten und lange messer 
Und wölt yederman stechn und hawen, 
30 Ir künd dennoch bey ewern frawen 
Da haymen wol sein zwen haußnarren. 

Haintz Flegl : 

Was darffst du uns also anschnarren? 
Werst du im teutschen hof nit hinnen, 

* 

1 C Paohn. 17 C weren. 18 C holen. 20 C soltst. 21 C maobn. 31 C Daheim. 
Baiw Sachs. V. ^ 



34 

Da solst kein narreu an uns finuen. 
Wir wolten dir dein golter fegen. 

[ABC 1,474] Keiner: 

Seyt ir denn hinn von haders wegen, 
5 Wert ir langsam den bachen gwinnen. 

Simon Frawenkneoht : 

Von haders wegn sind wir nit hinnen. 
Mein keiner, raht als ein gut man ! 
Wie muß wir die sach greiffen an, 
K» Das wir den bachen darvon bringen? 

[Kl, 955] Keiner: 

Da mttst ir habn vor allen dingen 
Vierzehen nachpawren all bayd. 
Die mttssen sagen auff ir ayd, 

if) Euch zeugnub geben gar durchaus, 
Das ir all bayd seyt herr im hauB, 
Zu pett und tisch inn aller sach. 
Die fraw koch, feg, wasch oder pach. 
Auflf solch zeugnuß (mercke du!j 

20 Stelt man euch erst den bachen zu. 
Kanst du das nüßla auff-beysen? 

Simon: 

Die ding ich alle wolt beweisen, 
Wenn ich sibn bider-menner het. 
36 Wie wenn ich da sibn bitten thet, 
Das sie hie meine zeugn wem? 

Keiner : 

Lieber, was wißn die guten herru. 
Ob du im hauß seist herr oder narr? 
30 Bring siben nachpaurn auß deiner pfarr! 
Die wißn, wies in deim hauß zu-geht. 



6 über den namen Simon vgl. Hans Weitenfelders lobspruch der weiber 
hg. Haydinger. Wien 1861. s. 4. 8. 24. 19 C solche. 21 BC Ntißlin. 25 C ich 
•leben. 26 C Zeugen. 30 C sibn. 



35 



Haintz Flegl: 

Merck, keiner, das mein hauß dort steht 
Weyt von leuteii, vorm dorff weit dauli. 
Ol) ich gleich herr hin in meym haulS, 
5 Kan ich dir doch von diesen dingen 
ßey meinem ayd kein zeugen bringen. 

Keiner : 

Habt ir kein zeugen zu den sachen. 
So ziecht nur hin! last mir den pachen! 

10 Simon : 

Ey mainst du, das wir alle zwen 

So weit woltn nach dem bachen gehn, 

Wer yeder nicht herr inn seyni hauü? 

Keiner : 

15 Ihr bawern, es wirt nichts darauf. 
On zeugen gieb ich euch kein bschayd. 

Haintz Flegl: 
Wir wöllens nemen auff den ayd. 

Keiner : 
20 Ich kher mich nichts an ewer seh wem. 

Simon: 

Mein keller, so thu uns verehrn! 
Gieb uns den bachen (es ist spat), 
Weil wir noch künneu auß der stat! 
26 Siehst wol: wir sind ye frembd außlender. 

Keiner : 

Maindt ihr nicht, in der stat viel mender 
Hetten lengst nach dem bachen gschnapt, 
Wenn sie nur zeugen hetten ghabt, 
30 Das sie wem herrn in irem hauß? 

Haintz Flegl: 

♦ 
16. 23 C gib. 24 C können. 

3* 



36 

Ist denn unser hoffnung gar anß? 
Wir sind dem bachen viel zu schleclit. 
Wolauff, mein Simon Frawenknecht, 
So wöl wir wieder haymwarts traben, 
5 Den bachen lassen sanct Yelta habn! 

Die zwen bawren giengen dahin. Der keiner sohreyt ihn nach 

unnd spricht: 

Bleibt da! ich will euch eins nach-lassen. 
Weil ir nit zeugen habt der-massen, 
10 So bring yeder sein frawen rein! 
[K 1, 956| Die solln zu zeugen gnugsam sein! 

Bekennens euch herrn inn den Sachen. 
So solt ir gwunnen habn den bachen. 
So knmb wir kurtz auß diesen dingen. 

15 Der Haintz Flegel spricht zum Simon: 
Kumb! Wöll wir unsre weiber bringen? 

Simon: 

Ja wol, wenn ich ein narr wer. 
Ich bring warlich mein fraw nicht her. 
«0 Sie würde mein wort nicht gut reden. 

Haintz Flegl: 

Schweig! du verderbst die sach uns beden. 
Redt denn dein fraw nit, was du wilt? 

Simon : 

2ä Sie ist ein wüster hawen-schilt. 

Ich kan schier nimmer mit ir stellen. 

Haintz Flegl: 

Ey ey, botz kürein ! laß nit schnellen ! 
Du bist doch herr inn deinem hauß ? 

30 Simon : 

Ja wenn mein fraw ist zu päd auß, 
So bin ich dieweil herr und man. 

b BC Veltin. 6 BC gehen. 16 C vnser. 



37 

Haintz Flegl: 

Ey lieber, sag die warheyt an! 

Bist du sunst iiicbt mehr herr allein? 

Simon : 

ö Mein fraw lest mich wol herr sein. 
Ich muß aber thun, was sie will. 

Haintz Flegl: 

Ey ey» potz mist! der red schweig still! 
Du redest kindisch von den sachen. 
10 Solst wol verschertzen uns den bacheu. 
Du must die sach ein weng . verblttmen. 

Simon : 

Ich kau warlich mein weib nit iHmeu. 
Sie helt mich leg inn allen sachen. 
15 Ich gwin oder verlier den pachen, 
Kan ich der warheit nit verhalten. 

Haintz Flegl: 

Ey, des muß dein der teuflfel walten! 
Kanst du ir nit das maul verstopffen? 



30 



Simon: 



Sie heist mich ein esel, narni und tropfen. 
Das leyd ich dennoch noch viel mehr, 
Weil sie mir nit redt an mein ehr. 
Ich haw holtz und trag wasser ein, 
25 Pedt, ker und spül der frawen mein, 
Noch ist sie mir gantz streng und herdt; 
Und wenn ir ein gut wort entpflferdt, 
Wie bin ich so fro, mein nachpawer! 

Haintz Flegl: 

30 Ey stilla mutz! du tropflF uivd lawer! 
Dein fi'aw hat dennoch sorg auff dich. 



3 G sonst. . 10 C Solist. 



3^ 



Simon: 



Ja Hol: ^ie gibt kein m^-rHt aoff mich. 

Stih<!:lf ich: M<;iii alu. Iiab doch rhu! 
jAHC I,47riJ Sr> ]»|;richt -rie: Narr, hak dein manl zu! 
& L'nd wenn wir mit einander kriegen. 

Wenn i^'h ^ie tausent mal hieb liegen. 

Sprech Hie all mal. ieh het nit war. 
|K 1, 957] Heil> ich sie her, so geht sie dar. 

Sprich ich : Knmh I so geht sie darvon. 
w Und wenn ich sie haiß ricliten on. 

8o sprichts : Der dreck ist nocli nit gsotten. 

Und was ich ir hie hab verbotten, 

Das hat nut darnach eifit gethan. 

Drumb nimb ich mich irs dings nit an. 
ift Sic nascht unnd meckert, wie sie will. 

So Kchaw ich zu und schweig stock-still 

Unnd la(S ir ircn mut unnd rand. 

Haintz Flegl : 

Ky schweig der ding ! es ist ein schand. 
ao DcHKikst nit. das dein fraw freundlich war? 

Simon : 

im crstrn halben viertoil-jar 
llnt sie mich dennoch ein weng lieb. 
Wer unser pfaff nit, der faist dieb, 
v^ Ich glaub, mein eh die stund noch wol. 

HaintB Flegl: 

LiobiT, nuvn sagt, du seist stets vol. 
Sehr grob gegen der frawen dein. 

Simon : 

»0 Kund» icli zum weih haym von dem wein. 
So iüts vom wassor viel schelliger worn. 

Hainta Flegl : 

Du kttust wol sein vor solchem zoni, 
Thost du dein woib xum wein mit-nemen. 

* 

) m<^iu ;$ AU«. 10 C «ui. SO C Komb. ' 



39 

Simon : 

Im wirthauß muß ich mich ir Schemen, 
Da Wirts all mal eh vol, wann ich, 
Und hebt denn an und schmehet mich. 
5 So gieb ich aller sach ir recht. 

Haintz Flegl: 

Weil du noch warst ein junger knecht. 
Da thest du oift im wirtshauß sagen, 
Wie du ein mal ein weih wolst schlagen 
10 Und wolst sein herr und man im hauß. 

Simon: 

mein Haintz, es ist mir gar auß. 

Da-selben het ichs wol im sinn; 

letzt, so ich int eh kummen bin 
ift Unnd ich mein weih gleich geren schlug. 

Vor iren straichen ungefög 

Kan ich gar nit hinzu kummen. 

Sie hat mir nun mein wehr gnummen 

Und mit einem weschplewel glaust, 
20 Das mirs maul groß gschwal, wie ein faust. 

Ich darif mich nit meer an sie lainen. 

Ich thu mir sein ofFt recht gnug wainen, 

Das ich mich nit mehr rechen kan. 

Haintz Flegl: 

25 Pfuy, schem dich! wie bist du ein man! 

Bist du ein solcher windlwascher, 

Ein hüner-greiffer und hefen-nascher ? 

Nöten haist du Simon Frawenknecht, 

Den pachen verleurst wol mit recht. 
30 Ich hab gemaynet uberauß, 

Wie du seyst herr und man im hauß. 

Ich het dich sunst mit mir nit gnummen. 

Keiner : 

Wenn man die sach tl^ut ubersummen, 
35 So bist du gleich der narr im hauß. 

2 BC wirtshauß. 17 C kommen: gnommen. 20 G Maul gesohwaU 



40 

Fetsch dich zum teutschen hoff hin-nanß! 
Mainst, solcher herrn fünd man hie viel? 
Wiewol ich nyemand nennen will. 
[K 1,958] Du, Haintz Flegel, liaw auch mit, 
5 Dieweil du hast kein zeugen niti 

Haintz Flegl: 
Ey ich will gehn bringen mein frawen. 

Simon : 

Ich main , sie würd dirn bruniien schawen. 
io Sie ist gleich als böß, als mein woib. 

Haintz Flegl: 

Heb dich! der wort nit viel mehr treib! 
Mein keller, umb mich hast den bschayd. 
Ich sag dir dwarheit auff mein ayd, 
15 Als wenn mein fraw selber da wer. 

Keiner : 

Nun ich will hören; sag nur her, 
Wie es mit deiner frawen steh! 

Haintz Flegl: 

20 Kellner, ich hab ein gute eh. 

Ich bin der herr im hauß langst worden 
Und halt neunerley gaistlich orden 
Dahaym in meym ehlichcn stand. 

Keiner : 
25 Wie ist der erst orden genandtV 

Haintz Flegl: 

Der erst, das war der englisch orden. 
Erstlich da ich was brewtgam worden, 
Da fenstert ich schier alle nacht. 
30 Viel nestel-krentzlein sie mir macht. 
Da kaufft ich ir ein kirchtag dran. 
So warff sie mich mit äugen an. 

22 C GeistUoh. 



41 ' 

Da thet wir in die sackpfeiffeu singen, 
Auff der hochzeyt dantzen und springen. 
Da war wir aller frewden vol. 

Keiner : 
5 Wie lang werd dieser orden wolV 

Haintz Flegl: 
Ey lang, wol ändert halbe wochen. 

Keiner : 
Inn welchen orden seyt ir darnachkrochen? 

10 Haintz Flegl: 

Inn der teudtschen herrn ordn wir kamen. 
Wir assen und truncken und sassen zanien 
Und lobten sanct Herten allwegn 
Auff hochzeyten und auff kirchtegn. 
16 Da war wir redlich man im hauß. 
Mein fraw suff, ich gab gelt aub. 
An was sie haimlich an hat worden. 

Keiner : 
Sag! welches war der dritt orden V 

20 Haintz Flegl: 

Das ist der parfusser observantz. 
Gott geh der armut sanct Veits tantz! 
Dem peutel haben wir gestrelt. 
Groß mangel ist an kleynem gelt. 
25 An grobem gelt ist es gar müh. 
On Silber gehnt wir, wie die küh, 
Ein lange zeyt, muß ich bekennen. 

Keiner : 
Thu mir den vierdten orden nennen! 

[E 1, 959] Haintz Flegl: 

Der vierdte ist prediger-ordn. 

l G saokpfeifi'n. 7 G anderhalbe. 9 G welchn Ordn. 12 G assen, t. 13 G 
Martin. 16 G soff. 17 G On. G on. 19 G dritte. 26 G gehn. 



42 

Darinn bin ich schier prior wordn. 
Mein fraw die bringt mir Ungeduld. 
Sie gibt mir und ich ihr die schuld, 
Wenn sie michkiffelt, schmocht und schildt. 
5 Mit fluchen ich ir wieder-gilt. 

Keiner : 
[ABC 1, 47(i] Treibt ihr den orden alle mal? 

Haintz Flegl: 

Zu pett und tisch unnd uberal. 
10 Red ich ein wordt, so redt sie zwey, 
Und haben offt im hauß ein gschrey, 
Als wöll man wölflf darinnen jagen. 

Kellner : 
Thu mir den fünfften orden sagen! 

15 Haintz Flegl: 

Das ist der lieben mertrer orden, 
Wenn wir sind etwan schellig worden 
Und an einander im hauß umb jagn, 
Mit kratzen, krelln, raufFen und schlagn. 

20 Da ligt yedes ein weilen ob. 

Mein fraw ist böß, so bin ich grob, 
Wann sie würfFt offt mit hefn nach mir, 
So Schmitz ich denn mit dellern zu ir. 
Und reissen auch offt an einander, 

2n Das wir blutn, wie die sew, baid-sander. 

Kellner : 
Wie offt treibt wol den orden ihrV 

Haintz Flegl: 

All Wochen ein mal oder zwir, 
30 Wann unser keins will sein das schwechst. 

Kellner : 
Sag! welcher orden ist der sechst? 

* 

18 ? Und eiuander. 19 C rauffn. 



43 

Haintz Flegl: 

Einsidler-ordn halt wir bede-saiider, 
Liegen offt zwu woclieu nit bey einander. 
Sie ligt im pett und ich im hew, 
5 Im roß-parn oder in der strew. 
Auch so frist yedliches besunder. 
Ich förcht, sie kew mir ein spinnen under. 

Kellner : 
Was ist der sibend, mein Haintz Flegel? 

10 Haintz Flegl: 

Wir halten auch kartheuser-regel. 
Sie munckt und redt denn nichts mit mir, 
So meul ich mich und sprich nichts zu ir. 
Einander wir sawer ansehen, 
15 Offt in vier wochen nichts zamen jehen, 
Zusammen weder tag noch nacht. 

Kellner : 
Sag! welcher orden ist der acht? 

Haintz Flegl: 

20 Das ist der willing armut orden. 

Die katz ist schier das best viech worden. 

Yedes will auff ein bsundern perg. 

All ding das wir gehn uber-zwerg. 

Des nemb wir an der narung ab. 
26 Verpfendt ist schier all unser hab. 

Mit unserm zancken wirdt zu-lest 

Der bettel-orden der aller-best. 

[K 1, 960] Keiner: 

Sag! welcher orden ist der neundt? 

80 Haintz üegl: 

Ich waiß es nit, mein lieber freund ! 

Keiner : 
2 BC beidsander. 3 C Lign o. zwo. 7 ? ghei. 23 C wiU g. 



44 
Wie thust du denn darinnen leben V 

Haintz Flegl: 

Also, ich thu nichts urab mein weib geben, 

So gibt sie auch umb mich nit viel 
5 Und thut ein yedes, was es will. 

^lein fraw thut mich trutzen und tratzen, 

So thu ich sie herwider fatzen. 

Was ich gern het, das thut sie nit. 

Was sie vertreust, ist mir wol mit, 
10 Es sey gleich schaden oder nutz. 

So braucht ein yedes seinen trutz. 

Inn dem ordeu haben wir fürwar 

Gehauset wol achtzehen jar 

Und waiß den ordn noch nit zu nennen. 
15 Mein keiner, kanst du in nit kennen? 

Kellner : 
Mein Haintz, es ist der narren-orden. 

Haintz Flegl: 

So bin ich lengst abt darinn worden, 
20 Bin darzu herr und mann im hauß. 
Gib mir nur bald den bachen rauß! 

Kellner : 

Haintz Flegel, du stichst darneben. 
Solt wir yedem ein bachen geben, 
25 Der mit seym weih zeucht die streikatzen, 
Mit schlagen, raufFen, kreln und kratzen, 
Wir woltn ir gnug in der stat finnen. 
Uns würn zu-letz noch sew zurinnen. 
Du bist außgmustert ; geh dein straß ! 

30 Simon : 

Botz glut, wie wol gefeit mir das! 
Du hast vor lang verachtet mich. 
Bist doch so wol der narr, als ich. 
Stich mir ein aug mit dem bachen auß! 

12 C habn. 25 C strebkatzen. 28 C würdn zu letit. G serrumen. 



45 

Haintz Flegl: 

ßotz angst, wir dürffen nit mehr zu hauß. 
Es spotteten unser magd und knecht. 

Kellner : 

r. Ziecht hin! es gschicht euch nit unrecht. 

Inn der stat sind viel tausent man, 

Der keynr sich nimbt des bachens an. 

Ist wol zweyhundert jar da ghangen. 

Bin selb wol tausent mal darfür gangen. 
10 Ist doch sicher blieben vor mir! 

Wolt denn ir lausing bawren ir 

Den bachen nauß auff das dorff holn? 

Haintz Flegl: 

Ich wolt, wir hetn dir den bachen gstoln, 
16 Das wir nit also lär heym kemen. 

Vor unsem nachpaurn muß wir uns Schemen , 
Bey den wir uns haben vermessen, 
Den bachen die faßnacht zu fressen. 
^ Wir dachten nit all bayd, das der 

20 Bachen als böß zu holen wer. 

Simon : 

Wolauff, wolauff, laß uns doch gelin! 
Was wöU wir als die narren stehn? 
Siehst nit, das man nur unser lacht? 

[Kl, 961] Haintz Flegl: 

Gott geh euch allen ein gute nacht! 
Weil der bach hecht so starck und fest, 
Das ihn holt weder wird noch gest, 
WöU wir des bachens uns verwegen. 
so Hat ewer eynr lust, mag darnach fregen! 

Die zwen bawern trotten dahin. Der keiner beschleust und 

spricht : 

Last nur die groben bawren faren. 
Weil sie nit herr in iren heusem waren ! 

* 

2Cdörffn. 3 C spotten v. Mägd. 9 C fUrgangen. 10 Cd. so lang b. 26 C aUn. 



46 

Einr zeucht sein weib mit kiudischn Sachen, 
Der ander wills mit polleru gut machen, 
Schlecht ein teuti rauß und siben neyn. 
Welcher man herr im hauß will sein, 
r. Muß sein weib erstlich haben gezogen, 
Sittich und mit vernunift gepogen 
Von irer unart in der Jugend 
Auif heußligkeyt, zucht, ehr und tugend, 
Wie man denn spricht: Ein frummer man 

10 Ein irummes weib im ziehen kau, 
Die im ist ghorsam uberauß, 
[ABC 1, 477] Lest in sein herr und man im hauß. 
Ein sollich redlich biderweib 
Die ist, wie Salomon beschreib, 

15 Besser dann edel-gstain und gold. 
Der man hat schon den bachen gholt. 
Der in macht groß, reifch, faist und fltlck, 
Von dem im wolfart, ehr und glück, 
Fried, freud und feuudligkeyt auifwachs 

20 Im ehling stand, wünscht euch Hans Sachs. 

Die drey person: 

1. Keiner im teudtschen hof. 

2. Haintz Flegl. 

3. Simon Frawenknecht. 

Anno salutis 1589, am 21 tag Novembris. 

* 
9 C frommer. 10 C frommes. 19 BC freundligkeit. 



47 



Ein kürtzweylig fasnacht-spiel von einem bösen 

weib, hat fünff person. 

Der jung gesell tritt allein hinein und spricht: 

Glück zu, ir herrn unnd gsellen meiü! 
5 Ich bin beschayden worden herein, 

Diesen abendt hinnen zu zereu 

Bey euch in züchten und in ehren. 

Wiewol hie nur sein erbar leut, 

Doch hab ich mir fürgnommen heut, 
10 Ich wöll einen guten mut haben, 

Dieweil ich nechten eym reuters-knaben 

Hab sieben batzen abgewonnen 

Auff dem rossmarck bey der krönen. 

Die will ich gleich bey euch verzeren 
15 Gantz tugentlich in zucht und ehren, 

Mit andern ehrlichen gesellen, 

Die wir ein weil kürtzweylen wollen 

Mit bossen, rauschen und mit bocken, 

Biß man leütet die abend-glocken. 
20 Nun tragend auff und schencket ein 

Und last uns alle frölich sein! 

[K 1, 962] Die magd geht auch hin-nein mit eyner kannen, sieht 

hin und her und spricht: 

Ein guten abend! wo ist der keller? 
25 Ich sölt holen ein Muscadeller, 
Ob ich änderst bin gangen recht. 
Hat nicht mein meister hinnen gezecht 

Mit seynem nachbaur diesen abendt? 

* 

l C kurtzweilig. 11 G nechtn. 20 C traget. 25 C solt. 27 C hierinn. 



48 

Der gesell geht zu der magd und spricht freundlich: 

Ja ir geht recht, sie beyde habend 
Hierinn gezecht an diesem ort. 
Hertz-liebe Elß, ich het ein wort 
5 Mit euch vor langer zeit zu reden. 
Ist doch so gut worden uns beden 
Noch nie ins maisters hauß die zeit, 
Zu sagen euch mein haymligkeyt, 
Das ich euch geöffnet het mein liertz. 

10 Die magd redt immer-zu spötlich: 
Ich sorg, es sey nur ewer schertz. 

Der gsell: 
Es ist mein ernst fürwar, wolau ! 

Die magd : 
15 So geht und legt ein bantzer an ! 

Der gsell: 
Mein hertz will mir vor lieb versinckeu. 

Die magd: 

So helfft und lasts nicht gar ertrincken! 
20 Leget es ehe auff zwo sew-blasen ! 

Der gesell: 

Ich muß mein ye wol spotten lassen. 
Noch ist mein hertz mit wee besessen. 

Die magd: 
25 Ir habt viel-leicht ein pfewen gessen. 

Der gsell: 
Ach nain, mein hertz ist gar gehn euch verwundt. 

Die magd: 

Unnd wenn ir seyd so ungesundt, 
so So last euch in das spital tragen! 

15 C Pantjser. 20 C eh. 25 C Pfawen. 27 Aoh] fehlt C. C ist gegn« 



49 

Der gsell: 

Ach jonckfraw, last mich nicht verzagen 1 
Mit ewer gut, so thut mich laben, 
Dieweil ich sonst kein trost mag haben! 
6 Kert euch nicht an die falschen hasser! 

Die magd: 

Hett ich ein schaff mit kaltem wasser. 
Ich wolt euch bald damit erquicken. 

Der gsell: 

10 Ach durch holdselig augenblicken 
Machet ir mein sehnend hertz heyl. 

Die magd: 

letzt aber hab ich nicht der weyl. 
Warrd und setzt euch ein weile nieder 
15 Oder kompt morgen frti herwider! 
So müst ir mir ein thttr anhencken. 

Der gesell: 

- Ach wie mögt ir mein hertz bekrencken! 
Laßt mich doch meiner trew geniessen, 
fK 1, 963] Und thut mir ewer hertz auffschliessen! 

Die magd: 
Ey botz ich hab den Schlüssel verlorn. 

Der gsell: 

Nun hab ich euch ye außerkorn 
25 Vor ander all, die mir gefeit. 

Die magd: 
Es hat euch leicht sonst keine gwelt. 

Der gesell: 

Ey euch allein hab ich ergeben 
Mein ehr und gut, leib und auch leben. 
30 Umb keiner anderen huld ich bitt. 

* 

5 nit. 14 C Wart. 30 C andern. 
Hmw Sachs. V. 



50 

Die magd: 

Ich mag doch warlich ewer nit. 
Versuchts an eynem andren ort! 

Der gsell: 

5 dieses eynigs strenges wort 

Macht mich langweilig ob den dingen. 

Die magd: 

So will ich euch ein pfeiffer bringen, 
Der euch pfeiflF einen affen-dantz. 

10 Der gsell: 

[ABC 1, 478] Wenn ir mir macht darzu ein krautz, 
So sprüng ich frölich an den reyen. 

Die magd: 

Ein leicht ding mag ein kind erfrewen. 
15 Noch mag ich ye kein esel krönen. 

Osell: 

Ir thut mit spott mich uberhönen. 

Halts da vor schimpff und hoff, mir armen 

Werd ir euch miltigklich erbarmen. 

20 Magd : 

Wisset ir nicht? hoffen und harren 
Das hat gemacht viel grosser narren. 
Ich würd euch noch lang lassen sitzen. 

Der gesell: 

S5 Vor grossem sehnen thu ich schwitzen. 
theilt mir mit ewer genad! 

Magd: 

Ir schwitzt viel-leicht im narren-bad. 
Bin ich doch nicht der babst zu Rom! 
30 Kein gnad, ablaß nie von mir kom. 



3 C andern. 18 C fUr. SO C kam. 



51 

Qsell : 
So last mich doch sunst ewer sein! 

Magd: 

Za dem do sprich ich aber : Nein. 
5 Ich mag nicht solch prOgel auffklauben. 

Osell: 

Ir thut mich aller freud berauben. 
Wie mögt ir mich so lang auff-halten? 

Magd: 

10 Nun muß ewer der jar-ritt walten! 
Hab iph euch doch nicht her bestelt! 
Ir mögt gehn, wenn ir selber wölt. 

Q-sell: 
Ich weiß: ir könd mich nit verlassen. 

[E 1, 964] ' Magd: 

Ach lieber, geht nur ewer Strassen! 
Ir habt vollen gewalt von mir. 

Q-esell : 

Ach meines hertzen eynige zier, 
20 Mein ausserwelte schöne £lß. 
Ir seyd viel herter, denn ein felß. 
Last euch mein freundlich bitt erweichen! 

Magd : 

Nein, ir solt hie kein schaf erschleichen. 
86 Derhalb dörfft ir mir armen diern 
Mit schmeichel- Worten nicht hotiern. 
Ich merck den schalck, ich mag nit lecken. 
Ir last mich inn den brendten stecken, 
Wie offt geschieht mannicher mayd. 

so GhEiell : 

Ach schönes lieb, nein, auff mein ayd. 

4 C da. 



52 

Zu ehren ich ewer beger. 

Magd: 

Ja wenn dieses ein warheyt wer, 

So glaub ich, ir schwürdt noch viel baß. 

5 Gesell: 

Hertz-liebe Elß, vertrawt mir das! 
Ich main es mit euch gut und trewlich. 

Magd: 

Ich bin gewitzigt worden newlich. 
10 Der Traw-wol ritt mir das pferd dahin. 
Derhalb ich nun gewitzigt bin, 
Das ich so leichtlich nicht mehr traw. 
Botz leichnam fiiecht! es kumbtmein fraw. 

Das böß weib trit in die stubn , sieht sawer unnd setzt den 
stul 8 wischen sie mit einem liederin küssen und spricht: 

Stell dich ein weil hieher und bul! 
Seh hin, du unflat! nimb den stul 
Und setz dich zu dem narren nieder! 
Nun bist du ye gestanden sider 
«0 Vesperzeyt an dem schwartzen marck. 
Du werst zu eym schuldheis nit arck. 
Du bstttndst ye gern und werst ein bott 
Gar gut, zu schicken nach dem todt. 
Du kumbst nit bald. Hast du es vernomen? 

85 Die magd spricht trutzig: 

Wie bald sol ich noch wider kommen ? 
Hab ich doch keine flügel nit! 

Die firaw spricht zornig: 

Ey das vergelt dir der jar-ritt! 
80 Warumb stelst du dich da herein? 

Die magd: 

Muß ich nit warten auff den wein, 
Den mau herauff-tregt in der flaschen? 

* 

13 C kommt. 15 C liderD. 



53 

Die trsLW. 

Du hast auch viel hosen za waschen. 
Dich sticht der fürwitz spat und firw. 
Hast auch kein fried, hiß das doch du 
5 Den hauch vol huhen uherkümhst, 
Denn du allzeit darnach rümhst. 
Ich kan dir die huhen nicht erwem. 

Der gsell: 

Ach fraw, wir stehn doch hie mit ehren 1 
[E 1, 965] Dammh thut gmach und faret schon! 

Die fraw spricht «uxa gesellen sohreyend: 

Du ginmaul, was geht es dich an? 
Geh hin und ward deiner werckstat! 
Der meister dir geliehen hat, 
16 Das du solt zalen den gwandschneyder. 
Kein montag hast gearheyt seyder. 
Du hist geleich als faul als sie; 
Und soltst du änderst hleiben hie, 
Ich will dich wol zum paren bringen. 

20 Der gsell: 

Fraw, kümmert euch nit mit den dingen! 
Der meister gibt mit kost und Ion. 
Mit euch ich nichts zu schaffen hon. 
Ir seydt ein rechte hadermetz. 

25 Die fraw: 

Ey des hah dir die welschen kretz! 
Du lengst mich an, du nasser schalck! 

Der gesell: 

Du leugst selber, du gelber balck! 
80 Du hast schier all knecht hin-nauß hissen. 

Die fraw: 

Du lecker, laß mich unbeschissen! 
Oder ich wils dem meister klagen. 

BC aUe >. d. ringst. 7 BC Babn. 9 in ehrn. 22 BO mir. 



54 

Die magd : 

Fraw, wenn ir wölt die warheit sagen, 
So ward ir nicht viel dran gewinnen. 

Die fraw kert sich zu der magd und spricht 

5 Sich, hubensack! bist dn noch hinnen? 
Heb dich nur, dn nnflat, du gelber! 

Die magd: 

Fraw, ir seyt vielleicht an euch selber. 
[ABC 1,479] Was dürfft ir mich sacken und balgen? 

10 Die fraw: 

Heb dich nauß an liechten galgen, 
Ehe ich dir schlag die zeen in halß! 

Der gaell fert undter: 

Fraw, ir werds ye nicht fressen als. 
15 Geh hin, mein Elß, und klags dem pfender! 

Die fraw : 

Was gehts dich an, dn frawen-schender ! 
Dn spielgurr und du galgen-drüssel ! 

Zur magd: 

20 Und du uniiat, lang her mein schlttssel 
Und komb mir nimmer inn mein hanß! 

Die magd gibt ir'den sohlüssel und spricht: 
Secht! gebt mir auch mein Ion beraoß! 

Die fraw: 
85 Was? 

Die magd: 

Das, 

So ich verdienet hab das jar. 

Die fraw: 
C dtfrfft. 11 hinnaas. 



Die tra,w: 

Mein liebe schleucht, ists aber war? 
Du hast mir mehr haußrat zu-brochen, 
Denn du verdient hast mit dejm kochen. 
5 Du Wurst mir herauß schuldig sein. 

[E 1, 966] Die magd : 

Des leugst du in deinen hals hin-nein. 



Die fraw: 



Du leugst. 



10 Die magd: 

Du treugst. 

In dem rumpelt der man hinein nnnd spricht: 

Ey was habt ir für ein geschrey, 

Als ob der teuffei hinnen sey? 
15 Ich bin für gangen on gefer 

Und dacht, was do geschehen wer. 

Da ich höret ein groß rumor, 

Stund ich fast auff ein vierteil uhr. 

Gedacht mir, es wer ein auff-lauff. 
20 Nun so ich komb zu euch herauff, 

So schreyt mein fraw, magd und gesell, 

Als ob man die wölff jagen wöU. 

Ey schembt euch für den biderlewten, 

Die euchs nicht zu dem besten deuten, 
85 Das ir so gegen einander schreyt, 

Als ob ir all unsinnig seyt! 

Geht heym ins ridte nam! es ist zeyt. 

Die £raw spricht weinendt zu irem man : 

Schaw, lieber man! dein schöne maid 
so Und auch dein gsell, sie alle bayd 
Haben mich geschmecht und geschend, 
Des mir die leut all zeugen send, 
Als sey ich gantz und gär entwicht. 
Du aber fragest darnach nicht, 

* 

^ C eohlüoht. 3 G lerbrooheD. 4 C m. dem. 7 K Das. dul fehlt C. 10 C 
da. 18 C viertel. 23 C vor. 25 C gegn. 37 BC ritten. 



56 

Wie sie mir annen firawen thon. 

Der gesell: 

Maister, ir solt also yerston! 
Die fraw nns bayde hat entsetzt 
5 An onsern ehren and za-letzt 
Haben wir auch herwider bissen 
Und hat sich also eingerissen. 
Biß ir selbst sejt kommen herein. 

Der man segnet sich : 

10 Ey botz mist, das soll nit sein. 

Magd, du bist \\el za maister-gschefftig, 

Und dn, mein alta, bist za hefitig, 

Wiewol da es selten thast gemessen. 

Wir wollen yetzt ein wein drein giessen, 
15 Auff das ein end nemb ewer straaß. 

Die fraw sohreyt: 

Thu mir die magd bald aaß dem haaß! 
Ich mag ir nimmer vor mir sehen. 
Wolt sie mich an mein ehm schmehen? 
so Ist selbst verlogen and vernascht, 
Mist-faal und was ^ sie heimlich erhascht, 
Das ist ans abgetragen als. 

Die magd stürtzt beyde hend in die seyten unnd spricht: 

Das ist erlogen in dein halß. 

25 Von erst war ich ein gute diem, 
Do ich dir kund die blinder fürn, 
Das da stets haimlich hetst zu schlauchen 
Und dir vermerckelt goller und stauchen, 
letz so ich dir wil nimmer heuchlen 

80 Und du auch hast nimmer zu meuchlen, 
So wilt du mich nimmer han. 

Die fraw sohreyt: 

Weist nit mehr, du wascbmaul? sag an 
[K 1, 967] Und thues auch in den meister tragen ! 

1 C than: verstan. 12 BC Alte. 19 Ehren. 25 C Da. 26 BO blinden. 
S9 C letst. 31 BC nun n. 



57 

Die mag^: 

Ich wüst dir noch \vol eins za sagen, 
Das dem die äugen müst außpeissen. 

Die firaw sohleoht inn die hend und greynet mit den aeenen 
5 Tinnd spricht: 

Du yltes, das ich dich solt zureissen! 
Nun hast du ye ein eyßn verrend, 
Wie du mir selber hast bekendt! 
Solchs hab ich dennoch nye begangen. 

10 Die magd: 

Wir trügn wol wasser an einer Stangen 
Mit einander; das glaub du mir! 

Die fraw: 
Du balck, wer sol tragen mit dir? 

16 Die magd: 

Gleich du. 

Die fraw: 
Sag wn? 

Die magd: 

20 Mit jhenem, du weist selber wol. 
Wilt, das ichs teutscher sagen sol? 

Die fraw dringt auff die magd und spriolit : 

Solt ich mein hertz nicht an dir külen 
Und dir dein böses maul erknüllen? 
85 Ey lieber laßt uns doch zusamen! 

Der mann stest sie hinder-sicli und spricht: 

Ey schembt euch ^i des henckers namen, 
Das ir einander hie außricht! 
Mir ist der hünd offt vor dem Hecht 
30 Umbgangen dieses gantzes jar, 
Weil fraw und magd so aynig war, 

6 C lerreissen. 



Das doch ist in meym hauß nicht sitt. 
Ich aber habs verstanden nit, 
Das dieser butz dahinder steckt. 
letz so ihr an einander seckt, 
ö So find es sich in dem außkeren, 
Das ir bayd seyd geleich au ehren 
Gantz rain, recht wie mein lincker schu. 

Die firaw schreit: 

Wie? legst du dem schlepsack zu? 
10 Ja, ja, ja, ja, und ist das war. 
Es hat mich wol gedaucht das jar, 
Du habst die magd lieber, denn mich. 

[ABC 1, 480] Der man : 

Schweig der wort! oder ich blew dich. 

Die fraw: 

Woltst du mich von irent-wegen schlagen, 

So wolt ichs meynen freunden klagen. 

Die mttsten dir dein golder lausen 

Und dich, du alter bößwicht, zausen, 
80 Trutz das du mir halt tbüst ein layd. 

Du schalck, du hangest an der mayd, 

Dieweil ich nechten bah gefunden 

Dein brüch inn irem pettstro unden. 

Du unendlicher bub, du lecker, 
25 Ich wolt, du legest in dem Necker 

Mit deinem balg, du galgen-drüssel ! 

[E 1, 968] Der man reist dem weib die sohlüssel von der sey- 

ten und spricht: 

• 

So gieb du mir bald her mein schlttssel! 
30 Lauff hin! ich muß mich doch dein Schemen. 

Die fraw: 

Wie woltst du mir mein Schlüssel nemen 
Und woltst mich stossen von dem mein? 
Nein, das will ich nit warten sein. 

* 

4 Jetit. 9 C legest. 20 tbust. 22 BC hab. 



59 

Da bist do(di selb ein hayloß man, 
Hast mir mein heyrat-gut verthan. 
Ja wens mit saaffen wer außgericht! 
Im pett aber bist gar entwicht. 
5 Ich will es gan dem richter klagen. 

Der man suekt die flaust und spricht: 
So wü ich dir dein manl zerschlagen. 

Die fraw: 

Wem? mir? 

10 Der mann: 

Ja dir. 

Die fraw: 
Da bh;^t dich der teuffel darvor! 

Der man auckt aber und spricht: 
16 Schweig! oder ich schmaiß dich ans ehr. 

Die firaw: 
Wen? mich? 

Der mann: 
Ja dich. 

so Sie saigt ihm die feygen, spricht: 
Seh, pfaff! sey dir morgen als heut! 

Der man: 

Ja schont ich nicht erbarer lent, 

Ich wolt dir wol dein boßheit vertreyben. 

26 Die fraw: 

Wie wirst mir ein grilln im loch verkleiben ! 
Da hast vor siben mann erschlagen, 
Die hewer hplhüppen ambtragen. 
Da darfst mir an kein sporen greifen. 

20 C leigt 26 C wttrst C gim. 



60 

Da kanst wol einziehen dein pfeifen, 
Wo du deines geleichen siehst. 
Ich waiß wol, das du kein bern stichst, 
Weil ein pratwurst drey heller gilt. 

5 Der mann schlecht aufif sie unnd spricht : 

Ey schweig, du wüster hawenschilt! 
Oder ich schlag dich zu eynem krüppel. 

Die fraw schreyt: 

Ich beut dirs recht, du grober düppel! 
10 Ir frommen leute, helfft mir do! 
mordio! o reddio! 

Der nachbaur thut die stubn-thür aulT unnd laufft hin-nein : 

Ey was habt ir do für ein Strauß? 

Ich meint fürwar, es brend das hauß. 
15 Wie habt ir mich so hart erschreckt 
[Kl, 969] Und mir mein kleines kind erweckt! 

Was habt ir für ein gugelfur? 

Mein lieber nachbaur, sag mir nur, 

Wie das ich dich so zornig find 
20 Mit allem deynem haußgesindt 

Inn dem wirtshauß auff diesen abend ! 

Die ft*aw spricht wainend: 

Mein lieber nachbaur, secht! sie habend 

All drey, mein man, mein magd und knecht 
26 Mich armes weih so hart geschmecht, 

Samb ich die ergste bübin sey. 

Und haben sie auch alle drey 

Geleger da über mich armen. 

Es möcht ein harten stain erbarmen. 
80 So trewlich helt mein mann ob mir. 

Der man: 

Mein lieber nachbaur, uns ist von ir 
Alln dreyen nach eynander worn 
So hübsch gezwagen und geschorn, 

7 G eim. 13 da. 28 BO Geleget. 



61 

Das ich das vierdt thail nit kttnd sagen 
Man soll die biderleut hie fragen, 
Die haben gehört alle wort. 
Nun schreyt sie über uns das mordt. 
5 Samb hettn wir ir groß laid gethan. 

Der nachbaiir: 

Mein liebe nacbtpewrin, secht an! 

Die schuld ist ewer und nicht ir, 

Wie der geleichen sehen wir 
10 Nachbaurn an unser gassen teglich, 

Das ir seyt hefftig unvertreglich. 

Habt stets viel hader und viel zenck, 

Das man euch offt büß an die benck. 

Habt alzeyt vor dem richter zu handien. 
15 Ir solt aber frey sittigklich wandlen, 

So ließ man euch auch wol zu frieden. 

Die fraw: 

Hat dich der teuffei rein beschieden. 
Du klaffer, schwatzer und du doderer, 

20 Du gatzer, statzer und du ploderer? 
Ich darff dein zu keinem fürsprecher, 
Du trunckenboltz und du weiuzecher! 
Inn all schlupffwinckel du umbschleuffst. 
Mit meinem mann du frist und seuffst 

85 Und lest mich armes weih dormaulen, 
Das ich möcht bungers halb verfaulen, 
On was ir dückisch sunst verspielt 
Und yeder inn seym hauß abstilt, 
Das er versetzet und verpfeudt 

80 Mit bübin und andrem on end. 

Das müst ir noch mit ewrem hauffen 
Bayde-sampt auß der stat entlauffen. 
Also du mir mein man verfürst. 

Der man: 

35 Schaw an, mein nachbaur! yetzund spürst, 
Das kein ehr ist in meynem weih. 

13 büß. 27 sonst. 30 anderm. 



62 

Teglich sie peynigt meinen leib 
Mit kneaffeln, zancken, greynen und nagen , 
Das ich yetz kaum die haut kan tragen. 
Ich bin so dfirr and mager worden. 

6 Und wenn ich trüg Earthenser orden, 
So het ich dennoch besser rhu, 
Wiewol ich dir verschweygen thu 
Meiner frawen haimliche dttck. 
Meinst nit, ob mich das selb auch drück, 

10 Das trag ich haimlich grosse angst? 

Der nachpawer: 

Ich habs gemercket wol vor-langst, 
Das du der narr im hanß mnst sein, 
Wiewol dues anch nit bist allein. 
15 Ich wüst dir noch viel her zu nennen 
[K 1, 970] Mit namen, die du wol magst kennen, 
Die auch förchten ir frawen scharff. 
Das ir auch keiner holen darff 
Im teudtschen hof den Schweinen pachen. 

[ABCl, 481] Die fpaw: 

£y das sein möcht ein saw lachen! 
Ist dir nit auch der bauch zu schwer? 
Bist ye so wol der narr als er, 
Weil dich dein weib auß deinem hanß 
25 Nun jaget mit eym prügel auß. 

Mich dunckt, du seist der gröste narr, 
Den ich weiß in der gantzen pfarr, 
Unnd wolst mich dennoch auch vexiem. 

Der gesell: 

Also last euch auch fein balbiem. 
80 Und haist euch diesen han meer kreen. 
letzt wist ir, wie uns ist geschehen. 
Sie hat uns pfiffen auff der trummen, 
Ein hund kein brot het von uns gnummen. 
Noch hab wir sein dazu geschmutzt. 

85 Die fraw: 

3 C jetit. 19 Vgl. oben 8. 31 ff. 2S woltüt. 



63 

Wie hats der gsell so wol erfoatzt? 
Bist auch ein helwanger meins manns 
Und dunckest dich ein grosser Hans? 
Ja anff der gassen spat und frtt, 
5 Aber inn der werckstat ists mtth. 
Da vertrittst da noch kanm ein junger. 

Magd: 

wie hat mich peynigt der hunger, 
Wann sie versperrt mir den brotkalter! 
10 Laß mir auch offt dar^u den psalter, 
Als ob ich het ein dorff verbrend. 
Fro bin ich, das es hat ein end. 
Sie sieht nit gern mit den zänen tantzen. 

Die firaw: 

16 £y schweyg und hab dir alle frantzen! 
Wolt ir euch wieder über mich betten 
Und wolt mich alle viere fretten? 
Ir haylosen lausing unfletter, 
Ir untrew, diebischen verretter, 

20 Ich will euch machen wol gerecht, 
Nachbauren, magd und auch knecht 
Und dich, du onmechtiger tropff, 
Das du dich krawen must am kopff. 
Du must noch sitzen auf eym rat. 

26 Ich will dich füren in ein päd, 

Darinn dich muß der hencker krawen. 

Der naohpaur: 

Mein lieber nachbaur, halt dein frawen! 

Schaw! wie thun ir die äugen glitzenl 
so Wie thut ir angsicht sie anspitzen 

Schaw , wie grißgrambt sie mit den zänden ! 

Sich, wie sie bibend mit den hendenl 

Schaw, wie sie mit den fttssen stampff. 

Als ob sie hab den esels-krampff! 
86 Ich förcht, sie sey wütig und wünnig 

Oder vielleicht doli unnd unsinnig, 

1 C er|Milit. 31 ? wie sie fr. 



66 



[ABC 1,482. Kl, 972] Fabel. Die füchsisch gsellschafft. 

Ains tages iun ein alten fucbs 

Groß rew der seinen sünd erwuchs. 

Auff das er möcht dieselben büssen, 
5 So woll er mit parfussen füssen 

Hin gebn Sanct- Jacob und gehn Rom. 

Als diese newe zeittung kom 

Für alle tbier im walt besunder, 

Hetten sie darob grosses wunder. 
10 Zu dem .fucbs kam auif waldtes-platz 

Erstlichen gar ein alte katz 

Und sprach mit heuchlerischer stimb: 

Heyliger fuchs, mich mit dir nimb! 

Ich will dir dienen auff der fart. 
15 Der fuchs sprach: Dein schmaichlende art 

Lest nicht sein böse hindtertück, 

Vor äugen gut, falsch hindter rück. 

Du bist eyne der falschen katzen, 

Die vorren lecken, binden kratzen. 
20 Redst als, was der mann geren höret. 

Darrait da würd ich auch bethöret. 

Weich 1 du ghörst nit in meinen bund! 

Nach dem kam auch der pellend bund 

Und wolt auch mit dem fuchsen traben. 
25 Der fuchs sprach : Ich mach dein nit haben, 

Weil du die leut stät thust anpeilen 

Und henckst in an viel schampar schellen 

Mit hinnter-redn und ehr-abschneyden. 

* 

1 C Geseüsohafift. 7 C kam. 19 C vornen. 20 C gern. 



67 

Des spottens kanst auch nicht vermeyden. 

Gehn yederman dein zän tliust plecken. 

Du Wurst viel feindschafft mir erwecken. 

Mit dem abzug der hund mit scbam, 
5 Nach dem auch der wald-esel kam 

Und sprach: fuchs, laß mich mit dir! 

Der fuchs antwort hinwider schier: 

Esel, mit dir so geh ich nicht. 

Weil du trawrest in klarem liecht, 
10 Inn der dunckel so freust du dich. 

Darbey gar wol kan merckeu ich, 

Das gar vol neydes steckt dein hertz, 

Weil du hast ob dem guten schmertz 

Und frölich ob dem bösen bist. 
15 Derhalb dein art feindselig ist. 

Dein neid brecht mich in angst und not 

Nach dem watschlet daher die kröt 

Und wolt auch mit dem fuchsen gan. 

Der sprach: Nyemand dich füllen kan. 
20 Des gantzen erdtrichs will dir zrinnen. 

Du wucherst mit band, hertz und sinnen. 

Du bist so geitzig, gnaw und karg, 

Du sparst das gut und frist das arg. 

Weich! du brechst mich in all gefer. 
25 Nach dem zum fuchsen kam der her, 

Wolt auch mit im durch grosse bitt. 

Der fuchs sprach: Ich will dein auch nit, 

Wann du steckest vol grimmen zorn. 

Sein art ist nur stets, zu rumorn. 
30 Du bist kün, grimmig und zu gech, 

Rachgirig, verwegen und frech. . 

Du richtest an viel haders mir. 

Wer auch selb nit sicher vor dir. 

Darumb dich nur bald von mir heb! 
85 Nach dem kam auch der gwaltig leb 

Und wolt auch mit dem fuchsen wallen. 

Der sprach: Du bist ein köng ob allen 

Thiem und thusf dein ding mit gwalt, 

Beschedigst bayde jung und alt. 

♦ 

3 C wtodrt. 4 abaooh. 24 breobtst. 38 C ? Thi«ren. 

5* 



68 

So yemand dich darob will dempffen, 

Thust du mit gewalt durch-hin kempffen 

Und lißt mich in den prendten stecken. 
[K 1, 973] Bey dir nemb ich ein gar viel schrecken. 
5 Darumb zeuch gütlich von mir ab! 

Nach dem kam der gespiegelt pfab, 

Wolt auch mit ihm die walfart than. 

Der fuchs sprach: Ich nemb dich nit an, 

Weil du durch dein vergulten schwantz 
10 Dich stelst rumreich und prechtig gantz, 

Hoffart und hochmut stäts nach-trachst, 

All ander neben dir verachst. 

Des thest mich und dich überladen 

Mit neyd und verderblichem schaden. 
15 Drumb weich von mir, du stoltzer pfabi 

Nach dem kam auch der schwartze rab 

Und wolt sich auch zu im gesellen. 

Der fuchs thet in mit werten schnellen 

Und sprach: Ich geh mit keinem dieb. 
20 Grappeln und mausen ist dir lieb. 

Du bist berucht und hart vermeeret. 

Deiner freundscbafft nyemand begeret. 

Du neerest dich der schelmen-stück 

Und darzu aller bösen duck. 
25 Derhalben fleucht dich yederman. 

Du brechst an galgen mich hin-nan. 

Darfür kein pantzer mich nit holff. 

Nach dem kam auch getrolt der wolff 

Und wolt im ein geferten geben. 
80 Der fuchs sprach: Du bist mir nit eben. 

Du thust liegen, triegen und rauben. 

Du heltst weder warheit noch glauben. 

Müssig neerst du im stegraff dich. 

Auff den rabenstain brechst du mich. 
86 Darumb mag ich dein gfert nit sein. 

Nach dem kam auch das faiste schwein 

Und sprach zum fuchs: Mit dir mich laß! 

Der fuchs sprach: Zeuch nur hin dein straß! 

Wann du bist ein rechter unlust, 

* 

14 verderblichen. 32 C weder trawen n. 33 C nehreit. 



69 

• 

Du sulest dich in allem wast, 

In sauffen, fressen und ankeusch, 

In faulkeyt und der-gleich gemeusch. 

Thest mir leih, ehr und gut ertrencken, 
5 In alle laster tieff versencken. 

Troll dich! du bist gfressig und faul. 

Nach dem zum fuchsen kam das maul 

Und wolt auch mit dem fuchsen lauffen. 

Der fuchs sprach: Bleib nur bei dem hauffh! 
10 Wann du bist an sinn und vemunfft 

Auß grober eselischer zunfft 

Und kanst auch weder schertz noch schimpf, 

Verstehst auch weder recht noch glimpff. 

Wo ich mit dir hin-komb im land, 
15 Wurd ich mit dir zu spot und schand. 

Man hielt uns alle bayd für narren. 

Drumb will ich besser gsellschafft harren 

Oder will allein gehn mein straß. 

Bald das maul abgerichtet was, 
20 Da erweit im der fuchse schier 

Ein gesellschafft von vogel-thier 

Guter unnd tugentsamer art. 

Mit den verbracht er sein walfart, 

Wie der natürlichen weißheyt 
25 Das erste buch nach leng bescheyt. 

Beschluß. 

Auß der fabel ein junger man 
Leer weißlich auch zu nemen an 
Nicht ein yeden zu freund und gsellen, 

30 Der sich freundlich zu im thu stellen, 
Erörter vor sein gschefft und handel, 
Sein leben, art, gwonheit und wandel 
Und tliu zu einer gsellschafft meyden 
Heuchler, klaffer und die neyden, 

35 Geitzig, zenckisch, g waltig und sauber, 
Hoffertig, dieb, trieger und rauber, 
Spiler, Schlemmer, hurer vol schänden. 
Auch alle grob und unverstanden. 

* 

25 C besoheidt. 34 ? Die heaohler. 



70 

Mit den allen khem er in not. 

[K 1, 974] Er würd zu sclianden und zu spot, 
Weil man acht eynen man allein, 
Geleich wie seine gsellen sein, 
5 Wann bey den bösen wirdt man böß, 
Muß bey in leyden viel anstöß. 
Auch wirt man bey den frummen fnimb 

[ABC 1, 483J Durch ire tugend unnd darumb 
Außerwel er im zu gsellschafft 
10 Getrewe freund, still und warhaflft, 
Holdselig, milt, gütig, seiiis gleich, 
Demütig, des ghruchs ehrenreich, 
Arbeytsam, messig, erbar und züchtig. 
Verstanden, zu den leuthen tüchtig. 
15 Eyner solchen gsellschafft hat er ehr. 
Mit den er hie sein zeyt verzer, 
Dardurch sein lob grün, blü und wachs 
Bey trewer gsellschafft, spricht H. Sachs. 

Anno salutis 1557, am 20 tag Novembris. 

♦ 

7 C frommen. 12 C Ghrtiohts. 



71 



Fabel. Der zipperlein unnd die spinn. 

Als ich spacieret auff ein tag 

Vor einem wald an grünem hag, 

Inn dem erhört ich ein gesprech 
5 Jenseyt des hages in der nech. 

Ich schlich hinein, wolt on gefer 

Hören, wer jhenseyt hages wer. 

Als ich gemachsam horcht darinn, 

Da war es gar ein alte spinn. 
10 Mit der redet der zipperlein. 

. Der zipperlein. 

Der sprach zu ir: Gespile mein, 
Wie zeuchst so eilend über feld? 
Tregst weder klaider oder geld. 

15 Die spinn. 

Die spinn sprach: Da trieb man mich auß 
Auß eines reichen burgers hauß, 
Darinn ich lenger kund nicht bleiben. 

Der zipperlein. 
20 Zipperlein sprach: Wer thet dich vertreiben? 

Die spinn. 

Die spinn sprach: Ich het viel unfried. 
• Sehr grossen hunger ich erlied. 

* 

1 Vorgl. Jakob Urimm in dem monatberioht der k. preaO. ak&demie der 
wil^eDsobufien zu Berlin 13 Febr. 1851. s. 99 ff. 23 C erlitt. 



72 

Wann darinn waren wenig, mucken, 
Die ich inn mein netz mocht gezucken, 
Weil man so sauber hielt das hauß. 
Die mucken trieb man auch ofift auß. 

5 Mit mucken-wedel und mit schwammen 
Thet man sie teglich auch verdammen. 
Doch waren im hauß viel hundsmucken, 
Sie theten mir mein netz zerrucken, 
Der ich gar keine kund erhalten. 

10 Des must ich grosses hungers walten. 
Auch stellet mir nach meinem leib 
Der herr und darzu auch sein weib. 
Wo sie mich etwan theten sehen, 
In meinem gespunst in der neben 

lö Sahen hangen in einer ecken, 

Mit Scheltwort thetens bayd auffwecken 
Die hauß-magd und auch den haußknecht. 
Von den wurd ich denn hart durchecht. 
Kertcn im hauß die gantzen wochen. 

20 Haben mein spinweb offt zu-brochen, 
Das ich kaum in ein klufft endtran. 
[K 1, 975] So fing ich denn ein anders an, 
Und eh ich das selb auß-gespunn. 
Kam etwan tochter oder sühn 

26 Und mir das selbig auch zerstört. 
Ich hab im hauß schir alle ort 
Versucht; inn solchem hertzenlayd 
Spunn ich doch mehr, denn bayde mayd. 
Ich bin erstlich ein junckfraw gwesen, 

80 Thut man im Ovidio lesen. 
Aragne so war ye mein nam. 
Meiner kunst war die Pallas gram, 
Sie mich in ein spinnen verkeret. 
Also hab ich mein zeit verzeret 

86 Bey den höflichen burgers-leuthen, 
Mein edle kunst mit zu bedeudten. 
Weyl yederman mir setzet zu 
So streng an alle rast und rhu. 
Muß ich die burgerschafft verlassen 

22 fieng. 38 C on. 



73 
Und bin gleich yetzund auff der Strassen. 

Der zipperlein. 
Zipperlein sprach: Wo wilt nun nauß? 

Die spinn. 

5 Die spinn sprach: In eins bawren hauß, 

Will mich in eynen winckel schmucken. 

Der hat wol hundert tausent mucken. 

Da will ich micli wol reylich neeren, 
• Forthin mein tag inn rhu verzeren, 
10 Weil wol ein gantzes jar hin feret, 

£h man die spinnen- web abkeret. 

Magd und knecht änderst zschaffen haben. 

Schaw! bey dem will ich mich eingraben. 

Bey dem da bleib ich unvertrieben, 
16 Dieweil die bawren mich auch lieben, 

Dieweil die alten bey in jähen, 

Ich thu die bösen dempff auff-fahen. 

Des bleib ich ungeirret hencken 

Vor eynera duncklen fenster schwencken, 
20 Von mucken-drecken überzogen. 

Das ich mich hab so lang geschmogeu 

In der stat, das thut mich noch dawren. 

Der zipperlein. 

Der zipperlein sprach : Schweyg der pauren ! 
25 Ich kumb erst fltlchtig von in her. 

Sie sind mir grob und gar gefer. 

Wo ich zog zu eym bawren ein, 

Thet er gar nit verschonen mein, 

Er schlept mich durch dreck und kot. 
80 Macht ich im schon ein fuß gar rot, 

So maint er, het in nur verrenkt. 

Mit arbeyt er mich offt bekrenckt. 

Lud mit mir mist, ackert und seet. 

Er für gehn holtz, er trasch und meet. 
S5 Darmit da thet er sich erhitzen. 

Das er fast dünsten ward und schwitzen. 



8 C reiohyoli. 



74 

Der selbig schweiß macht mich gar kranck, 
Wann er mir in die nasen stanck. 
Stieß mich auch auif wurtzel und stein. 
Auch war mein narung bey im klein. 

5 Er aß nur millich, rubn und kraut, 
Gersten und erbeiß, was er paut. 
Tranck auch nur wasser, milch und schotten, 
Thet mich zipperlein gar verspotten. 
Des wurd ich gar hungrig und matt, 

10 Kund nicht mehr bleiben an der statt. 
Der ärtzt halb wolt ich wol sein blieben. 
Mit hunger hat er mich außtrieben. 
Wann bey solch ringem tranck und speiß 
Ist gar nicht zu bleyben mein weiß, 

15 Dieweil Bachus mein vatter ist, 
Der mich gepar vor langer frist 
Durch gute bißlein, starck getranck, 
Allem Wollust und müssig-ganck, 
Wie das denn leert die teglich prob. 
[K 1, 976] Darzu die bawren sind zu grob. 
Drumb ich von in außzogen bin. 

Die spinn. 

[ABC 1, 484) Die spinn sprach: Wo wilt du denn hin, 
Sein zeit forthin im land vertreiben? 

25 Der zipperlein. 

Der zipperlein sprach : Nun will ich bleiben 
Bey burgern, adel oder pfaffen. 
Die haben yetz nicht mehr zu schaffen, 
Denn müssig-gehn unnd wollust treiben, 

30 Mit paden, spieln, schlaffen und weihen. 
Essen unnd trincken auch das best. 
Bey den da wirt ich wol gemest. 
Da legt man mich auff sanffte pett, 
Trutz der mich da anrüren thet. 

35 Man wickelt mich ein und helt mich warm. 
Ob mich die ertzt mit grossem schwärm 
Mit irer kunst wollen vertreyben, 

* 

5 G Raben. 28 C jetzt nit. • 



75 



So thu ich dennocht lenger bleyben. 

So bald ich nur ein weng nach-laß, 

So lebt der kranck voriger-maß 

Und tbut mir selb lacken und heyen, 
6 Mit starcker kost und tranck erfreyen. 

So thu ich in denn wider trtlcken 

So thut der kranck sich wider dtlcken. 

Und helt ein zeyi sich still und messig. 

Laß ich nach, wirdt er wider gft'essig. 
10 Alß-denn so vexier ich in wieder 

Und nemb im all seine gelieder 

Ye eines nach dem andren ein. 

Von ersten bin ich kurtz und klein, 

Thu im an einer zehen wee. 
15 Damach ich immer weitter geh, 

Wirt mit der zeit lenger und grösser. 

Ein gast, herber, bitter unnd böser. 

Endlich gar nit zu treiben auß. 

Die spinn. 

20 Die spinn sprach: Ich kunib in ein hauß 
Erstlich aynig alters-allein. 
Gleich- wie du unachtsam und klein. 
Im Winter mich etwan verkreuch, 
Im glentzn ich wider fürher zeuch. 

25 Ich leg ayer und thu nisten, 

Zeuch auß mein jungen in kurtzen fristen. 
Der selben ist an maß und zal. 
Umb-zeuch das gantz hauß uberal 
Inn Stuben, kammer und allen geden, 

30 Vor allen löchern, fenstern und leden 
Mit meiner jungen web und netzen. 
Da thu in freuden mich ergetzen. 
Drumb bitt ich: kumb nach kurtzer zeit 
Auffs dorff! beschaw mein herrligkeyt 

35 In meines armen bawren hauß! 

Der zipperlein. 
Ich kumb nicht mehr auffs dorff hin-nauß. 



7 tüoken. HC GUeder. 12 C andern. 27 G on. 



76 

Sprach der zipperlein mit verlaugen. 
Inn der stat wird ich schön entpfangen. 
Da waiß ich einen burger reich. 
Den selben ich noch heint erschleich, 

5 Weil er gleich sitzt in eym pancket, 
Der mich lang zu ihm locken thet 
Mit starcker speise und getranck. 
Der wird auffnemen mich zu danck 
Und auff ein seyden küß mich legen. 

10 Mein Schwester spinn, laß dich bewegen ! 
In die stat wieder mit mir ker 
Und schaw mein herrligkeit und ehr, 
Wie mich der burger helt so wol! 

Die spinn. 

15 Die spinn sprach: Mttst ich ye sein vol, 
Das ich mein leben wagt dahin! 
[K 1, 977] Fro bin ich, das ich ledig bin. 

Ich zeuch dahin ins bawren hanß 
Und kumb auch nimmer-mehr heranß. 

20 Bleib bey deym burger in der statt, 
Da man dich auch in ehren hatf 
So sey wir all bald wol versehen. 

Der zipperlein. 

Der zipperlein sprach : Das soll gschehen. 
25 Zeuch hin! ich wünsch dir glück und hayl. 

Der beschluß. 

Also zog hin ein yeder thail. 

Die spinn auffs dorff hin zu den pauren, 

Der zipperlein in die stattmawren, 

30 Der fuß für fuß gar langksam gieng. 
Zu laufen ich bald ane-fing 
In die statt, die burger zu warnen 
Vor des argen zipperleins garnen. 
Der wird heint auff den abend kummen 

35 Und zu gast werden auffgenummen. 
Drumb wer im nicht wöl herberg geben, 

18 C Pawern. 24 C geschehen. 27 G looh. 



77 

Derselb verzeren soll sein leben 
Mit harter arbeit und ringcr kost, 
Wie denn Petrarcba gibt ein trost, 
Armut den zipperlein treib auß, 

5 Der nur wont in der reichen hauß, 
Doch welcher reicher ermbklich leb, 
Der zipperlein sein flucht auch geb. 
Derhalb so fliech, wer fliehen mag, 
Das der zipperlein auff den tag 

10 Nicht bey im einker unnd auffwachs 
Durch Überfluß ! das rätt Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 28 tag Decembris. 
6 ärmbkUoh. 7 Zipperlein die flucht. 



78 



Fabel Die ameis mit dem grillen. Wider die 

fawlen. 

Esopas uns beschreibt ein fabel, 

Zu leer uns fftrlegt die parabel, 
6 Wie ein ameiß zu winters-zeyt 

Zog auß ir holen tieff und weyt 

Ir koren, das sie in dem summer 

Gesamlet het mit sorg und kummer, 

Zu trücknen an dem kalten lufft, 
10 Weil es mit feuchte war bedufft. 

Zu der kam ein hungriger grill, 

Erbatt die amaiß hoch und viel, 

Im auch von irer speiß zu geben, 

Das er beleiben möcht bei leben. 
15 Die ameiß sprach hinwider schon: 

Was hast im sommer du gethon, 

Das du nicht speiß hast eingetragen? 

Der grill ward zu der ameiß sagen: 

Ich war frölich und hab gesungen, 
80 Hin und her durch die zenn gesprungen. 

Die ameiß lacht und sprach: Du gauch, 

So sing und spring im winter auch! 

Die speiß hab ich für mich gesamlet. 

An diesem wort der grill verstamlet, 
86 Zog ab und lied von hunger zwang 

Durch-auß und auß den winter lang. 

Auß dieser fabel solt verstau 
Bey der ameiß ein junger man, 
Gantz arbeytsam, embsig und echtig, 

6. 25 Zooh. 25 C litt. 28 ? jungen. 



79 

Fleissig, genaw, klug und fürtrechtig, 
Ordnlich, auch mit zimlicher sparung, 
[ABC 1, 485] Darmit er uberkumbt ein narung, 
Auff das, wenn er zu-letzt wirt alt, 
[K 1,978] Schwach, krafftloß, wie der winter kalt, 
An sinn und krefften im geet ab, 
Das er denn sein ergenzung hab 
An seinem vorgewunnen gut. 
Von dem er ordnlich zeren tbut. 

10 Zum andern versteht bey dem grillen 
Ein jungen man voller mutwillen, 
Gesellisch, bübisch, faul, hinlessig, 
Yernascht, versuffen und gefressig 
Montag, ehrtag zum sontag feyret 

15 Und andrem gaugkel spiel nach-leyret, 
Das ihm doch tregt kein brot ins hauQ, 
.Wart seyner werckstat gar nit auß. 
Wer nicht, wie er, sein gut verprasset, 
Wirt von im verspott und verhasset, 

20 Er sey ein filtz und nagenranfft. 
Es thut wol in der Jugend sanfft, 
Wenn aber kumbt der winter kalter, 
Das schwach und unvermtiglich alter, 
Erst wirdt in nach der sonnen frieren, 

25 So er sein handel ist verlieren, 

Hat nicht, wie vor, ein groß gewinnet 
Und das im hie und dort zerrinnet, 
Hat kein parschafft noch hindterhut. 
Da in wirt reytten die armut 

30 Und muli am hunger-tuch erst neben, 
Wie mau das über tag thut sehen. 
Derhalb haist der weiß Salomon 
Die klein ameysen schawen on, 
Wie sie einsammelt in dem schnitt, 

35 Den faulen zu vermanen mit, 
Das er inn Jugend sparen lehr, 
So sein sterck sich inn schwech verker. 
Das er im alter darvon zer. 

Anno salntis 1536, am 7 tag Septembris. 

* 
13 C verso£fen. 15 C anderm. 18 C Weigt oieht. 33 G an. 



80 



Fabel des wolffs mit dem lamb. 

Gewalt der geht gar offt für recht, 

Als ir inn diesem beyspiel secht. 

Das lamb dem wolff was viel zu schlecht. 

5 Ains mals dranck ein wolif und ein lamb 
Auß einem pechlein bayde-samb; 
Der wolff tranck oben auß dem pach, 
Das lamb tranck unden ; der wolff sprach : 
Lamb, du betrübst das wasser mir. 

10 Das gut lamb sprach hinwider schir: 
Wie kan ichs wasser trüben dir? 
Fleust es doch von dir her zu mirl 
Der wolff der sprach an alle schäm: 
Wie fluchst du mir, du zornigs lamb! 

16 Das lamb sprach: Hör! ich fluch dir nicht. 
Der wolff ein ander lüg erdicht: 
Vor sechs monat nambst mir mein körn. 
Das lamb sprach: Ich was noch nit bom. 
Der wolff sprach: Ich will dir mehr sagen. 

30 Du hast mein wiesen abgenagen. 

Das lamb sprach: Wie mag das bestan? 
Nun hab ich ye gar keinen zan. 
Da wurd der wolff in zorn bewegt, 
Da im das lamb sein lüg auffdeckt. 

S5 Sprach: Wiewol ich dein argument 
Mit nichte widersprechen könd, 
Must du doch lassen hie dein haut. . 
Das lemlein das schrey uber-laut: 
Hör, wolff! muß ich umb Unschuld sterben? 

5 Bixif. 7 C dem nach. 



81 

Der wolff sprach: Schreib mirs an die kerben! 

Ich sich dein anschuld hie nicht an, 
[K 1, 979] Wann ich muß ye zu fressen han 

Und speissen mein hungrigen kragen 
5 Und füllen meinen lären magen. 

Es sey mit recht oder unrecht, 

Das ist mir alles eben schlecht. 

Was ich nur nber-mag, ist mein. 

Dammb must heint mein nachtmal sein. 
10 Und erwtlrgt das unschuldig lamp 

Und het damit ein vollen schlamp 

Und dacht: Het ich der lemmer mehr! 

Es wer gleich wider recht und ehr, 

Damach ich ye gar wenig frag. 
15 Es geht als lang, als lang es mag. 

Wann man die garauß-glocken leut. 

Dann muß ichs zalen mit der heut, 

Das ich geborgt hab lange zeyt. 



20 Also thut noch manch mensch auff erden, 
Der zu im reist, was im mag werden, 
Und denckt im nur viel zu erwerben, 
Ob-gleich dardurch viel ander verderben. 

Hans Sachs. 

^^ Anno salutis 1531, am 9 tag May. 

12 C Lämmer. 19 C Darmit der Wolff von hinnen scheidt. 



Harn Bachs. V. ^ 



82 



Fabel mit der löwln und iren jungen/ 

Wer andern zufügt un-gemach, 
Den trifft zu-letzt die gottes-rach, 
Alls dieser löwin auch geschach. 

5 Ein lowin het zwey wölflein klein 

Im wald in eynem holen stein. 

Eins tags loff sie auß nach ir speiß. 

Inn dem da kam ein jeger leiß, 

Da er die jungen wölflin fund. 
10 Er würgets und darnach sie schund. 

Die heut trug mit im hin der jeger. 

Da kam die löwin zu dem leger, 

Fand ir wölflein tod alle zway. 

Die löwin thet ein kleglich gschray, 
16 Sie lawert, waynet für und für. 

Das hört ein fuchs, kam hald zu ir, 

Sprach: Schwester, wie thust also klagen? 

Die löwin kund ir layd im sagen. 

Bald der fuchs iren schaden sach, 
so Gar listigklich er zu ir sprach: 

Sag an! wie viel jar bist du alt? 

Die löwin sprach hinwider bald: 

Ich bin geleich alt hundert jar. ^ 

Der fuchs sprach : Sag mir an fürwar, 
26 Von was speiß hast du dich geneert, 

So lang in diesem wilden gfert? 

Die löwin sprach: Mein speiß die was 

Allein das fleisch der thier, ich aß, 
Als hasen, füchs, hirschen und binden 

b C Löwin. 10 C Brwttrgets. 18 B gund. C gundt 29 C Httnden. 



83 

[ABC 1, 486] Und was ich in dem walt mocht finden. 

Der fuchs sprach: Seind die thier dein fater, 

Sag, band sie auch nit vatter, mutter? 

So hast auch ir mütter betrübet, 
6 Wann yedes thier sein kinder liebet 

Inn aller maß, als du die dein. 

Wie offt hast du sie bracht in pein, 

Wann du ir jungen hast gefressen ! 

letzt wird dir mit der maß gemessen, 
10 Wie du den andern hast gethan. 

Daran solt du kein zweiflfel han. 

Die götter haben dir gelonet, 

Gleich wie du nyemand hast geschonet. 

Also must du yetzt schaden leyden. 
15 Wilt du der götter straff vermeyden, 

So merck, was du nit geren iiast, 
[K 1, 980 J Das dus ein anders auch erlast, 

Autf das dir nimmer misseling 

Und dich aber ein stercker zwing 
20 Unnd maye-zeyt ir rosen bring ! 

Hans Sachs. 
Anno salutis 1581, am 9 tag May. 

1 C moch. 2 G sein. 3 C haben sie auch Vatter. 4 C Matter. 22 BC 
Am ersten Tage. 



6 



84 



Fabel mit dem &osch und der manX^. 

Offt einer grebt ein grub, allein 
Sein nechsten zu bringen in pein, 
Unnd zu-letzt feit er selb darein. 

6 Ein manß bey eynem wasser saß, 

Gar geren sie hinüber was 

Geschwummen an das ander ort. 

Bald kam ein froscb, der es wol bort. 

Der was untrewer liste vol. 
10 Sprach: Ich bring dich hinüber wol. 

Die mauß namb das in trewen an. 

Des frosches list sie nit verstan. 

Der band ein faden umb sich gantz 

Und der-gleich umb der mause schwantz 
15 Und sprang bald in des wassers thamb. 

Die mauß mit forchten darauf schwamb, 

Biß auff die mitt; der frosch zu-stund 

Sich nieder-ducket biß zu grund 

Und zog die mauß fast undter-sich. 
20 Die mauß die schrey : Frosch, wilt du mich 

Ertrencken? das wer ein untrew. 

Der frosch der sprach: Das ist nit new, 

Das man gibt süsse wort als hönig, 

Darhindter ist der trew gar wenig. 
»5 Warumb sachst du nit baß für dich? 

Warhaffte trew ist gar mißlich. 
• Die mauß er gar fast nieder-zog. 

Da kam ein storch geflogen hoch 

Und sach die mauß im wasser schweben. 

19 C looh. 20 Mauß sohrey. 27 C sooh. 



85 



Er schoß herab, ergriff sie eben 
Und fürt sie mit im in sein nest 
Mit sampt dem frosch, den er nicht west. 
So bald der storch den frosch ersach, 
5 Was bringt dich her? zum frosch er sprach. 
Der frosch sprach: Mein grosse untrew. 
Des trag ich billich ewig rew. 
Ich wolt die mauß in unglflck bringen, 
letz thut mir selber misselingen. 

10 Ich wolt die mauß ertrencket haben 
Und ir durch list ein gruben graben, 
Nun bin ich selb darein gefallen. 
Der storch sprach : Harr ! ich will dir zalen 
Dein untrew und dein falsche dtlck 

15 Überflüssig auff deinem rück 

Und must mir gelten mit der hewt. 
Als du die mauß hast veruntrewt. 
Der storch sein schnabel thet auffsperrn, 
Thet den untrewen frosch verzern. 

20 So traff die untrew iren herrn. 

Hans Sachs. 
Anno salutis 1528, am 1 tag May. 



Jetit. 



86 



[K 1,981] Fabel mit dem frosch und den thierlein. 

Esopus der hat uns beschrieben 

Ein fabel, die zur leer ist blieben, 

Die sagt von eynem frosche, das 
5 Der im wasser geboren was, 

Alzeit in den pechen war bliebn, 

Sein tag mit quattern het vertrieben, 

Bayde bey tag und auch bey nacht. 

Als nun die mayenzeyt her-bracht 
10 Die wunigklichen summer-wunn 

Und die wiesen beklaydet nun 

Waren mit graß und schönen plumen. 

Da warn viel thierlein darauff kummen, 

Als königlein, aychhorn und heßlein, 
15 Die sprangen darauff in dem greßlein. 

Der frosch sach die, bald in anfacht. 

Rurasüchtig er bey im gedacht. 

Wie er bein thierlein aliensamen 

Bekummen möcht ein grossen namen, 
20 Und hupffet zu in auff die wiesen, 

Grüst sie; als sie eutpfingen diesen, 

Fragten in freundlich, wer er wer. 

Der frosch sagt in rumsüchtig her, 

Wie das er wer ein artzt bewerdt, 
25 Für alle ertzt berümbt auff erd, 

Wer über Ypocratem weyt. 

Wann er künd allerley kranckheyt 

Haylen mit seyner artzeney, 

Darzu künd er die todten frey 

6 C Bächen. 17 C Rhümsüchtig. 



87 

Aufferwecken mit seyner kunst, 
[ABC 1, 487] Und rtimbt sich dergleich ktinste sunst. 

Weil nun sein stimb so prechtig was, 

Da glaubten im die thierlein das 
6 Und betten seiner kunst groß wunder, 

Biß on allein der fuchs besunder. 

Als der hört die rhumrheting wort, 

Durch list vermerckt er an dem ort. 

Das gar nichtsen darhintor was. 
10 Da sagt er zu den thierlein das: 

ihr thörichten thierlein klein. 

Wie künd ir so einfeltig sein, 

Das ir dem frosch doch also-bald 

Für ein bewerten artzet halt, 
15 Weil er wol quattern kan darvon, 

Der im doch selb nit helffen khon, 

Weil er am hals die gelsucht hat, 

Zu der er kan kein hilff und rat! 

Des ist sein kunst an diesem ort 
20 Nichts, denn grosse gschwtilstige wort; 

Im grund aber ist gar nichts dran. 

Wenn er im selbert htilff kund than, 

Als-denn künd ir glauben zum thail. 

Das er euch auch möcht macheu hail. 
25 Derhalb glaubt seinem rümen nicht, 

Darmit er sich so hoch herbricht! 

Da sagt der kleynen thierlein schar, 

Der listig fuchs der hat ye war, 

Und trieben auß dem frosch den spot. 
30 Der hupfft in pach und war schamrot. 

Beschluß. 

Bey dem frosch zaigt Esppus an 
Ein man, der viel geschwetzes kan. 
Und rümet sich eynr kunst fast hoch, 
35 Der er nie hat gelernet doch. 
Das glaubt denn der einfeltig hauff. 
Den spreitzet er das maul weit auff 

♦ 

13 BO den. 16 kan. 18 G httlff nooh r. 22 selber. 31 C DerB. 
34 C rhttmbt sieh einer. 



88 

Und glaubet seiner helen wort. 
Wenn aber in hört an eym ort 
Ein fuchslistig, gescheyder man. 
Der selb sein thorheyt kenneu kan, 
fK 1, 982] Sein nnwissenheyt im auffdecket, 

Durch den wirdt der rümer erschrecket, 
Das seiner künsteu bort und schetz 
Gar nichts ist, deun ein loß gschwetz, 
Darmit er hat die beut betrogen 

10 Und bey der nasen umbher-zogen. 
Denn muß mit spot der rümer fliehen 
Und vor dem garn wider abziehen 
Und wird zu schand vor yedermau, 
Weil er sich rümbt, das er nit kan. 

15 Derhalb so rUm sein mund nyemand, 
Denn was er selb mit aygner band 
Mit warer that verbringen kan, 
Frey öffendlicli vor yederman, 
Auff das im wares lob erwachs 

20 Mit freyer kunst! das lobt Hans Sachs. 

Anno salutis 1558, am 10 tag Januarii. 
12 C ahsiehen. 



89 



Fabel mit dem esel und der löwen-hawt. 

Avianus schreibt, der poet, 

Wie ein müUer ein esel het, 

Der gieng zu waidnen and zu grasen 
5 In dem walde auff eynem wasen. 

Alda fand er ein löwen-hawt. 

Da ward sein hertz in freuden laut. 

Bald in die löwen-haut er schloff 

Und mit freuden gehn holtz ein-loff. 
10 Gedacht: Nun bin ich wol vertragen, 

Der seck und auch der mül entschlagen. 

Inn hoffart ward im holtz umb-pirschen. 

In flohen hasen, bind und hirschen, 

Mainten, wie er ein löwe wer, 
16 Wann er verwarff sich hin und her, 

Vertrehet sich zu bayden seyten. 

Inn dem ersah in auch von weyten 

Der müller und gab bald die flucht. 

Sein leben zu erretten sucht. 
20 Als der esel sach in den dingen 

Den muller vor im anhin springen, 

Vor freuden hub er an zu schreyen 

Mit seyner eßlischen schalmeyen. 

Der müller kend des esels stimb 
S6 Und wendet sich bald gegen ihm, 

Er-wischt den esel bey den obren 

Und sprach zu im mit grossem zoren: 

Warumb hast mich also geplagt 

Und als ein wilder low gejagt 

2 C Dei* Poet Anianus schreibet. 4 C weiden. 15 C Wenn. 



90 

Und bist ein lauter esel doch? 
Die löwen-haat er im abzog, 
Thet im nach dem sein haut erplewen, 
Das in sein hochmut wol mocht rewen, 
5 Und thet in haym gehn müle jagen, 
Das er im wider seck must tragen. 

Der beschluß. 

Bey dem esel soll man verstau 
Ein hochmütigen stoltzen man, 

10 Der sich helt prenckisch, hoch und prechtig,, 
Als sey er gwaltig, reich und mechtig 
Und sich rhumrhetig halten thut 
Allein mit ander leuten gut 
Und will viel höher sein genand, 

15 Denn im geptirt in seynem stand. 
Und will, das yederman sich schmieg 
Und im unter den füssen lieg, 
Will auch nyemand sein untherthan 
Noch im begeren bey-zustan, 

«0 Ob er zu-letz gleich-wol erkandt, 
Das sein hochmut hat kein bestand. 
[K 1, 983] Noch geht er hin in seym hochmut, 
Ye lenger mehr verderben thut. 
Noch thut er stets gewden und- rümen, 

25 Sein armut darmit zu verblümen. 
Denn kumbt der müUer an dem endt, 
Der an der stimb den esel kendt. 
Den er lang hat verjaget her. 
Das sind die seinen schuldiger, 

30 Die im haben ir gut vertrawt, 
Ziehen im ab sein löwen-hawt, 
Nemen im alles, was er hat. 
Als-denn er bloß und nackat stat, 
Gleich- wie der esel, aller sach. 

85 Denn muß er dulden spott und schmach, 
Wirt denn mit eilend hart geschlagen. 
Das er muß seck gehn mülen tragen 
Und schnöder arbeit sich ernern, 

« 

36 C damit. 26 kompt 33 naokend. 



91 

Sein tag inn armut groß verzeern. 
Hie-bey ein weyser sey verraandt, 
Das er sich halt nach seinem stand, 
Er sey gleich arme oder reich, 

5 Das er sich halt zu seym geleych, 
Weil Gott der hoffart wider-steht, 
Die her vor dem verderben geht. 
Als Salomon von Gott thnt sprechen, 
Er thu der hofferting hauß brechen. 

to Wer zu hoch fleugt wie Icarus, 
Der selb deß tiefer fallen muß, 
Wann schnöde hoffart thet nye gut, 
Vorauß wo die gschicht in armut. 
Man spricht: Der armen hoffart, gwalt 

15 Und kelber-dreck verriechen bald. 
[ABC 1, 488] Das man gar leichtlich glauben mag, 
Weil man das noch sieht über tag, 
Was Unrats auß der hoffart wachs. 
Darvor warnet trewlich Hans Sachs. 

20 Anno salutis 1531, am 3 tag Novembris. 

* 
4 G geleioh arm oder. 



92 



Fabel. 



Wer hat gehört vor diesen tagen, 
Das die esel den müller schlagen, 
Das er die seck muß selber tragen? 

5 Wer hie fürgeh, der schaw mich an, 
Ob ich nit sey ein armer man! 
Sechs esel hab ich aafferzogen 
Inn meiner mül, die mich betrogen, 
Wann ich gab in futter und hew, 

10 Fürt sie gehn trenck und macht in strew 
Und warrt ir auß mit allem fleiß. 
Doch zäumet ich sie viel zu leiß 
Und ließ ihn den zäum im anfang 
Durch mein Unverstand viel zu lang, 

16 Darvon sie worden sind zum thail 
Mutwillig, gögel, frech und gayl. 
So ichs yetz reytten will mit sporen, 
Lecken sie auff binden und vorren. 
So sie mir yetz nutz sollen sein, 

20 Faren sie zu und spotten mein, 
Tummeln sich auff dem kugel-platz 
Und pieten mir auch drutz und dratz, 
Das ich in yetz muß selber schweygen. 
Sie machen mir eins auff der geygen 

25 Und honen mich auff der sackpfeiffen 
Und mich auch noch herter angreiffen. 
Das ich die seck muß selber tragen. 
Darzu sie. mich mit gaysein schlagen 
Und treyben mich, das ich muß than 

10 gen. 19. 23 jetst. 



93 

Als, was mein esel wollen han, 
Das ich mich ir gleich Schemen muß. 
Secht! ist das nit ein schwere baß, 
Das ich in meinen alten tagen 
5 Die seck selber gehn mül muß tragen? 

[K 1, 984] Beschluß : 

Ir eitern, nembt exempel bey mir! 
Ziecht ewre kind dest baser ir 
Und lasset in in dem anfang 

10 Den zäum auch nit, wie ich, zu lang 
Und secht in nit zu durch die prillen, 
Sonder brecht in irn aygen willen! 
Biegt sie, weil sie zu biegen sind! 
Wann die ruthen treibt einem kind 

15 Die arg thorheit auß seinem hertzen 
Sambt allem mutwilligem schertzen. 
Wer sein kind lieb hat, der weiß spricht, 
Der sparet im der rhuten nicht. 
Wer sein kind nit zeucht inn der jugent 

20 Auff Gottes forcht, sitten unnd tugend, 
Warrt sein allein mit tranck und speiß 
Und klaydet es mit allem fleiß, 
Lest im all sein thun wolgefallen, 
Lacht darza, gibt im recht in allen, 

25 Das kind wechst auff gleich eym zaunstecken. 
Drob endlich die eitern erschrecken, 
Wenn ir kinder kummen zu jarn, 
Ganz unzogen und unerfarn. 
Und nichts mehr umb die eitern geben, 

30 Füren ein wüst und schendlich leben. 
Denn hebt sich an der eitern klagen 
Und müssen die seck selber tragen, 
Sorg und angst haben für ir kinder, 
Sich ir auch Schemen nicht dest minder. 

36 So sie mayn, kinder habn geborn, 
So sind grob esel darauß worn. 
Dergleichen, herrn, maister und frawen, 
Thüt auch auff ewer ehaltn schawen! 

* 

6 C Der B. 8 C besser. 35 C meinn. 



94 

Erstlich ir sie gewenen solt, 

Wie ir sie endtlich haben wolt. 

Wer erstlich zertlich helt sein knecht, 

Der zeucht im selb ein junckhem schlecht, 
5 Der im nit lang bleibt untherthenig, 

Sonder unghorsam, wiederspenig, 

Der darnach thut, was er selb will, 

Das man seiner dienst geneust nit viel. 

Dergleichen auch nach dem beschayd 
10 So halt ein fraw auch ir haußmayd. 

Wo maus nit erstlich helt im zäum 

Und lest ir gar zu weyten räum, 

So werden sie stoltz und ftirwitz. 

Zu klappern jhenes und auch ditz, 
15 Sich denn faul und farlessig stelln, 

Schawen nach dentz und jungen gselln. 

Derhalb soll man zu erster fart 

Ihn abgwenen ir böß unart, 

Sie fein behalten bey dem hauü, 
80 Nit umbschwayfend zu rollen auß, 

Das sie ob unzucht haben schew, 

Bleiben gehorsam, frumb und trew. 

Welch herrschafft ir ehalten bloß 

An zucht lest gehn, wie die saumroß, 
25 Solch herrschafft hat denn nit zu klagen, 

Wenn sie die seck muß selber tragen. 

Groß unkost, schaden auff sie wachs 

Durch ir ehalten, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 25 tag Junii. 

4 C Zeueht jm selb einen. 8 C seinr. 24 C On. 29 Der monatstag 
fehlt C. 



95 



Fabel. Ein yeder sehe für sich unnd yerberge 

sich hindter kheinen schmaichler ! 

Esopus uns ein fabel saget, 

Wie auff ein zeit ein jeger jaget 
5 Ein wolf, der sprang mit grossem schnaadn 

Hin über stock and über staudn 
[K 1, 985] Hin-nein gehn holtz, da west er wol 

Inn einem felß ein tiefes hol. 

Als er nun sein weg darzu traff, 
10 Da hütet ein hirt seiner schaf. 

Den bat der wolff, das er in solt 

Verraten nicht, darumb so wolt 

Er in auch ungeschedigt lan. 

Der hirrt sprach: Dem will ich wol than. 
15 Kompt her auff dein gespor der jeger, 

So schmück dich nur in dein geleger! 

So will ich in fein weisen ab. 

Der wolff verhieß ein reiche gab, 

Wenn er im hülff auß der gefehr. 
20 Inn dem da kam der jeger her , 

Mit seym waydwerck und thet auch jehen : 

Hirrt, hast du keynen wolff gesehen? 

Er sprach: Hie hat er sich gewend, 

Lieff hinein auff die lincken hend. 
25 Doch winckt er mit den äugen sein 

Dem jeger auff die hol hinein, 

Darinn der wolff noch lag verborgen 

In angsten, forcht und grossen sorgen. 

Der jeger merckt des winckens nicht 

6 gro8a«ii. 28 C ängsten. 



96 

[ABC 1, 489] Und auff die lincken band sich rieht, 

Dem armen wolff zu hengen nach. 

Der birt darnach zum wolffe sprach: 
Mein wolff, hab ich im recht gethon, 
6 Umb dich verdienet danck und lohn? 
Der wolff sprach zu im widerumb: 
Danck sag ich deiner zungen frumb, 
Die mein gantz trewlicb kund verlaugen. 
Doch wünsch ich deinen falschen äugen, 
10 Das sie bayde erblinden müssen, 
Darmit ir falsches wincken büssen. 
Zu opffern mich auff die flaischpenck. 
Der ding bleib ich dir ingedenck. 

Ein weiser man der lern hiebey, 
16 Das er sich hüt vor schmaichlerey ! 

Sonder er redt mit seynem mund ^ 

Getrewlich seynes hertzen grund 

Und sey auffrichtig und warhafft, 

Weil Salomon die schmaychler strafft. 
20 Der spricht, eym losen man wol taugen 

Verkerter mund unnd winckend äugen, 

Dardurch er richtet hader an. 

Muß doch zu-letzt an im auß-gan. 

Wird man gewar seiner schmaichlerey, 
25 So hat zu feind er zwo parthey, 

Laß auch kein schmaichler sich auffsetzen, 
^ Die hinder-rück so dückisch letzen, 

Und seh mit allem fieiß für sich. 

Dann wäre trew die ist mißlich, 
80 Vertraw nicht weitter, dann er sech. 

Das im nit wie dem wolff geschech, 

Der maint, er seß gar wol vertrawt, 

Und ward verraten auff die haut. 

Wann Traw-wol reyt das pferd dahin, 
sft Dann es ist yetz der weite sin: 

Gut vor äugen, falsch hinder rück. 

Das sind yetz gute mayster-stück. 

Die wort send süß, senfft, lind und saffiiig, 

8.0 gnndt 34 VgL 8. 52. C ritt. 35. 37 C jetit. 88 seind. 



97 

ledoch das hertz untrew, schalckhafftig ; 

Dann Judas kuß ist worden new, 

Viel guter red on alle trew. 

Lach mich an und gieb mich hin! 
5 Das ist fast aller schmaichler sin, 

Wie denn der weiß leert seinen son, 

Sich wol darfttr zu hüten thon. 

Lieblicher sey des freundes wund, 

Dann der kuß eynes feindes mund, 
10 Dann wer darhindter pich verbirget. 

Der wirt gar untrewlich erwürget 

An ehren, gut öder am leib. 

Symonides, der weiß, beschreib, 

Das böser reden wer, denn schweygen. 
15 Darmit er haimlich wolt anzeygen, 
[El, 986] Das ein mann durch red würd gefangen 

Und von dem schmaichler hindtergangen, 

Dardurch er kem in angst und not. 

Schweygen nyemand verfüret hat 
20 Oder inn tödlich strick gezogen. 

Wer nicht vertrawt, wird nicht betrogen, 

Das im nachrew darauß entwachs. 

So spricht zu Nürnberg Hans Sachs. 

Anno salutis 1554, am 28 tag Decembris. 

« 
t lehret sein söhn. 9. 10 Denn. 14 C dann. 22 naohredt. 






Hans Sachs. V. 



98 



Fabel von dem neidigen und dem geitzigen. 

Avianus beschreibt ein fabel, 

Dem menschen zu eyner parabel, 

Wie ein mal der gott Jupiter 
5 Schicket zu uns auf erden her 

Den gott Phebum, auff das er recht 

Erforscht bey menschlichem geschlecht 

Ir frtimbkeyt und ir wäre gut, 

Wie darinn stund das ir gemflt. 
10 Als nun Phebus auff erden kam, 

Zwen menner er bald für sich namb. 

Der ein so gar fast geitzig was, 

Der ander Stack vol neid und haß. 

Phebus der sprach: Weß ir begert, 
15 Deß solt ir sein von mir gewerdt. 

Und was der erst begert für gaben, 

Das soll der ander zwifach haben. 

Der geitzig gar nit wünschen wolt, 

Da es ihm halbes werden solt. 
80 Den wünsch wolt er seym gsellen lassen. 

Der zeyget seinen geitz der-massen. 

Als nun der neydig mercken thet, 
• Warumb er nicht gewünschet het, 

Darinn gesucht sein aygen nutz, 
25 Da günnet er im gar kein guts. 

Auff das er sich an im mocht rechen, 

Wünscht er ein aug im auß-zustechen, 

Auff das der geytzig gar würd blind. 

Als Phebus hört die bösen k;nd, 

2 ü Anianus. 



^9 

Das yegklicher nur sacht das sein 
Und freß es geren gar allein 
Und sucht sein vorthail unverschambt 
Inn allen dingen ungenambt, 

5 Für er auff zu der götter thron, 
Dem Jupiter das saget on, 
Wie menschlich natur wer so arck, 
So ubergeitzig und so karck, 
Mit recht und unrecht, wie er möcht, 

10 Das es gar nit zu sagen döcht, 
Darzu wer nyemand mehr mitleydig, 
Darzu so wer der mensch so neydig, 
So mißtrew und so gar verrucht, 
Das er in allen dingen sucht, 

15 Sein neben-menschen gar zu hindern, 
Sein ehr und gut im zu vermindern, 
Und wie der mensch so hefftig nied. 
Das er selbs willig schaden lied, 
Auff das 'der nechst auch het zu baden 

20 Und khem noch in ein grössern schaden. 
Ein aug gantz willigklich verlur, 
Das sein nechster gar blendet wur, 
Dardurch all tugend nndtergieng 
Auff erdt und als uuglück anfing. 

85 Als Jupiter all ding vernam, 

Auff erdt er seyd-her nimmer kam. 

Bey dem versteh ein weiser man, 
Das er sich sol genügen lan, 
[K 1, 987] Was im Got hie beschert auff erdt, 
80 Auff das im nicht zu wenig werdt, 
So er will haben gar zu viel. 
Ihm ist gesetzet maß und ziel, 
Was ihni soll werden und nit mehr. 
Ob er schon allen fleiß fürker, 
35 All renck, list, vortheil und anschlag, 
Mit recht und unrecht, wie er mag, 
^ So geht es im doch gar zu- rück, 
Das er durch grosses ungelück 

« 

1 C jedtlicher. 6 C an. 17 C niet. 



100 

Offt leydet einen onderstartz. 
Geitz alles ubels ist ein wnrtz. 
[ABC 1,490] Dergleich das er sol nvemand neyden. 
Dann neyd bringet dem neider leyden 
5 Und ist ein ajter dem gepein. 
Spricht Salomon in Sprüchen sein, 
fün stetigs weh on alle rhu. 
Der neid den menschen blendt darzo, 
Yol haß and aller bösen dfick, 
10 Macht in firölich in nngelück 

Deß nechsten; obs in auch gleich trifft 
Deß acht er nicht, so ToUer gifft 
Stecket sein hertz, sinn nnde mat, 
Und kompt im doch daranß kein gat. 
15 Derfaalb ein mensch nicht besser kan. 
Er günn eym, was im Gott ist gan. 



101 



Fabel. Ein yeder trag sein joch diese zeyt nnd 

nberwind sein abel mit geduldt! 

Esopus uns im andern buch 

Ein fabel schreibt (die achten such!), 
6 Wie auff ein zeit gar sehr viel hasen 

Inn einer schönen gegend wasen. 

Die wurden in irem geleger 

Durchechtet sehr von einem jeger 

Mit lauschen, schrecken und waidwerck 
10 Im wald hin und her uber-zwergk. 

Der-gleich wölf, füchs, geyer und falcken 

Gunden sie auch würgen und walcken. 

Also der gantzen hasen menig 

Hetten kein fried, viel oder wenig. 
15 Als sie ir groß Verfolgung sahen, 

Inn kleinmütigkeyt sie da jähen: 

Nützer wer uns, gar ungeboren. 

Dann unns werden also verloren. 

So unverdient on alle schuld. 
20 Verzweyfleten inn Ungeduld, 

Bereytten sich mit weng bedencken, 

Sie weiten sich alsamb ertrencken, 

Das sie kömen als Unglücks ab. 

Laufen damit den berg hin-nab 
26 Zu eynem see, groß, weyt und tieff. 

Als nun mit grossem hauffen lieff 

Der hasen meng und nahend kam 

Zu dieses grossen weyers tham, 

Darumb sassen der frösch on zal 

18 C Denn. 



102 

Im graß verborgen uberal, 
Erscbracken ob der basen laufen, 
Sprangen in see mit grossem hauffen, 
Verbargen sich im wasser baß. 
5 Als dieses sacb ein alter haß, 
Da sprach er zu der hasen schar: 
Hie stehet still und nemet war, 
Wie sie die &ösch auch müssen schmiegen, 
In forchten auch verborgen liegen! 

10 Werden viel-leicht durchechtet sehr, 
Als wol als wir, viel-leicht noch mehr. 
Darumb so wer mein trewer rat, 
Wir leyden unser ubelthat 
[K 1, 988] Und unser widerwertigkeyt 

15 Gedultigklich inn dieser zeyt 
Und warten noch, biß widerumb 
Gelück und hayl mit freuden kumb 
Und unser trübsal mach ein endt, 
Dieweil und wir allein nit send, 

20 Die umb Unschuld werden durchecht. 
All hasen gaben im das recht, 
Trugen ir widerwertigkeit 
In hoffnung künfftig guter zeyt. 

Ein man auß dieser fabel lehr, 
25 Wo in reytt alles unglück sehr, 
Es sey an ehren oder gut, 
Mit kranckheit oder mit armut, 
"Das er darinn nicht werd kleinmütig, 
Nicht ungedultig, doli noch wütig, 
30 Weil Ungeduld mehr ubels bringt. 
Den menschen zu verzweyflung dringt, 
Sonder sein unglück mannlich trag. 
Weil er es selb nit wenden mag, 
Gedenck er in dem hertzen sein, 
35 Er sey nicht unglückhafft allein. 
Und seh, wie auff der gantzen erd 
Ein yedes mensch hab sein beschwerd. 
Sein angst, wee, armut und trübsal, 

5 sab. 18 C macht 



103 



Sein schand, anfechtung und unfal. 
Geh es heut eynem glücklich wol, 
Morgen seyn hauß sey unglttck vol. 
Auff dergleich gegenwurff er merck 

5 Und in gedult sich mannlich sterck, 
Wie man im huch der Sprüchen list: 
Ein geduldtig man stercker ist, 
Dann den stcrckesten, den man find; 
Dann geduld all ding uherwind. 

10 Dergleich auch leert Cleobolus, 
£in sehr weiser philosophus: 
Wo eynen man groß unglück reyt, 
So betracht er auch glückes zeyt, 
Was gutes er hab ein-genommen, 

16 Und hoff, glück müg noch widerkommen 
Und helffen im zu rechter zeyt 
Auß aller widerwertigkey t ! 



3 C sein Hauß. 



104 



Sehwanek. Der ainfeltig mtliller mit den spitz- 

baben. 

Vor kurtzer zeyt ein müUer saß 

Inn Sachsen, der einfeltig was. 
5 Auf einer aynöd lag sein mül 

An eynem pechlein frisch und kül. 

Der wondt in seiner mül allein 

Selbander mit dem weibe sein 

Und malet embsig tag und nacht. 
10 Ein zimlich parschafiFt zamen bracht, 

Wann er das trieben het viel jar. 

Des namen etlich spitzbuben war, 

Der denn in Sachsen sein gar viel, 

Die sich allein mit falschem spiel 
15 Und ander triegerey emeren, 

Die einfeltigen mores leren. 

Nun diese betten außgespecht. 

Das gar het weder magd noch knecht 

Dieser alt müUer obgemelt 
20 Und wer doch reich an parem gelt. 

Der schlugen sich dreyzehen zamen. 

Ein seltzame schalckheit fürnamen. 

Ir vier schicktens bey nacht hinauß 

Zu der mül, da war hinterm hauß 
86 Ein öder keller und darvor 

War auch weder thtir oder thor. 

Inn den so legten diese vier 

Ein tunnen gutes torgisch pier. 
[K 1, 989] Nach dem schlichens hinter die mttl. 

10. 23 jMammen. 



105 

Da stund ein kleine wasser-hül. 
Darein warffen sie also frisch 
[ABC 1, 491] Ein karpffen vier und ander fisch. 
Nach dem so schlichen sie darvon. 

5 Frü rttsten sie sich auff die pon. 
Die zwölff parhaht und parfuß giengen, 
Inn menteln und inn allen dingen 
Mit gantz demütigen gepern, 
Als obs die zwölff apostel wem. 

10 Der dreyzehend, ein lang person, 
Ein schönen praonen rock hat on, 
Samb ob er unser herrgott wer. 
Inn solcher gaistlicher geper 
Tratten sie zu der mül hin-nein, 

15 Darinn der müUer war allein. 
Der herr grüst sie laut uberauß 
Und sprach : Der Med sey diesem hanß l 
Mein.müller, zu dir ker ich ein 
Und die lieben zwölff junger mein, 

20 Mit dir zu essen und habn rhu. 
Darumb rieht uns zu essen zu ! 
Ich will dirs zalen gar reichlich, 
Durch mein sogen reich machen dich. 
Der müller sich der red entsetzt, 

25 Fing doch ein hertz und sprach zu-letzt: 
Mein herr, ich hab nichts guts zu essen. 
Er sprach: Das hab ich wol ermessen. 
Geh, Petre, bald hinter die mül 
Zu seiner tieffen wasser-hül 

30 Und greiff darein in meynem namen 
Mit diesem grossen fischhamen 
Und ein gut essen fisch uns fach T 
Der müller zu dem herrgott sprach: 
herre, auff die trewe mein 

35 Es kam fürwar kein visch nie drein. 
Es sind nur lauter frösch darinn. 
Der herr sprach: Petre, geh du hin! 
Und du, müller, geh auch mit! 
Du glaubst doch sunst mein werten nit. 

6 parhaubt. 11 G an. 28 G der Mttl. 38 G gehe. 



106 

So giengens zu der hül baidsamen. 
Petrus schlag drein seinen fisch-hamen, 
Fieng bald ein karpffen oder drey 
Und dergleich ander tisch darbey. 

5 Den müller hoch verwundert das 
Und west nit, wie den dingen was. 
Namb die fisch und trug sie hinein, 
Hieß berayten die frawen sein. 
Die thets bald ab und sud die fisch. 

10 Der müller setzet sie zu tisch 
Und leget in auff weisses brot 
Und was sunst zu dem tisch was not. 
Der herrgott sprach: müller mein, 
Bring uns hier auß dem keller dein! 

16 Der müller sprach: lieber herr, 
Wein und auch hier das ist mir ferr. 
In viertzig jarn, weil ich hie saß, 
Kein tranck im öden keller was. 
Allein bhalt ich in diese gruben 

20 Durch den winter lang kraut und ruhen. 
Der herrgott sprach: Du glaubest nicht. 
Denn was dein hend greifft und aug sieht. 
Geh hin in keller in meym namen! 
Sich das hier an uns allensamen 

25 Und bring uns deß her viel und gnug! 
Der müller namb bald einen krug, 
Gieng in den öden keller schir. 
Darinn fand er ein tunnen hier, 
Entsetzt sich deß; erst glaubet er, 

30 Das dieser unser hergot wer. 

Stach an das hier und trug es auff. 
Da aß und tranck der jünger hauff. 
Müller und müllerin freut sich fast, 
Das unser herrgot was ir gast 

36 Mit den zwölff lieben Jüngern sein. 
Sie trugen auff und schenckten ein, 
[K 1, 990] Waren gleich in wunder verstürtzt. 

Nun (das ich es mach auff das kürtzt), 
Als sie nun das mal gessen hatten, 

8 Hieß sie. 



107 

Das gracias sie betten thetten. 
Das tischtuch man auffhub darnach. 
Der herrgott zu dem müller sprach: 
Nun trag du deinen schätz herein! 

6 So will ich dir den segen mein 
Darüber sprechen durch mein ehr, 
Auff das er sich dryfeltig mehr, 
Das du darbey gedenckest mein! • 
Der müller loff und bracht herein 

10 Zu dem herrgott auff seynem nack 
Dreyhunder gülden inn eym sack, 
Die schüttet er auß auff den tisch. 
Er war gar frewdenreich und frisch. 
Die müUerin der hergott. anredt, 

15 Ob sie nit auch ein schetzlin het. 
Das sie das selb auch brecht herein. 
Er wolt ir das auch segnen fein. 
Das sein auch wür noch drey mal meer. 
Die müllerin mit frewden sehr 

20 Sprach : Warrt, mein herr ! und trolt hinauß 
Hinter die mül und grub da auß 
Ein hafen vol guter plapart, 
Die sie erkratzet und erspart 
Hinter dem alten müller het. 

25 Den sie auch hinein tragen thet 
Und auff den tisch in schütten war, 
Bey achtzig guldin also par. 
Nach dem da stund der herrgott auff 
Vom tisch und auch der junger hauff 

30 Und rüsten sich auff die hinfart, 
Und der hergott sich stellen ward 
Zum tisch, samb wolt er sprechn den segn 
Über das gelt; doch gar verwegn 
Sanct Peter hielt auff den mantel sein. 

35 Der herrgott straifft ims geld darein 
Und loff mit zu der mül hinauß. 
Nach dem loffen auch alle auß, 
Die jungern sambt irem hergott. 
Der müller ertadert halb todt, 

7 C dreyfeltig. 11 Dreihundert gfUdin. 



108 

Stand als ein pfeiffer an der stet, 
Der eynen dantz verderbet het, 
Schray nach und auch die mttUerin: 
Wo wölt ir mit unserm gelt hin? 

5 Der herrgott schray zu in: Ir frummen, 
Harrt unser, biß wir wider kummen! 
Denn wirt das gelts drey mal so viel. 
Also stunden sie bayde still, 
Westen nit, was sie selten thon. 

10 Die schelck loffen mit dem gelt darvon. 
Der müller und die müllerin 
Waren schier beraubt ihrer sinn, 
Hetten zu dem schaden den spot. 
Mainten, sie het beraten Got; 

15 Da het der teuffei sie beschissen. 

Bey der geschieht so soll man wissen, 
Das nyemand zu bald soll gelauben 
Mit fabelwerck sich laß betauben, 
Von frembden ' leuthen unerkand, 

20 Dann so weit greiffen mag sein band 

Und so weyt sein aug sehen thu. 

Sunst schleuß nur hauß und pewtel zu! 

. Das alt Sprichwort sagt wol den sin, 

Der Traw-wol reyt das roß dahin, 

25 Auch ist das Sprichwort unerlogen: 
Wer nit trawt, der wirt nit betrogen. 
Das im nit spot zum schaden wachs, 
Schaw umb und auff ! das rätt Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 2 tag Julii. 
6 G sohrey. 7 des Gelts. 10 loffh. 22 C Sonst. 



109 



[ABC 1,492. K 1,991] Schwaiick. Saiict Peter mit der 

gaiß. 

Weil noch auff erden gieng Christus 

Unnd auch mit im wandert Petrus, 
5 Eins tags auß eym dorff mit im gieng, 

Bey einer wegschaid Petrus anfieng: 

herre Got und maister mein. 

Mich wundert sehr der gttte dein, 

Weil du doch Gott aDmechtig bist, 
10 Lest es doch gehn zu aller frist 

In aller weit, gleich wie es geht. 

Wie Habacuck sagt, der prophet: 

Frevel und gewalt geht für recht; 

Der gotloß uberforthailt schlecht 
15 Mit schalckeit den ghrechten undfrummen. 

Auch könn kein recht zu end mehr kummen. 

Die lehr gehn durch-einander sehr. 

Eben gleich wie die fisch im meer, 

Da immer eyner den andern verschlind, 
20 Der böß den guten uberwind. 

Deß steht es übel an allen enden, 

Inn obem und in ni^dern stenden. 

Des siehst du zu und sphweygest still, 

Samb kümmer dich die sach nit viel 
25 Und geh dich eben glat nichts an. 

Könst doch als übel undterstan, 

Nembst recht int hand die herrschafft dein. 

solt ich ein jar herr-gott sein 

Und solt den gwalt haben, wie du, 
so Ich wolt änderst schawen darzu, 

3 Da Dooh. 



110 

Fürn viel ein besser regimfent 

Auff erdterich durch alle stend. 

Ich wolt stewern mit meiner band 

Wucher, betrug, krieg, raub und brand. 
5 Ich wolt anrichten ein rühigs leben. 

Der Herr sprach: Petre, sag mir eben! 

Mainst, du woltst ye baser regieren, 

All ding auff erd baß ordinieren, 

Die frummen schützeh, die bösen plagen? 
10 Sanct Peter thet hinwider sagen: 

Ja, es mtist in der weit baß stehn, 

Nit also durch-einander.gehn. 

Ich wolt viel besser Ordnung halten. 

Der Herr sprach: Nun so must verwalten, 
15 Petre, die hohe herrschafft mein. 

Heut den tag solt du herrgott sein. 

Schaff und gepeut als, was du wilt! 

Sey hart, streng, gütig oder milt! 

Gieb auß den fluch oder den segen! 
20 Gieb schön wetter, wind oder regen 1 

Du magst straffen oder belonen, 

Plagen, schützen oder verschonen. 

Inn summa, mein gantz regiment 

Sey heut den tag in deiner hend! 
25 Darmit reichet der Herr sein stab 

Petro, den inn sein hende gab. 

Petrus war deß gar wolgemut, 

Daucht sich der herrligkeyt sehr gut. 

Inn dem kam her ein armes weib, 
80 Gantz dürr, mager und blaich von leib, 

Parfuß inn eym zerrissen klaid. 

Die trieb ir gaiß hin auff die waid. 

Da sie mit auff die wegschaid kam. 

Sprach sie: Geh hin in Gottes nam! 
35 Got bhüt und bschütz dich immerdar. 

Das dir kein übel widerfar 

Von wolffen oder ungewitter, 

Wann ich kan warlich ye nicht mit dir! 

Ich muß gehn arbeyten das taglon. 

« 

5 C rüwig. 7 C besser. 9 G sohtttsn. 30 C gehn] fehlt BC. 



111 

Heint ich sunst nichts zu essen hon 
Da-haym mit meinen kleynen kinden. 
[K 1, 992 J Nun geh hin, wo du weyd thust finden ! 
Gott der bhtit dich mit seiner hendl 

5 Mit dem die fraw widerumb wend 
Ins dorff; so gieng die gaiß ir straß. 
Der Herr zu Petro sagen was: 
Petro, hast das gebett der armen 
Gehört? du must dich ir erbarmen. 

10 Weil du den tag bist berr-gott du, 
So stehet dir auch billig zu, 
Das du die gaiß nembst in dein hut, 
Wie sie von hertzen bitten thut, 
Und behtit sie den gantzen tag, 

15 Das sie sich nit verirr im hag, 
Nit fall noch mtig gestolen wem, 
Noch sie zerreissen wolff noch bern, 
Das auff den abend widerumb 
Die gaiß unbeschedigt haym kumb 

20 Der armen frawen in ir hauß! 

Geh hin und rieht die sach wol anß! 
Petrus namb nach des herren wort 
Die gaiß in sein hut an dem ort 
Und trieb sie an die waid hindan. 

26 Sich fing sanct Peters unrhu an. 
Die gaiß war mutig, jung und frech, 
Und bliebe gar nit in der nech, . 
Loff auff der wayde hin und wider. 
Stieg ein berg auff, den andern nieder 

30 Und schloff hin und her durch die standen. 
Petrus mit echtzen, blaßn und schnauden 
Must immer naeh-droUen der gaiß 
Und schin die sunn gar uber-haiß. 
Der schwaiß über sein leib abran. 

35 Mit unruh verzert der alte man 
Den tag biß auff den abend spat. 
Machtloß, hellig, gantz müd und mat 
Die gaiß widerumb haymhin bracht. 
Der Herr sach Petrum an und lacht. 

♦ 

8 C Petre. 10 ? nu den. , 



112 



Sprach: Petre, wilt mein regiment 
Noch lenger bhaltn in deiner hend? 
' Petrus sprach: Lieber herre, nein. 
Nemb wieder hin den Stabe dein 
5 Und dein gwalt! ich beger mit nichten 
Fort-hin dein ampt mehr auß-zurichten. 
Ich merck, das mein weißheit kaum döcht, 
Das ich ein gaiß regieren möcht 
Mit grosser angst, müh und arbeyt. 

10 Herr, vergieb mir mein thorheit! 
Ich will fort der regierung dein, 
Weil ich leb, nit mehr reden ein. 
Der Herr sprach: Petre, das selb thu! 
So lebst du fort mit stiller rhu. 

15 Und vertraw mir in meine hend 
Das allmechtige regiment! 

Der beschluß: 

Diese fabel ist von den alten 
Uns zu vermanung fürgehalten, 

20 Das der mensch hie in dieser zeyt 
Gottes unerforschlich weißheit 
Und seym allmechtigen gewalt, 
Wie er himel und erd erhalt 
Und die verborgenlich regier, 

25 Nach seinem willen ordinier, 
Alle geschöpff und creatur 
Als der aUmechtig schöpffer pur. 
Das er dem sag lob, preiß und ehr 
Und forsch darnach nit weiter mehr 

80 Auß fürwitz, mutwillig und frech, 
Warumb diß oder jhens geschech, 
Warumb Xxott solch übel verbeug, 
Sein straff verziech sich in die leng 
Und die boßheit so ob laß schweben. 

36 All solch gedancken kummen eben 
Geflossen her aus flaisch und blut. 
Das auß thorheyt urtheylen thut, 
Und lest sich duncken in den Sachen, 

S Herre mein. 



113 

[K 1, 993] Es woll ein ding viel besser machen, 
Denn Gott selber in seynem thron, . 
Und wens im etwan not solt than, 
Solt er mit müh, not und angst-schwaiß 
[ABCl, 493] Auch hie regieren kaum ein gaiß. 

mensch, erkhenn dein unvermügen. 
Das dein weißheit und krefft nit tügen. 
Nachzuforschen götlichem wiUen! 
Laß den glauben dein hertze stillen, 

10 Das Gott on ursach nichtsen thu, 
Sunder auffs best, unnd sey zu rhu! 
Dergleich urthail in dieser zeyt 
Auch nit die weltlich obrigkeyt, 
Samb solts das thun und jhenes lassen, 

15 Dieweil sie ist von Gott dermassen 
Zu regieren hie ausserwelt 
Und seym volck zu gut fürgestelt, 
Das sie Gottes befelch außricht! 
Und ob sie gleich das selb thut nicht, 

20 Sunder eben das wieder-spiel, 
So ist es doch auch Gottes will 
Zu straff der grossen Sünde dein. 
Sie wirt tragen das urthail sein. 
Derhalb maus auch nit urtheiln sol. 

25 Bitten und beten mag man wol, 
Das uns Gott wöl die sünd verzeyen 
Und sein gunst und genad verleyen 
Der Obrigkeit im regiment. 
Weil ir hertz steht inn seiner hend, 

so Auff das rhu und fried aufferwachs 

In christlicher gmain, wünscht Hans Sachs. 

Anno salntis 1557, am 8 tag Octobris. 
13. 28 G Oberkeit. 20 Sonder. 21 G auß G. 



Hans Saohf . V. 8 



114 



Gesprech. Sanct Peter mit dem faulen pawren- 

knecht. 

Nun höret wunder-seltzam ding! 
Weil der Herr noch auff erden gieng 
5 Mit Petro, kamb an ein wegschayd, 
Da Westen sie nit alle bayd, 
Welliches wer ir rechte straß. 
Nun ein hoher pyrenpaum was 
Bey der wegschayd an ejmem rayn. 
10 Darundter lag am schattn allein 

Ein pawren-knecht, der nit mocht dienen. 
Der- war sttidfaul und thet auch gyenen. 

Der Herr. 

Der Herr in fraget aller-ding, 
15 Welcher weg gen Jhericho gieng. 

Der fatQ pawren-knecht. 

Der faul schlüffel, lecker und pub 

Das ein bain in die hoch auffhub 

Und zaigt in dort ein ödes hauß 
20 Im feld. Da müst ir gehn hinauß. 

Nach dem der faul sich dendt und streckt, 

Sein haubt mit dem hut wider deckt, 

Schlieff und schnarcht, wie ein alter gaul, 

Wann er war nichts werd und stüdfaul. 
25 Nach dem giengen sie hin baidsand 

Und wurden wieder irr im land. 

Kamen vor eym dorff in ein acker. 

* 

HC Pawernkneoht. 15 G Hierioho. 



116 

Da schnit ein pawren-magd gar wacker. 
Der schwaiß ir nbers angsicht ran. 

[K 1, 994] Der Herr. 

Der herr redet sie freundlich an: 
5 Mein tochter, gehu wir recht also 
Hin-ein die statt gen Jhericho? 

Die endlich zuagd. 

Die magd'die saget mit verlangen: 
Ir seyt weyt von dem weg irr gangen. 

10 Und leget bald ir sichel nieder, 
Loff mit in auff ein feldwegs wieder 
Und fürt sie auff die rechten straß. 
Nach dem sich wieder wenden was 
Und loff eylend, hurtig und wacker, 

15 Wider zu schneyden auff den acker. 

Petrus. 

Sanct Peter sprach: maister mein. 
Ich bitt dich durch die gute dein: 
Diese gut-that du wieder ehr 
20 Und der endlichen magd bescher 
Ein endlichen und frummen man, 
Mit dem sie sich erneeren khan! 

Der Herr. 

Da thet der Herr zu Petro jehen : 
25 Den faulen schelm, den du hast gsehen 
Undterm paum liegn an der wegschayd, 
Der wird zu thail der endling mayd. 
Da muß ir zeyt verzeren mit. 

Petrus, 

so Sanct Peter sprach: Das wöU Gott nit! 
Herr, das wer ye immer schad. 
Ich bitt dich, Herr! sie baß begnad! 
Laß sie dieser guthat gemessen! 



6 C Hieriobo. 21 C frommen. 

8 * 



116 



Der Herr. 

Der Herr antwort gleich mit vertriessen: 
Petre, du verstehst sein nicht, 
Warumb solche heyrat geschieht. 

5 Die magd den schlüffel muß emeren, 
Auff das er auch hin-kumb mit ehren. 
Sunst ward er dem galgen zu thail. 
Auch so wurd sunst zu stoltz und gail 
Die magd bey eim endlichen man. 

10 Drumb henck ich ir den schlüffel an, 
Das sie hat zu schwimmen und waten. 
So thuts in baydn zu gut geraten. 

Der beschluß. 

Bey der fabel ein mensch versteh, 
15 Das Gott manch ungeleiche eh 
Zusamb fügt, auff das in den tagen 
Eins helff des andern bürden tragen, 
Helff ziehen, straffen und emehrn, 
Auff das sie bayde bleibn bei ehm. 
20 Derhalb das alte Sprichwort lert, 
Wie das die hayrat sind beschert, 
Sie sind geleich böß oder gut, 
Gott es doch als im besten thut. 
Das nach Gottes willen auffwachs 
25 Der ehlich stand, das wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 10 tag Septembris. 
7 C Sonst wttrd. 8 C würd sonst. 



117 



[ABC 1, 494. K 1, 995] Gcsprech. Sanct Peter mit den 

lands-kDechten. 

Neun armer landsknecht zogen auß 
Und garteten von hauß zu hauß, 
6 Dieweil kein krieg im lande was. 
Eins morgens da trug sie ir straß 
Hinaaff biß fOr das' himel-thor. 
Ba klopfften sie auch an darvor, 
Wolten auch in dem himel garten. 

10 Petrus. 

Sanct Peter thet der pforten warten. 
Als er die landsknecht darvor sach, 
Wie bald er zu dem Herren sprach: 
Herr, daussen steht ein arme rott; 
15 Laß sie herein! es thut in not. 
Sie wolten geren hinnen garten. 

Der Herr. 
Der Herr sprach: Laß sie lenger warten! 

Die landsknecht. 

20 Als nun die landsknecht müsten harren, 
Fiengens an zu fluchen und scharren, 
Marter, leyden unnd sacrament. 

Petrus. 

Sanct Peter dieser fltlch nit kendt. 
25 Maint, sie redten von gaistling dingen. 
Gedacht, in himel sie zu bringen, 
Und sprach: lieber Herre mein, 

* 

20 C mästen« 



118 

Ich bitte dich: Laß sie herein! 
Nie frümmer lewt hab ich gesehen. 

Der Herr. 

Da thet der Herr hinwider jehen : 
6 Petre, du kenst ir nit recht. 
Ich sich wol, das es sind landsknecht. 
Solten wol mit mutwilling Sachen 
Den himel ans zu enge machen. 

Petrus. 

10 Sanct Peter der bat aber mehr: 
Herr, laß sie herein durch dein ehr! 

Der Herr. 

Der Herr sprach: Du mags lassen rein. 
Du must mit in behangen sein. 
16 Schaw, wie dus wieder bringst hinauß! 
Sanct Peter war fro uberauß 
Und ließ die fnimmen landsknecht ein. 

Die landsknecht. 

Bald sie in himel kamen nein, 
20 Gartens herumb bey aller weit, 
Und bald sie zam brachten das gelt, 
Knockten sie zamen auff ein plan 
Und fiengen zu umbschantzen an, 
Und eh ein vierteil-stund vergieng, 
26 Ein hader sich bey in anüng 
Von wegen einer umbeschantz. 
So wurden sie entrtlstet gantz. 
Zuckten von leder sie allsamen 
Und hawten da mit krefften zamen, 
80 Jagten ein-ander hin und wider 
In dem himel da auff und nieder. 

Petrus. 

Sanct Peter diesen Strauß vernumb, 
Kam, zandt die landsknecht an darumb, 

2 frommer. 13 magst. 17 C frommen. 



119 

[Kl, 996] Sprach: Wolt ir inn dem himmel palgen? 
Hebt euch hin-nauß an Hechten galgen! 

Die landsknecht. 

Die landsknecht ihn dückisch ansahen 
5 Und theten auff sanet Peter schlahen, 

(Petrus) 

Das ihn sanct Peter must entlauffen. 
Zum Herren kam mit echtzn und schnaufn 
Und klagt im über die landsknecht. 

10 Der Herr. 

Der Herr sprach: Dir gschicht nit unrecht. 
Hab ich dir nit gesaget hewt: 
Laß sie dauß! es sind freche lewt!? 

Petrus, 

15 Sanct Peter sprach: Herr, der ding 
Verstund ich nit. Hilff, das ichs bring 
Hinauß ! soll mir ein witzung sein. 
Das ich kein landsknecht laß herein, 
Weil sie sind so mutwillig lewt. 

20 Der Herr, 

Der Herr sprach: Eym engel gepeut. 
Das er ein trummel nemb zu handt 
Und für des himels pforten stand 
Und eynen lerman darvor schlag! 
25 Sanct Peter thet nach seiner sag. 
Bald der engel den lerman schlug, 
Loffen die landsknecht on verzug 
Eylend auß durch das himel-thor, 
Mainten, ein lerman wer darvor. 

30 Petrus. 

Sanct Peter bschloß die himel-porten, 
Verspert die landsknecht an den orten. 
Der keiner seyt hinein ist kummen, 

* 

8 Herrn. 17 wamung. 31 C Himelpforten. 



120 

Weil sanct Peter thut mit in prnmmen. 
Doch nembt auf schwanckweiß diß gedieht, 
Wie Hans Sachs an als arges spricht ! 

Anno salutiB 1557, am 1 tag JanuariL 



1 bnunmen. 



121 



Schwanck. Der teüffel lest kein landsknecht mehr 

in die helle faren. 

Eins tags an eynem abend spat, 

Da het der Lucifer ein rhat 
6 Unden in seinem reich der hellen 

Unnd saget da zu sein gesellen: 

Man sagt, es sey in tentschen landen 

Gar ein bößes volck auferstanden, 

Welche man nennet die landsknecht. 
10 der mir der ein dutzet precht, 

Das ich nur sech, was für lent wem! 

Man saget, sie fasten nit gern, 

Sie sind lieber allezeyt vol. 

Mit schlemmen, prassen sey ihn wol, 
15 Achtens sich betens auch nit viel; 

Sunder sagt man, wie ob dem spiel 

Sie übel fluchen und palgn dameben, 
[ABC 1, 495] Auch wie sie nit viel almuß geben. 

Sonder laufen selb auff der gart, 

Essen offit übel, liegen hart. 
20 Doch dienen sie geren allzeyt 

Eym kriegßherren, der ihn gelt geyt, 
, Er hab geleich recht oder nit. 

Da bektlmmem sie sich nit mit. 

Nun Beltzebock, far hin, mein knecht! 
[K 1, 997] Zu dem handel wirst du gleich recht. 

Far obn auff erdt in ein wirtshauß, 

Darinn die landsknecht lehn im sauß, 

Unnd inn der Stuben dich verstel 

Hindter den ofen inn die hell 

* 

10 C brecht. 11 C seh. 17 fluchn. 



122 

Und scbaw auff sie an allen orten! 

Wo du mit wercken oder werten 

Ein landsknecht mit fug kanst erdappen, 

So thu mit im gehn höUe sappen! 
6 Bringst du ir ein par, so wil ich 

Ftlr all dein gselln breysen dich 

Und auß dir ejnen forsten machen, 

Dich brauchen zu ehrlichen sachen. 

Za-handt der teuffei Beltzebock 
10 Zog an sein unsichtigen rock 

Und für von hell in ein wirtshauß, 

Da die landsknecht sassen im sauß, 

Frästen und einander zu-soffen. 

Der teuffei stelt sich hinterm ofen, 
15 Hört, wie die landsknecht tbeten sagen, 

Wies mit den feinden betten gschlagen, 

Gestürmbt, geraubet und gebrandt 

Inn diesem und in jhenem landt, 

So grosse straich, das im fürwar 
20 Gleich gehn berg stunden all sein bar. 

Dacht, haymlich von in zu entlauffen. 

Doch het er acht auff ir zu-sauffen. 

An drejen tischen allen dhalb 

Brachtens einander gantz und halb, 
86 Da eyner dem glaß nur gab ein schwnnck 

Und soffs herauß auff eynen schlunck. 

Der teuffei thet sein Kst nit sparen, 

Vermaint, heimlich inn ein zu farn. 

Wenn einer drünck so ungeschwungen. 
80 Doch wurd im das auch undtertrungen. 

Wann es eyner eym bracht allwegen. 

Sprach jhener: Das dirs Grott gesogen! 

So gsegnet es jhenem auch der ander. 

Solch gsegnen trieben sie allsander. 
85 Mit dem sie all gesegnet warn, 

Das der teuffei kund in keinen farn. 

Derhalb der teuffei thet verharrn 

Vergebens den abend gleich eym narrn. 

Nun het undter ihn ein kriegßman 

4 G gen HeUe. 14 C hintern. 36 Das inn kein kundt der Teuffel f. 



123 

Erschlagen einen alten han, 
Den het er hindtern ofen ghangen. 
Als nun der tag schier war vergangen, 
Sprach der landsknecht zum wirrd: Mein gsell, 
5 Geh hindtern ofen in die höU 
Und da den armen teuffel nemb! 
Rupff und laß praten ihn! Nach dem 
Wöll wir in fressen und zerreissen. 
Thet darmit hindern ofen weysen 

10 Auff den hangenden todten han. 
Als der wirrt der hell zu ward gan, 
Wolt den han von dem nagel schnappen, 
Maint der teuffel, wolt nach im dappen. 
Ihn rupffn und den landsknechten pratn, 

15 Und thete da nit lang beraten 
Und stieß ein ofen-kachel auß 
Und für zum ofenloch hin-nauß 
Und kham mit sehr grossem gescheli 
Widerumb hin-nab für die hell 

29 Und klopfft mit grossem prummen an. 
Und als man im nun het auffthan. 
Fragt der Lucifer: Bringst du keynen? 
Beltzebock sprach: Ja wol, nit eynen. 
Ich bin endtrunnen in mit not. 

25 Es ist die aller-wildest rott. 

Man heist sie die frummen landsknecht. 
Man thut in aber ye unrecht, 
Wann ich mag auff mein warheyt jehen, 
Wielder lewdt hab ich nie gesehen. 

so Ir kleider auff den wildsten sitten 
Zerflambt, zerhawen und zerschnitten, 
Eins theyls ihr schenckel blecken theten. 
[K 1, 998] Die andern groß weit hosen betten, 
Die in biß auff die ftlß rhab hingen. 

85 Wie die gehosten dauber giengen. 
Ir angsicht schrämet und knebel-partet, 
Auff das aller-wildest geartet, 
In summa wüst aller gestalt. 
Wie man vor jarn uns teuffel malt. 

5 G HeU. 11 C war. 23 G Bfel^bub. 26 frommen, 



124 

Die brachten einander umbschantz. 

Im huy wurdens entrüstet gantz, 

Palgten und haweten zusam 

Ein-ander bayde krumb und lam 
5 Und flachten auch so nnbeschayden, 

Als weren sie Türeken und hayden. 

Inn meynem sinn so dauchte mich, 

Sie weren viel wilder, dann ich. 

Derhalb dorfPt ich ihr kein angreiffen, 
10 Stund und must einziehen mein pfeiffen. 

Da sprach zu im der Lucifer: 

Ey, du solst ein pracht haben her. 

Wir weiten in bald heimlich machen. 

Der teuffei antwort zu den Sachen: 
16 Hörst du nit? ich forcht mich vor ihn, 

Mit gwalt ein zu füren hin. 

Thet aber sunst kein list nit sparn. 

Ich dacht, etwan inn ein zu farn, 

Wenn sie aneinander zutruncken. 
20 Möcht auch nit sein nach meym geduncken. 

Wens einr eim bracht, sprach : Ich kum zuder, 

Ey gsegn dirs Got, mein lieber bruder! 

Sprach der ander. So sie es habend 

Ein-ander gsegn den gantzen abend, 
25 Das ich gar nichts außrichten kundt. 

Wie ein narr hindterm ofen stundt. 

Nit waiß ich, wie der landsknecht schar 

Mein hindterm ofen wurden gwar. 

Ein landsknecht sprach zum wirrd : Yerste, 
30 Wirrd! bald hindter den ofen geh! 

Nimb den armen teuffei unghraten! 

Rupff den und thu in darnach praten! 

Der vrirrd dem ofen thet zu-gon. 

Da für ich durch den ofen darvon, 
36 Sie betten mich sunst gwürgt undghrupfft, 

Gebrüt, mein zotten außgezupfft, 

Hetten mich praten, darnach gfressen. 

Derhalb kan ich gar nit ermessen, 

Das uns nütz wer der landsknecht meng. 

16B0gewalt. 20OMooht. bednnoken. 24BCgsegiit. 28 wurd gewar. 



125 

Sie machtn uns wol die hell zu eng. 

Sie sind mutwillig, unghrüg, 

Frech, ungestümb und ungefüg. 

Derhalb wer mein rhat (du verstehn!), 
5 Wölst der lantzknecht gar müssig gehn. 

Es ist kein war inn unsem kram, 

Sie fressen uns wol allesam. 

Unser keiner sicher bei in wer. 

Da antwort im der Lucifer: 
10 Mein Beltzebock, und ist das war, 

So wollen wir forthin fürwar 

Nimermehr nach keinem lantzknecht fragn, 

Sonder wöln uns, wie vor, betragn 

Der spiler; gotzlesterer, weinzecher, 
15 Der puler, hurer und ehbrecher, 

Wucherer, dieb, mörder und straßrauber. 

Auch wollen wir auff-klauben sauber 

Die lantzfried-precher und mordprenner, 

Verrether und all schedlich menner, 
20 Müntzfelscher und falsche Juristen 

Und darzu all glaublos Christen, 

Verstockt, die nit pus wollen würcken, 

Juden, ketzer, hayden und Türeken, 

Gottloß münch, nunnen und pfaffen. 
25 Die wöU wir umb ihr unzucht straffen, 

Auff das kein unrath uns erwachs 

Von den lantzknechten, wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557. 
2 C yngerüg. 4 C thu. 12 C keim. 14 BC Gotslestrer. 16 Wuohrer. 



126 



[ABC 1,496. Kl, 999] gchwaiick. Der schwanger karg 

man Ealandrin. 

Als Ealapdrin, dem argen, 

Unhöflich, geitzig, kargen, 
5 Ein erb war zn-gestorben, 

Von ihm ward nye erworben, 

Das er den gsellen sein 

Het kaafft ein viertheyl wein. 

Nun waren drey spot-vögel 
to Inn schwencken frech unnd gögel. 

Die machten eynen band 

über den filtzing band. 

Der erst firfi auff ein morgen 

Verwartet still verborgen 
15 Ealandrin vor seym hanß. 

Als er war gangen auß, 

Tratt er zu ihm (ich sag). 

Wünscht ihm ein guten tag 

Unnd sprach: Wie bist erblichen? 
so All dein &rb ist entwichen. 

Viel-leicht hast du ein fieber. 

Kalandrin antwort: Lieber 

Kranck laß ich mich beduncken. 

Ich furcht, ich habs getnmcken. 
t5 wee des meinen hertzen! 

Die forcht bracht im den schmcrtzen. 

Inn dem da kam der ander, 

Grttsset sie bayde-sauder. 

Der sprach: Sag, was dir bricht! 

1 Vgl. NioUs Ton Wyle translatkmen s. 18. J. Grinuna dentsohe njtlio- 
logi« b, a. 437. Uagens G^sammUbenteaer 2» IX f. 



127 

Enstelt ist dein angsicht. 

Du bist entpferbet sehr. 

Deß erschrack er noch mehr. 

Nach dem kam auch der dritt, 
5 Gesegnet sich darmit. 

Sprach: Was ist dir geschehen, 

Das du also thust sehen"? 

Ey warumb gehst du auß? 

Ker widerumb zu hauß! 
10 Als Ealandrin das höret, 

Erst wurd er gar bethöret. 

Die drey fürten ihn wieder 

Zu hauß, legten ihn nieder, 

Deckten ihn zu gar warm. 
15 Der ein fing seinen barm 

Unnd zu dem artzat gieng. 

Der verwest alle ding 

Unnd zu dem krancken lieff 

Und ihm sein puls begriff, 
20 Sagt im darnach geschwind, , 

Er gieng mit eynem kind. 

Der kranck thet waynend schreyen, 

Sich selb vermaladeyen. 

Ach ich eilender man! 
25 wie soll ich nur than? 

Wie soll ichs kind geperen? 

Des todtes muß ich weren. 

Der artzt ein trost im gab, 

Deß kindts zu helffen ab, 
30 Doch wurd es kosten viel. 

Ein tranck ich machen will. 

Darzu muß ich voran 

Drey faist capaunen han 

Von ander köstlich ding. 
35 . Nach dem der kranck anfieng : 

Nembt hin fünff alter pfund. 

Das ich nur werd gesund! 

Die vier die namen on 

Das gelt, schieden darvon, 

16 C Artaet. 30 C wtird. 34 ? Und. 38 C an. 



128 

Liessen den krancken laumen, 

Eaufften drey faist capaunen, 

Hüner, vögel onnd fisch, 

Rüsten zu anff den tisch, 
[K 1, 1000] Frölich truncken unnd assen. 

All vier zusammen sassen. 

Der artzet schicken thet 

Bern krancken ein klaret. 

Das solt er anff drey morgen 
10 Nüchtern trincken verborgen. 

Nach dem der artzet kam 

Am dritten tag nnnd namb 

Sein puls, begreifen kund 

Und sprach: Du bist gesund. 
15 Fro war er auff der stet, 

Gieng auß seym kindel-pett 

Unnd saget wunder von 

Der kranckheit iedermon 

Unnd der köstling artzney. 

20 Der besohluß. 

Hiebey zu mercken sey: 

Wem etwan frembdes gut 

RingMich zufallen thut, 

Der sols nit gar beschliessen, 
26 Sunder sich lassen müssen 

Zimlich den freunder sein 

Ein kandel zwo mit wein, 

Das sie sich mit im frewen. 

Sunst wird es in gerewen, 
80 Wenn sie ihn etwan letzen 

Auch ein den stich ihn setzen. 

Das spot zum schaden wachs. 

Spricht zu Nürnberg Hans Sachs. 

Anno salntis 1557, am 18 tag Novembris. 

♦ 
1 C laonen. 13 B gnncL 25 K messen. 26 BOE Freunden. 39 
Sooft. 



129 



Schwanck. Der pawer-knecht mit dem zerschnit- 
ten kittel. 

Hört zu ein visierlichen schwanck! 

Der ist geschehen nicht vor lanck 
5 Zu Erbeltijng. iwi Payerland. 

Ein pawren-knecht, Haintz Dölp genandt, 

Der selbig eines abends spat 

Gehn Landshut zu eym schneyder trat 

Und im ein groben zwillig bracht, 
10 Das er im eynen kittel macht. 

Als er ein war zum schneyder gan, 

Saß darinn gleich sein edelman, 

Der auch vom schneyder haben wolt, 

Ein kitel er im machen solt, 
15 Und den fein höflich im angab, 

ünden rumb mit falten durch-ab, 

Auch uberal zwifach verprembt. 

Den bawren-knecht das selbig grembt. 

Schwieg still und mercket alle ding. 
20 Der edelman herausser gieng, 

Lost doch ein klein an der stub-thür, 

Was der Haintz Dölp wolt bringen für. 

Der zaigt sein kittel durch darmit, 

Sprach: Maister schneyder, ich euch bitt: 
25 Macht mir ein kittel doch darbey, 

Das er biß sontag fertig sey, 

Das ich ihn anleg zu dem dantz! 

Die Gred mir machen wirdt ein krantz 

Von eynem dutzet nestel rot. 

1 C Pawernkneclit. 11 C er war ein z. 19 C Schweig. 23 C Kitteltuch. 
Hans Sachs. V. 9 



130 

Macht mir in schön! wann es thut not, 
Auff das ich ir darinn gefall 
[ABC 1, 497] Für andern pawern-knechten all. 

Der schneyder sprach: Zaig mir nur an, 
5 Wie du wilt deinen kittel han! 
[K 1, 1001] Er sprach: Das kan ich sagen nicht 
Macht ihn nur eben gleich gericht, 
Wie mein junckher sein haben vn\ ! 
So macht mein kittel und schweigt still! 

10 Ob er gleich noch höflicher wer, 
Das wer meines hert^en beger. 
Darmit der Haintz Dölp gieng sein straß. 
Als sein edelman höret das, 
Der schneyder diesem bawren-knecht 

15 Solt seinen kittel machen schlecht 
Eben gleich wie den kittel sein, 
Zumb schneyder gieng er wieder nein 
Und sprach: Hör, maister, nit vermeyd 
Mein kittel mir durch-aaß zeischneid 

M Von oben ab biß auff den sanmb. 
Ein strich nit brayter denn ein danrn! 
Zerfeti der-gleich die erbel do! 
Doch lersdmeyd eben gleich also 
Seinen kittel dem bawren-knedit! 

«s Der schneyder sprach: Ja, imgsdiichtredit 
Mit dem der jimckber gieng sein stnß. 
Der schneyder gkidi sollicher mafi 
Die kittel macht und sie lexsdmeyd 
Und hieng sie auf tasamen beyd. 

» Als nun aaff den sontag heroadi 
Der Kawren-knedit sein kittel sattdi 
Abo lerleltel and lerschnittea. 
Ein sokiien sc^iQ^nMli het eriitten, 
Flei^ er in wain and sdinappen an. 

4ft lim dorn kaa anch sdn eddnuuii 
Und k^et an den kittel sdn 
r^id $f«ach: Haintz, leg andi an dendeia! 
Der Haiat£ irolt nif. der red ersdvMlu 
I^ jandMr dcldi^ in aaff den nack 



a« c 



131 

Mit der faust und in darzu not. 

So het er zum schaden das gspöt 

Unnd leget seinen kittel an 

Und must darinn gehn kirchen gan. 
5 lederman maint, er wer ein narr. 

Also eutloff er auß der pfarr. 

Also noch heut zu diesen tagen, 

Wo burger, pawer noch will tragen 

Klaidung, sich gleich dem adel zirt, 
10 Offt in ein aug verhalten wird, 

Drauß im zum schaden spot erwachs. 

Schlecht und ghrecht ist gut, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 6 tag Octobris. 



5 G meint. 



9 



132 



Schwanck. Der nngehöret . pawer. 

Am Rein ein pawer saß. 

Alt, ungehöret was. 

Der thet gehn Pingen lauffen, 
6 Ein faiste saw was kauffen, 

Wann er wolt hochzeyt halten 

Auff faßnacht mit seiner alten. 

Als er die saw trieb her, 

Eins abends an gefehr 
10 Sein edelman mit nam 

Im auff der straß bekham 

Und grüst in an dem ort. 

Der pawer ihm antwort; 

Juncker, von Pingen her. 
15 Maint, er fragt, wann trieb er, 

Weil er unghöret was. 

Der edelman fürbaß 

Den pawern fragt auff traw: 

Mein Haintz, was gilt dein saw? 
20 Der pawer maint, er fragt 
[Kl, 1002] Nach der hochzeyt, und sagt: 

Juncker, sie ist versprochen. 

Von heut über drey wochen, 

Wils Gott, so wöll wir all 
25 Tantzen mit reichem schall. 

Deß lacht der edelman 

ünnd redt in wieder an: 

Muß ich aufft hochzeit kummen? 

Der pawer het vernummen, 

2 C Hoert am. 7 C ? seinr. 9 G ohn. 



133 

Er fraget an der stet, 

Was die saw gölten het, 

Dem junckherren antwort: 

Drey güldeji und ein ort. 
5 So redt er zu den Sachen. 

Der edelman must lachen. 

Sprach: Hab dir drüß in läppen! 

Du ghörst nit als dildappen. 

Der pawer inn dem stück 
10 Vermaint, er wünscht im glück 

Zu seifter lieben braut, 

Und antwort uber-laut : 

Gott geb euch noch so viel! 

Junckherr, ich wünschen will; 
15 Wann glucks dörff wir wol bayd, 

Schwer ich bey meinem ayd. 

Der junckherr flucht dem bawren 

Und saget zu dem lawren: 

Ja mein dreck auff dein maul! 
20 Der pawer war nit faul, 

Maint, er bett ihn auß gnaden 

Auff sein hochzeit zu laden, 

Sprach: Juncker (gar vermessen), 

Freylich müst ir mit essen. 
25 Euch ich nit aussen laß. 

Der Juncker rayt sein straß 

Und lacht, das er must hossen, 

Der uDgereumbten possen. 

Drumb wer nit wol gehöret, 
80 Der ist samb halber thöret. 

Des man doch in den Sachen 

Nicht spötlich soll verlachen. 

Das alter, thut man sprechen, 

Das kumpt mit viel gebrechen, 
85 Macht all krefft schwach und mat. 

Darbey yeder verstat, 

Das nach deß alters platz 

Ist wol ein schwerer schätz. 

Wie die philosophen sagen, 

17 G Pawern: Lawern, 27 maß. 28 G vngereimbten. 



134 

Der auff dem rück ist tragen 
Viel brechlichs ungemachs. 
Des auch entpfind Hans Sachs. 

Anno salatis 1557 , am 8 tag Octobris. 
3 C Deß. 



135 



[ABC 1,498] Schwanck, Der pawer mit dem himel 

nnd höll annd seynem esel. 

Im buch der kleinen warheit steht, 

Wie sich ein pawer zancken tbet 
5 -Und seym pfarrer ungborsam was. 

Die ursach deß zancks dieses was. 

Da er die fladen weyhen solt. 

Der pawer das nit leyden wolt 

Und sprach, sie weren vor geweicht, 
10 Wann 'der pfaff war gelehret seicht. 

Der pfarrer das dem pfleger sagt 

Und den bawren gar hart verklagt, 

Wie er so gar ungborsam wer. 

Bald nach dem bawren schicket er. 
15 Der pfleger in sehr zannet an, 
[Kl, 1003] Warumb er nicht wer underthan. 

Der bawer sprach: Besser ich bin 

Und inn drey stücken über ihn. 

Erstlich ich eynen esel bab, 
20 Ist gscheyder, wann der pfarrer grab. 

Zum andren inn meym hause alt 

Hab ich den himel in meym gwalt. 

Zumb dritten hab ich auch die hell 

Inn meym hauß und als ungefell. 
25 Der pfleger sprach: Erkler mir das, 

Auff das ichs müg verstau dest baß! 

Der bawer sprach: Der esel mein 

Geht selb zu dem prunnen allein. 

Wenn er ihm gnug trincket zu-mal, 

« 

3 Es steht im baoh. 4 C Ein Pawer sanckt sich aaff ein seit. 5. 11. 
20 G Pfarrherr. 7 Das. 20 dann. 26 C ich mög verstehn. 



^ 7 



136 

Geht er wieder ha^in in sein stal. 
Die kunst der pfarrer khan nit wol. 
Im wirtshauß saufft er sich stüd-vol, 
Das er kan weder stehn noch gehn, 
5 Das ihn haym müssen füren zwen. 
Darbey gar klerlich ich bewer, 
Mein esel gscheyder sein, wann er. 
Zum andern ich den himel hab 
Inn meynem hauß uralt uijd grab. 

10 Mein anfraw, unghöret und blind, 
Die gar ist worden wie ein kind, 
Der ich außwarrt mit allem fleiß 
Mit glieger , klaydung, tranck und speiß. 
Wie wol ich selb blut-arm bin, 

15 Streck ich ir für haubtgut un^ gwin. 
Solliches wirt am jüngsten ghricht 
Bezalet, wie Gott selber spricht, 
Und wirt den himel geben ein 
Den, die also barmhertzig sein. 

20 Da wird ich auch in dieser zal 
Erfunden nach dem jamerthal. 
Zum dritten hab ich in meym hauß 
Die hell mit solchem quäl und grauß. 
Das ist mein arg boßhafftig weih, 

25 Die teglich peynigt meynen leib 
Mit greyn und zancken immerzu. 
Hab tag und nacht vor ir kein rhu. 
Als ob ich in der helle wer. 
Deß bin ich gweltiger, dann er, 

30 Weil ich himel und hölle hab. 
Und das da-haym mein esel grab 
Gescheyder ist, denn unser pfaff. 
Hoff, dardurch zu entgehn der straff. 
Darauff der pfleger in quitiert, 

35 Den pfaffen darnach mit vexiert. 
Der war aber nit gutes quachs. 
Im gschach nit unrecht, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 4 tag May. 
2 C Pfftrrherr. 



137 



Schwanck. Pfarrer mit den ehbrecher - pawern. 

Zu Poppenreut ein pfarrer saß, 

Der vol der gutn schwencke was. 

Er war mit Worten unverdrossen, 
5 Riß an der predig seltzam bossen. 

Er ließ ein predig hin gar selten, 

Die ehbrecher gar hart zu schelten. 

Eins mals er hin und wider sach 

In der kirchen und darnach sprach: 
10 Ich sich eynen ehbrecher hinnen. 

Die pawren mit trawrigen sinnen. 

Welche am ehbruch waren schuldig, 
[K 1, 1004] Waren ob dem wort ungeduldtig 

Und schmogen sich hin ein die ecken, 
15 Dachten, der pfarrer künd sie schmecken, 

Und dorfften nyemand recht anschawen. 

Dergleichen theten auch die frawen. 

Ein yedes bsorgt, er maynet es. 

Den nechsten sontag war er reß 
20 Mit werten noch runder und frecher 

Und sprach: Nun hör zu, du ehbrecher! 

Die Wochen will ich noch zu-geben, 

Und wo du besserst nit dein leben. 

So will ich dich biß sontag nennen, 
25 Auff das dich yederman muß kennen, 

Wie du dein eh brachst gar vor-langst. 

Manuicher pawer schwitzt vor angst 

Und forcht, er wur zu schänden wern. 

So würd im denn da haymen schera 

3 ? guten. 28 G wurd. 



138 



Sein fraw mit also scharpfen werten. 
Also bsorgtens an allen orten, 
leder, er maynet in allein, 
Er müst dieser ehbrecher sein. 

6 Der pfarrer sprach sie weyter an: 
Ich beut euch bey dem schweren pan, 
Das ir pawren da auf und nieder 
Biß sontag kummet alle wieder 
Und stelt euch in der mitt zusamen; 

10 So will ich deß ehbrechers namen 
Offendlich in der gmain verkünden 
Und ihn von wegen seiner Sünden 
Im pann auch mit dem liecht verschiessen. 
Darmit der pfarrer thet beschliessen. 

15 Da nun der sontag wieder kam, 
Die bawren stunden all zusam 
Int kirchen fiELr den predigstul. 
wie manchem das hertz entpful 
Und zittert wie ein espen-laub! 

20 An freuden wurd er matt und daub. 
Als man das dritt geleutet hat. 
Der pfarrer auff die cantzel trat 
Und sprach: Ir kinderlein in got, 
Ir seyt kummen nach meym gebot. 

25 Darmit ein pcngel fürher zug 
Und darmit auff die cantzel schlug 
Und sprach : Schawt an den grossen pengel ! 
Den hat mir g^egnet heint ein engel; 
Darmit da künd ich nyemand offen, 

80 Werd ein rechten ehbrecher treffen. 
Nun schawet zu und steht fein still! 
Ein ehbrecher ich treffen wil. 
Zum wurff thet er den pengel zucken. 
Die pawren theten sich all ducken, 

85 Bayde schuldig und unschuldig. 
Der pfarrer der ward ungeduldtig, 
Sprach : Erst merck ich zu dieser zeyt. 
Das ir alsambt ehbrecher seyt. 
Schembt euch in ewer hertz hinein! 

6. 14. 22. 36 C Pfarrlierr. 16 C Paworn. 18 C entfuL 



139 

Wie mügt ir sollich buben sein? 
Mit diesem schwanck, als ich versteh, 
[ABC 1, 499] Hat er gemacht viel böser eh, 
Das mancher pawer kyferbes aß, 
5 Wiewol es umb weynachten was. 
Das sie doch mit der zeyt abgraben. 
Doch waiß ich kein inn dieser Stuben 
Sambt mir, behafft mit ehling banden, 
Werd wir undter den bawern gstanden . 

10 Und het der pfaff den pengel zockt, 
Der sich auch nit het nieder-duckt, 
Auff das er nicht wer worden troffen. 
Also hat sich die sach verloffen 
Und wurd ein ernst auß diesem schwanck. 

15 Der pfarrer verdiendt kleinen danck. 
Man soll schwencken, das darauß wachs 
Kein schad noch uuwill, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 15 tag Septembris. 
9 BC Wer. 



140 



[K 1, 1005] Schwanck. Der koler mit dem spulweck. 

Im buch der kleynen warheit steht 

Ein gschicht, die sich verlauffen thet 

Zwo meyl von der stat Nürnberg, leyd 
6 Ein dorff, heist Nerrat. Auff ein zeyt 

Da für ein pawer inn die stat 

Mit eynem fuder kolen spat. 

Als er die morgens thet verkauffen, 

Thet on gfehr über den marck lauffen, 
10 Da sah er weysse spulweck fail. 

Die fachtn den koler an zum thail 

Und hin zu eynem karren saß, 

Bey siben grosse spulweck aß, 

Jedoch vor seynem weib inn ghaym. 
15 Als er nach dem für wieder haym, 

Da kham an ihn ein regen groß, 

Als der herab mit krügen goß. 

Da spant er ab sein ochsen bayd, 

Ließ sie ein weil gehn an der wayd. 
20 Er stan nasser und aller troff. 

Bald in ein holen. bawmen schloff 

Neben dem weg also trieff-naß. 

Vor dem regen darein er saß 

Und hült umb sich die futer-seck. 
25 Von der feuchte ihm die spulweck, 

Die er het knollat einhin fressen, 

Als er ein weil im bäum w^ar gsessen, -> 

Geschwalens ihm im bauch so sehr. 

Flehten ihn Äuff ye lenger mehr, 

« 

4 C leit. 20 ? stand. 26 C knoUet e. gfressen. 



141 

Als ob er gieng mit eynem kind. 

Als nun nach-ließ regen und wind, 

Wolt er auß dem bäum schlieffen rauß 

Und YoUend haimfaren zu hauß. 
5 Der bauch war groß, bestack im loch. 

Den er kaum wider hinein zoch. 

Dem koler dem ward angst zu mut. 

Dacht: Hinn zu bleyben ist nit gut. 

Ich Wirt kummen umb ochßn und wagen. 
10 Mein weih darff mich wol darumb schlagn. 

Inn dem ein bawer an gefer 

Mit holtz für für, dem rtiffet er. 

Der stieg ab, sach in paum einwartz 

Der koler so rusig und schwartz. 
15 Maint er, der teuffei steck darinn. 

Floch von dem bäum und für dahin. 

Dem koler wurd im paumen pang, 

Wie sehr er inn dem loch sich trang. 

Yedoch es als vergebens was. 
20 -Inn dem da gieng für auff der straß 

Ein holtzhacker, den er anschrier, 

Und verhieß ihm ein vierteil pier. 

Der hawt weytter des pawmen spalt. 

Da kroch herauß der koler alt 
25 Und spant sein ochsen wider an 

Und ließ sie fuß für fuß hin gan. 

Sich binden in den kolwagen legt, 

Sein futter-sack über sich deckt. 

Für hin in den gedancken tieff. 
30 Der koler hertigklich endschlieff 

Auff den unmut, den er erlitten 

Von wegen der spulweck erstritten. 

Als er ein meyl gefaren was, 

Begegneten im auff der stras 
35 Zwen landsknecht, waren doli und dumb. 

Die kerten im die ochsen umb 

Im walde an eyner wegschayd 

Mit sampt dem wagen alle bayd, 

Zogens wider hinein die stat. 

« 

9 C würd. 11 C ohn. 13 C sah. 14 C Den. 



142 

Als der koler za abend spat 
Erwacht und wischt sein äugen auß, 
[K 1, 1006] Da stund sein wagn vor seym wirtshauß, 
Welches man nendt die plawen flaschen. 
5 Da wurd im erst geraumbt die daschen, 
Wann er saß über zu der stund 
Und verspielet dreyzehen pfund 
Mit den kolpawern die selben nacht. 
Deß wnrd der koler ungeschlacht 
10 Und verschwur erst die spul weck sehr, 
Ir kein zu essen nimmer mehr, 
Die in hetten auff dieses mal 
Bracht in so mancherley unfal. 
Wann als sein fraw das innen ward 
15 Da handlet sie in marter hart. 
Sagt, er het ein geneschig maul, 
Verspielt, wer dazu treg und faul. 
Also hub sich viel ungemachs 
Durch die spulweck, so spricht Hans Sachs. 

20 Anno salutis 1557, am 12 tag Julii. 

S C Beim wirrtshauß. 



ÜB 



Schwanck. Der teiifel hat die gaiA erschaffen. 

Doctor Dölpianus der hat 

Ein buch beschrieben, darinn stat: 

Nach-dem der Herr all creatur 
5 Auff erd beschaff gar rain und pur, 

Die wolff er im erwelen kund 

Und het sie bey im für jaghund, 

Das er sicher inn den refiren 

Wer vor den andren wilden thieren. 
10 Nun saget der doctor vermessen. 

Der Herr der het der gaiß vergessen. 

Da richtet sich der teuffei on 

Und wolt auch sein ein schöpffer fron 

Und macht viel gaiß in seiner grentzen, 
15 Ziert sie all mit langen fuchs-schwentzen. 

Und wenn sie giengen an der waid, 
[ABC 1, 500] Thetens dem teuffei vil zu laid. 

Wo sie in doren-hecken giengen, 

Mit den schwentzen sie drin behiengen. 
20 Den schloff er nein und macht sie loß. 

Der müh den teuffei hart vertroß, 

Thet in allen ir schwentz abpeissen. 

Wie noch die stttmpff der gaiß beweyssen. 

Schlug sie allein hin auff die wayd. 
25 Der Herr kam hin durch ein wegscheid, 

Sach, wie die geyß in weytem raumb 

Benagten die fruchtbaren baumb. 

Und sach dazu, wie die gayßböck 

Verderbten die edlen rebstöck, 

6 C gnnd. 12 C an. 



144 

Theten den pflantzen grossen schaden. 
Das jamert in aus gut und gnaden. 
Hetzet er seine wolff an sie, 
Die selbigen zerrissen die. 
5 So bald der teuffei das vemam, 
Wie bald er zu dem Herren kam 
Und sprach: Herr, das geschöpfe dein 
Das hat zu-rissen mir das mein! 
Der Herr sprach : Dein geyß must ich straffen, 

10 Weil du es zu schaden hast erschaffen. 
Der teuffei sprach: Recht wie ich bin 
Ein schöpffer boßhafftiger sin, 
So beschuff ich auch creatur 
Mir gleich, die ich durch dich verlur. 

15 Du must mir sie wol zallen theuer. 
Der Herr sprach: Ja, ich zal dirs heuer. 
So bald das aychen-laub abfeit, 
So kumb! das gelt ist schon gezelt. 
Der teuffei für dahin sein straß. 

20 Bald das aych-laub abfallen was, 
Der teuffei fördert sein schuld doppel. 
Der herr sprach: Zu Constantinoppel 
[K 1, 1007] In Erichen stet ein aychen hoch. 
Die selb ir laub hat alles noch. . 

25 Der teufel für dahin mit fluchen, 
Sechs monat thet die aychen suchen 
Und für irr in der wüsteney, 
Eh das er fund die aychen frey. 
Und erst im Mayen wieder kam, 

80 Da er die aychen alle vemam 

Wieder grünen und vol bletter worn. 
Must der schuld geraten und vor zorn 
Da stach er all den gayssen sein 
Die äugen aus und setzt in ein 

85 Sein teuffels-augen. Darumb an laugen 
Haben die gayß all teuffels-aügen 
Und darzu auch abpissen schwentz. 
Der teuffei auch durch sein gespenst 
Sich oft in schwartze gaiß verwandelt, 

15 G zalen. 23 C Kirchen. 35 C on. 



145 

Wenn er mit den zauberin handelt. 

Auch holen sie oft auff ein bock 

Ein man hin über stayn und stock. 

Auff der bulschaft vil ungemachs 

Rieht er noch mit an, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 24 tag Septembris. 



2 7 eim. 



Hans Sachs. V. 



140 



Schwan ck. Die eilend klagen t roMaut 

Eins montags frü, als ich auffstund 

Und noch nit wol gesehen kund, 

Der wein lag mir noch in dem schopff, 
5 Ich war gantz dtißmig umb den kopff, 

Als ich hinein die werckstat kam, 

Ein leder ich herfürher nam 

Und wolt mein knechten schneyden zu 

Possen unnd auch lacaisch scbu. 
10 Als ich den ersten schnitt gethet, 

Da fing das leder an und redt: 

Ach hör doch auff, in mich zu schneyden! 

Wie viel Unglücks muß ich noch leyden! 

Vor forcht ich inn einander für, 
15 Fieng doch ein hertz und bald beschwur 

Das leder, das es saget her, 

Was es begert und wer es wer. 

Da sprach das leder uber-laut: 

Ich bin ein alte roßhaut 
20 Und hab mein tag sehr viel erlitten, 

Soll werden erst von dir zerschnitten. 

Ich sprach: Was liedst bey deinen tagen? 

Da fing die roßhaut an zu sagen: 

Erstlichen, als ich war ein füll, 
25 War mir der winter viel zu kül. 

Het mir mein mutter nit geholffen, 

Ich wer zerrissen von den wolffen. 

Die hört ich vor dem stall offt hewlen. 

Auch theten mich die hund anpewlen. 

11. 23 G fieng. 22 G littest. 



147 

Da must ich ziehen in dem pflüg. 

Des essens het ich nit genug. 

Ich pawet habern, mir vrard das stro. 

Vertrieb mein zeit hartselig do. 
6 Die kinder engsten mich hindten und vorn. 

Nach- dem ich nun bin ghritig worn, 

Wurd ich zu-letz meym bawren fail 

Und wurd eym roßtauscher zu thail. 

Der striglet und putzet mich auff, 
10 Er kempt mein har und schwantz zum kauf 

Und log, samb wer im gschmirt das maul, 

Verkaufft mich für ein raysing gaul 

Eym edelman (das Got erbarm!), 

Der war gut edel und blut-arm. 
16 Der hawet mich mit scharpffen sporn 

ünnd schlug mich hart umb meine ohm. 
[K 1, 1008] Must mit im perg unnd thal einlauffen. 

Het offt weder zfressen noch zsauffen. 

Must offt stehn inn eym finstren walt, 
20 Tag unde nacht inn eynem halt, 

Biß er etwan kaufleut erdappet. 

Darnach als mein herr wurd erschnappet, 

Da wurd eym burger ich verkauffet. 

Der mich gar wol schmücket und auffet. 
2ö Da Stack ich gutes futters vol. 

Er ab.er peynigt mich so wol 

Mit so mannicherley gepiesen, 

Yetzund mit jhenem, denn mit diesen, 

Darmit er machet mich gar stutzig, 
30 Nun was er aber auch so trutzig 

Und thet mich sehr pollern und sprengen, 

Auf märck und meß thet er mich pfrengen. 

Dergleich im winter in dem Schlitten 

Must ich groß arbayt mich eniitten, 
85 Wann er war jung, doli, frisch und frech. 

Auch mutzt er mich inn ein gestech. 

Da man mir verbünd äugen und obren. 

Da loff ich her gleich eynem thoren 

Und trug etwan vier zendtner schwer. 

^^ 
6 ängstn. 7 C letzt. 17 C ablauflfen. 30 C war. 37 C augn. 

10 * 



^ 148 

Fro war ich, wurd der sattel leer. 
Da lied ich herte stoß und trück, 
Biß mir eins brechen wurd der rück. 
Da kauffet mich ein wagen-man. 
5 Erst fing sich noth und jamer an. 
Kein rhu het ich mehr uberal. 
Da must ich ziehen perg und thal 
In regen, sehne, durch kot und lacken, 
Da wir in schlegen offt bestacken, 

10 Und wenn der wagen thet bestan. 
So schlug uns pferd der wagen-man, 
Als wolt er uns zu todt schlagen. 
Offt warffen wir gar umb den wagen, 
Da wurd ich erst gepengelt hart. 

15 Zu zeyten ich auch schadhafft ward, 
[ABC 1, 501] Das mich etwan der sattel drucket 

Streng und das kumat mich auf-jucket. 
Die rewden bracht mir auch groß quel. 
Der feyfel, darzu die augstel. 

20 Da must ich mich beym schmid erst leyden 
Mit etzen, brennen und mit schneyden. 
Mit teuffels-dreck er mich offt schmirt. 
Das lassen mich auch wol vexiert, 
Das prembs mein maul mir zwicket vorn. 

26 Auch bin ich offt vernagelt worn. 
Da hanck ich, wie ein armer tropff. 
Auch ligt mir noch ein ding im kopff. 
Bey aller harten arbayt mein 
Must ich doch stets gefangen sein. 

30 Allzeyt ich angebunden war. 
Als ich das trieb auff zehen jar, 
Hing ich den kopff, oren und maul 
Und wurd ein alt unwerder gaul. 
Der für ich nimmer kund ausharren 

85 Und wurd verkaufft in einen karren. 
Da wurd ich erst ein merterer. 
Der läre karr war mir zu schwer; 
Der kerner aber fült sein maul. 
Wie es halt gieng mir armen gaul, 

34 B fuhr. 



149 

Für ein wolessen er mich schlug. 
Vor hunger ich die hawt kaum trug. 
Die mucken mehrten mir mein kummer, 
Die hitz und ageln im summer. 
6 Hart fiel ich auff dem eyß im winter. 
Zu-letzt wurd ich dem schelmen-schinter. 
Der selb mein hencker mich erschlug, 
Darnach mich arme hawt abzug. 
Das flaisch er seinen hunden gab. 

10 Mein maister Hans, also ich hab 
Diß als erlitten in meym leben. 
Nun will ich dir erzelen eben. 
Was laids im todt ich hab entpfangen. 
Der schindter hat mich auffgehangen. 
[K 1, 1009] Darvor het mich sein hund zernagen, 

Und als er mich gehn marck hat tragen, 
Eanfft mich ein kauffman vor in allen 
Und pand mich über eynen pallen, 
Und ward mit stricken so hart bunden, 

20 Das mir schir all mein kreft verschwunden. 
Auch theten mich die reder straiffen. 
Auch thet man mich im kot umb schlaiffen. 
Ich wurd zerkrüppelt und zerbrochen. 
Auch haben mich die schaben gstochen. 

25 Nach-dem da ward ich aber fall. 
Da wurd ich eym ledrer zu thail. 
Der selbig thet mich haimhin tragen 
Und thet die schaben auß mir schlagen, 
Thet mich darnach im fischpach waschen 

30 Und stieß mich in ein alten aschen. 

Der stanck gleich wie ein schelmen-gruben 
Da sich mein leyden erst anhüben. 
Der aschen auch vermischet wart 
Mit kalg und biß mich grausam hart. 

36 Darvon ich arme haut geschwal. 
Auch so grieff er zum ersten mal 
Zu mir hinein mit eyßren krailn, 
Erwischt mich bey den obern thailn 
Und mich auß dem escher auffschlug, 

4 BC in dem. 36 BC griff. 37 C eisern. 



150 

Darnach mich int werckstuben zug, 

Da er mir all mein har abstraifft, 

Darnach mich inn den fischpach schlaifft, 

Da er mich an ein pfal thet hencken, 
5 Als wolt er mich darinn ertrencken. 

Als ich nun war geflossen gnug, 

Mich wider int werckstuben zug. 

Er mich auff seinen zugpaum warff 

Und mit eym messer herb und scharff 
10 Thet er mir all mein flaisch abfirmen, 

Streich mich und thet lang umb mich schirmen. 

Darnach schnit man mir ab baid orn, 

Die sind zu leym gesotten worn. 

Mein schwantz ein geiger hat hinzogen 
15 Und macht darauß ein fidelbogen. 

Nach dem, mir armen hawt zu schaden, 

Must in stinckenden hunds- dreck paden. 

Nach dem warff er mich in das loh. 

Da ward ich arme hawt gar fro, 
20 Das ich mein zeit außruhen solt, 

Das doch der ledrer gar nit wolt. 

Namb mich gar zu bald wieder drauß, 

Hieng mich zu öberst inn das hauß. 

Da loffen auff mir umb die katzen, 
25 Die rappen, fledermeuß und ratzen, 

Und bald ich wurd ein wenig trucken, 

Thet er mich von der Stangen zucken 

Und mich herfär zum ercker zog. 

Warff mich herab drey gaden hoch. 
30 Deß fals ich nimmer uberwind. 

Und darnach zog er mich geschwind 

Und warff mich inn ein anders loh. 

Darinn lag ich ein monat, do 

Zog er mich rauß und mich auffliing. 
35 Als ich wart trucken aller-ding, 
, Da trug er mich wider hinab, 

Tratt mich mit seinen füssen ab 

Und legt mich auff sein leder-tisch 

Und mich zerschnitt recht wie ein fisch 



2 G abstreifft. 



151 

Zu capen, püg und mittel-stück, 
Geigen und klaen; zu meym Unglück 
Eambst du, schuster, hinauff gelauffen 
Und thest mich von dem ledercr kauffen. 
5 Du trugst micli heym und thest mich strecken 
Gar hart und warfFst mich in ein ecken, 
Mich mit eym scharpffen faltz bezugst, 
Mir schir das hertz im leib zernugst. 
Dar-nach paissest und schwertzest mich, 

10 Das ich schwartz, wie der teuffei, sich. 
Dar-nach hast mich triicknet und derret, 
Mit seh iahen und reyben wol kerret, 
fK 1, 1010] Das ich gar offt schrier: Mördio! 
Nach dem hast mich geweit also, 

15 Das mir gleich ein genßhawt anfur. 
Darnach hast mich gesudlet nur, 
Das ich am schmer schir wer verzaget 
Schaw! also bin ich worden plaget 
Und wilt mich erst noch baß zerschneyden. 

20 So fecht erst an ein newes leyden. 
Du wirst in mich fallen mit zenen 
Und wirst mich A^yter wollen denen, 
Wirst mich denn mit dem messer klopffen 
Und darnach den laist in mich pfropffen, 

25 Mich darnach zu-werffen dein knechten. 
Die selben wem mich erst durch-echten, 
Mich stechen mit alen und nadlen. 
So schrey ich, denn ich möcht verzadlen. 
Dann naglen sie mich an ein holtz. 

80 Darnach als schwind, als wie ein poltz, 
Binden sie mich zusam mit stricken, 
Und wo ich mich nit wol thu schicken, 
So schlagens mich mit iren schuhen. . 
Knecht, jungen und die leer- buhen 

35 Thunt offt die halb nacht an mir fretten 
Mit knopffen, gnewppen und mit gletten. 
Darnach stossens zwey holtz in mich 
Und treyben mich hoch übersieh, 
Das mir denn denen all mein adren. 

4 C Ledrer. 13 C mordio. 



152 

Den wirst du mit in umb mich hadren, 
Ich sey verrieben und verkrümbt. 
Nach dem so erst der pawer kümbt, 
So der selb umb mich kauffen thut, 

5 Der schendt mich, spricht, ich sey nit gut, 
Und het mich auff das wolfeilst gem. 
Wenn sie dcß kauffs denn eins wern, 
So würfft er mich auflfs erdterich 
Und stöst darnach sein füß inn mich 

10 Und laufft mit mir durch dreck und kot. 
Mainst, es werd sein ein kleine not? 
Thut mich erfewlen und erstencken. 
Nachts muß ich liegen undtern pencken. 
Vorm ofen wurd ich offt verbrendt. 

16 Wenn er mich zertritt an dem encf 
So wird ich im denn wider fail. 
Erst wird ich dem altreysen zu thail 
Der beßtelt an mir allenthalben 
Und thut mit schwartzer kunst mich salben. 
[ABC 1, 502] Denn wird icli widerumb verkaufft. 
Als-denn man mich erst gar zerlaufiR;, 
Biß von mir hangen kudelfleck. 
Darnach würfft man mich erst hinweck. 
Als-denn so kumb ich auff den mist, 

25 Da-selben denn mein freythof ist. 
Darauff ich denn erfawlen muß. 
So hast mein angst und kümmernuß, 
Das über mich arme roßhawt laufft. 
Ich sprach : Sag ! wenn dich nit het kaufft 

80 Ein Schuster, wo werst du hin kummen? 
Sie sprach : Mich het ein satler gnummen, 
Wer noch gröber mit mir umbgangen. 
Er het mich bunden und gefangen 
Mit groben zwirn und schweynen ryemen, 

35 Mich gstochn mit grobn aln und pfr3rmen 
Und het mich denn mit stro auß-gschopt, 
Mich über den richtstock genopt 
Und mich mit pengeln hart durchschlagen. 
Denn mit eim schweinen-schmaltz mir zwagen. 

23 C wirflft. 



153 

Von im het mich ein bawer entpfangen 

ünnd mich seym pferd an halß gehangen. 

Da het ein haut die ander gfrett. 

Darzu mich hart bektlmmert hett, 
5 AU nacht an eym nagel zu hangen. 

Schaw! also eilend wers mir gangen. 

Darumb schon mein! das ist mein bitt. 

Ich sprach: Ich hab kein leder nit; 

Ich muß .ye schuch auß dir schneyden. 
10 Die haut sprach : Wenn ich ye muß leyden 
[K 1, 1011] Unnd hab ich denn genad bey dir, 

So mach kein bawren-schuch auß mirf 

Schneid auß mir schuch den schönen frawen ! 

Die thun doch baser auff mich schawen 
15 Und halfen mich sauber unnd fein. 

Ich sprach: Wol-an! das selb sol sein! 

Und schnitt auß dieser roßhewt zu 

Nur eytel lauter frawen-schu. 

Deß sind die pawren innen woren 
20 Und thut in auff die roßhawt zoren, 

Das sie die bawren hat veracht 

Und haben eynen bund gemacht, 

Kein rüsen-schuch- fürbaß zu tragen. 

Derhalb sie also fleissig fragen 
25 Den Schuster ein mal oder drey, 

Ob das leder nit rttssen sey, 
j So offt und sie schuch wollen kauffen. 

Also hab ich kurtz uberlauffen 

Der armen roßhewt ungemachs. 
80 So sprichet von Nürnberg H. Sachs. 

Anno salutis 1557, am 80 tag Martii. 

* 
14 C besser. 23 B rössenschuch. C Bossen schuch. 26 C rissen. 



154 



Gesprech. Der hasen klag. 

Eins tags inn meynen jungen jarn 

Hab ich ein wunder groß erfarn. 

Als ich von Cölen raist gehn Tewren 
6 Durch den finstern und ungehewren 

Wald, der rechten landstrassen nach, 

Darinn ich allenthalben sach 

Bey der straß reder auffgericht, 

Darauff die mördischen bößwicht 
10 Lagen, die man geredert het, 

Darob mir gar sehr grausen thet, 

Das mir gehn berg stund all mein har. 

Weil der wald so unbaimlich war, 

Besorgt ich stetz, der mörder rqtt 
15 Fiel herauß, schlug mich auch zu todt. 

Schlich also hin gar hart entsetzt. 

Fast mitten auff dem wald zu-letzt 

Hört ich ein düsterlich gesprech 

Neben der Strassen in der nech. 
«0 Erst sich groß forcht inn mir erhub. 

Dacht: Gwiß ist da ein mörder-grub. 

Als ich fürschlich an dieser ecken, 

Thet ich ein blick ein durch die hecken. 

Da ersach ich auff grünem wasen 
26 Sitzen ein grossen alten hasen. 

Ob dem ich den got Phebum eben 

Sach inn eynem gewülcken schweben. 

Von den zwayen so hört ich das. 

Der alt haß. 

« 

4 C Cöln. G Tewern: yngehewern. 23 ein euch die. 14 ersah. 
26 C Pljöbum. 27 C Sab. ** 



4 

155 : 

Erstlich also anfing der haß: 

Phebe, umb hilff bitt ich schier. 

Auff erd ist kein eilender thier, 

Denn wir hasen, die man an recht 
5 Auff gantzer erd on schuld durchecht. 

Wolff, füchs, bern, geyern und hund 

Uns grimigklich durchechten thund. 

Tag unde nacht sie uns nachstellen, 

Uns zu fahen, jagen und feilen, 
10 Uns würgen und zu stücken reissen 

Und sich mit unserm flaisch denn speissen 

Wieder all recht und billigkeyt, 

Weil wir ihn allen thun kein leid. 

Würgen uns nur auß neyd und haß. 
15 Wir essen päppeln, krawt und graß, 

Welchs doch füchs, geyern, wolff und hund i 

[K 1, 1012] Noch der-gleich thier nit essen thund. 

Derhalben leb wir in an schaden. 

Auch thest all ander thier begnaden, 
20 Mit Waffen sich ir feind zu wehren, 

Dardurch ir leben zu erneren. 

Das wilde, starcke eberschwein, 

Gewaffnet mit den zennen sein. 

Der low und bär mit scharpffen klaen, 
26 Darmit die jeger sie entpfahen. 

Den stier mit eym starcken gehürn. 

Den die hund nit angreiffen thürn. 

Den crocodilln hast du verpaut. 

Bedeckt mit einer hürnen hawt, 
30 Den wolff mit eym paissigen maul, 

Mit grosser krafft und sterck den gaul, 

Mit listen gewaffnet den fuchs, * 

Auch mit scharpffem gesiebt den luchs. , 

Allein uns hasen hast du geben 
35 Kein waffen, zu retten das leben. 

Mit lindem palg send wir weerloß. 

Verzagt, an alle waffen, bloß. 

Deß für wir groß klag wider dich, 

4 C ohn. 6 ? unde. 18 C leben. C on. 19 C thetst. 28 C Cro- 
oodillen. 37 G ohn. 



156 

Fhebus, der gott. 

Er sprach: Euch hab begäbet ich 

Mit schnellem lauff für alle thier, 

Darmit ir mügt endtrinnen schier 

5 Den andern thieren, die euch jagen. 

Der alt haß. 

Der haß sprach: Darob wir auch klagen. 
In flucht wir offt erliegen müssen, 
Weil du uns mit ungleichen ftissen 
10 Begäbest, sambt all unsern kindern, 
Die fordern kürtzer, den die hindtern. 
Und wenn man uns jagt ab zu thal. 
Bringen uns die füß in unfal. 
Das unser viel kummen umbs leben. 

15 Fhebus, der gott. 

Phebus sprach: Auß gnad hab ich geben 
Euch hasen grosse fruchtbarkeit, 
Das ir gar offt in jares zeyt 
Junge außziehet mit einander 
[ABC 1, 503] Und mert euch stetigs allesander. 
Euch laids an den jungen ergetzet. 
Mit freuden euch teglich ersetzet 
Wirt wieder ewer grosse zal. 

Der alte haß. 

26 Der haß sprach: nicht uberal 

Kumpt uns zu freud solch fruchtbarkeit, 

Sunder vil mer zu hertzen-leid; 

Wenn wir gleich oft junge geberen, 

Die uns doch all erwürget weren, 
30 Dicweil auch yetz das menschlich gschlecht 

Uns hasen auch grausam durchecht. 

Burger, bawer und edelleut. 

Die alle uns nach-stellen hewt 

Mit lauschen, pirrschen und waydwerck. 
35 Durch weld, awen, dal und auch perg 

Hab wir hasen kein sichere stat. 

15. 16 Phöbus. 20 C mehret. aUsander. 32 C Bawern. 



157 

Sie stellen uns nach frü und spat, 

Zu fahen uns, darnach zu knicki^, lis, i4^ 

Abzihen, ein-payssen und spicken, 

Einpicken, praten und uns essen 
5 ^Wieder gottes Ordnung vermessen, 

/Welches doch Got verboten hat. 

/Levitici am aylften stat: 

1 Welch thier nit wieder-kewen wol. 

Der selben man nit essen sol. 
10 Weil wir hasen nit wieder-kewen, 

Seind wir auch unrain gleich den sewen. 

ledoch sie uns mit frid nit lasen 

Und ü*essen uns unschuldig hasen 
[K 1, 1013] Wider des Herrn Gots verbot 
15 Aus^fürwitz, gnesch an alle not, 

Die wir im leben unschuldig sein, 

Wann wir wider kü, roß noch schwein 

Ihn nider-werffen noch zu-reissen. 

Weder hüner, genß oder enten erbeissen. 
20 Das klagen wir, Phebe, dir, got, 

Wölst unsern unschuldigen tod 

An dem menschlichen geschlecht rechen 

Und der-gleich auch an allen frechen 

Thieren, so uns im gantzen land 
25 Angreifen mit freffeler band 

Und ob unserem flaisch und blut 

Haben ihr freud und guten mut, 

Auf das wir hasen all-gemein 

Forthin vor inen sicher sein, 
30 Und thustu das', wie wir dir trawen 

Und auff dein gnad und beystant bawen, 

So wöU wir dir, die weil wir leben, 

Lob, preis und rum zum opfer geben. 

FhebuSy der got, beschleust. 

35 Phebus sprach: haß, hab gedult! 
Ob du gleich leidest umb Unschuld 
Wider all biligkeit und recht 

* 

3 C einpeissen. 15 ohn. 18 zenreissen. 19 fintn. 20 Phtfbe. 
23 auoli] fehlt C. 



158 



Sampt alle deim hasen-geschlecht, 
Und laß söliches dein trost sein, 
Das da au£f ert nicht bist alein, 
Der leidet widerwertigkeit, 
5 Die-weil in dises lebens zeit 
In dem elenden jamerthal 
Anfechtung, creutz, angst und trübsal 
Ist allen creaturn gemein! 
Derhalb gieb dich willig darein, 
10 Das dir aus ungedult nit wachs 

Noch gröser schaden! wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 5 tag Martü. 

* 

6 C Jsmmerthal. 8 C Creaturen. 



159 



f 



Schwanck. Die hasen fangen nnnd braten den 

jeger. 

Ains morgens gieng ich durch ein wald, 

Es het geschneyt unnd war grimb kalt. 
5 Neben der Strassen hört ich vispern, 

Etwas hindter eym gstreuß laut zispern. 

Ich guckt hin-durch, sach, das da sassen 
^ Etwas inn die zway-hundert hasen. 

Hetten samb da i hren reichstag . 
10 Ein alter haß erzelt die klag 

über ein gar uralten jeger, 

Der sie teglich in ihrem leger 

überfiel mit lauschen unnd hetzen, 

Mit gschoß, falcken, hunden und netzen, 
16 Darrait sie vielfaltig verstricket 

Und sie an all erbarmung knicket, \^,i 

Darnach er sie den schund und briedt, 

Ir etlich gar zu stücken schniedt 

Und pickt sie ein zu eym ftirheß, 
20 Nach dem mit zennen zeri^iß und freß. 

Das müstens leyden und ir kinder 

Und wwden ir ye lenger minder, 

Wiewol sie teglich junge trügen 

Und die außheckten und außzügen, 
25 Und wo die leng sie noch da blieben, 

^Wurden s all von im aufgeriben; 

Derhalb wer not, das sie all-sand 

Dem jeger theten widerstand, 

Wenn er zu-nechst mit seym waydwerck 

■ 

« 

16 C ohn. 26 Würdens. 



N 



160 

Widerumb züg auff diesen berck, 
Das sie im soltn mit gmaynem hauffen 
Inn eynem stürm entgegen lauffen, 
Ghrad zu auff ihn an alle krümb 
6 De^ alten jeger stossen umb, 
[K 1, 1014] Ihn denn mit sein hetzstricken binden, * 
Dergleich seine laidhund unnd winden. 
Wenn sie denn also weren gfaiigen, 
Als übel, vor an ihn begangen, 

10 Möcht man volkumblich an ihn rechen. 
Darzu wären all hasen sprechen, 
Sie wolten ir pelg all dran wagen 
Und strachs nach-kummen seym ansagen, 
Ob sie möchten den jeger feilen. 

15 Inn dem hört ich ein hören schellen 
Und auch jauchtzen der hunde hauffen. 
Anfingen die hasen zu lauffen 
Hin-nab gehn thal dem jeger zu. 
Ich stund ein weil und inn eym nuh 

20 Kamen die hasen inn ihr leger 
Unnd brachten mit den alten jeger 
Mit waidstricken gfangen und bunden 
Mit all sein winden und laydhunden. 
Sein spieß und waidmesser sie trugen. 

26 Den jeger an eym strick auff-zugen 
An eym bäum zu der strengen frag, 
Wie viel er hasen all sein tag 
Het umb-bracht mit seynem waidwerg 
AUhie an dem waldigen berg. 

80 Da bekendt er, auff dritthalb hundert, 
Yeden mit namen außgesundert. 
Mit fleiß beschriebens sein urgicht. 
Nach dem sassen sie zu gericht, 
y Theten sein jeger-horen schellen 

35 Und über ihn ein urtheil feilen, 
Das man zu straff umb sein unthaten 
Ihn solt an eynem spisse praten, 
Wie er den hasen auch het than. 
Wo ers gfengklich het kummen an. 

4 ohn. 10 C ToUcömmlich. 13 C stracks. 26 ein. 



161 

Auch feltens ein urtheil den hunden, 
Das sie all solten werden gschunden, 
Zerhawen unnd gesalzen ein 
[ABC 1, 504] Und darnach auff-gehangen fein. 

5 Nach dem die hasen schürten ein fewer, 
Namen den jeger ungehewer 
Unnd banden ihn an seynen spieß, 
Der eynen tieffen seufftzen ließ 
Unnd sprach: Erst ich erkennen kan, 

10 Das ich im hab zu viel gethan. 

Drumb gschicht mir yetz auch nit unrecht. 
Ich hab euch gar zu hart durch-echt 
On schuld wieder all billigkeyt, 
Wann ich gedacht zu jener zeyt, 

15 Ich wolt euch trucken, wie ich wolt, 
Das ir mich alzeit fliehen solt 
Nach aller hasen natur und art. 
letz so ir haltet wiederpart 
Unnd ir mein majster worden seyt, 

20 Erkenn ich erst mein groß thorheyt. 
Nach dem die hasen ungehewer 
Theten den jeger zu dem fewer 
Und drehten in umb an dem spieß. 
Mannichen lawten schray er ließ. 

25 Zu helffen ich im offt gedacht, 

Doch sorg und forcht mich darvon bracht, 
Das sie mir nicht gleich wie im thaten. 
Ließ gleich den alten jeger praten, 
All hund erschlagen, damaeh schinden, 

30 Inn stück zerhawen; ich stund binden, 
Sach, wies ein theil einsaltzten auch. 
Darnach auffhiengen in den rauch. 
Eins thails sie inn eym kessel suden. 
AlLwolff und fuchs jie. darzu luden, 

35 Mit in zu halten das frümal. 

Nach dem gieng ich mein straß zu-mal 
Und gedacht mir bey der geschieht: 
War ist es, wie Seneca spricht: 
Welch herr treybet groß tyranney, 

5 C schUrtn. 34 C Wölff nnd Füohs. 

Uans Sachs. V. ' 11 



162 

Macht viel aulFsetz und schindterey, 
Meint zu drucken sein unterthon, 
Auff das sie fürchten sein person, 
[K 1, 1015] Der selb muß ihr auch fürchten vil. 
5 Wenn ers gar ubermachen wil, 
Wirt es etwan mit ungestüm ghrocheu 
Und hart gespanter pogen prochen, 
Wie kaisser Jülio geschach 
Auch andern mer vor und hernach. 

10 Wer aber senftmütig regirt, 
Von den seinen gelibet wirt. 
Thund im frey-willig alles gut 
Und setzen zu im leib und blut, 
Darmit sein reich grün, plü unnd wachs. 

15 Senftraut bringt gut, so spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1550, am 25 tag Aprilis. 
4 C förohten. 6 C vngstüm. 



163 



Schwanck. Der katzen-kramer. 

Wer hie fürgeh, der schaw mich an, 
Was ich für ein wahr hie fail han, 
Wiewol ichs wirt verkauffen hart, 
5 Weil sie sind ungeschlachter art 
All fünff, ein yedliche besunder! 
Verkauff ichs hie, so ists ein wunder. 

Das erst, die schmaichel-katz. 

Das erst das ist ein schraaichel-katz, 
10 Die vorren leck unnd hinden kratz, 

Ean sich umb die armen und reichen 

Fein sewberlich unnd höflich streichen 

Mit guter red an alle trew. 

Judas kuß ist bey ir gar new. 
15 Lach mich an und gieb mich doch hin! 

Das ist der schmaichel-katzen sin. 

Hindter-rück sie nyemand wol spricht. 

Drumb wer sie kendt, der kaufft sie nicht. 

Die ander, die naß katz. 

20 Das ander ist ein nasse katz, 
Das sie bered und uber-schwatz 
Die lewt mit hindterlisting Worten 
Und hinter-geh an allen orten 
Mit lüg und arglist aller weiß, 

25 Biß das sies füre auff das eyß, 
Und sie betrieg auß falschem mut 
Sie uber-vortheil umb gelt und gut. 

* 

10 C vornen. 13 ohn. 

11* 



164 

Derhalb man diese katz auch scheucht. 
Ein yeder sie zu kaufen fleucht. 

Die dritt, ein hader-katz. 

Die dritt, das ist ein hader-katz, 
5 Die all mal marr, gron, krell und kratz 
Mit nachparn, kinden, magd und knechten, 
Stät hab zu zancken und zu fechten. 
Wenn sie besteht ir böser laun, 
Bricht sie ein hader von eym zäun. 
10 Nyemand kein wort sie übersieht. 
Auch stetigs hadert vor gericht. 
Des Wirt ihrm peutel oft gezwagen 
Und ir der hader-palg zerschlagen. 

Die vierdt, die g^nesohigf katz. 

15 Das vierdt ist ein gneschige katz, 
Die doch facht weder mauß noch ratz, 
Sunder ficht nur umb nach der Stangen, 
Daran die würst und bering hangen. 
Die fisch, vögel, hüner und dauben. 

20 Sie tregt auß kandel, rock und schauben, 
[K 1, 1016] Verkaufft und versetzt das nachmals, 
Darmit sie nur füll ihren halß 
Bayde mit genesch, pressen und sauffen. 
Der katzen wirt auch nyemand kauffen. 

26 Das fünfPt, die faul katz. 

Das fünft doch ist ein faule katz. 
Die all zeyt bey dem fewer natz, 
Ir balg ruhsig, besengt all weg, 
Wann sie ist schlüchtisch , faul und treg. 

30 Sie fecht weder ratzen noch meuß, 
Lauft selber stets vol flöch und leuß. 
Hefen, schüssel ligt ungespült, 
Samb hab ein saw darinn gewült. 
Des ist sie yederman unwerdt. 

85 Zu kaufen ir auch nyemand gerdt. 

Der besohluß. 
17 Solider. 23 C gnesch. 35 C begert. 



165 

Derhalb furcht ich, so ich mein war 
Hie gleich het fayl ein gantzes jar, 
Wurd ich nit gar viel gelts drauß lösen. 
Das aber nit kommen die bösen 

5 Buben, treyben anß mir den spot. 
Mich und mein wahr werffen mit kot 
Und darnach in dem trog paden, 
Das ich het das gspött zu dem schaden, 
So will ich mich trollen darvon, 

10 Mein wahr lassen den ritten hon, 
Das mir kein unwill darauß wachs, 
Wünscht euch in gutem schwanck H. S. 

Anno salutis 1557, am 10 tag Decembris. 
1 C förcht. 7 C Troge. 



166 



[ABC 1,505] Schwanck. 

Wer erstlich hat erfunden hier 
Und der vollen brttder thurnier. 

Jamprinius, ein küner held, 

5 Inn Flandern unnd Praband erweit, 
Ein könig streng, gerecht und frumb. 
Regiert in seynem königthumb, 
Litt kein rauberey noch unrecht. 
Er strafft den herren wie den knecht. 

10 Er hielt seym volck getrewen schütz 
Und handhabet gemainen nutz. 
Der selb nach Iside, der frawen, 
Lehret sein volck das acker-pawen, 
Dungen, ackern unnd beseen 

15 Mit gersten unnd waitz inn der neben, 
Leert schneydcn, samlen und einftiren 
Und dreschen, wie denn thut gebüren. 
Nach dem ließ er maltzen und wenden, 
Derren unnd malen an den endten. 

20 Nach dem ließ er hier darauß prewen. 
Darmit thet er sein volck erfrewen. 
Weil inn sein landen wuchs kein wein 
Unnd dieser könig lebt allein 
Zu Jacobs zeytn, weil guberniort 

25 Belockus, der neund köng, regiert 
Noch inn dem assirischen land. 
Zu der zeyt er das hier erfand, 
Yedoch im Niederland allein. 
Doch sagt die cronica gemein, 

4 C Heldt. 14 ? Mit d. ? Das d. 



167 

Bachus der hab den wein erfunden 

Inn Kriechenland, nach dem zu stunden 

Hab er Teudtschland auch leeren schier 

Auß gersten machen gutes hier, 
6 Vorauß in mitternechtling landen 

Hab er sich sollichs undt erstanden, 
[K 1, 1017] In Liefland, Sachsen, Meichsen und Hartz 

Und immer ye weyter einwartz. 

Das ist wol glaublich aller-weiß, 
10 Wann diese völcker dien mit fleiß 

Dem gott Bacho mit dem biersauffen, 

Weib und mann, jung und alt mit hauffen, 

Und mag das wol mit warbeit jehen, 

Wie ich es denn hab selb ges6hen 
15 Eins tages am Hartz bey dem hier. 

Da betten ir zwölff ein thurnier 

Dieser bierhelden, sach ich streyten. 

Mit stützen und kandeln zamb reytten. 

Einer schrey: Gut gsell, es gilt dir. 
20 Der ander schrey: Frisch her zu mir! 

Der dritt schrfey: Schenck, lieber, schenck ein! 

Der vierdt schrey : Bring frisch hier herein! 

Der wirdsknecht der het gnug zu latiifen. 

Da sach man gar ein küisch sauffen. 
25 Welcher held war verzagt im handel, 

Bracht für sich vier oder fünff kandel. 

Ir prüst waren mit hier begossen, 

Man het kaum ein pfeil dardurch gschossen. 

Sie truncken, samb werens erdürst, 
30 Und fraßn darzu gsaltzen knack- würst 

Und rohen speck, gesaltzen frisch. 

Das pier das floß über den tisch. 

Die erd war naß wie ein badstuben. 

Zu sauffen sie wieder anhüben. 
35 Als auff sechs stund werd der thurnier, 

Auß-truncken war ein tunnen pier. 

Ein held hindter dem tisch endschlieff, 

Der ander auß der stuben lieff, 

War gar stüds-ol, mocht nit mehr trincken- 

* 

3 lehren, 5 € Mittora'äoMing. 7 C Saohnii Meichsn. 17 Diese. 



168 

Der dritte thet emieder sincken 
Bey dem ofen auff die leckpenck. 
Der vierdt mit fartzen macht ein gstenck. 
Dem fünfften thet das hier aaffstosen 

5 Die thür, das er pfercht in die hosen. 
Der sechst gröltzt, thet den sewen locken. 
Der sibend warff ein hauffen procken. 
Der achte thet nach spielen schreyen, 
Man solt im würffei und karten leyen. 

10 Der neundt pnmtzt undterm tisch herfür, 
Das es mnn zu der stuben-thür. 
Der zehend juchtzet, schray und sang. 
Der aylfft saß und sach leichnam sträng 
Unnd auch nur immer palgen wolt. 

15 Der zwelfft der schrey, man rechnen solt. 
Die ürten macht der wird nach duncken. 
Drey groschen eyner het vertruncken. 
Also zugens ab vom thumier 
Und ruchen alle nach dem bier 

20 Und glotzten all wie die gaißböck. 
Etlich zu pfand Hessen die rock. 
Ir etlich fielen ab die stiegen. 
Ir zwen auff dem mist blieben liegen. 
Ir drey giengen an wenden haym, 

25 Wüten hin durch dreck, kot und laym. 
So ryetena ab vom thurnier-plan. 
Des andren tags yeder gewan 
Zwo faul hend unnd ein bösen kopff, 
Ein lären peutel, ein vollen kropff. 

30 Da dacht ich gar haymlich bey mir: 
Wer teglich reytt in den thumier, 
Es sey zu bier oder zu wein, 
Und wartet nicht des handeis sein. 
Dem kumbt endlich armut zu hauß 

85 Und tregt im seinen haußrat auß. 
Wer aber inn arbeyt nit ist lessig 
Und brauchet sich zimlich und messig 
Wein und bier oder ander gabeu, 
Die wir von Gott, dem Herren, haben, 

1 C damider. 9 G Wttrfl. 26 G ritteiu. 29 G läm. 



169 

Mit danckbarkeyt sie neust allwegen, 
Dem gibt Got gedeyen und segen, 
Das er sich also mag hie neern 
[K 1, 1018] Nach seynem stand mit Got und ehrn, 
5 Bhüt ihn vor armut ungemachs 
Hie und dort ewig, wünscht Hans Sachs. 

Anno salntis 1553, am 15 tag Novembris. 

* 
3 C nehrn. 



170 



Schwanck. Der proflant und mumplatz. 

Eins tages zog ich über landt. 

Zu feld ich ein heerleger fand, 

Da sich fußknecht unnd reutters-knaben 
5 Hetten verschantzet unnd vergraben, 

Gerüstet zu des krieges hatz. 

Ich eylet auff den profant-platz. 

Wann mich het auch der hunger bsessen. 

Da fund ich fail trincken und essen, 
10 AUerley speiß, hier, wein und brot. 

Was leschet durst und hungers-not. 

Was nur ein hungrig hertz ergetzet. 

Sollich profant war alles gsetzet 

Umb ein gnand geld von dem provosen. 
16 ledoch so wart von manchem losen 

Marckatatlten, der geitzig war, 
[ABC 1, 506J übernummen die knecht so gar. 

So macht in denn der provoß preiß. 

Bald wurd umb den ein groß gereiß. 
20 Da gieng sein haubtgut und dem gwin 

Inn einer viertheil-stund dahin. 

Auch sach ich da schlachten und stechen 

Kü, kelber, schaff und seh wein den frechen, 

Auch hin und wider kochen und sudeln, 
25 Inn hefen und inn kessel prudeln 

Wurst, flaisch und gut seh weine praten, 

Darauff eym möcht ein trunck geraten. 

Auch kochet man da kraut und ruhen. 

Hüner und genß prieten die hüben. 

3 C ^och. 12 G ergötzt: gsetzt. ^0 ? der, 22 G sah' 



171 

Die kriegßleut radweiß darumb sassen, 

Ir tisch das war ein grüner wasen, 

Und schlembten da und lebten wol. 

Ein thail lagen und waren vol 
5 In ihren hütten und speluncken 

Und betten ibn ein polster truncken. 

Doch sah ich ir ein grosse zal, 

Die kein gelt betten uberal, 

Theten sawer zun Sachen sehen. 
10 Die musten am hunger-tuch neben, 

Waren inn iren hütten liegen, 

Sich ganz frostig ins stro ein-schmiegen, 

Wann ir klayder waren zerschnitten 

Biß auff die hewt nach kriegsleut-sitten. 
15 Die all sehr grosse andacht betten 

Nach dem pfening-maister seufftzen theten. 

Auflfs baubtmans zeit het ich auch acht, 

Das wurd von trabandten bewacht. 

Darundter die befelchsleut sassen, 
20 Gar frölich truncken unde assen. 

Fürs zeit sah ich die spiel-leut kummen, 

Hofirten mit pfeiffen und trummen, 

Die man gar ehrlich fertigt ab. 

Nach dem ich weyter kert hin-nab 
25 Und da auch auff den spilplatz kam, 

Da ich mancherley spiel vernam. 

Eins thails knecht warfen ubern kraiß. 

Da wurd manchem vor angsten haiß. 

Das er verschwayset all sein gelt. 
30 Die mumschantz auch gar manchen feit, 

Das im kein pfenning im peuttel blieb. 

Der würffei im den schwaiß auß-trieb. 

Der bock auch manchen knecht hart stieß, 

Das er ein par fluch fallen ließ, 
[K 1, 1019] Und all sein gelt blieb auff dem platz. 

Mancher spielt dem unglück zu tratz 

Das rauschen und darzn das losen, 

Macht rewtern und knechten böß hosen. 

Der kugel-platz thet manchem schaden, 

* 

21 C kommen: Trommen.* 29 C verheiset. 30 C manchem. 



174 

Die sechste schand was ein unlust. 

Das brot das schnit ich an der prust. 

Macht schnitten, ein, zwen oder drey, 

Gar nit zu klein noch kurtz darbey. 
[K 1, 1020] Die sibend schand, als ich nein pfropflft, 

Das ay mir durch die finger dropfft, 

Das ich die finger thet ablecken. 

Man lachet mein; inn diesem schrecken 

Kam die acht schand; vom brot ich biß 
10 Unnd inn das ay es wieder stieß, 

Die neundte schand war mir ein spot. 

Wann mir zerrunn geschnitten brot. 

Da fund sich bald die zehend schand: 

Das ay behielt ich inn der band 
15 Unnd schneyd vom liegenden laib zaintzig 

Ein schnittlein brotes oder zwaintzig. 
^Die aylffte schand macht mich nit irisch. 

Das messer fiel mir undteru tisch. 

Nach dem messer war mir sehr gach. 
20 Als ich mich gehling puckt darnach, 

Da machet die zwölfift schand erst haiß. 

Im pucken mir ein nestl zeraiß 

Und machet am tisch ein gestenck. 

Erst lacht man der unfieting schwenck. 
25 Die dreyzehend schand het fürganck: 
[ABC 1, 507] Im schrecken hub ich auff und tranck 

Und mich betrayffet mit dem wein. 

Ich mayn, die gest erst lachten mein. 

Die vierzehend schand ich eynumb, 
80 Stieß das ay mit dem erbel umb, 

Das tischtuch ich beklenet gar. 

lederman lacht, wer umb mich war. 

Die fünffzehend schand mich erst fatzet: 

Vor schäm ich inn dem kopff mich kratzet. 
85 Die gest sahen mich alle an, 

Was ich wer für ein göckelman. 

Die sechtzehend schand lag mir hart. 

Als ich das ay zusamen schart, 

Stach ich dardurch ein grosses loch. 

6 C tropft. 29 C ein numm. 30 C Brmel. 34 C K. erst kr. 



176 

Da lachten alle menschen noch. 

Die sibenzehend schand versteht! 

Mit den diebsnegeln ich scharren thet 

Das ay inn der schalen zusam. 
5 Nach dem die achtzehend schäm kam. 

Neun schnitten brot mir uber-blieb, 

Das erst die gest zu lachen trieb. 

Also ich die achtzehen schand 

Ob dem aynigen ay entpfand, 
10 Wie-wol das alt Sprichwort doch jach, 

Neun schand man ob eym ay entpfach. 

Solch, neun schand ich doch doppaliert. 

Solch dölpisch weiß in mir regiert. 

Beschluß. 

15 Hie-bey merck, wer zu tische sitz, 

Das er brauch sein vernunfft und witz, 

Das er eß inn züchtiger weiß 

Nach rechter art eyn yede speiß, 

Wie man die selbig essen soll. 
20 Hof-zucht am tisch steht alzeyt wol, 
^ Auff das kein schand im darauß wachs. 

Zucht bringet ehr, so spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 7 tag Augusti. 

* 
8 C achtzehendt. 23 Der monatstag ist in C nicht angegeben. 



176 



Schwanck. Die 18 schön eyner junckfrawen. 

Nechten zu abend ich spaciert 

Auff freyem marck und phantasirt, 

Zu machen ein newes gedieht. 
5 Inn dem da kam mir zu gesicht 

Ein junckfraw gar höflich geziert, 

Gar adelich geliedmasiert, 12, -^ 

Dergleich ich mein tag nie het gsehen. 

Deß ward ich zu mir selber jehen: 
[K 1, 1021] Warlmfft die schön der junckfraw da 

Vergleicht der schön Lucretia. 

Deß ich mich gleich verwundern kund 

Und da geleich stock-stiller stund 

Und dacht, wer nur die junckfraw wer. 
15 Inn dem die zart trat zu mir her 

Mit leysen tritten, fuß für ftiß, 

Und grüsset mich mit Worten süß 

Und sprach, weß ich thet warten hie. 

Ich sprach : Zart junckfraw, mercket, wie 
20 Ich steh, zu schawen ewer schön, 

Die ich ob allen weyben krön! 

Wann ich sach nye schöner figur. 

Der siben schön tragt ir ein kur, tu^ /^ \ 

Die doch all siben traget ir. 

* 

1 Vgl. über diesen gegenständ Reinhold Köhler in Pfeiffers Qermania 11, 
217. Felix Liebrecht in den göttingischen gelehrten Anzeigen 1868, 1919.. 
Heinrich Kurs, deutsche bibliothek 10, 99. 436 ff. 465. Dasselbe thema be- 
handelt 8. M6ons Fabliauz 3, 424 f. Percys loose songs s. 112. Esehenburgs 
denkmftler 8. 397. Lessings beitrage zur gesohiohte und litteratur 5, 204. 
Hätzlorin s. Izyiy. Ayrers dramen 2, 967. Liebtreus von Sohalkhausen jung- 
femspiegel ad annum 1650. 22 sah. 



177 

Da sprach die zart junckfraw zu mir: 

Seind denn der schön nit mehr, denn siben? 

Wo habt ir das fanden geschrieben? 

Ich sprach: Ich hab bey meynen tagen 
5 Von siben schönen hören sagen. 

Sie sprach: Der schön sind wol achtzehen, 

Die natürlichen mayster jehen, 

Die werden auß-gethailt darbey 

Inn sechs thail, yeder thail hat drey. 
10 Drey kurtz sind im ersten anfang, 

Darnach inn dem andren drey lang 

Unnd zu dem dritten sind drey lind 

Und zum vierdten drey schneeweiß sind 

Und zum fünfften drey rosen-rot, 
15 Zum sechsten drey kolschwartz sind not. 

Ich sprach: Der ding versteh ich nicht. 

Ich bitt: der ding mich baß bericht! 

Wann ich nye liebers hört auff erd. 

Sie sprach: Seyt ir denn das begert, 
20 So will ich euch die ubersummen, 

An eyne, die sey auß-genummon, 

Als ir wert hören an dem end. 

Von erst hab ich drey kurtz, genendt. 

Das sind zwey kurtze ferßlein schien, 
25 Das dritt ein kurtz gespalten kien. 

Nach dem drey lang sagt man vor zeyten: 

Zu-erst zwo lang geronig seyten. 

Das dritt ein lang gold-gelbes har. 

Drey lind der solt ir nemen war: 
30 Das erst zway zarte hendlein sind 

Und auch ein peuchlein waich und lind. 

Zu dem vierdten drey schneeweiß sein: 

Die ersten zway weisse prüstlein, 

Die dritt eia weisses heißlein ist. 
35 Die fünflften, drey rosen-rot wist! 

Zway rote wenglein thu ich kund. 

Die dritt ein rosenfarben mundt. 

2 Das sprichwörtliche dieser zahl in besiehung auf die Schönheiten der 
frauen erwähnt auch Fols in dem fastnachtspiel s. fastnacht spiele aus dem 15 jh. 
s. 12, 6. 21 C On. 24 C schön. 

Hans Sachs. V. 12 



178 

Die sechsten drey schwartz als ein kol: 

Zwo sind zway schwartze euglein wol, 

Die letzt schwartz ich nit nennen kan. 

Ist, die ich außgenummen han. 
5 Der schön ir sibenzehen hat. 

So ihr die achtzehend errath, 

So schenck ich euch diß krentzlein grön. 

Ich sprach: zarte junckfraw schön, 

Ich bin yetz darauff nit bedacht. 
10 Sie sprach: Nerabt ziel die langen nacht 

Und morgen biß auff diese zeyt! 

So kumbt her und mich deß bescheyd! 

Mit dem die zart schied von mir hin. 

Nun ich die nacht gelegen bin 
15 Und hab mich auff die schön besunnen, 

Aber ich hab ir nit gefunnen. 

Was die dritt kölsch wartz schön mag sein. 

Darumb kumb ich z\i euch herein. 

Euch zu fragen umb rath unnd lehr, 
20 Was die dritt kolschwartz schöne wer, 

Das mir wurd deß krentzleins geschmachs. 

Verargt mirs nit! das bitt Hans Sachs. 

Anno salutis 1557, am 3 tag Martii. 
7 C KrentzliD. HC jetzt. 12 C kompt. 18 komb. 



179 



[Kl, 1022] Schwanck. Die haosmaid im pflüg. 

Eins mals ich am aschermitwocli 

Inn gscheöt durchs Payerlande zog, 

Zu Regenspurg ich on gefehr 
5 Sach auf dem platz dort ziehen her 

Sechs schöner h^ußmaid in eym pflüg 
[ABC 1,508] Die hatten sich beschlept genug. 

Ein junger gsell vor in her sapt 

Und fast mit eyner gaysei schnapt. 
10 Neben-her auch ein ander trieb 

Und mit der gaysei umb sich hieb 

Und schrey, als ob er wer nit klug. 

Zu hinterst eyner hielt den pflüg. 

Eins tbails gesellen anders-^\u 
15 Fürten noch mehr haußmaid darzu. 

Bald fragt ich einen man der mär, 

Was für ein ackerwercfc das wer. 

Er sprach: Im pflüg werden getrieben 

Die haußmaid, welch sind überblieben, 
20 Die faßnacht nit band mender gnumen. 

Bald ich die sach hört ubersummen, 

Das es war ein solch faßnacht-spiel 

Und mir der schwanck auch wolgefil. 

Stund ich hinfür auflf ein gemewer, 
25 Zu sehen recht die abenthewer. 

Der forder gesell. 

* 
1 Über die diesem schwanke su gründe liegende sitte vgl. meine fast- 
nachtspiele aus dem 15 jh. s. 2d7. F. Liebreoht in Pfeiffers Germania 5, 51. 
Auch die simmerische Chronik erwähnt den gebrauch 2, 117. ^K''Hai]skmägd. 
6. 19 C Haußmägd. 7 C sie b. 14 C anderstwu. 20 'C han Mi^niä^. 

12* 



180 

Der forderst gsel zun mayden sprach: 

Ir lieben mayde, ziecht hernach, 

Weil der ascher-mitwoch ist kämmen 

Und ir nicht mender habt genummen! 
5 Ir habt das jar und die faßnacht 

Uns junge gsellen gar veracht, 

Manchem ein plechlein angeschlagen. 

Die narren-kappen must wir tragen. 

Ir liest uns über nacht hofiren, 
10 In regen, sehne und wind erfrieren; 

Denn warrt wir lang auff guten bschayd, 

So schlugt ir uns auff haberwaid, 

Wurfft uns den strosack für die thür, 

Nambt euch ein weil ein andern für, 
16 Der zug dann auch am narren-sayl. 

Das selb wird euch yetz auch zu thail. 

Im pflüg ziecht ir ein stund ftirwar; 

Wir aber ziehen das gantz jar 

Im narfen-sail hie auff and nieder. 
20 Biß jar kumb ewer keine wieder! 

Sunder thut euch all mender nemen, 

So dürfft ir euch des pflugs nit Schemen 

Und umb das narren-sail euch gremen. 

Die erst haußmaid sprach: 

25 Die erst sprach : Seyt mit mir geduldtig ! 

Inn diesem pflüg zeuch ich unschuldig. 

Ich hab ein jungen gsellen hold. 

Der mich auch geren nemen wolt, 

Mein mutter aber wils nit than, 
30 Das ich noch nemen soll ein man. 

Und spricht, ich sey zu jung an jaren, 

Hab noch kein haußhalten erfaren, 

Ich soll baß inn der kuchen leren. 

Das ich ein man mtig helffen neren. 
35 Derhalb so ist die schuld nit mein. 

Ich wolt viel lieber ehlich sein. 

Die ander haußmaid. 

* 

1 C Mägden. 2 C Mägd ziehet. 4. 21 Männer. 12 C dhaber- 

weidt. 15 C zooh denn. 34 C mOcht. 



181 

Die ander sprach ; Ein jung gesell 
Bringt mich in dieses ungefell, 
Der lang umb mich gebulet hat, 
[K 1, 1023] Spand mir das maul auff frü und spat, 
6 Biß er mich umb ein hembd betrug, 
Darmit haimlich zum thor außzug. 
Da war die faßnacht an der band. 
Das ich so bald kein andern fand. 
Billig Zug der im pflüg, dann ich, 
10 Der also hat verkürtzet mich. 

Die dritt haußmagd. 

Die dritt sprach: Ich bin unbekand 

Inn die statt erst kummen vom landt. 

Da-haym mein Jansei het groß acht 
15 Unnd mir schier fenstert alle nacht 

Und juchtzet, das im dorff erhal, 

Kaufft mir der kirchweich alle mal. 

Es rewt mich noch zu heuting tagen, 

Das ich ims nit hab dar geschlagen; 
20 So dürfft ich inn dem pflüg nit ziehen. 

Will zwar bald die stat-naschen fliehen. 

Die vierdt magd spricht. 

Die vierdt die sprach gar ungemut: 

Ach we! ich hab kein hayrat-gut, 
25 Darzu so bin ich nit fast schön. 

Deß muß ich inn dem pflüg auch gehn. 

Kein jung gsell will sich achten mein. 

Wann sie mein all spotten allein, 

Thund mir des nachts für thür hofiem, 
30 Das ich mit schauflfeln muß palbiern. 

Ob ich schon eym verhaiß ein krantz, 

Fürt er mich doch nit an den dantz. 

Des bin ich schabab und unwerdt 

Und zeuch im pflüg gleich hewer als fert. 

35 Die fünfPt haußmagd. 

Die ftlnfft die sprach : Ein junger held 

9 C denn. 14 C Hansel 19 Vgl. s. 182, 27. C iohs jms. 29 C Thun, 



182 

Het mich zum bnlen anßefwelt, 
Der dienet mir und hielt mich werd, 
Doch zu Unehren mein begert. 
Das schafft ein alte kuplerin. 
5 Die hat der hencker auch dahin. 
Da ich das inerckt, da ward ich fiiehefft. 
Will lieber inn dem pflüg noch ziehen. 

Die sechst haußmagd. 

Die sechst die sprach : Bey meinen tagen 
10 Hab ich der hayrat viel verschlagen. 

Die mich wolten, der wolt icli nicht. 

Also mir yetzund auch geschieht. 

Deß bin ich schier von Alten-hausen. 

Noch laß ich stät das ketzlein mawsen, 
15 Ob mich gelück deß noch ergetzt, 

Weil ich im pflüg nicht bin die letzt, 

Wann ich hab so viel abenthewer 

Inn mancher eh gesehen hewer, 

Darinn nichts war den schlahen und rauffen 
20 Und wieder von einander lauffen. 

Derhalb bin ich gleich ledig bliben. 

Was schadts, ob ich im pflüg wird ^trieben? 

Die gefangen magd. 

Inn dem brachten ein magd zwen gselln 
25 Und wolten die in pflüg auch stein, 

Die schrey gar laut: Mir gschicht unrecht, 
Wann ich habs nechten unserm knecht 
Geschlagen dar, eym jungen knaben. 
Biß sontag wöll wir hochzeyt haben. 

30 Der beschluß: 

Hie-bey secht an, ir jungen mayd! 
Nembt von heyraten den beschayd! 
Haußhalten vor ein yede leer, 
Bewar mit fleiß ir zucht und ehr, 
35 Fliech alle schmaichler frü und spat, 
Heyrat nach irer freunde rat! 

19 C Drinn. 28 Vgl. s. 181, 19. 36 Heuchler. 



183 

(Wann haimlich eh thun selten gut; 
[K 1, 1024] Sie stecken manche inn armut), 

Sonder ward recht bequemer zeyt! 
Wiewol ein altes Sprichwort seyt, 
5 Frü heyraten das sey fast gut. 
Wee aber der, die feien thut! 
Der wirt die weil noch lang genug. 
Viel leichter züg sie inn dem pflüg. 
Derhalb sech yede selber drauff 
10 (Heyraten ist ein langer kauff), 
Das keyner unrat darauß wachs! 
Das rätt in trewen in Hans Sachs. 

Anno salutis 1532, am' weissen sontag. 

13 Dio angäbe des tages fehlt BG. Der weiße sonntag oder Quasimodo- 
geniti fiel 1532 auf den 7 April. 



1B4 



[ABC 1, 509] Schwanek. Die fanl hansmaid. ^ 

Im Sommer erst yergangen hewer 

Kam ich zu einer abenthewer 

Inn ejnem banß^ darimi ich solt 
5 Zn abend zechen, da man wolt 

Bevor-geben ein junge? ban. 

Die fraw der magd den stecket an. 

So tmncken wir, biß auff ein stnnd 

Das bun nit fertig werden knnd. 
10 Die fraw schawt binanß ein die kochen 

Und wider kam mit grossem pochen. 

Sprach: Kummet beraoß alle baid! 

Bescbawet mein hcußlicbe maid! 

Bayd schlich wir hinauß mit der frawen, 
15 Dem röschen koch auch zu-zuschawen. 

Da saß die magd be3in Lert und schlieff, 

Lautscbnarchend durch die nasen pfiff, 

Gleich wie ein alter acker-gaul. 

Die zotten hiengen ir ins maul 
20 Und war umbs maul faist und besudelt, 

Inn klajdem geschmutzt und zerhudelt, 

Ir hend weiß als der ofen-herd 

Und inn der kuchen an der erd 

Lag Schüssel, pfannen ungespült, 
25 Sam het ein saw darinn gewült, , 

Die Scheffel zerlechtzt und zerfallen. 

Die krüg zerbrochen; bey dem allen 

Der hund auß einer schüssel fraß 

Und die katz auff dem koch-herd saß 

* 

1 faule. 10 C in. 25 C Samb. 



185 

Und het das flaisch umbkeret gar. 

Das fewer fast abgangen war. 

Das hun war noch nit recht erstarret. 

Ob diesem koch ich gleich ernarret. 
5 Die fraw sprach: Lieber nachpawr, secht! 

Solt ir ir faulkeyt wissen recht, 

Die sie die vierzehen tag hat trieben, 

Ein buch würt wol von ihr geschrieben. 

Ihr möcht euch wol darob verwundem. 
10 Zu morgens kan mans nit ermundern. 

Den kumbts in die stuben geloffeu. 

Der busen stet ihr oben offen, 

Ihr har verbilbitzt, zapfet und stroblet. 

Als ob sie hab der rab gezobelt. 
15 Wil ich wasser ihnß giesfas hon, 

Mus ichs all morgen selb drein thon. 

Die Stuben kerts, das gröst lest liegen. 

Das körich schüts unter die stiegen. 

Darnach lauft sie nach wasser auß, 
20 Und was geschehen ist im haus, 

Das pringts zu mären also warm. 

Tregt sie herauf ein holtz am arm, 

So wurft sieß, das sicbs haus thut rtlren. 

Wen sie den wil ein fewer schüren, 
25 Laufft sie zum nachbawrn mit dem licht. 

Den fewer-zeug sie nit zuricht. 
[K 1, 1025] Denn legts etwan sechs scheiter an, 

Zway scheitlen kuntens auch wol thon. 

Verbrent das holtz, eh sie zu-letzt 
30 Das fleisch ungwaschen sie zusetzt. 

Den lest sieß ungefaumet sten 

Oder zu letzf gar ubergehn. 

Eins ist verprent, das ander ungesaltzen. 

Das drit ungsoten, das virt ungschmaltzen. 
36 Also wirt durch ir teglich kochen 

Verwarlost vil, verwüst und brechen, 

Wo ich nit bin binden und vorn. 

So ist ir spinen auch verloren. 

Eins verdret, das ander verwutzelt. 

* 

6 G sehen. 12 G vornen. 30 ?aDgewa8ohen sasetzt. 33 C yngsaltsen. 



■^ 



186 

Hanff und flachs sie sckendlich verbutzelt. 

Gantz schübel wercks sie mir versteckt. 

Verzwerte spindel sie verlegt. 

Mein knecht offt ungepettet liegen. 
5 Kein arbayt thut ir angesiegen. 

Ich muß sie wie ein esel troyben, 

Es sey mit fegen oder reyben. 

Nichts nütz ist sie auch mit dem waschen. 

Ins kerich schütt sie mir den ascben. 
10 Verdrossen aller ding, nachlessig, 

Wie man spricht, stüdfaul und gefressig 

Ist sie, das faist von suppen nascht, 

Und was gescbleckwercks sie erhascht, 

Von wein und pier, das hat verspielt, 
15 On was sie ayr im schmaltz abstielt. 

Doch schleufft sie an die buben-tentz 

Und macht den jungen gsellen krentz. 

Ist doch der aller-gröst unlust, 

Der aller-schlüchtischt suppenwust. 
80 Wenn wir sitzen und sollen tischen. 

So thut sie nach den flöhen tischen. 

Sie pferclit mir in hefen und Scherben. 

Vor unzifer möcht sie verderben. 

Yedoch die zeyt wir nie vermochten, 
35 Das sie ihr zwagen het und flochten. 

Ir dinglich ist schwartz wie die erd. 

Sie ist in summa nichtsen werd, 

Denn nur zu fressen und zu schlaffen. 

Ich sprach : Ich wolt die Schluchten straffen. 
80 Sie sprach: Ja, wenn ich mit ir schrey, 

Gibt sie mir für ein wort wol drey. 

Ich sprach: So thut den schlepsack nauß! 

Was soll der schawer inn dem hauß? 

Weil sie kein straff auffnemen will. 
35 Endlicher magd find ir noch viel, 

Die euch zu rechter zeyt auffston 

Und ir hauß-arbayt embsig thon, 

Nach art, wie yedes thut gebürn, 

Holtz, wasser tragen, fewer schürn, 

* 

4 BC VerBwitrt?. 14 Vom. 27 VgL fastnaohtspiele s. 168. 



187 

Waschen, spinnen, spüln und kochen 

Zu rechter zeit auß die gantz wochen. 

Mit fleiß, auffrichtig, recht und redlich 

Und euch auch sunst trew und unschedlich, 
5 Inn alln sachn suchn ewem nutz. 

Mit einer solchen gschicht euch guts. 

Sie sprach: Der jar-ritt soll der walten! 

Ich will ir auch nit lenger halten. 

Morgen ist sanct Lorentzen tag, 
10 So hat sie gleich nach irer sag 

Seyt liechtmeß vierzehen dienst gehabt. 

Der riedt hat mich mit ir begabt. 

Der schwenck hub ich lawt an und lacht. 

Inn dem die faul haußmagd erwacht, 
15 Auffgienet weit und sach uns on. 

Da dacht ich in me}an hertzen schon : 

Wo hawt und bar gar ist entwicht. 

Da wird kein guter peltz auch nicht. 

Wer mit eyner solchen wird erschlagen, 
20 Der waiß von unglück wol zu sagen. 

Das ein sohad auß dem andren wachs. 

Schaw für dich, gut gsell! spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1534, am 20 tag Augusti. 
6 C suohen. 12 C Kitt. 15 C sah yns an. 



188 



[ABC 1, 510. K 1, 10261 Drcj arme hanümayd klagen auch ; 

Die jar-dienst sind ihn herb nnd raach. 

Die handwercks-mayd klagt: 

Ach liebe Gred, auff meynen ayd, 
5 Wie sind wir so arme hauß-mayd, 

Von yederman veracht, verschmecht! 

Doch sein auff all settel gerecht 

Ein gantzes jar umb kleinen Ion. 

Wo ich etwas zubrechen thon, 
10 So thut man mirs am Ion abschlagen. 

Soll ich dann von der arbayt klagen? 

Da treibt man mich ab wie ein pferd, 

Inn der kuchen und umb den herd, 

Mit pratcn, sieden und kochen, 
^ 15 Mit pedten, keren über wochen. 

Ich sey gleich gesundt oder schwach, 

Da fragt mein fraw gar wenig nach. 

Ich muß stets liegen in der aschen. 

Die Wochen halbe muß ich waschen 
20 Dem raaister, frawen, kindten, knechten 

Und bin zwar erst haym-kuraraen nechten, 

Beschlagen hindten und voren 

Mit eyß-zapffen, schier gar erfroren, 

Klapprent, als het ich an ein pantzer. 
26 Meiner frawen het nicht kleckt ein gantzer 

Jar-lon, zu thun ein solche wesch. 

Und dunckt sich doch mit arbayt resch. 

Ja mit essen, trincken und schlaffen. 

Und schreyt doch über mich laut waffen, 

* 

1 G HauBB-Magd. 



189 

Ich sey zu faul und gar kein nütz. 
Derhalben bin ich gar urdrütz, 
Fürbaß zu dien eym handwercks-mon. 
Ich wolt eh spinnen umb ein Ion. 
5 Doch hoif ich, es soll besser weren. 
Ein freyer knab thut mein begeren, 
Ist schön, frumb, kan arbayten wol. 
Der mich, wils Got, erlösen sol. 

Eins burgers undter-magd : 

10 Ja liebe Gred, es ist wol war. 

Doch hab ich auch ein hartes jar. 

Mein dienst ist samb in einer klauß. 

Ich dörfft nit schmecken auß dem hauß, 

Das mir doch fert ward offt vergind, 
15 Weil ich bey meinem maister diendt. 

Yetzt hab der herren ich so viel, 

Yeder ubeb mich herschen will, 

Die fraw, töchter, schnür unde schwieger. 

An der yedem hab ich ein krieger. 
20 Und ob ich gleich thu eyner recht, 

Wirt von der andern ich geschmecht. 

Am feyertag frü thun sie mich fretten 

Mit goller und mit hauben-gletten. 

Wenn sie gehn kirchen wollen prangen, 
25 Muß ich dann mit in sein behangen. 

Man möcht die weil gerüstet han 

Ein krönlin-stecher auff die pan. 

Dann muß ich arme blosse dieren 

Inn der kirchen bey in erfrieren, 
30 Muß in dann ir klayder außreyben 

Und die nacht bey den kinden bleyben. 

Mit wenig schlaffen, frü auff-stan, 

Den halbn tag in der stat umb-gan. 

Damit zu-reiß ich schuh und klayder . . 
35 Und das ich schier geh nacket layder. 

Hab gleich so wenig rhu, als du. 

Darumb, mein Gred, so rath darzu, 

Wie wirs auff liechtmeß greiffen an! 

17 C vber. 18 C vnd. 19 C Kuchen. 34 C «erreiß. 35 C nackend. 



190 
Ich hab auch lust zu eynem man. 

Die bawern-mayd klagt: 

Ir zwo klagt ungeblewten. arß. 
[K 1, 1027] Die es nit will glaubn, die erfarß! 
5 Aufif dem dorfif hab ich herters leben 
Mit schwerer arbajt und darneben 
Somer und winter weng zu schlaffen, 
Mit küen, sewen, genß und schaffen, 
Mit melcken, puttren. misten, strewen, 

10 Mit grasen, schneyden, prayten, he wen, 
Mit prechen, hechlen hanff und flachs; 
Und als, das auß der erden wachs, 
Muß wir arbayten inn wind und regen, 
Essen doch grobes brot allwegen, 

15 Gar selten flaisch, nur milch unnd prey. 
Nun schaut, welcher dienst herter sey, 
Die soll ir nemen eynen man! 
Derhalb solt ich zuerst ein han. 
Aber so ich gedenck darneben 

20 Der armen jungen ehleut leben. 
Die bald mit kinden uber-falleu. 
Find ich inn Iren dingen allen 
So viel der wiederwertigkeyt, 
Als indert haben mag ein mayd. 

25 Drurab will ich mich noch baß besinnen. 
Euch menner-nemen wol vergtinnen. 
Kompt ir auß dem karren in wagen, 
Fürwar so dörfft ir mirs nit klagen. 

Anno salutis 1539, am 9 tag Julii. 
9 C puttern. 11 C hecheln. 



191 



Klag dreyer frawen über ir hauß-magd. 

Weil ich noch war ein junger knab, 
Eins morgens ich gehöret hab 
Inn der kirchen am liechtmeß-tag 
5 Von dreyen frawen grosse klag. 
Stunden undter dem glocken-thurn 
Und alle drey fast klagen wurn 
Über ir hauß-magd inn dem banß. 

Die erst fraw klagt. 

10 Die erst für grell mit Worten rauß: 

Ich hab ein magd, die ist stüdfaul. 

Die zotten hencken ir ins maul. 

Sie thut stät ob dem rocken natzen 

Unnd bey dem fewer, wie die katzen. 
15 Sie ist der aller-gröst unlust 

Unnd auch der schlüchtischt suppenwust. 

Hat mir nun pfercht inn suppen-hafen. 

An ir hilft gar kein zucht noch straffen. 

Thut am tisch nach den flöhen fischen, 
20 Offt auff ein mal ein par erwischen. 

Geht daher rusig und besudelt, 

Inn klaydern blöd und gar zerhudelt, 

Ir hend weiß als der ofen-herd. 

Inn der kuchen ligt an der erd 
35 Hefen und pfannen ungespült, 

Samb hab ein saw darinn gewült. 

Hefen unnd krüg sie mir zerbricht, 

Hat kein acht auff kein arbait nicht. 

* 

2 C Da. 11 Vgl. s. 184 ff. 



192 

[ABC 1, 511] Umb ir schlflchtiscb anorndliclis leben 
So will ich ir bewt nrlanb geben. 

Klag der andern frawen. 

Die ander spracb: Acb das hertzlayd! 
5 Ich bah gleich auch ein solche maid. 

Wolt ir wol ein lied von ir singen. 

Frü kan icbs aaß dem pett nit bringen. 

Isis ein wasser ins gießüas than, 

Drey wocben lest sies darinn stan. 
10 Die stoben kerts nnr oben hin. 

Und schfltt das nnder stiegen hin. 

Das flaisch lests ungefanmet stehn, 

Die erbaiß erstarm .und nbergehn. 

Kitz-graw sind all ir saylTen-wescb. 
15 Mit keyner arbeyt ist sie resch. 

Ich maß sie berrt und fest an-treyben, 

Es sey mit fegen oder reyben. 

Sie selb ligt all nacht ungepett. 

All wort sie mir herwider redt. 
20 Wenn ich sie schick umb etwas aaß, 

So schwatzet sie denn aaß dem baaß 

Und leugt auch drey mal mehr darza, 

Bringt newe mär aach spat und £ra. 

Das selb that sie doch als aaff laagen, 
25 Schwert mir ofift ein ding auß den äugen, 

Rieht an beyn nachpawem viel gezenck, 

Braucht viel listiger duck und renck. 

Mich duncket, sie sey nit gar trew. 

Derhalb hab ich vor ir ein schew. 
30 Drumb will ichs für den arß heut schlagen 
"Mit der thttr und zum hauß auß-jagen. 

Der dritten fra^ren klag. 

Da sprach die dritt fraw zu den andern: 
So muß mein meid heut auch mit wandern. 
36 Sie kan gleich hewer als viel, als ferd. 
Mit arbeyt ist sie nichtsen werd, 
Wenn sie het zu schlaflfen und fressen, 

6 ?Wolt euch. 8 C Handfaß. HC dstigen. 13 C arbeis. 16 C hart. 
28 dunokt. C getrew. 



.^■'^ I.JXal 



193 

Und ist so gantz und gar vergessen. 
Wenn ich sie schick nach etwas anß, 
So kumhts ungschafft wieder zu hauß. 
Das faist sie von den suppen nascht, 
5 Und was sie ergreifft und erhascht, 
Das ist uns abgetragen als. 
Das verfrist sie denn inn den hals. 
Sie hat den meuchler über tag 
Und laugnet mir als, was ich sag. 
10 Doch kan sie sich gar wol auf-sprentzen, 
Laufft auch zu allen buben-dentzen 
Und hat viel gfix mit jungen knaben. 
Drumb soll sie heut auch urlaub haben. 

Der beschluß. 

15 Also die frawen mancherley 

Klagten über ir mayd all drey. 

Nit waiß ich, was es alles war. 

Bhieltens ye noch all drey ein jar 

Inn irem dienste, wie vorhin. 
20 Derhalb ich wol gedencken bin. 

Das die sach nit so hefiftig was, 

Weil ein alt Sprichwort saget das: 

Wenn ein fraw sunst nichts waiß zu sagen. 

So thut über ir hanßmagd klagen. 
25 Dergleich klagen die haußmagd auch. 

Des ist ein alt gemayner brauch 

Hie und dergleich jenseit des bachs. 

Ein gute nacht wünscht uns Hans Sachs. 

Anno salutis 1555, am 26 tag Januarii. 
24 C thuta. 25 C Haußmagd. 29 Die angäbe des tages fehlt B. 



Hfins Sachs. V. 13 



194 



Ein kampff-gesprech zwischen einer frawen unnd 

ihrer haaßmagd. 

Eins nachtes gieng ich auß spacieren, 
Meym lieben bulen zu hofieren, 
5 Unnd schmückt mich zu des hauses ecken, 
Mein feines lieb mit gsang zu wecken, 
Und warrd biß ein viertheil nach drejen. 
Inn dem da hüben an zu schreyen 
Die fraw mit sampt irer haußmayd, 
10 Wurden laut-raysig alle bayd. 
Bald stund ich an den fenster-laden. 
Den kampff zu hören kan nit schaden, 
[K 1, 1029] Dacht ich, und schmücket mich hin-an 

\. (Die fraw.) 

15 Und hört, die fraw fing wieder au. 

Sprach : du vernaschter unflat ! 

Find ich dich yetz auff warer that. 

Das du mir sauffest auß den kandeln? 

Ob ich dich vor darumb thet handeln, 
20 So must ich allmal liegen dir. 

Wie mainst yetzund, wann ich dir 

Die kandel stieß auch inn dein maul? 

Die magd. 

Die magd antwort und war nit faul: 
25 Wie thut ihr, das ir also flucht, 

Das ich gleich hab den wein versucht. 
Den ir heint habt geschend am tisch. 
Er sey zu sawer und zu frisch? 

* 

17 C jetzt. 21 C meinst du wann ich jetznnd dir. 22 K. auch stieß in. 



195 

Schweygt nur! ich will in geren zalen. 
Last mich nur ungefrett der-malen! 

Die fraw : 

Die fraw sprach: Ich hah dich erhascht. 
5 Erst merck ich, das du hist vernascht. 
Nöten Y^ill mir kein wein nit klecken, 
Die pretzen, semel, noch die flecken, 
Kayn ayer, schmaltz, opffel, noch piren, 
On was ich on das thu verlieren. 
10 Nöten magst oh dem tisch nicht essen, 
Wann du hast inn der kuchen gfressen. 
Den meuchler hast du uher tag. 

Die magd: 

Die magd die sprach : Der jar-ritt schlag 
15 Inn das wesen! solt ich erhungern? 

Weyl ir mich fressen seht so ungern, 

So muß ichs nemen, wo ichs und, 

Ich und das ander haußgesind. 

Uns ist versperret keß und brot. 
20 Ir wist gar nichts von unser not. 

Ir habt allmal ein sonder rieht. 

Wo euch die selb auch klecket nicht. 

So last ir euch den blinden fttren. 

Ein acht ayer darzu einrüren. 
25 Uns gebt ir zessen, wie den hunden, 

Als habt ir uns im mist gefunden. 

Was dürfft ir denn fast mit mir hadern? 

Woltst du mir dann herwider dadern? 

(Die fraw.) 

30 Sprach die fraw, du fauler schlepsack! 
Ich gib dir eins auff deinen nack, 
Du faules oß inn allen dingen! • 
Nyemand kan auß dem pett dich bringen. 
Das spinnen will dir gar nicht schlannen. 

35 Ob der hanß-arbeyt thust du lawnen. 
Bist in der kuchen auch nichts werd. 

8 C öpfel. 29 In BC steht diese ttberschrift richtig vor z. 28. 

13* 



196 

Der schawer schlecht dirs auff dem herd. 
Mit dem spülen bist auch nit resch. 
Kitzgraw sind all dein sayffen-wesch. 
[ABC 1, 512] Mit kberen, petten bist verdrossen. 
6 Deins hechlens bab leb nye genossen. 
Nimmer tbust gar im bauß auffraumen. 
Schick ich dich auß, so thust dich säumen. 
Siehst die bannen ein-ander peissen, 
Kein arbayt ist an dir zu preysen, 
10 Dann fressen, sauffen und dem maul. 
Inn den drey stücken bist nicht faul. 

Die magdt. 

Die magd sprach: Was sagt ir darvon? 
Ir dienet nye keym biderraon, 
15 Sonder ward nur tochter im hauß. 
Gutzt den balbn tag zum fenster auß. 
Was möcht ir denn von arbeyt sagen? 
Man müst euch inn eym leylacb tragen, 
[K 1, 1030] Wann ir ein tag arbayt als ich. 

20 Die fraw. 

Die fraw die sprach: Der ritt schütt dich! 

Wenn ein endligkeyt inn dir wer, 

Du giengst so schlüchtisch nit daher. 

Wie bangen dir ins maul die zotten! 
25 Wie bengt dein schurtz vol der zwölff-boten ! 

Wie bist zurissen und zuflambt, 

Das ich mich dein offt bab geschambt 

Inn dein alten zurissen hudeln, 

Das man schier sieht die millich-ludeln ! 
30 Sag, wenn hast du dein füß gewaschen? 

Siebst gleich, samb steckst du inn der aschen. 

Die magdt. 

Die magd sprach: Ja wol, laider mir! 
Het ich als wol der weil, als ir, 
35 Wolt mich an zweyfel baser zaffen. 

Hab die nacht lecht sechs stund zu schlaffen. 

5 C hechelns. 26 zerrissen v. zorflambt. 28 C zerrissen. 35 C ohn. beaser. 



197 

Beym tag ist stets die dn, die du. 
Ich het kein vierteil-stund kein nw. 
Wann wir ein schlechten feyertag han, 
So facht ir denn ein waschen an, 
5 Fegt das zyn oder fidert pett, 
Auff das ich nur kein rhu nicht het, 
Zu bessern mein eilende klayder, 
Der ich mehr reiß, denn drübrig, layder. 
Derhalb ich so rusig herfar. 
10 Bin nun bey euch ein viertheil-jar, 
Liest mich noch ungern inn ein päd. 

Die fraw. 

Die fraw sprach: Das ist warlich schad, 
Das dn nicht inn das wildpad sitzt, 
15 Das dir dein Unzucht baß auß-schwitzt. 
Der ich dir zaygen künd ein drumb. 

Die magdt. 

Die magd sprach: Seyt ir ehren-frumb? 
Sagt her, was ich unehrlichs thu! 

20 Die fraw. 

Die fraw sprach zu der magd: Hör zu! 
Was magst du für ein jungfraw sein, 
Das du dich so offt stelst allein, 
Dich graplen last die jungen gsellen, 

25 Als ob sie kelber kauffen wollen? 
Warumb hast du auch an dem tantz 
Dem selben esel kaufft ein krantz. 
Der all nacht geht da umb zu plerren? 
Ich will es zwar sagen dem herren, 

30 Das er deß nachts ihn dannen flegel. 
Dem nach zu gehn, das ist dein regel. 
Mainst du viel-leicht, du habst sein ehrV 

Die magdt. 

Die magd sprach: Wist ir nichtsen mehr? 
85 Diß thu ich mit ehren, ein frommen 

8 BC erober leider. 24 grappelo. 



198 

Gsellen damit zu uberknmmen. 
Warumb sagt ir auch nicht von jhem 
(Ir mercket mich gar wol, von wem), 
Der bey euch in der wannen saß, 
5 Weil der herr auß-geritten was? 
Des andern allen will ich schweygen. 
Wird sich noch mit der zeyt erzeygen. 

Die fraw. 

Die fraw sprach: Schweig, unflat! duleugst. 
10 Als, was du redest, mich betreugst, 

Unnd was du hörest inn dem hauß, 

Das tragest du zu mären auß 

Und leugst drey mal so viel darzu. 

Scbem dich, du arger schlepsack du! 
15 Auch hab ich inn deym pettstro unden 
[K 1, 1031] Der meinen goller eins gefunden, 

Das du mir woltest han abtragen. 

Ich dörfft dir dfaust ins maul wol schlagen. 

Die magd. 

20 Die mad die sprach: Das ist nit war. 

Da platzet ir die fraw ins har. 

Von in bayden ward ein gerümpel, 

Mit stül und pencken ein gedümpel, 

Zügen einander hindter thtir, 
25 Inn der stuben wider herfür, 

Theten die zöpff einander denen 

Und grißgrampten mit den zenen. 

Yede weert sich, als viel sie kundt. 

Das werdt auff ein halb viertheil-stundt, 
30 Das sie einander künden zausen. 

Deß mocht ich mir wol lachen aussen. 

Still wurden sie lassen darvon. 

Die fraw. 

Die fraw hub laut zu schreyen on: 
S5 Du unflat, heb dich auß meym hauß! 

Die magd. 

« 

SO BG Magd. 27 K grißgrammeten. 30 C gunden. 



199 

Die magd sprach : Gib niirn Ion herauß ! 
Ich will dich nit lang hinnen irren. 

Die fraw. 

Die fraw sprach: Bist ein tapflfere dyren. 
5 All viertheil-jar hast da ein dienst. 

Die mag^d. 

Die magd sprach: So hast da aufifs minst 
Aach all vierzehen tag ein mayd. 
Das ich so lang bleib, ist mir layd. 
10 Ich will hinauß, gib mir mein Ion! 

Die fra^r. 

Die fraw sprach: Hör! das will ich thou. 

Yedoch will ich dir vor abrechen, 

Was da thest schaden und zerbrechen. 
16 Urab drey grosch hast mir hefen brechen. 

Auch so hast du mir jhene wochen 

Ein halßhembd in der wesch verloren. 

Auch hast mir für ein windel gschworen. 

Auch hast ein schüssel mir verbreud. 
20 Zwey tisch-deller verschwunden send. 

Auch geht mir noch ein leylach ab. 

Diß als ich zam gerechnet hab. 

Das du mir gehst neun pfenning rauß. 

Und heb dich heindt noch auß djem hauß, 
25 Du diebin, du ylteßbalck, du gelber 1 ^/y 

Die magdt. 

Die magd sprach: Du bist an dir selber. 
West sein mein herr so viel als ich, 
Ich main, er würd zurichten dich, 
80 Du schöne fraw von art entwicht! 

Die fraw. 

Die fraw schlug sie ins angesicht 
Und fielen wider bald zu hauffen 
Mit krellen, peyssen, schlahen, rauffen, 

3 C Fraw SAhreyt. 



200 

Mit grossem ghrümpel und rumor, 

Als ich zu-höret, stund darvor. 

Inn dem sach ich kummen von fen'n 

Ein man, welcher trug ein latern. 
5 Vor dem floch ich, verschlug mich mit, 

Wie dann ist der nachtrahen sitt. 

Der man aber gieng stracks zum hauß, 
[ABC 1, 513] Inn welchem war gemelter strauß. 

Er sperret auff und gieng hinein. 
10 Ich dacht: Es muß der herre sein. 

Schlich wider, loset an der wend. 
[K 1, 1032] Da het der lerman gar ein endt. 

Nicht waiß ich, wer sie eins het gmacht. 

Ich gieng haimwertz und mir gedacht: 
15 Wie groß nimbt ein haußhalten schaden. 

Das mit ehalten ist beladen, 

Geneschig, faul, untrew, geschwetzig. 

Unzüchtig, herrisch und auffsetzig. 

Das doch offt kumbt, wa herr und fraw 
20 Ist zu hündisch, karg unnd genaw. 

Dem ehalt essens nicht vergand 

Und teglich mit im kifft und grand. 

Lest keiner arbayt sich benügen 

Und treybt in über sein vermügen, 
25 Gert im doch wenig Ions zu geben. 

Wo der ehalt merckt solches leben, 

Wirt er darob auch böß und stützig. 

Verdrossen, pendig und gar trützig 

Und setzet sein sin auß dem hauß, 
30 Wie er mit ehren komb hin-nauß, 

Und niet sich als-dann nicht viel guts. 

Seins dienstes hat man wenig nutz. 

Wa aber rechte herrschafft ist, 

Die gnugsam speyset alle frist 
35 Und ist mit arbeyt fein genügsam 

Mit thun und lassen fein gerügsam 

Und lonet im ehrlich und billich. 

Da bleibt der ehalt auch gutwillig, 

Trew, still, gehorsam, arbayt gern 

* 

3 C sah. 5 C floh. 6 denn. 22 G gront. 30. 83 MTo. 



201 



Und ist mutwillens wol entpern. 
Wer aber redlich herrschafft hat, 
Die alles thut, was im znstat, 
Und lest doch seins mntwillens nicht, 

5 Der ist an hant und har entwicht 
Und wirdt auch zalet widemmh, 
Wie er dient seiner herrschafft frumb, 
Wie man dann spricht unvergessen: 
Wie ein yedliches hat gemessen, 

10 Wirdt' im gemessen widerumb. 
Das ist endlich darvon die «umb, 
Wie maus teglich vor äugen sieht, 
Als unns Hans Sachs von Nürnberg spricht. 

Anno salutis 1531, am 9 tag May. 



9 C jedliohes. 



202 



Ein kampff-gesprech zwischen einer hanümagd 

und kindpett-kelnerin. 

Vor jaren diendt ich inn eym bauß. 

Darinn geschach ein wilder straaß 
5 Von der kelnerin und haußmayd. 

Die waren sehr erzürnet bayd 

Vor tag an eynem montag fru. 

Nun kam ich on gefer darzu 

Und loset aussen an der kuchen, 
10 Wie sie einander theten puchen. 

Die kelnerin. 

Die kelnerin sprach: Du unflat, 

Warumb hast du mich nechten spat 

Gehn der kindpetterin versagt, 
15 Als hab ich über sie geklagt, 

Wie sie sey so zornig unnd grendtig, 

•So wunderlich, seltzam und endtig? 

Hab ichs gleich thon an eynem ort, 

So hab ichs doch von dir gebort. 
20 Waist, da ich erstlich einher kam. 

Da du für mich säst on all schäm, 

Wie du der frawen sprachst ir lob, 

Sie wer karg, heflFtig und sehr grob? 

[E 1, 1033] Die magd. 

26 Die haußmad sprach: Des war ich zwungen 
Von dir, wann du zogst mir die zungen 
Und kundst viel dinges auß mir locken. 

25 BO hausmeid. 21 C yast ohn. 



203 

Du aber sagst noch gröber brocken 
Von unserm maister umb und omb. 

Die kelnerin« 

Sag ber^ und bist da ebren-fimmb, 
5 Sprach sie, was ich dann hab gesagt! 

Die magd. 

Hinwider sprach zu ir die magd: 
Da giebst du in außwendig auß, 
Wie solche arraut sey im hauß, 

10 Da sey weder ayer noch schmaltz, 
Kein gelt, holtz, zimis, brod noch saltz. 
Auch thust du solche lüg bedewten 
Vor frommen, reichen, milten lewten, 
Von den du dann ein stewer nembst, 

15 Die du beheltst und selb verschlembst. 
Des ich dich uberweysen will. 
Der stück hast du getrieben viel, 
Das du die frommen leut betreugst. 

Die kelnerin. 

20 Die kelnerin die.schrey: Du leugst. 

Was darfst du dein maul mit mir waschen? 
Sag ich doch nichts von deinem naschen, 
Wie du in dfaisten suppen dunckest! 
Das best mir ab der millich trunckest 

25 Nechten, und was man tregt vom tisch, 
Es sey gepratens oder fisch. 
Das bleibt von dir nicht «ngezupfft. 

Die magdt. 

Die magd sprach: Laß mich ungerupfift! 

30 Warumb sagst auch nicht von dem wein, 
Den du schleichst in die kuchen rein 
In hefen, krügen, wie du magst! 
Wie das du nit von ayem sagst, 
Damit du dir stäts haimlich kochst. 

85 Ob dem tisch du nye «ssen mochst. 



HC zimes. 



204 

Du klaubst, als seist du immer kranck. 
künd reden die kuchenpanck, 
Sie würd dir von deym meuchlen sagen! 
Du thust, als künst du dhaut kaum tragen 
5 Du bist doch fast all abend vol. 
mit dir ist versorget wol 
Die kindbetterin und ir kind, 
Der maister und das haußgesind, 
Als der sich mit allten hosen deckt. 

10 Die kelnerin. 

Die kelnerin hin wider leckt: 
Du junge jexnaß, halt dein maul! 
Du znischtes thier, diebisch und faul, 
Sag! wann kam dir das facilötlein, 
15 Das du nun schenckest deinem ötlein? 

Die magdt. 
Die magd sprach: Es kostet mein gelt. 

Die kellnerin. 

Die kelnerin sprach: Du hast gfelt. 
20 Ich hab die ding änderst vernommen. 
Sag, wo der zwölffer ist her kommen! 
Du hast mirn gstoln von der wiegen. 

Die magdt. 

Die haußmagd hieß sie aber liegen. 

[ABC 1,514] Du unverschembter palck, du gdber! ^ji 
Ich mein, du seyest an dir selber, ' 

Weil du mir selber kanst nicht laugen, 
Seid das ich sah mit meinen äugen, 

[K 1, 1034] Wie das dein tochter nechten spat 
80 Inn eym korb nauß getragen hat 

Schmaltz, ayer, flaisch, einlaib, ein grossen, 
Das du ir als hast zu-gestossen. 
Nöten schleicht sie rein morgens firu. 
Sunst ander alt weiber darzu, 
95 Die tragen also dückisch nauß. 

1 klagst. 



205 

Nöten geht so viel aufif im haaß, 
Weil es kaum halbes kumpt ans liecht 
On anders, was von dir geschieht. 
Inn dem einkaufen wird abtragen, 

5 Auch sonst Verstössen and verschlagen. 
So das kindpett ein end ist nemen. 
Das du darnach auch hast zu schlemen. 
Der maister ist gantz schlecht und frumb, 
Merckt nichts auf dich und weiß nichts drumb 

10 Und traut dir wol an allem ort 

Und kert sich an dein schmaichel-wort. 
West er, als ich, was du thest treibn, 
Kein stund ließ er im hauß dich bleibn. 
Soltst du ein jar im halten hauß, 

15 Ich glaub, er müst zum thor hinauß. 

Die kelnerin. 

Du leugst mich an, du huren-palck, 
Sprach sie; das dich der teuffei walck! 
Was darffst der ding halb mit mir streyten? 
20 Schaw an, wie dick bist du inn seyten! 
Den knechten bist lang nach-geloffen, 
Zun dentzen hin und her geschloffen. 
Biß dir doch yetzt der bauch thut gschweln. 

Die magdt. 

25 Hört zu, sprach sie, der alten schein! 

Wie erber ist die alte diem ! 

Das machen die runtzel an der stiern. 

Vor zeyten trugst der panckart zwen 

Und warst lang in der schnurr umbgehn. 
30 Darnach nambst du ein frommen man. 

Was guts du hast dem selben than, 

Das waist du selb am besten wol. 

Deiner art steckt auch dein tochter vol, 

Die auch ein eysen hat verrend 
35 Mit jhenem von mir ungenendt. 

Verhetz sie auch gehn irem man, 

« 

9 C nicht. C nicht. 27 C maohn. 28 C Basthart. 29 C schnür. 
33 C Deinr. 36 C Verhetzt. 



206 

Das sie im auch kein gat soll than. 
Nun seyt ir zwo hosen eins tuchs. 
Da steckest vol list, wie ein fuchs, 
Und wärest all dein tag entwicht, 
5 Liest auch nyemand kein ehre nicht, 
Behielts ir selber audi nicht viel. 

Die kelnerin. 

Die kelnerin die schrey: Schweyg still, 
Du sack! ich wiis dem ricbter klagen. 
10 Da muß der jar-ritt zu dir schlagen. 

Die madt. 

Wann dus nit thust, so sprach die magdt, 
Und wird ich dann von dir verklagt, 
Erst will ich sagen, was ich waiß, 

15 Und dir vor engsten machen haiß, 
Du alte falsche kuplerin! 
Du merckst wol, was ich sagen bin. 
Von jhenem, dem du kuppelt hast. 
Wo du mich nicht mit frieden last, 

20 Will ich dein frömbkeyt alle sagen. 
Das du auch noch den stein must tragen. 
Erst gab sie der magd eins an kopfif. 
Die magd erwischt sie bey eym zopff 
Und ir den zornigklich auß-rieß. 

25 Die kelnerin zuckt ein pradspieß 
Und die haußmagd ein ofen-krucken 
Und theten an einander jucken. 
Viel hefen, krüg giengen zu grund. 
Und was under den henden stundt, 
[E 1, 1035] Das selb must alles lassen bar. 

Unnd als der kampfif am besten war, 
Da ward ich rumplen an der kuchen. 
Mit eym fuß gar lautraysig puchen. 
Als-bald wurdens still als ein mauß 

35 Und namb ein end der hefftig Strauß, 
Das ich darnach zu keiner stund 
Von ihn dergleichen mercken kund, 

« 

1 jhm soll k. g. nit. 6 C Behieltst. HC Magd. 



207 

Dann kelnerin und die haußmayd 
Warn über ein laist geschlagen bayd. 

Besohluß. 

Do dacht ich mir: Wie wee ist eym 
5 Mann in seym eygen hauß da-heym, 

So die fraw ligt im kindel-pett, 

Wo er haußhaltens nicht versteht, 

Wo im ein solche kelnerin würd, 

Die bey der nasen in umbfürt, 
10 Das sein im untrewlich verschwend 

Und hinder-rück in darzu sehend 

An manchem ort, das er sein trawen 

Yerlewert mit sampt seiner frawen, 

Das im hernach bringt schaden schwer. 
15 Der in trifft, weiß doch nit, wo her. 

So hats der alt schlepsack entwicht. 

Mit lüg und listen zugericht. 

Dergleich noch wol dem man ist heut, 

Den gott mit eyner frucht erfrewt, 
20 So er darzu auch uberkomb 

Ein kelnerin, getrew und fromb, 

Mit der das sein versorget ist 

Mit gantzem fleiß zu aller frist, 

Auff das, wann die fraw fürher geh, 
25 Das sie ir dinglich find, als eh. 

Der man mag sich des frewen wol, 

Weil alle weit ist untrew vol. 

Derhalb seh yeder darauff gantz, 

Weß die kw sey, der halts beym schwantz, 
30 Das im kein nachrew darauß wachs! 

So rett im von Nürnberg Hans Sachs. 

Anno salutis 1531. 

« 

18 C Dergloioh dem Mann noch wol ist. 31 BC rätt. 32 fehlt BC. 



208 



Ein kampff-gesprech zwischen eyner hanßmagd 

and eynem gesellen. 

Eins montags M spaciert ich auß 
Und fand stehn vor eins wirtes hauß 
5 Ein jungen gsellen wol gebutzt, 
Der sehr ofFt hin und wider gutzt, 
Ein gassen auff, die ander ab. 
Mit leysen drieten, wie ein pfab, 
Gieng zu dem hauß mit einer kandel 
10 Ein haußmagd mit züchtigem wandel 
Und im ein guten morgen bot. 
Er sprach: Mein schätz, nun danck euch got! 
Wie lang hab ich auff euch gewarrd! 

Die magd, 

15 Sie sprach: Warauff habt ir gehart? 
Was wölt ir mir besunders geben? 

Der geael. 

Er sprach: Mein ehr, gut, leib und leben 
Soll alles gentzlich ewer sein. 

20 Die magd: 

Die haußmagd sprach: Gesell, ach nein! 
Ewers gutes ich nit beger. 
Ich furcht gar sehr, ir kumpt mir lär, 
Weil ir kaum habt so viel zu Ion, 
25 Das ir teglich habt zu verthon 

Mit schlemmen, denmien nacht und tag, 

* 

1 Ein] fehlt C. SC tritten. 



-TV??* 



. Tx, ^c^ aß: imnissiisni; «o^ 



WtüiL 5c3i xmi IDE dfiL efasOLDd kvi&K 



Sie spnch: Ja ireim ilir kumbt ni banß, 
15 Wolt ir auch leben inn dem sauG« 
Den monUg zu dem sonntag ferenu 
Wie ein ochß inn der stat nrnb-levern, 
Hanßrat versetzen und yerUian, 
Last weib und kind am hnnger gau. 
so So nber solchs das weib tbat klagen. 
So thut irs stossen, raufen und schlagen. 

Der gesel. 

Er sprach: So ich yetz sparen woldt, 
So würd die gsellschaft mir abholdt 
25 Und mich eynen Schmarotzer nendt. 

Die magdt« 

Sie sprach: Das euch der jar-ritt sehend! 
Also ewer keiner nichts bhold. 
Darumb ich mir nit wünschen wölt 
so Ewer gesotten oder praten. 

Der goBel. 

Er sprach: Ach thut euch baß beraten I 
Acht nicht meins guts, sonder meinn M\m^ 
Der ewer gert als eins chweibs 

4 C Eh. 21 C rauffn. 28 Jotst. 
Hans Bachs. V. ]4 



210 
Für all ander auff dieser erdt! 

Die magdt. 

Die haußmagd sprach: Ewer geperd 
Und lieb mir auch gar nichts gefeit, 

5 Weil ir euch also bübisch steldt. 
Am kopff seyt ir kolwat beschorn, 
Gleich wie vor jar waren die thorn. 
Secht! wie habt ir ein reytzen pard, 
Gantz rüdisch, wild, dückischer ardt! 

10 Wie ist ewer klaid zerhackt, zerschnitten, 
Durcliauß nach landsknechtischem Sitten, 
Von der solen biß auff das haubet! 

Der gesel. 

Der gsell sprach: Jungfraw zart, gelaubet! 
15 Ich muß mich ziehen andern gleich. 
Mein hertz aber ist tugentreich. 

Die magdt. 

Sie sprach: Wie mag inn wildem schein 
Ein gutes hertz verborgen sein? 

20 Weil ir euch mit unzüchting werten 
Auch hören last an allen orten, 
Mit fluchen, krafft, marter und leiden, 
Mit verachten und ehrabschneyden. 
Uns haußmagd ir teglich veracht 

25 Und nur auff spot und unendt tracht. 
Der-gleich ir selb einander fätzt, 
Mit Stichworten einander dratzt. 
Darnach einander schlacht und rauffl, 
Verwegen inn die krieg hinlaufft 

30 Und den lewten das irig nembt 
Und euch gar keiner laster schembt. 
Bey diesem allen man wol sieht, 
Das ewer hertz auch ist endwicht. 
Ewer ich mir nit wünschen wolt. 

[K 1, 1037] Der gesel. 

* 

7 C jam. 



211 

Der gsell sprach: Zart junckfraw, ir solt 
Biß alles gar nit sehen an. 
Sich muß ziehen ein junger man 
Nach der weit l.auff mit seinem leib, 
5 Sich nit halten wie ein alts weib. 

Die magdt. 

Die hauß-magd sprach: Das ist das gröst 
Bey euch gsellen, das aller-böst, 
Das einer den andren verfürt 

10 Auff btiberey, das nit gebürd 
Einer redlichen gesellscbafft. 
Auch wölt ir sein gantz ungestraft. 
Welcher nach gut und ehren tracht, 
Der ist bey euch unwerd, veracht. 

15 Wer aber grob und bübisch ist, 
Wüst und unzüchtig alle frist, 
Mit sauffen, spieln das sein vertbut 
Und keynem maister thut kein gut, 
Inn der werckstat ist stoltz und üppig, 

20 Böckiscb, trutzig und auff-schnüppig. 
Der selb ist undter euch der best, 
Und wo ich solches von euch west, 
Solt ir mir gentzlich sein unmer. 

Der gesel. 

25 Ach schöne junckfraw, schlacht mirs her, 
Sprach er, secht .nit an leib nocli gut. 
Auch nicht mein jungen thummen mut, 
Sunder mein dienst spat unde fru. 
Wie freundlich ich hofiren thu, 

30 Zu erwerben ewer genad! 

Die magdt. 

Sie sprach zu im: Das selbig hat 
Bey mir erworben kleine gunst, 
Wann schlechte lieb trag ich doch sunst 
35 Den jhenen, so bey nacht umbstreunen, 
Gleich als die wölff singen und hewneh. 

9 C andern. 

14 



212 

Inn allen gassen weyt und ferren 
Sie gleich wie die kelber plerren. 
Zu zeytn sie die leut auch schlahen, 
Auch sunst viel büberey anfahen, 
5 Wann diß sind die rechten nachtraben, 
Den offt die Schergen nach thun traben 
Und schleppen sie gehn Lochaym ein. 
Wo ir auch solt ein solcher sein, 
So trolt euch nur von mir hinweg! 

10 Nach ewrem dienst ich gar nit freg. 
Weil ir seyd bübisch und mutwillig, 
So hüt ich mich vor euch gar billig. 
Mit euch nemb es kein gutes end, 
Wann man spricht: Was bey zeyten brend, 

16 Das selbig will zu nesseln werden. 
Nur immer mit euch unter die erden! 

Der gesel. 

Der gsell der sprach : Ach junckfraw zart, 
Wir sind nit all so böser art, 
20 Wie ir uns allhie zeyhen thut. 

Die magdt. 

Die hauß-magd sprach: Ja das ist gut. 
Solt man nit auch noch finden gsellen, 
Die nach gut und nach ehren stellen, 
25 Redlich gegen der weit und Got, 
Die sich nit an die losen rott 
Keren, das wer ye immer schad. 
Der selben gsellen hab ich gnad 
Und mir ein außerwelen will. 

30 Der geseL 

Der gsell sprach: Mein junckfraw, seyt still! 
Bin ich doch auch der selben eyner! 

[E 1, 1038] Die magdt. 

Sie sprach: Ja wol, ir seyt ir keiner, 
36 Sunst werdt ir yetzt in der werckstat, 

* 

2 C geleioh. 3 selten. 7 G Loohheim. 



213 

"Weil es schon drey geschlagen hat, 
Und arbayt ewerra maister trewlich. 
So seyt ir aufgestanden newlich 
Und in dem . wirtshauß schlembt und prast, 
5 Derhalb mich nur zu frieden last! 
Versecht euch an eym andern ort! 

Der gesel. 

[ABC 1, 516] Ach junckfraw, höret meine wort, 

Sprach er; ich will micli kurtz bekeren 

10 Und trachten nach gut und nach ehren. 
Ir wist, die witz kompt nicht vor jarn. 
letzt hab ich inn gsellschafft erfarn 
Grosse untre w und kleine lieb. 
Derhalb ich mich gefangen gieb. 

15 Vergebt mir das und keines mehr! 
Wo ich inn kurtz mich nit beker, 
So habet kein glauben an mich! 

Die magdt. 

Die haußmad sprach: Ja, so will ich 

20. Euch zusehen ein viertel-jar, 
Und so ir euch bekeret gar, 
Halt euch fein tugendtlich bescheydeu, 
Und thut böse gesellschafft meyden 
Anfacht ein erber, zttchtig leben, 

25 Als-denn will ich euch antwort geben 
Auff das, so ir den yetzt begerdt. 
Viel-leicht werdt ir gütlich gewerd, 
Aber gantz unwerd und schabab. 

Beschluß. 

30 Bald sie im diese antwort gab, 
Zog er darvon und ward verdrossen 
Und het ein feler da geschossen. 
Im ward der hämisch wol gefegt. 
Nit waiß ich, ob er weyter fregt. 

35 Sein sach ward ye auff diß mal lurtz. 
Sie laß im sein legendt so kurtz. 

19 Haußmagd. 20 yierteil J. 24 erbar. 



214 

Ob sie im aber recht hab tban, 
Das urtheyl laß ich yederman, 
Weyl yetz die jungen gsellen sein 
All nach dem lantzknechtischen schein 
5 Mit geperden, werckeji und worten, 
Wie man das sieht an allen orten, 
Darauß denn volgt viel ungemachs 
Inn aller weit; so spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1582, am 18 tag Januarii. 
3 C jetzt. 4 C Landsknechtischen. 



215 



Ein gesprech von fttnff personen. Der cnplerin 

schul. 

Ains nachts ich vor eym fenster stoi\. 
Da hört ich reden fünff person 
5 Inn eynem daiber gschach das nun. 

Der kuplerin sun. 

Anfing der kuplerin ir sun, 

Sprach: Mutter, gieb mir doch zu essen! 

Der hunger hat mich gar besessen. 
10 Den tag bin ich heut umb-geloffen. 

Eins guten trinck-gelts bin ich hoffen 

Von unserm junckheru morgen fru, 

Weil ich so trewlich hilff darzu. 

Ich kan im auff dem sayl wol gehn, 
15 Das es die nachpawern nit verstehn. 
[K 1, 1039] Die thtir im angel kan ich schmieren, 

Deß sie nit knartzen kan noch kirren. 

Auch trag ich zu, was er bedarff. 

Mit auffmercken bin ich gar scharff, 
20 Das ich imtreyben hilff den bern. 

ff 

Die alt kuplerin. 

Die alt die sprach: Mein sun, so lern! 
Seh hin und füll auch deinen hals, 
Weil du es must erlauffen als, 
25 Und nemb die kreyden in die band 
Und schreib ims dapffer an die wand! 
Bringst du drey maß, so schreyb ir vier! 

« 

5 BC Taiber. HC tranokgelds. 25 C nimm. 



216 
Das uberig behalten wir. 

Die sohöiL bulerin. 

Antinb die schöne bulerin, 
Sprach zu irem junckherren dinn: 

5 Junckher, ich hab an euch ein bitt, 
(Ich hoff, wert mirs versagen nit), 
Ein schamlot schwartz zu eyner schauben 
Und umb ein porten auff ein hauben, 
Weil ich mich stät an euch thu halten. 

10 Ach Juncker, ich bin meyner alten 
Noch schuldig eynen viertheil-zinst. 
Da bitt ich euch auff all ewer dienst, 
Wölt auß der herberg losen mich. 
Als guts ich mich zu euch versieh. 

15 Der buler. 

Bald antwort ir ein junger man: 

Zart fraw, euch ich erwelet han 

Für alle weiber hie auff erd. 

Was ir bitt, solt ir sein gewerdt, 
20 Weil ir euch halt an mir so fest. 

Und acht euch sonst nit fremder gest. 

Deß solt ir geniessen von mir. 

Wann was ich will, das wölt auch ir. 

Ich wag mit euch als ungefell, 
25 Es kost mich gleich recht, was es wöll! 

Der narr. 

Nach dem so hört ich einen narren. 

Der thet das jtinckherlein an-plarren, 

Sprach: Jünckherlein, wie bist so blindt, 
30 Bey weisen leuthen gar ein kind! 

Wie lest du dich die btibin nerren! 

Ir falsche duck merck ich von ferren. 

Sie kan dir falsch und freundlich sein, 

Und wenn du jnainst, du habs allein, 
36 So hat sie sunst noch ander drey. 

Verloren ist dein bulerey. 



2 schön] fehlt 0. 



217 

Wenn du erbolen wilt ein hanben, 

Kost es dich ein schamlote schanben. 

Wo dein pewtel nit anff thet gan, 

Sech sie dich durch ein zäun nit an. 
5 Sie ist dir viel zu listig klug.* 

Das ist ir wagen und ir pflüg. 

An ir so wirst du gröblich fein. 

Sie kan gar wol den katzen streln. 

Mit allem irem hauG-gesind 
10 Ist sie Yerscblagen, rund und schwind. 

Thu auff, das ritten nam, dein äugen. 

Wie sie alle drey von dir saugen! 

Den bubeo, bübin und die alten 

Mast du alle kostfrey außhalten. 
15 Der jung waidlich auftragen kan 

Und schreibt es alles doppelt an, 

On was er haimlich ab ist tragen. 

Schaw zu! wie fült die alt den kragen 

Und kan so waidlich zu ir pflaumen! 
20 Die bübin kan dir taschen räumen 

Und thut fein haimlich umb dich mausen! 

Narren muß man mit kolben lausen. 

Auff sollicher Mrch weich alzeit 

Man narren solchen ablaß geyt. 
[K 1, 1040] Unnd dich fein höflich junckher heissen, 

Biß sie dein geltlich dir abschweisen, 

Dein erbthail unnd all deine hab. 

So bist du denn bey in schabab. 

Wenn du hast nicht mehr zu purschiern, 
30 So wirt dich nach der sunnen friem, 

Wann diese bübin ist von Flandern. 

Sie gibt ein buben umb den andern. 

Beschluß. 

Als ich nun höret alle wort, 
35 Da trabt ich ab von diesem ort 

Und dacht: Der narr der hat gantz war. 
Man sieht es teglich ^ber jar, 
Was schön frawen gebn für ein Ion. 

« 

4 C Seh. 7 C wirdst. 11 CK auff ins r. 



218 

Darumb flieh sie, wer fliehen kon, 

Eh ihm groß nachrew darauß wachs 

Mit schand nnd schaden ! spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1531, am 12 tag Augusti. 



1 kan. 



219 



[ABC 1,517] Gesprech, mit fünff personen, haist die 

ewlen-paiß. 

Der pawer spricht: 

Fliecht, fliecht, fliecht, flicht, ir lieben gselln! 
5 Secht ihr nicht, me euch hie thut stelin 

Die alt verzweyfelt kuplerin, 

Das sie euch fach hertz, mut und sin, 

Leib, gut und ehr mit irem kloben! 

Man schetzt mich für ein pawren groben. 
10 Noch schmeck ich den versaltzen praten. 

Der ewlen-payß wil ich geraten, 

Sunder will haym zu weib und kinden. 

Da mag ich gut und ehre finden. 

Bey den will ich mein zeit verzeren, 
15 Will sie mit meiner arbeyt neren; 

So mag ich bleiben wo] bey ehren. 

Der groß hauff: 

Mein bewerlein, du sagst wol recht. 

Wir aber sind der sach zu schlecht. 
20 Das alt weib steckt der liste vol 

Und kan mit irem kloben wol. 

Hat ein lock-vogel auff-gestelt, 

Der singet also außerweit. 

Dem flieg wir zu, als sey wir blind. 
85 Wir achten weder weib noch kind, 

Weder haußhaltens, ehr noch gut. 

Ob uns geleich erschnappen thut 

7 fah. 9 Pawern. 24 fliogn. 



220 

Die alt, und rupffet uns gantz kal, 
Setzt uns ins vogelhauß zu mal, 
Das unser tasch das gloch bezal. 

Der gefangen : 

5 Ach wie hart hab ich mich vergessen, 

Das ich bin auf den kloben gsessen! 

Man hat mirn strick an dhörner bracht. 

Die alt und jung hat mich in acht 

Und rupffen mir mein federn auß, 
10 Gelt, klayder, kleynot, hoff und hauß. 

Weil ich ein fülblein an mir hab. 

Dann wird ich unwerd und schabab 

Und bleybe ein berupffter thor. 

Der lock-vogel singt gleich wie vor 
15 Und locket herzu andern knaben. 

Die werden auch von ir geschahen. 

Man spricht: Neschlein wil schlege haben. 

[K 1, 1041] Die alt kuplerin: 

Wol her, wol her auff meinen kloben! 
20 Mein lock-vogel den thu ich loben. 

Er lockt her-zu ewlen und drappen, 

Auff-sitzen guckgu und dildappen. 

Wann ich sie thu inn kloben bringen. 

So leer ich sie Fortuna singen 
25 Mit schlemmen, rock und schauben kauffen. 

Dann mtissens an der rur mir lauffen. 

Wann sie werden gar dürr und bloß, . 

Ich sie dann auß der hütten stoß 

Und laß ein faysten einher wandern, 
30 Wann wir sind kummen her von Flandern, 

Geben ein drappen umb den andern. 

Der narr: 

Vor zeyten war ich auch ein drap. 
Yetzund bin ich ein grosser lap 
35 Und bin ein lautter guckgu woren 
Und hab gewunnen lange obren, 

26 C Bor mit 1. 30 W. sie s. kommen. Vgl. s. 223. 



221 

Gar nahet eyneiri esel gleich. 
An ehr und gut was ich auoh reich, 
Yetz bin ich arm und unwerd. 
Das machet dieser vogel-herd. . 
5 West mancher drumb so viel als ich, 
Er wurd darumb nicht dringen sich 
Und darauf legen solchen fleiß. 
Wer sich nicht hütet vor dem eyß, 
Der wirdt mit seynem schaden weiß. 

H.. S. S. 

Anno salutis 1532, am 9 tag Februarii. 

* 
3 Jetzt. 6 trengen. 



222 



Der schonen frawen kugelplatz. 

Eins tages an eim abent spat 
Da kam ich an ein kngel-stat. 
Umb diesen kugelplatz nach leng 

5 Sach ich voicks sten ein grosse meng 
Von allen stenden, arm unnd reich, 
Burgern und bawern der-geleich. 
Doch ward ich bey dem ziel dorl schawen 
Kein man, sunder nur eytel frawen, 
10 Geklaydet nach höflichem sitten, 

Fein artlich unnd weyt auiFgeschnitten, 
Gantz hurtig auiF den reuter-schlag. 
Vor ihn gelt auf der erden lag, 
Wann sie setzten da zwen an drey, 

15 Zu treffen eynen kegel frey. 
Geflügelt böß kugel sie hetten, 
Darmit sie hinein schieben theten. 
Als ich sah aufft kugel-statt dar 
Unnd der kegel namb eben war, 

20 Da hetteus all narren-gestalt, 
Von allerley stend, jung unnd alt. 
Bey dem sach ich an eyner Stangen 
Die gwinnenden klainater hangen. 
Das war ein grosse narren-kappen. 

26 Die ghört dem aller-grösten läppen, 
Der da am lengsten bleyben thet 
Und sehr viel stoß erlieden het. 
In dem die frawen beym ziel anhüben 
Unnd hinauß undtert narren schuhen. 

5 C Sah. 22 C sah. 



223 

Eine traf zwen, die ander drey. . 

Keine ich feien sach, darbey 

Traffens die alten unnd die jungen. 

Die fielen, das in dschellen klangen. 
5 Mancher narr umb-geschoben war, 

Das er glimpff, trew und ehr verlur. 

Mancher narr auch ein stoß erlitt, 
[K 1, 1042] Das in darnach die armut ritt. 

Auch thet mannicher narr ein fal 
10 Inn kranckheit, schand, spot und trübsal. 

Bald dann ein kegel namb ein schaden, 

Das er thet auff dem platz auß-padeu, 

Das war den Jrawen nur ein glechter. 

Sprachen : Ey, ey, das ist ein rechter. 
15 Er ist schabab, er hats, er hats. 

Taug nit mehr auff den kugel-platz. 

Den schwintel er im pewtel hat. 

Nach eym andren uns schawen lat! 

Wann wir sind all frawen von Flandern, 
20 Geben ein narren umb den andern. 

Zuband so setzt der weiber-bauff 

Ein andern narren-kegel auff. 

Der stund auch da, geleich eym thom. 

Und het die schellen an den ohm 
25 Und wartet des kugelplatz hitzig. 
[ABC 1, 518] War noch nit woren gscheid noch witzig 

Von ander verderben unnd schaden, 

Darmit sie waren überladen, 

Welche umb gsundheit, gut und ehr 
80 Fast alle waren kummen seer 

Und darzu auch inn schand und spot, 

Inn feindschafft gehn der weit und got, 

Die durch bulerey waren blind, 

Doli, thöricht und gar unbesind, 
85 Betrachten nit das künfftig end. 

Das ihn bald wurd gehn in die hend. 

Da dacht ich mir: Ich laß das spiel. 

Es ist zu thewer und kost zu viel. 

Es ist ein freud an ehr und nutz, 

* 

2 C sah. 18 C andern. 19 Vg]. s. 220, 30. 39 C ohn. 



224 

Auß der nie folget etwas guts. 
Die-weil nun solch weiber gemein 
Kflnnen all falsch und freundlich sein, 
Durch sie mannich man wird betrogen, 
5 Auf diesem kugelplatz gezogen, 
Und wenn er drauff maind sten am festen 
Und sey zu hof am aller-besten, 
So wird er blötzlich umb-geschoben, 
Das in unglück reytt unden und oben, 
10 Wie man sieht sollichs über tag. 

Drumb htit sich, wer nur kan und mag, 

Das im kein ungelflck erwachs 

AuiF dem kugelplatz! wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1556, am 25 tag May. 

* 
3 können. 5 K diesen. 



225 



Das nntrew-spiel. 

Welcher ein schön weib bulen wil, 
Der muß auch von ir leyden viel. 
Das sie der nntrew mit im spiel. 

5 Eins mals ich auf ein abend spat 

Zu einer schönen frawen trat, 

Zu bulen umb die schön und zarten. 

Da fand ich auf dem tisch ein karten. 

Ich sprach : Fraw, mit euch spielt ich gern. 
10 Sie sprach: Des will ich euch gewem. 

Doch sagt mir! was wölt ir für spiel 

Ich sprach zu ir: Zart fraw, ich will 

Mit euch ein spiel, das heist man rümpfen. 

Das nimbt den peutel zu den stümpffen, 
15 Sprach sie; ich möcht ein ablaß lößn. 

Ich sprach zu ir: So wöll wir flößn. 

Sie sprach: Deß hab ich nye genossen. 

Ich sprach : Zart fraw, so wöll wir possen. 

Sie sprach: Wir möchten darob murm. 
20 Ich sprach: So wöll wir in den thurn. 

Sie sprach: Es kostet mich ein rock. 

Ich sprach: So setzs wirs in den bock! 

Sie sprach : Der bock stieß mich hinweck. 
[Kl, 1043] Ich sprach: Spielt eins, das haist der schleck! 
25 Ich mags nit, spi*ach sie, und thet schmutzn. 

Ich sprach: Zart fraw, so wöll wir butzn. 

Sie sprach: Nein. Ich sprach: Wöll wir loßn? 

Sie sprach: neyn, es macht böß hoßn. 

Ich sprach: Zart fraw, so wöl wir rauschen. 

* 

22 C setz. 
Hans Sachs. V. 15 



226 

Sie sprach : Ir möcht mich mit erlauschen. 

Ich sprach : Wöll wir dann eins und dreissig? 

Sie sprach : Ir seyt darauf zu fleissig. 

Was wöll wir? sprach ich; eins und hundert? 
5 Sie sprach: Des fragens mich verwundert. 

Was wöll wir dann? wöll wir carnöflfeln? 

Sie sprach : Ich furcht, ir möcht mich löffeln. 

Ich sprach: W611 wir der raaisten leß? 

Sie sprach: Das ist mir auch nit gmeß. 
10 Ich sprach: Wöll wir stichs und der bild? 

Sie sprach: Darmit seyt ir zu wild. 

Ich sprach: Kein anders spiel ich kan, 

Dann die ich euch erzelet han. 

Sie sprach zu mir: Ir künd nicht viel. 
15 Ich kan ein rechtgeschaffen spiel. 

Ich sprach: Wie haists? ist es noch new? 

Sie sprach: Es haisset der untrew. 

Da gibt man yederman ein blat, 

Das wenger dann verloren hat. 
20 Die sach war schlecht und sie gab auß, 

Gab mir ein dritlein, ir ein dauß. 

Sie sprach: Ir mtigt tauschen mit mir. 

Gar bald gab ich mein drittlein ir, 

Herwider gab sie mir ein dauß. 
25 Sie zog das gelt, das spiel war auß. 

Also giengs darnach alle spiel. 

Behielt ich weiig, so hub sie viel. 

Sie war listig, geschwind und rund, 

Das ich kein spiel gewinnen kundt. 
30 Ich sprach: Ir künd der untrew wol. 

Sie sprach: Ja, warumb nit für vol? 

Wann ich hab untrew lang getrieben. 

Wer sich ye hat an mich gerieben, 

Mit dem hab ich der untrew gspielt, 
35 Das er kein gelt im beutel bhielt. 

Ich kan ims bietlein frey verquenden. 

Ihn mit gsehenden äugen blenden. 

Braucht er ein ranck, ich brauch ir zwen. 

Darmit ich uberdöppel den. 

25 C Booh. 36 C vergwendon. 39 C vberdölpel. 



227 

Darurab in glauben sag ich dir, 
Das ewr keiner gwind an mir. 
Er spiel mit* mir, als lang er wöll. 
Mit nntrew ich in überschnell. 
5 Und wenn er maint, er habs am besten. 
So betreug ich in an dem festen. 
Ich sprach: Aide! ich far 4ahi\j. 
Der untrew ich berichtet bin, 
Die mich hat umb mein g^ltli^h bracht. 
10 Zart fraw, zu tausent guter nacht! 

H. o. o. 



2 BC ewer. 



15 



228 



Die nenn geschmeck inn dem ehlichen stand. 

Ich fragt ein doctor künstenreich, 
Was dem eliling stand wer gantz gleich. 
Er sprach : Man find in der artzney, 
5 Das der geschraeck sind neunerley: 
Süß, essigeindt der ander haist, 
Bitter, sawer, pitzelt und faist. 
Zwinget, räß, der neundt • gesaltzen. 
Die neun geschmeck teglich umhwaltzen 
10 Im ehling stand hey arm und reichen, 
Wie ich dirs kürtzlich will vergleichen. 
Erstlich der süß geschmack sich find, 
Wenn zwey zusam verlobet sind, 
Inn süsser lieb ir hertz erquicken, 
15 Mit viel freundlichen augenblicken, 
[K 1, 1044] Mit lieblichen Worten und umbfangen. 
Wenn nun die hochzeyt ist vergangen, 
So ist die eh noch süß und new 
Inn aller freundligkeyt und trew. 
20 Durch-süsset sind ir bayder hertz, 
Inn süsser wunne, schimpff und schertz. 
Das nendt man: in der flitter-wochen, 
Da offt das süß ist bald verrochen. 
[ABC1,519] Der ander gschmack in da erj;scheindt, / 

25 Der wir genendt der essigeind. 
So sie der eyffer-geist vexiert, 
Das eins des andern fürchten wird. 
Darob hebt sich offt mancher strauß. 
Auch wo ir eins ist uberauß 

26 BC wird. 



229 



Hefftig, zenckisch und uuvertreglich, 
Da peyning sie einander teglich 
Mit schelten, sehenden, rauffen, schlagen, 
Eynander inn dem hauß umb-jagen, 
5 Biß sie die hörner wol abstossen 
Unnd sie aynig zusamb genossen 
Unnd bayd köpff richten in eynander. 
Friedlich zu leben bayde-sander. 
Der essig-gschmack gar offt beklebet 

10 Bey manchem ehvolck, weil es lebet, 
Schlagen einander stätz zu ritter. 
Denn kombt der dritte gschmack, heist bitter. 
So das weih nichts zum haußhaltn kan. 
Dergleich wo etwan auch der man 

15 Gesellisch und vertruncken ist, 
Seins handeis wardt zu keiner frist, 
Etwan der handel auch nit gat, 
Hin ist viel gelts umb den haußrat 
Und auch mit kindlein überfallen. 

20 Zu den und der-gleich stücken allen 
Kompt losung, haußzinst und knechts-lon. 
Dann singens im versetzten thon. 
Die bitter armut sie vexiert. 
Als-dann der vierdte gschmack regiert. 

25 Das ist fürwar der sawer gschmack. 
Zu-binden müssen sie den sack, 
Ir küchen dürr und mager speysen, 
Deß wasser-krugs sich auch befleysen, 
Inn klaydung leicht und schlecht her-gehn, 

80 Spat sitzen, darzu frü auffstehn 
Und anhalten den gantzen tag 
Mit arbayt, wo man kan und mag, 
Den mantl nach sawerm wind zu kern. 
Wo änderst sie wollen mit ehrn 

35 Außkummen auch als biderleut, 
Müssens sies kauffen auß der heut. 
Biß sie kummen zu eyner narung. 
Der fünft gschmack kumpt mit erfarung. 
Der bitzlend gschmack tregt auf seym rück, 

* 

ll Sohlagn. S4 4smu . 38 C . gesohmack. 






230 

Ist wol tausendterley unglück, 

Das in der eh wont über tag, 

Das sich nyemand erweren mag. 

Sie wem verunglimpfft und verlogn, 
5 Versagt, verfortheylt und betrogn. 

Ihn wird gestoln, schuld entragen. 

üntrew ehalten thun sie plagen. 

Thewrung und prunst sie müßn leydn. 

Der nachparn Ungunst, hassn und meydn. 
10 letzt müssens pawen, darnach rechten, 

Schand, schad und kranckeit sie durchechten. 

Und eh ein unglück hat ein end. 

Ist schon das ander vor der hend. 

Das bitzeln thut dem hertzen wee. 
15 Denn kombt der sechst gschmack in die eh. 

Der faist gschmack, so sie mit glück 

Im alter werden faist und flück, 

Uberkummen ein gute narung 

Und sein weiß worden mit erfarung. 
20 Man zeucht sie auch herfür zu ehrn. 

Als-denn sie fein und örndlich zeren 

Und leben baß an irem tisch 

Nach irem stand mit flaisch und fisch 
[Kl, 1045] Und sitzen dann inn guter rhu. 

25 So schleicht der sibend gschmack herzu, 

Der zwinget schmack, gantz ungelachsen. 

Ist, so die kinder sind erwachsen 

Und ir eins theils sind ungeraten, 

Unghorsam und vol unthaten, 
30 Des sich die eitern müssen Schemen. 

Dergleich wenn sie in selber nemen 

Mann oder frawen zu der ehe, 

Das auch unghraten mit zu gehe, 

Oder ob sie auch volgen geren, 
35 Das ir uughratne gmahel weren. 

Da zwinget erst der alten hertz 

Anfechtung, sorg, angst, pein lind schmertz. 

Was Unglücks den kindern zu-steht, 

Das als über die alten geht. 

« 

8 C müssen. 11 G schadn, kranokheit. 16 G geschmack. 21 C ordnlich. 



231 

Mit dem der achte gschmack her-tringt. 
Den ressen schmack das alter bringt, 
Das baydes ehvolck, mann und weyb, 
Sehr abnemen an ihrem leyb, 
5 An kreiFten, sterck, vernunfft und sinn. 
Freud und gedechtnuß feit dahin. 
In geht ab an gehör und gsicht. 
Zittern und schwinde! sie anficht. 
Kelt, kretz und husten ihn zu-stat. 

10 Ir glider werden taub und mat, 
Ye lenger ye mehr, biß doch zu-letzt 
Der neundte schmack auch an sie setzt. 
Derselbig schmack ist der versaltzen. 
Ist, wenn der tod daher thut waltzen 

15 Mit schwerer tödtlicher kranckheyt. 
Und was man darzu artzeneyt, 
Das es nur immer erger wirt. 
Der kranck wirt hefftig tribulirt. 
Endtlich mit grossem angst und quel 

20 Der todt außtreibt die armen seel 
Und von dem jamerthal abscheidt. 
Erst hebt sich klag und hertzen-leyd 
Von seynem gmahel nach dem end, 
Der ist verlassen und ellendt 

25 Und find auff erd nicht mehr viel trcw, 
Deß er sich tröste oder frew. * 
Kinder, freund, ayden sein nit achten. 
Allein nach seinem gut sie trachten, 
Wie sie das bringen in gewalt, 

30 Biß endlich auch das kranck undalt 
Haym far ins paradeiß, versuch 
Den wal-geschmack himlischen ruch, 
Da ewig rhu und freud erwachs 
Und ewig leb, das wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1589, am 11 tag Junii. 
2 C rasen, 12 G gsohmaok. 19 G grosser. 



232 



Die neunerley heud einer bösen frawen sambt 

ihren neun eygenschafften. 

Als ich eins abends gieng spacieren, 

Ward einer sach nach fantasieren * 

5 Und gieng über die Haller-wiesen, 

Da gieng herein vom püchsen-schiessen 

Meiner gsellen einer, der sich zwar 

Verheyrat het in diesem jar, 

Der war zerkratzet und zerkrelt. 
10 Den grüst ich und zu red in stelt, 

Wo er gewest wer undtern katzen. 

Er sprach: Du dariFst mich nit sehr fatzen. 

Die katzen haben mein nit gfelt. 

Mein fraw die hat mir also gstrelt. 
15 Ich sprach: Wie hat sich das begeben? 

Er sprach: Nun hör und merck mich eben! 

Mein weih ist nit wie ander lewt, 

Wann sie hat wol neunerley heut 
[K 1, 1046] Ob einander, deß hat sie pur 
20 An ir auch neunerley natur. 

Deß muß iegkliche hawt allein 

Besonderbar geschlagen sein. 

Es wil kein schlagen an ir klecken. 

Ich sprach: Thu mir die sach entdecken, 
25 Das ichs versteh! Ich bitt dich drumb. 

Er sprach: Inn summa summarum, 

Als ich am montag kam vom wein, 

Und was ich fragt die frawen mein. 

So wolt sie mir kein antwort geben. 

« 

5 Die HaUerwiese an der Pegnitz, schon 1484 mit Knden bepflanzt. S. 
Mainberger, eine woohe in Nürnberg, Nürnberg 1841, s. 104. 21 jedHohe. 



233 

Do dacht ich bey mir selber eben: 
Ich hab offt ghört von alten lewten: 
Etlich weiber sind von neun hewten. 
[ABC 1, 520] Der mir zu theil eine ist woren. 
5 Also ergrimmet ich in zoren 
Und thet ir die stockfisch-hawt plewen, 
Zum nechsten sich vor mir zu schewen, 
Antwort zu geben auff mein frag. 
So-bald ich ir gab noch ein schlag, 

10 Da het ichs auff die bemhaut troffen. 
Da kam ein röt ir her geloffen 
Und fing haymelich an zu prummen, 
Wiewol ich kein wort hab vernummen. 
Ich gab ir noch ein guts an schlaff 

15 Und sie gleich auff die genß-haut traff. 
Erst fing sie an ein solches schnadern, 
Ein schwatzen, klappern und ein dadern, 
Eh ich ein wort antworten thet, 
Het sie die weil wol sibne ghred. 

20 Thet mit hön-worten mich fast effen. 
Erst thet ichs auff die hunds-haut treffen. 
Da fing sie hefftig an zu pellen 
Unnd hieng mir an vil schamper schellen; 
Ich wer ein esel, narr und tropff. 

25 Ich gab ir noch ein guts an kopff. 
Da traff ichs auff den hasen-balck. 
Sie luff darvon und schrey: Du schalck, 
Huren-jeger unnd ehbrecher! 
Du spilgurr und du weinzecher! 

so Stach mich mit der-gleich werten spitzig. 
Ich luff ir nach, wurd wider hitzig 
Und stach sie wider zu den obren, 
Traff sie gleich auff die roßhaut voren. 
Da schlugs auff, samb der wind her-wehet, 

35 Und stieß mich, das ich mich verdrehet. 
Erst traff ichs auff die haut der katzen. 
Da fiels auff mich mit krelln und kratzen, 
Als wölt sie mich zu stücken reissen. 
Das schreyen kund ich kaum verbeissen. 

1 G Da. 16 C solohes. 23 C sohampar. 



234 

Ich zuckt ein prtigel lang genug, 

Damit ichs auff die sewhawt schlug. 

Tautzt ir auff dem ruck und den armen, 

Das sie sich selber thet erbarmen, 
5 Und fieng an zu greynen und rüllen, 

Als ich sie was noch baser kntiUn. 

Erst traff ichs auff die menschen-haut. 

Da rüffet sie umb gnad gar laut 

Und sprach: Mein hertzen-lieber man, 
10 Hör auff! ich will sein nimmer than. 

Mich hat ein nachpewrin verfürt, 

Zu handeln, das sich nit gebürt. 

Der will ich folgen nimmer-mehr. 

Hab dir zu pfand mein weiblich ehr! 
15 Und fiel mir wainend umb den halß. 

Ich sprach: Es sey vergeben als! 

Doch kumb nimmer (das rath ich dir). 

Dich auff-zu-baumen gegen mir! 

So mach wir mit einander fried. 
20 Wie lang es werd, das waiß ich nit. 
"* So hat der hader sich angespunnen. 

Wiewol ich hab die schlacht gewunnen, 

Ist mir mein theil auch dtlckisch worn 

Im angesicht und umb die oren, 
25 Das ich der schlacht nicht laugnen mag. 

Ich sprach: Mein gsell, merck, was ich sag! 
[K 1, 1047] Ir jungen ehmenner seyt zu gech. 

Zu mutwillig, doli, thumb und frech. 

Wenn euch ein weib nicht schön ansieht 
30 Oder nach ewrem sinn zu-spricht 

Oder nicht aller sach recht geyt, 

Wenn ir schon gantz unheußlich seyt, 

Wölt irs mit schlagen als außrichten. 

Das zimpt eym byderman mit nichten. 
35 Ungerathen eh werden drauß. 

Man muß mit krieg nicht halten hauß, 

Sonder mit fried und freundschafft mehr. 

Paulus uns mannen gibt ein lehr, 

Die weib mit vernunfft zu regieren, 

3 rüok. 6 war. C besser. 19 C maoh mir. 21 C angspimneii. 



235 



Nicht pollern, grob tyrannisieren, 
Weil sie der schwechste werckzeug sein. 
Derhalben straff dein weib allein 
Mit vernünfftigen guten wortn 
5 Zwischen euch beyden an den ortn! 
Mein liebes weyb, das solt nicht thau, 
Und jhenes steht dir übel ahn. 
Schaw ! diß ist schand und jhenes schad. 
Wilt haben mein gunst und genad, 

10 So steh deß müssig und volg mir! 
JDargegen will ich folgen dir, 
Wo mir ein ding steht übel an. 
Will handien als ein redlich man 
Und will kein böß wort dir mehr geben. 

15 So mtig wir wol und freundlich leben. 
Bey leib laß nyemand dich verhetzen, 
Das du dich gegen mir wölst setzen! 
Dergleich soll nyemand mich verfürn, 
Zu handien, das nit thu gebürn. 

20 Was dir fält, solt du klagen mir. 
Was mir bricht, will ich sagen dir. 
Du darffst dich vor mir gar nit schewen. 
Kein mensch maint uns mit gantzen trewen, 
Als wir zway ghören ye zusammen. 

25 Was wolt wir zancken und grißgramen, 
Füren ein solch teuffelisch leben 
Und uns undter die leut außgeben? 
Die halten dann nichts von uns beyden. 
Schaw! also straff dein weib bescheyden! 

30 Ist dann ein ehr inn irem leyb, 

So zeuchst auß ir ein ghorsam weib, * 
Wie man dan spricht: Ein frummer man 
Ein frummes weib im ziehen kan. 
Wo sie aber blieb eygenwillig, 

35 Nicht handlet, das wer gleich und billig, 
Wolt dir gar nicht sein undterthenig, 
Ungehorsam und widerspenig. 
Wo sie noch rumoret dargegen. 
So magst du straffen sie mit schlegen, 

15 C mög. 19 C handeln. 32 C denn. 



236 

Doch mit vernunfft und wol bescheyden, 
Das es unschedlich sey euch beyden. 
Also wend süß und sawers für, 
Wie eynem byderman gebür, 
5 Biß ir zu-letzt eins sinnes werd, 
Dardurch euch hie in zeyt auff erdt 
Fried, freud und freundligkeyt erwachs 
Im ehling stand ! das wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1539, am 17 tag May. 

* 
7 C auffwaohs. 



237 



Ein gesprech zwischen siben mendern, darinn sie 

ihre weiber beklagen. 

Ains abends ich spacieret anß 

Auff ein schlafftrnnck in ein wirtsbanß, 
5 Darinnen siben mender sasscn, 
[K 1, 1048] Die frölich truncken und auch assen 

Und redten gar von mancherley, 

Was inn dem land wer das geschrey. 

Possierten also mit eynander, 
10 Kamen von eynem auff das ander. 

Zu-letzt die red sich thet umbscheyben, 

Zu klagen auch von ihren weyben, 

Wie keyner seiner recht künd than, 

Und was nur uber-zwerg thet gan, 
15 Müst die schuld allein tragen er, 

Als ob das weih unschuldig wer, 

Und het kein wasser nye betrübt, 

Mit dem einer den andern übt. 
[ABC 1, 521] Also namb ich ein halbe maß, 
20 Damit hindter den ofen saß 

Und höret iren schnacken zu. 

Wie ich hernach erzelen thu. 

D6r erste man. 

Anfing ein junger schöner man: 
25 Hört zu! ein altes weih ich han, 
Die mich teglichen hart beklagt, 
Ich sey ein buler, wie sie sagt. 
Und ob ich gleich das selbig thu. 
So bringt sie mich doch selb darzu. 

* 

3 Eins. 5 C Männer. 



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Zu ir 1 ii :.! ::.:.i i.j.L' ':«r*fffl»eii. 
(► lier üiir >üJ-. *. ^:t ^ -. r :.>1\. 
Dem iTrl' 1.:. •. ::. jlt ':«.'T:t2-lirc»t. 

15 Der ai: der man. 

Ein altir j-i-:-.-.:. : H::-; i.ii vertreib 
Moin je>; ::::: -". i.tZL ULjt*:^ weib. 
l>ie ifh ^vi: ir >/:.;'L v.cJtu nam. 
l>ii* is^i mir Iti.jief: -^.ririi »rrani 

2i» l'unJ thui ::l-.rw-::r.:>ih C'b mir. 
Als i»l» wh i.i.L: ^f;.!r: m ir. 
TOiilicli MO >:.!. .i-.r:. preist und butzt. 
Vor liom sv^^V^- >:rTi.L:. zufft und mutzt, 
(laul/ raisij: au:! viii: rrui er- schlag 

jjft Tml lioijt am iVr.>:er über tag, 
/u srhiiwoii au:^ die juncea koaben, 
hir ti'^lii'h tiir -.icr rl:ür hin traben. 
Willi 11 irli ir auti' d:-: rivi thu schawen. 
So Ixliml slo danr. l».;. andt*rn frawen, 

:to Irli M'N t'iii alior oxKTtr. 
llt'l sii' m»! orVar'ijh gebär, 
llii'lt mirh rlirli*.!: i'^:: trewen mut, 
Sr\t .sio Nv>n mir l.ai ehr und gut, 
Irh wi'st sie aiuh .*:; halten wol. 

h:. luuli ir, woli idi mioh halten sol! 

Dor dritt man. 
/um dritten sprach ein sehlechter man: 

II gwwMl. :iL' C tionom. 



239 

So wist, das ich ein ebweib han, 
Die ist sehr faul und gar unheußlich 
Zottet, zerhadert und gantz scheußlich, 
Schlüchtisch mit arbeyt, ist doch starck 
5 Und steht stets an dem klappermarck, 
Da sie erfert unnd richtet auß, 
Wie ander leute halten hauß. 
Und wenn ich soll zu mittag essen, 
Hat sie des krauts am marck vergessen. 

10 Die erbes sind verbrendt zu koln 

Dann muß vom koch ichs pfenwert holn. 
Das kot ligt hindter der stubthür, 
[K 1, 1049] Ein saw man wol darinn verlür. 
Der-gleich im hauß sunst uberal 

15 Ligt es wie in eynem sewstal. 

Das machet mich auch werckloß sehr. 
Das ich forthin mag nimmermehr 
Kummen auff grünes zweyg mit ir, 
Wie wol sie des gibt ursach mir. 

20 Ber vierdte man. 

Zu dem vierdten so sprach ein fayster: 
Ach Got, mein fi'aw ist selber maister. 
Erstlich ließ ich im zäum zu langk, 
Yetzt scheubt sie mich gar undter panck. 

25 Gelt nimbt sie ein und gibt es auß, 
So muß ich sein der narr im hauß, 
Umb-gehn an einer hennen stat. 
Ir ding kaufft sie ir ein mit rath, 
Mir langt sies auff eym spenlein her. 

30 Erdap ich etwan gelt on gfehr, 
So thu ich mich unmuts ergetzn, 
Thu mich zu guten gsellen setzen. 
Mit den trinck ich die nacht zum tag. 
Dann fürt mein fraw über mich klag, 

35 Ich Verderb sie mit meym wein-sitzen. 
Ließ mein weih aber ir popitzen 
Mit schürtz, peltzen, rocken und schaubn, 
Mit porten, stauchen, goller, haubn, 

*. 

10 C arbeiß. 24 C dpanck. 29 C spänlin. 



240 

So wolt ein hund ich sorgen lan. 
Mein weib aber die haist Sieman. 

Der fimfFte man. 

Zum fünfften sprach ein wüster knab: 
5 Ir lieben gsellen, wist! ich hab 

Ein weib, das ist schir ymmer vol. " 

Das wissen all nachbawren wol, 

Wann sie schleicht haymlich ind Weinkeller, 

Yersaufft kandel, schüssel und deller. 
10 Wo sich das selb nicht wil gebürn, 

Lest sie da-baym die blinden fürn 

Inn häfen, krügen, haymelich, 

Biß daß sie doch gefallet sich. 

So ich ein anders gwinnen wil, 
15 Setz ich mich auch über das spiel, 

Biß ich den bettel gar verschweiß. 

Das macht sie mit ir vollen weiß. 

Sie bricht hefen, so brich ich krüg. 

Nicht weiß ich, wie lang es noch tüg. 
20 Sie war auff schleckerey erzogn. 

Waiß nicht, wers ander hat betrogn. 

Ich namb sie von der pfenning wegn. 

Wer ich dieweil im Rein gelegn ! 

Der sechste man. 

25 Der sechst inn eynem knöbel-part 
Sprach: Keyner hat ein bößre hart. 
Als ich selb hab einen fegteuffel. 
Die in so tmtzigklich auff-kneuffel. 
Sie kyfelt, keyfeit uber-nacht. 

so Was ich mach, red oder betracht. 
Das gfelt ir alles von mir nicht. 
Sie granet, brummet, beist und sticht. 
Da muß ich sein ir dieb und schalck. 
So schlag ich sie dann in den balck 

85 Und mach mich darnach auß dem hauß, 
Bleib offt ein tag, zwen, drey darauß, 
Das ich nur schlemmen, spielen thu. 

« 

25 C Enebelpart. 32 gronet. 



241 

Da bringt mich mein fegteoffel zu. 
Der rendt mir nach offt ins wirtshauß 
Und holhüpt mich mit Worten auß. 
Ein hund ein brot kaum von mir nem. 
5 So halt wir hauß gantz widerzem. 
Nyemand macht zwischen meiner frawen 
Und mir fried, dann ^chauffel und hawen. 

Der siebende man. 

Zum letzten sprach ein alter man : 
[K 1, 1050] Nichts mercklichs ich zu klagen han, 

Denn das mein weih ist faist und schwer. 

Erstlichen war sie magerer. 

Da zug ichs nach dem willen mein. 

Derhalben wir yetz eynes sein. 
15 Yedes thut, was das ander will, 

Und sind freundlich, Mediich und still. 

So solt ir mit bescheydenheyt 

Ewre weiber zu erster zeyt 

Gezogen haben tugenthafft 
20 Und mit vernunfft sie han gestrafft. 

Wo weiber ziehen uber-zwerg 

Und mender auff ein andern borg, 

Da eins dem andren günd nichts guts, 

Da bringt ein trutz den andern trutz. 
25 Derhalb ziech yeder noch sein weyb, 

Das er mit ir bey ehren bleib! 

Wie man dann spricht: Ein fromer man 

Ein frommes weib im ziehen kan. 

Anno salutis 15S1, am 6 tag Martii. 

4 C nemb. 13 C zooh. 14 C jetzt. 22 C Männer. 23 C andern. ' 
25 C sieh*. 27 C denn. C frommer. 



Hans Saohs. Y. 



242 



[ABC 1, 522] Wie siben weiber über ihre nngeratne 

mender klagen. 

Ains mals ich inn dem brachmon haiß 

Mir auf ein tag fiirnara ein raiß 
5 Hin durch ein holtz, lüstig genug, 

Die mich über ein wasser trug 

Hin durch ein blumenreiche wießn. 

Darinn sah ich ein pechlein fließn 

Auß eynem gstreuch, zu dem ich schlich 
10 Und vor der sunnen hitz entwich. 

Inn dem hört ich ein leiß gedöß 

Hinter mir, samb in eyai gemöß. 

Zu-ruck thet ich dem hal nach schawen. 

Da sah ich sitzen siben frawen 
15 Eadweiß umb einen kttlen brunnen 

Am schatten vor der haissen sunnen. 

Still schlich ich in den pusch hinein, 

Auff das ich hören möcht gar fein 

Ir haimlich rath von wort zu wort. 
20 Also lauscht ich an diesem ort 

Gar wunder-still, was da wolt werden. 

Trawrig waren all ir geberden. 

Die erste fraw. 

Da fing die aller-eltest an 
25 Und sprach: Ich hab ein jungen man 
Gehabt ein jar und viertzig wochen, 
Der hat sein trew an mir gebrochen. 
Den hab ich zu eym herrn gemacht. 

2 C Männer. 3 C Eins. 20 C Sonnen. 24 C eltisi. 



243 

Yetzund bin ich von im veraclit. 
Er haist mich seinen alten betzn 
Und thut mich mit hön-worten dretzen 
Unnd geht umb mit andern schlepsecken 
5 Inn die tayber und hnren-ecken. 
Dergleich hat er auch sein bescheyd 
Im hauß da-haym mit meiner meyd. 
Auch hat man im nechten zu nacht 
Ein panckart inn das hauß gebracht, 

10 Den muß er lassen hin umb lohn. 
Was ich lang spar, das wird er on. 
Noch muß ich zu dem allen schweygn. 
Er spott mein und zeygt mir die feygn. 
Darumb, ir f rawen all gemein, 

15 Last euch mein not geklaget sein! 

Die ander firaw. 

Ein junge fraw binwider sprach: 

Ich leid noch grösser ungemach 
[Kl, 1051] Yon meynem alten grawen man, 
20 Den ich umb gelt genummen han. 

Bey dem ich hab kein freud noch mut, 

Wann er strebet geitzlich nach gut 

Und hat mein sorg vor yederman. 

Geht einer für-über und sieht mich an, 
25 So muß ich dann kyfferbaiß essen. 

Der eyfer hat ihn gar besessen, 

Trutz das ich mit eym redt ein wort. 

Er schleicht mir nach an alle ort. 

Er horcht und lost, daucht wie ein mauß. 
30 On in dürft ich nit fOr das hauß. 

Wann ander frawen höflich prangen. 

Muß ich dahaym sitzen gefangen. 

Ich dörfft nicht auß zum fenster schawen. 

Also muß ich, ir lieben frawen, 
35 Inn meynem jungen blut verderben. 

Sol das lang wem, so muß ich sterben. 

Die dritte fraw. 

3 tretin. 20 genommen. S3 fUr. 25 denn. 30 C d(»rit. 

16* 



244 

Zum dritten sprach ein fraw gantz arm: 
Ach Gott, ir sitzet bayde wann 
In ehr und gut vorhin erworben. 
Mit meinem man bin ich verdorben 
5 An ehren, freuden unnd an gut. 
Sein ding er als verlassen thut, 
Wann er ist faul und gar unechtig, 
Hinlessig und gantz unfürtrechtig. 
Mit arbayt sticht er keinen bern, 

10 Er schleufft nur umb nach newen märn. 
Auff sein handel hat er kein sorg. 
Deß kaysers gut nemb er auff borg. 
Zu zalen hat er gar kein sin, 
Biß man ihn treybt mit ghricht dahin. 

15 Er sagt viel zu, helt nicht das minst. 
All jar erschleicht uns der haußzinst. 
Dann muß wir pfand für haußzinst lassen. 
So loß ist er über die massen 
Und hat verlorn glaubn und trawen. 

20 Das sey euch klagt, ir frommen frawen! 

Die vierdt ftaw. 

Die vierdt hub an zu klagen auch: 
Ir frawen, ich hab ein weinschlauch. 
Alle Wirtsheuser er auß-schleuflPt, 

25 Darinn er schlemmet, frist und seufft 
Und trinckt gantze und halbe zu 
Und fttlt sich wie ein treber-ku. 
Dann kumbt er haym und wirfft ein greiß. 
Ein saw het wol daran ein speiß. 

30 Dann stinckt er wie ein faules aß, 
Und bald er außschlefft über das. 
So zeucht er hin zum branten-wein, 
Da ander truncken-poltz auch sein. 
Darnach er auff ein süplein geht, 

35 Wann er mehr gelts im hauß nicht het. 
Das werd dann hin den gantzen tag. 
Vor hunger ich die haut kaum trag. 
Den ich leyd mit mein kleynen kinden. 

17 C Denn. 19 ?unde. 



245 

Mir thnt mein haußrath gar verschwinden, 
Das ich schier nichts mehr hah im hai^ß. 
Ir frawen, rath! wo soll ich auß? 

Die fünjffte fraw. 

5 Die fünfft zu klagen auch anhub 
Und sprach: Mein man ist ein spilbnb. 
Alle schlenffwinckel er außkreucht, 
Darvor sich sunst ein yeder scheucht, 
Biß er die nassen knaben find. 
10 Da geht er an, als sey er blind, 

Mit karten-spieln und dem umb-schantzcn, 
Wann sie dann rupfen all sein pflantzen 
Und das sie in gar paden auß. 
Dann kommt er maulet inn das hauß, 
15 Flucht, es möcht der erdboden krachen. 
So ich dann auch red zu den sachen, 
[K 1, 1052] So thut er mir die haut vol schlagn, 

Thut knecht und magd zum hauß ausjagn. 
All mein klayder hat er versetzt, 
20 Zyn und das pettgwand auch zu-letzt. 
Das ich im stro lieg bey der nacht, 
Und hab im doch viel gelts zu-bracht. 
Das ist hindurch mit meinem man. 
Ir frawen, rath! was soll ich than? 

25 Die sechste fraw. 

Weinend hub an ir klag die sechst 
Und sprach : In glück bin ich die schwechst. 
Was ir all fünfi^ klagt inn gemein. 
Das hat mein man an im alleyn. 

80 Er bult, er eyffert, trinckt und spielt. 
Er leugt und treugt, ist faul und stielt. 
Grob, unzüchtig und unbescheyden. 
Er flucht und schilt, gleich eynem heyden. 
Die hosten rott er an ihm hat, 

35 So maus find in der gantzen stat. 
Damit thut er sich teglich palgn, 
Hawen und in dem kot umbwalgn. 

* 

11 C den. 16 denn. 



246 

Er ist ein lauter hadermetz, 
Das ich offt bey mir selber schetz, 
Das er za-letzt erstochen wer. 
Darzu ist er mir gar gefer 
6 Tag und nacht mit schlagen und rauffen. 
Ich muß im ofFt zu nacht entlaufen. 
[ABC 1, 523] Ich wolt, das er am galgen hieng. 
Gott geb, wie es mir dar-nach gieng! 

Die sibend fi*aw. 

10 Die sibend, ein faist erbar weyb, 
Sprach: Das ich nit unklaget bleib 
Über mein man, so ist mir bang, 
Das er ist oft von mir so lang 
Auf messen, märckten über land. 

15 Sunst helt er sich inn seyncm stand 
Gen mir, als ein recht byderman, 
über den ich nichts klagen kan. 
Doch war er erstlich frech genug. 
Das ich mit guten ihn abzug. 

«0 Ir frawen, so nembt bey mir lehr^ 
Das ewer keyne fürbaß mehr 
über ihren man so thörlich klag, 
Yor-auß wo man nicht helffen mag! 
Sonst bringt sie sich mit im zu schand. 

25 Sondern sie sol ihn mit verstand 
Gütlich straffen mit allem fleiß, 
Das er ablaß von seiner weiß. 
Viel-leicht so wird ablassen er. 
So sprichet Hans Sachs, Schumacher. 

Anno salutis 1531, am 3 tag Martii. 
10 G fast. 16 C Gegn. 19 C gttten jm. 



247 



Schwanck. Der lose man. Die flgur zeyget an die 

art eynes nnhenßlichen weybes. 

Der lose man. 

In dem büchlein von ernst und schinipff, 
5 Darinn beschrieben hat mit glimpff 

Der Parfot-bruder Johann Paul, • 

Wie auf ein zeyt ein man stüdfaul 

Gantz werckloß und darzu nachlessig, 

Gneschich, versuffen und gefressig, 
[K 1, 1053] Was gar ein bodenloser Schlund, 

Verzert vom gülden dreyzeh pfund. 

Wenn er kein gelt het inn dem hauß, 

So trug er denn vor fewer auß 

Zinpletz, kandel und die Schüssel. 
15 Das für im alles durch sein rüssel. 

Das trieb er die halb wochen neyn 

Mit den losen zech-gsellen sein, 

Ließ weih und kind am hunger-tuch neben. 

Sein fraw war heußlich, thet off jehen : 
20 Halt an mit arbeyt, lieber man ! 

Das wesen wirts also nit than. 

Das du tag und nacht liegst beym wein. 

Du siehst: der haußzinst geht herein. 

Sag! wo wöll wir doch nemen den? 
26 Dein schauben muß fürt lucken stehn. 

Sprach er, und honet sie darmit. 

Voigt steht nach seynem alten sitt 

Und trieb auß dem weih seynen spot. 

Er het an ihm ein lose rott, 

9 C versoffen. U dreyzehen. 19 C offt. 27 C stett. 



248 

Die auch geleich, wie er, hauß hielten, 

Im wirtshauß lagen, suffen und spielten. 

Nun het er ein ehrbider weib, 

Schön, jung, gerad und zart von leib, 
5 Die gern blieben wer bey ehrn. 

Mit arbayt sich het helffen nehm 

Und darzu ihre kleyne kinder. 

Weil aber all sach schlug hin-hinder. 

Erfand die fraw eins tags ein sinn 
10 Und kochet da haymlich für in 

Zweyerley essen auff den tisch; 

Auff das ein eck ein praten fisch, 

Setzt darzu ein kandel mit wein 

Und new gepachne semmelein; 
15 Auff das ander eck setzt sie frey 

Ein gß,ntz mageren haber-prey 

Und darzu eynen wasserkrug 

Und sprach: Mein lieber man, nun lug! 

Wilt in armut leben mit ehrn 
20 Und dich mit harter arbeyt nehm. 

An dich halten zimlicher sparung, 

Genügen lassen an ringer narung. 

So kumb und sitz zum haber-prey 

Und zu dem wasserkrug darbey! 
26 So will ich mit dir gar bescheyden 

Übel und gut als mit dir leyden, 

Nach unserm wesen und ringen stand, 

Und will dir auch mit meiner band 

Auch helffen arbeyten frü und spat, 
30 Das mirs blut zun negeln außgat. 

Mit spinnen und andrem haußhalten 

Und was ein weib hat zu verwalten. 

Damit uns helffen trewlich nehm. 

Das wir bleyben bey heußlich ehrn. 
35 Wilt du aber nach deinem litzen 

Hin zu dem wein und pratfisch sitzen 

Und schlenunen nach deym alten brauch, 

Wie du denn teglich treybest auch, 

2 G 8o£fh. 23 C komb. 29 C arbeitn. 34 C HäußUchen. 39 C ynordn- 
liohn. 



249 

So wiß, das solch unömdling wandel 

Dein schlechter und geringer handel 

Gar nit ertregt noch mag erwerben, 

Sonder ye lenger mehr verderben, 
5 Das nns zwar schon reyt fraw Armut. 

Du siehst: hin ist mein heyratgut, 

Mantel, rock und die federwat, 

Kleynat und auch der best haußrath. 

Wilt du von solcher weiß nit lassen, 
10 Wol essen und trincken der-massen, 

So must du leyden, das ich geh 

An end, dahin ich nit gieng eh, 

Mit solchem schlamp dich zu erneren. 

Das doch wer mein weiblichen ehren, 
15 Dieweil ich lebt, ein schand und schmach. 

Und du wirst auch veracht darnach, 

Das du mir ein solches zu-sechst, 

Dast nit wehrest und wider-sprechst, 
[K 1, 1054] Dergleich würden auch nicht dest minder 
20 Veracht und verschmecht unsre kinder. 

Nun, mein man, hie hast du zwo Strassen; 

Die ein must gehn, die ander lassen. 

Einmal erwelen schand oder ehr, 

Der eins; kein mittel ist da mehr. 
25 Der loß man lacht, setzt sich zum tisch 

Und aß auf den gepraten fisch 

Und soff auch darzu auß den wein. 

Nach dem sprach zu der frawen sein: 

Mein weih, nun geh hin, wie du sagst! 
30 Gwinn essen und trincken, wo du magst, 

Es sey bey thumbherrn oder pfaffen! 

Das gibt mir alles nichts zu schaffen. 

Sey dir verziehen und vergeben. 

Das ich nur hab so wol zu leben, 
35 Zu feyern, essen und zu trincken! 

Dein unehr thut mich nit anstincken. 

Den ehren ich nit sehr nach-frag. 

Weil ich darbey solt über tag 

* 

16 G wirdsi. hernaoh. 18 C Das. 19 wurden. 20 C vnser. 
23 C erweln. 



250 

Eßn mager snppen und haber prey. 
Auch feilt mir jetzt eins ein darbey, 
Diß auff die ehr viel oder wenig 
[ABC 1, 524] Ein Jud lieh kaum dritthalben pfennig. 

5 Unnd ob gleich etwas nnrechts gschech, 
Will ich thun, samb ich gar nit sech« 
Auch tröstet mich, das dn allein 
Nit wirst inn dieser stat hie sein 
Undter so viel tausent frawen, 

10 Die auch sey inn den schalcksberg hawen. 
Darumb schreybt man dirs nit an schilt. 
Darumb sey frey! thu, was du wilt, 
Das ich nur hab zu trincken weinl 
Darmit bschloß er die rede sein. 

15 Die fraw zu waynen anefing. 

Sprach : Schetzt du denn mein ehr so ring, 
So bist du auch nit ehren werd. 
Schad ist, das du lebest auff erd. 
Er für auff, wolt sie echlagn und rauffen, 

20 Das im die gut fraw must entlauffen. 
Solch loser mender find man noch viel. 
Die sitzen bey dem wein und spiel, 
Die halben wochen, frü und spat, 
Haben kein acht auff ir werckstat. 

25 Darmit geht handel, gwerb und gwin 
Mit irer füUerey dahin, 
Darmit auch inn geltschuld einrinnen, 
Das sie etwan müssen endtrinnen 
- Oder hin inn die krieg lauffen, 

so Lassen sitzen ob eynem hauffen 
Inn der schuld bayde weih und kind, 
Welche denn gar verlassen sind 
Und stecken inn dieser armut, 
Da denn ein biderweib offt thut 

35 Armut halb wider ir weiblich ehr, 
Das sunst leicht geschech nimmer-mehr, 
Wenn ir ehman bey ir wer blieben. 
Zu dem unfal wirt sie denn trieben 
Von irem eygenen ehman, 

3 ?Paß. 8 C wirdst. 21 G Männer. 32 C 4anp, 



251 
Dieweil er gar kein gut wolt than. 

Beschluß. 

Hiebey du, jung ehman, gedenck! 

An loß gesellen dich nit henck! 
5 Halt dich zu aufrichtigen gsellen, 

Welche nach gut und ehm stellen! 

Und wart auch fleissig frü und spat 

Deins handeis, gewerbs und werckstat 

Und sej endlich mit deiner hand! 
10 Zer fein messig nach deynem standt 

Und laß dir als dein aygen leyb 

Lieb sein dein kinder und dein weib 

Und ihn getrewlichen vorgeh, 

Wie du gelobt hast in der ehe! 
15 Hab allzeyt Gott vor äugen du! 

Leb inu Gottes forcht spat und fru! 
[El, 1055] Hör und wandel nach seinem wort! 

So wirt dir Gott an allem ort 

Geben sein segen und gedeyen, 
20 Zu deiner arbeyt dir verleyen 

Hayl, wolfart unnd alles gelück, 

Das dir keins folgt der bösen stück, 

Der lose lewt gewarten müssen, 

Ir duck mit schmach und schände büssen 
25 Und erleyden viel ungemachs. 

Vor dem bhüt uns Gott! wünscht Hanns Sachs. 

Anno salutis 1557. 
6 C Ehren. 7 G warrt. 14 Eh. 



252 



Schwanck. Das ungeraten nnhenßlicli weib. 

Wer hie für geh, der schau mich an! 

Ich bin ein arbeytsamer man 

Mit meyner hand frü unde spat, 
5 Des ich von leib bin schwach und madt 

Vor schwerer arbeyt, die ich thu, 

On all erquickung, rast und rhu, 

Wiewol mir helfen meine Idndt. 

Eines spinnet, das ander windt, 
10 Das dritt haßpelt, das yierdte spult. 

Noch reyt mich stät groß ungedult, 

Dieweil bey meinem harten weben 

Mein arbayt will mit nicht ergeben, 

Sonder verschwind und wird verloren. 
15 Des macht: die eßlin steht da voren, 

Zerkifft, zernagt, frist und zer^trebt, 

Was ich mit arbeyt hau erwebt. 

Kein nutz kan ich bey ir erholn, 

Wann sie gibt weder milch noch woln, 
20 Zeucht kein wagen und legt kein ay. 

Allein ein eselisch geschrey 

Hat sie, gantz unverstanden grob. 

Ir leben ist on alles lob. 

Wie obgemelt, allein auff schaden. 
35 Des muß ich stätz in sorgen paden. 

Derhalb ich nichts erweben mag. 

Webt ich biß an den jüngsten tag. 

Bey der alten fabel, erdicht 

Von den Kriechen, nimb den bericht! 

15 ?Da8. 



253 

E3nn man, dems wird mit arbajrt sawer, 
Er sey gleich burger oder pawer, 
Ein kanffman oder handwercker, 
Der ob-leyt harter arbeyt schwer, 

5 Mit handlen, wandlen und verkanffen, 
Mit reyten, faren and mit laufen, 
Mit sorgen, fechten, sitzen, wachen. 
Mit schmiden, weben, zimmern, pachen,- 
Mit schmeltzen, giessen, schnitzen, drehen, 

10 Mit malen, pawen, schneyden, neen, 
Mit all dem, was man nennen mag. 
Dem ein man oblig nacht und tag, 
Mit harter arbayt, streng und yest, 
An allen orten thut das best 

15 Mit allem seinem haußgesind, 

Mayden und knechten und mit kind, 
Wo der ein faule eßlin hat, 
Darbey sein ehweib man verstat. 
Die zeerhafft ist und gern schlembt, 

20 Was er gewint, sie im verdembt, 
Mit klaydern popitzt hin und her 
Und ist ein schlttchtische hauß-ehr, 
Verfault, verlast, verwüst, verleust, 
Dem man sein erbeyt nicht erspreust, 

25 Er nagel, zabel, fredt unnd schab, 
So kombt er doch zu keyner hab, 
Weil sein weih ist faul und entwicht. 
Wie dann das alte Sprichwort gicht, 
Ein henn scharr alle mal mehr^dannen, 
[K 1, 1056] Dann zuhin tragen siben bannen. 

Derhalb ein jung man sich nit säum, 
Behalt erstlich sein weih im zäum, 
Ziech sie fttrsichtig und vemünfftig, 
Das sie im sein arbeyt zukünftig, 

35 Nicht thu unützlichen verzeren, 
Sonder helff in getrewlich nehren 
Mit arbeyt, die eym weih zustehe! 
Darmit mag er dann dester ehe 
Kummen zu rhu und guter narong, 

19 C ger«iL 



254 

Wie eü die zeit bringt mit erfarung, 
Des mancher erstlich ist zn schlecht 
[ABC 1, 525] Und wirdt znletzt der eßlin knecht 
Wer all ding west^ thet nit unrecht 

4 C nit. 



255 



Die lose fraw. 



Nun schweigt und hört! so will ich sagen, 
Wie ich inn kurtz verschinen tagen 
Kam in eins.handwercks-mannes hauß 
5 Zu eynem wunder-wilden Strauß. 
Der man was hungrig, arbeyt wol, 
Das weib aber war gar stttd-vol, 
Thet im hauß hin und wieder puchen. 
Der man trat zu ir in die kuchen, 

10 Sprach: Wilt du heynt nit zessen geben? 
Sie sprach: Es ist mir noch nit eben. 
Du kauffst mir ein kein holtz noch schmaltz, 
Kein flaisch, brot, zimmeß oder saltz; 
Warvon solt ich zu fressen kochen? 

15 Mit solchen ungestümen bochen 
Stieß sie umb ein hafen mit wein. 
Der mann der sprach: Was sol das sein? 
Du unflat, find ich wein hej dir? 
Und gab eins in den schönpart ir. 

20 Sprach: Du vernaschter, fauler sack, 
Nöten bist du yoI über tag 
Und lest mich und die kleinen kinder 
Am hunger gan; nicht dester minder 
Fttlst du dich, unendlicher balck! 

25 Die fraw die schrey: Du leügst, duschalck! 
Du sitzt auch offt drey tag beym wein, 
Yerschlemmest und verzerst das mein 
Und trogst mir meine klayder auß 
Und was ich guts hab in dem hauß, 

• ■ 

4 C Hmdweretamamwi. l^ ka«ff«ft Bit keia. 



256 

Da Schlemmer, fttUer und du praßler, 
Du Spieler, lotter und du raßler, 
Du narr, du schelm, du grober tropfF! 
Erst gab er ir ein guts an kopff 

5 Und riß sie bey dem bar zu hauffen 
Fieng an zu schlagen und zu rauffen, 
Thet sie mit feusten wol erknüllen. 
Anfing sie, zu schreyen und rüllen: 
Hör auff, du diebischer verrether, 

10 Du mörder, bößwicht, ubeltheter. 
Du rauber, hurer und ehebrecher, 
Du trunckenpoltz, du bub, du frecher, 
Du knoll, du troll, du frawen-feind! 
Schad ists, das dich die sonn bescheynt. 

15 On zal viel böser wort im gab. 
Als er nun ließ mit streichen ab, 
Für sie auff und sich von im rieß, 
Die kuchen-thttr sie an angel stieß 
Und schrey: Der teuffei bleyb bey dir! 

20 Du unflats-hals, gelaub du mir ! 
Ich will ein ubern halß dir schicken. 
Der dir auch muß dein golter flicken. 
Du ölp, du dölp, grober fantast! 
Weyl ich bey dir hab gar kein rast, 
, 25 So will mein freunden ich haym gan 
Und fürbaß kein gut dir mehr than, 
Dir nimmer kommen an dein seyten. 
Der man sprach : Heb dich nur von weyten, 
[K 1, 1057] Du fegteuffel, biß ich dir nachschick ! 

so Sie gab im ein dückischen blick 
Und loff damit die stiegen ab. 
Nach dreyen tagen sichs begab. 
Da sie bey iren freunden war, 
Einer schickt sie dem andren dar, 

35 Ir yeder ward ir bald urdrütz. 
Weil sie mit arbeyt war kein nütz, 
Zwugen sie ir mit scharpffer laugen. 
Das eilend schlug ir undtert äugen, 
Begert zu irem frommen man. 

6 C sohlahen. 8 sie] fehlt 0. C ynd zu. 



257 

Bald nam sich des die freundschafft an, 

Das sie abkemen des uber-beins. 

Zwen giengen hin und wurden eins. 

Den man sie ein zu nemen hatten. 
5 Der sprach: Sie ist gantz angeraten. 

Wiewol sie etwas hat ererbet, 

Hat sie mich doch schier gar verderbet, 

Hat mich auch lassen hören an, 

Wie sie mir wöU kein gut mer than. 
10 Nein, sprachen sie, das soll nit sein! 

Ir zwey seyt die jhening allein, 

Die ir zusamm gehören sollen. 

Die frawen wir euch bringen wollen; 

Die soll euch alle ding ab-bitten, 
15 Fürbaß sich brauchen guter sitten, * 

Euch fürbaß halten gar vergut. 

Wo sie wieder euch handien thut. 

So wöUens selber straffen wir. 

Er sprach : Wenn ich das hört von ir ; 
20 Dieweil ich bin sein unbedacht. 

Zu-hand ward sein fraw herbracht. 

Und bald kam in die stuben sie, 

Do fiel sie für in auff die knie 

Und gab im so viel guter wort, 
25 Der-gleich kein man nicht het erhört. 

Ein münch möcht sie han tantzen machen. 

Auch redten die freund zu den sachen, 

Das er der frawen bitt an-namb, 

Unnd gaben sie wieder zu-samb, 
30 Das sie ir zeyt in fried vertrieben." 

Nicht waiß ich, wie lang sie sind blieben 

Inn eynigkeyt nach dem geding, 

Weyl sie so leichtlich von im gieng. 

Das doch eym weih steht übel an, 
35 Das sie hinlaufft von irem man. 

Ob er gleich tbu ein wenig bleydigen, 

Das frembd lewt müssens einteydigen, 

Damit sich gibt unter die lewt, 

« 

4 C s. ta ein n. 16 vor gut. 17 C handeln. 19 C Wann. 21 C war. 
C her gebracht. 37 C sie müssen. 

Hans 8ac)i8. V. 17 



258 

Das man mit ungern auff sie dewt. 

Derhalb ein weib sey irem man 

Willig, gehorsam, uudterthan, 

Ihm uberseh unnd uber-hör, 
5 Inn keym weg sich gehn im empör! 

Das steht ir gar ehrlichen au. 

Dargegen soll ein biderman 

Mit seym weib nicht tyrannisiren, 

Sonder sie mit vernunfft regieren, 
10 Das sie in lieb und bey im bleib. 

Dieweil sie bayde sind ein leyb, 

So solln sie auch eintrechtig leben, 

Keines das ander übergeben 

Inn Worten, wercken noch gedanck. 
15 Begibt sich undter-weil ein zanck 

Bey in, den sollens undterdrücken, 

Das man es merckt inn keynen stücken. 

Das steht biderlewten wol an. 

Darnach rieht sich fraw und man, 
20 So mögen bleyben sie mit ehren, 

Ir hab und gut ersprießlich mehren 

Und hie ir zeyt in rhu verzeren. 

Anno salutis 1557. 

* 
5 C gegn jin entpör. 16' C ynterdraoken : stuoken. 19 C richte. 



259 



[ABC 1, 526. K 1, 10581 Schwanck. Zwayerley un- 
gleicher ehe. 

Ain jung gesell, gerad von leib, 

Der bulet umb ein altes weib; 
5 Geruntzelt, dürr war ir die hawt. 

Allein er auff die gülden schawt, 

Nach den selben er schnappen thet. 

Viel süsser wort er mit ir redt, 

Verhieß gar viel der guten alten, 
10 Er wolt sie schön und ehrlich halten. 

Gedacht baymlich : Die sach wer schlecht, 

Wenn ich irn strick ant hörner precht; 

Dann wolt ich ir das gelt vorzern 

Und ir die alten hawt erpern, 
n Ein junge halten frü und spat. 

Ließ darnach den alten unflat 

Umb-gehn an eyner hennen stat. 

Das alt weib. 

Die alt die sach den jungen an, 
20 Der was schön, glatt und wolgethan. 

Sie sprach, Ich furcht, ir seyt zu frech 

Und mir >Yie mancher alten gschech, 

Die ir erst zu-richtet unrw. 

Yedoch traw ich euch bessers zu, 
25 Ir werd an mir nit übel than. 

Sonder euch wie ein biderman 

Gehn mir halten in allen Sachen. 

Ich will euch zu eym herren machen, 

Mein gut euch machen undterthan, 

* 

6 Güldin. 19 C sab. 

17 * 



260 

Was vor erspart mein alter man, 
Wo ir euch halt, wie ich euch bitt. 
Die heyrat wurd beschlossen mit. 
Nit waiß ich, wie die eh geriet. 

5 Der alt man. 

Eins mals ein gar uralter man 
Ein junges maidlein lieb gewan. 
Dem thet er lange zeyt hofirn, 
Thet sich fast schmucken unde ziem 

10 Und sprach: Wenn ir wolt willig sein 
Und euch in trewen halten mein, 
Mich ehrlich halten spat unnd frw, 
Wann mir geht ab, so geht euch zu, 
So wolt ich euch deß wol ergötzen, 

15 Inn ehr und grossen reichthumb setzen, 
Kauffen, was ewer hertz begert, 
Euch freundlich halten lieb und werd. 
Klegt ein magd nit, ich halt euch zwu, 
Halt ir euch freundlich spat und fru. 

20 Wölt ir das thun, so sagt mirs zu! 

Die jung metz. 

Die jung die war der sach geschickt. 
Den alten sehr freundlich anplickt. 
Verhieß im als, weß er begert, 

25 Sie wolt in halten lieb und werd. 
Sie maint aber sein pares gelt. 
Mit süssen werten sie im streit, 
Darmit sie auch dem alten läppen 
An halß strayffet die narren-kappen. 

30 Darnach als sie sich dorfft gerüren, 
Thet sie am narren- sayl in füren, 
Als manchem alten noch geschieht. 
Alt und jung sich zam reymet nicht, 
Sunder geleich mit seynem gleich, 

35 Das ist frölich und frewdenreich, 
Wie man das spüret tegeleich. 

Anno salutis 1533, am 1 tag May. 
5 C alte. 18 C Kleckt. 37 Die angäbe des tages fehlt C. 



261 



[K 1, 1059] Schwan ck. Der alten weiber roßmarck. 

Eins tags ich im Schlawraffeu-land 
. Gar ein seltzamen roßmarck fand, 

Da het man alte weyber fayl, 
5 Der jungen auch ein michel thail, 

Die hettn ir mender dar geritten, 

Als denn war inn dem land der sitten, 

Welchem sein frawe nit mehr docht, 

Der selbig sie vertauschen mocht. 
10 Also ward gar ein grosse schar 

Solcher weiber geritten dar, 

Die het man fayl auff eynera plan. 

Darauff sähe ich ein alten man, 

Der sein jung weih vertauschen wolt. 
15 Bot sie eym jungen an, der solt 

Sein altes weih im daran tauschen. 

Ich hört und thet gar eben lauschen. 

Der alt man. 

Der alt sprach: Schaw, ich hab ein junge, 
20 Die frey daher geht in dem Sprunge 

Und an der färb kein mangel hat. 

Sie geht im zelld, ir hawt ist glat. 

Ist mir nur zu scharff und geschmaissig, 

Zu frech, zu hurtig unnd zu raysig, 
25 Der ich erstlich ließ iren räum. 
• Deß tregt sie mir fast hohen zäum, 

Macht mich bey hellem tag oift irr 

Und tritt mir offt auß dem geschirr. 

2 tags im Soblaweraffen Lapdt. 3 G loh gar. 6 G Männer. 13 sah. 



262 

Wanu ich denn red zu diesen dingen, 

So will sie mir inn paren springen. 
"Sie sclilecht und peist und würffl mit stein, 

Ist der recht bösen schelmen ein 
5 Und will sich immer zemen auß. 

Deß halt ich mit ir manchen Strauß. 

Sie ist mir zu stoltz und zu gayl. 

Darumb, gesell, ist sie mir fayl. 

Wilt du sie hon, so schaw sie eben 
10 Umb sunst! du darifst mir nichts auif geben. 

Gieb mir allein darfür die alten! 

Die selbig traw ich zu erhalten 

Mit ringer kost aufF meyner wayd. 

Doch sag ich dir vor den beschayd: 
15 Wilt du die jungen am paren han. 

So leg ir eynen maulkorb an, 

Das sie nit immer peiß dargegen! 

Und thu irs futter höher legen! 

Schatt nit, ob sies auff dich vertrieß. 
20 Und leg ir ein ein herter piß *» 

Und leg du an zwen scharpffer sporn 

Und schlag sie waidlich zwischen orn 

Und laß ir nur den zäum nit lang! 

Sunst geht sie iren alten gang 
25 Und gibt darnach auch nichts umb dich 

Und wirst so wol der narr als ich. 

Nun wilt du den tausch mit mir wagen, 

So thu mirs in die hend her schlagen! 

Schirst du mir, so will ich dir zwagen. 

so Ber Jung man. 

Der jung man sprach : Schau an ! mein weih 
Ist alt, geruntzelt all ir leib. 
Wilt mir dein jung weih geben drumb, 
So kurab! bcschaw sie umb unnd umbi 
3f> Ir färb ist böß, wann sie ist fal. 
Ir hawt ist dürr, ir heißlein schmal. 
Den kopif sie nieder-hengt unfletig. 
Sie ist nit hurtig und nit thetig, 

2 C Barn. 9 C habn. 16 G Barn. 22 G zwischn die. 36 C HftlOlin. 



263 

Wann sie ist in dem rucken lam. 
[K 1, 1060] Deß bin ich ir von liertzen gram. 
[ABC 1, 527] Der vier roßwandel hat sie drey, 

Harschlecht, rützig, rewdig darbey. 
5 Kein bocksprung thut sie in die hoch. 

Doch hat sie etlich hundert flöch, 

Die Stechens herter, wenn die premen. 

Kein sporen darff ich zu ir nemen, 

Wan sie hat vor ein harten trab. 
10 Sie wirt dir recht, du alter knab! 

Sie eylet dich in keyner moß. 

Sie hat ein gang wie ein sararoß. 

Kein sillen thut sie dir zerreyssen. 

Sorg auch nit, das sie dich thu peissen! 
15 Sie hat nur drey zeen inn dem maul. 

Doch zeucht sie gern und ist nit faul. 

Wo sie kumbt über die wein-flaschen, 

Thut sie den alten geder waschen. 

Sie schlecht nit auff, wann sie ist frumb. 
20 Doch acht nit, das ein wenig prumb 

Im hauß, gleich wie ein zeidel-beer! 

Nun wilt dus thun, so schlag mirs her! 

Laß schawen, wer dem andren scher! 

Das jung weib spricht. 

"25 Die jung fraw sprach: Du alter greyner, 

Der jung ist deiner gsellen eyner, 

Der auch vertauschen will sein frawen. 

So hat auch dich der schimpff gerawen. 

Schlichst mir doch nach an alle ort 
30 Und gabst mir viel der schmaichel-wort, 

Du wölst ein frawen auß mir machen, 

Und kunst fein freundlich gehn mir lachen! 

Yetz so ich bin dein aygen gantz, 

So hebt sich erst der betlers-dantz 
35 Mit eyffern umb mich frw und spat. 

Das es schier waiß die gantze stat. 

So ich mich etwan schmuck und putz 

« 

3 vierdt. 12 G saumrob. SO C acht ioh nit. 31 G woltst. 32 G kundst. 
33 G Jetzt. 



264 

Oder auß zu dem fenster gutz 
Und frölich bin wie ander lewt, 
So wilt du faren auß der hewt 
Und wilt, ich soll mich innen halten 
5 Geleich deiner vorigen alten. 
Das will und mag ich gar nit thon. 
Und wilt du mich vertauschen schon, 
So ist es doch hewer nit sitt. 
Ich kumb von dieser ziechen nit, 

10 Weil ein feder darinnen ist. 
Du solt es vor baß han gewist, 
Das dir gieng ab und mir gieng zu. 
Du alter narr, warumb hast du 
Dir nit deines gleichen genummen? 

15 So wer es dir zu dem nit kummen, 
Du wölst aber ein junge haTl. 
So hab dir die maul-daschen dran ! 
Dein eyffersucht geht mich nit an. 

Das alt weib. 

20 Das alt weib schrey: Schutt dich der ritt, 

Du junger läpp! Des thu ich nit. 

Das ich mich hie vertauschen laß. 

Du solst dich han betrachtet baß, 

Da du mich selb zu der eh namest, 
25 Mit schmeichel-worten mich hinter-kamest. 

Du thest nach meynen gülden schnappen. 

Ich straiflft dir an die narren-kappen. 

Hast mich doch wol vor dir gesehen. 

Du thest fein freundlich zu mir jehen, 
30 Du wölst mich werd und ehlich han. 

Dich halten als ein byderman. 

Also hast dich zu mir gelogen, 

Mich altes weib feischlich betrogen. 

Du heltst mich unwirs und unwerd, 
35 Als ob ich sey ein acker-pferd. 

Bist gar an hawt und har entwicht. 

Du nambst mein gelt und mich gar nicht. 







* 


9 C komb. 


-HC habn. 


16 C woltst. 


C thetst. 


30 C ehrlich. 





23 C soltst. 26 C Qüldin. 
29 



265 

Was mein vorig frumb alter man 
Erspart, das hast du mir verthan 
[K 1, 1061] Mit trincken, buln und mit rauschen. 
Nun woltst du mich geren vertauschen, 
5 Auff das du mein auch körnest ab, 
So ich nit mehr der gülden hab. 
Darzu so sag ich aber nein. 
Du must mit mir behangen sein 
Und must dein lebtag mit mir hausen, 
10 Thet dir noch so hart ob mir^grawsen. 
Narren muß man mit kolben lausen. 

Der besohluß. 

Bey diesem schwanck so soll verstan 
Bayde die frawen und die man, 

15 Junckfrawen und die jungen gsellen. 
Wenn sie sich verheyraten wollen, 
Das sich ir yedes fleissig rem 
Und nur seines geleichen nemb 
An reichthumb, alter und an Jugend, 

20 An adel, gschlecht, stamb oder tugendt. 
So geht es recht, wie man spricht heut: 
Geleich sich mit seins gleichen freud. 
Solch eh bleibt standhafft alle zeyt 
Bayde in lieb und auch in leyd, 

25 Wann es zu-mal thörlichen ist. 
Wo gleich nit zu seins gleichen nist. 
Sonder allein heyrat nach gut, 
Darinn sich nit vergleichen thut 
Hertz, willen, sinn unnd das gemüt, 

30 Adel, thugend, leib und gebltit. 

Solch eh hat gar ein schwachen grund. 
Des auch gewönklich kurtzer stund 
Darein kummet die schnöd nachrew. 
Das ein end nemet lieb und trew, 

35 Welche kein rechten grund nie het. 
Als-denn der wider-will angeht. 
Das eins des- andern gern entper, 
Vertauscht, wann es gewonheyt wer. 

6 Güldin. 18 C nttr. 32 C gewönlich. 



266 

So wurden alle pletz zu eng 
Zu dem roßmarck, vor grosser meng, 
Die sich begerden da zu scheyden, 
Das doch sitt ist bey etling heyden. 
5 Bey Christen aber mags iiit sein. 
Deß schick sich yedes vorhin drein 
Und schaw im anfang selber drauflf, 
(Wann heyrateu ist ein langer kauff) 
Das im darauß kein i^achrew wachs! 
10 Gleich und gleich bleibt eins, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1533, am 1 tag Junii. 

* 
4 C etliohn. 



267 



Ein klag-gesprech dreyer kleger mit dem man ob 

seinem verstorbnen bösen weib. 

Eins tages starb eym man sein weib, 
Die im lang peynigt het sein leyb 
5 Mit kyfen, zancken und mit nagen 
Und das er kaum die hawt mocht tragen. 
Er war einfeltig, framb und schlecht, 
Allmal gewest ir drüppel-knecht, 
Als man der auch noch findet viel, 
10 Wiewol ich nyemand melden wil. 
Als man die leych gehn kirahen trug, 
Der gute man auch darmit zug 
Inn eynem alten schwartzen klaid 
Und stelt sich, sam wer im fast layd. 
15 Die nachparschafft die gieng auch mit 
[ABC 1, 528] Und klaget in nach altem sitt. - 

Per erst kleger. 

Ein nachpawer tratt zu im in klagt. 
[K 1, 1062] Es ist mir layd, er zu im sagt, 
20 Das dir ist dein weib gestorben. 

Per man. 

Er sprach : Sie war am leyb verdorben, 
Lag schir ein viertheil-jar nngsund. 
Sie wurd so dürr wie ein jaghund 
25 Und lied so grosse marter do. 
Das ich gleich bin von hertzen fro. 
Das sie es nur hat überwunden, 

* 

18 G klag. 19 CK sprach. 23 C viertel J. 24 C Jagthundt 



268 

Weil wir ir ye nit helffen künden. 
Hab ir zu lieb inn dieser zeyt 
Wol dritthalb pfund verartzeneyt, 
Noch war es als an ir verloren. 

5 Darumb bin ich nye fröer woren 
Mein lebtag, dann das sie es hat 
Gar überwunden nechten spat. 
Het nur immer sorg bey mein ehren, 
Sie wurd wider lebendig wern, 

10 Das sie auff erd noch mehr must leyden. 
So lieb wars mir bey trew und ayden. 

Der erst kleger. 

Da antwort im der nachbawer wider; 

nachpawer, du bist frumb und pider, 
15 Das du deym weib gunst so viel guts 

Und bist so eins frölichen muts, 

Das sie der marter ist kummen ab. 

Ein alt weib ich da haymen hab, 

Die ist wunderlich tag und nacht, 
20 Sie kreist und feist, echtzet und kracht 

Und sptirtzet mir all ecken vol. 

Die flöh sie auch peynigen wol, 

Der-gleich die husten und die rewden. 

wie wolt ich mit grossen frewden 
25 Ir so wol günnen, das sie es allein 

Het überwunden wie die dein! 

Mir ist die weil für sie selb lanck. 

Das sie weng stirbt und ist viel kranck. 

Nun ich muß auch der hoffnung leiten, 
30 Wie du, biß es die zeyt thut geben. 

Mit dem endt der nachpawer sein klag. 

Der ander kleger. 

Und darnach an dem andren tag 
Kam sein Schwager und thet in klagen, 
35 Klagt in und thet im darbey sagen. 
Wie er deß gestring tags nach gelt 
Wer außgewesen über feld. 

* 

10 C müst. 25 C sieg. 33 C andern. 



269 
Drumb wer er mit der leich nit gangen. 

Der man. 

Da thet der laydig man anfangen, 
Sprach: Lieber Schwager, es schadt nit. 
5 Es sind sunst gnug lewt gangen mit. 
Und ich sag dir gentzlich fürwar: 
Kein leich ist in eyra gantzen jar 
So gar ehrlich begraben worn 
Mit aller andacht hipten und vorn, 

10 Als gleich gester mein weih allein. 
Deß frewt mich in dem hertzen mein, 
Wenn ich gedenck der gestring stund, 
Wiewol ich hab auff siben pfund 
Ir zu dem grabgelt auß-gericht. 

15 Yedoch rewt mich kein heller nicht 
Und ich sag dir bey glaub unnd trewen : 
Kein gelt thet mich nye wenger rewen. 
Ich het es lengest geren than. 

Der ander kleger. 

20 Da fing sein Schwager wider an: 

Meym weih ist mit dem prenck auch wol 
Und stecket aller hoiFart vol. 
Ich wolt siben gülden drumb geben, 
Das sie im kirchoff leg darneben, 

25 So ehrlich begraben wie die dein. 
[K 1, 1063] Wolt ir auch legen ein grabstein. 

Wolt auch yedem schuler dar-neben 
Ein dreyer zu gedechtnuß geben. 
Wolt ir der werten gleich den alten 

80 Opffer und sibend lassen halten 

Und solt bey gschworen ayd auch mich 
Kein haller rewen so wol als dich. 
Es kostet als gleich, was es wolt. 
Mein weih hab ich so lieb und hold. 

35 Sie wer lengst gwest wirdig und werd. 
So ehrlich zu liegn in der erd. 
Wolt ir das auch von hertzen günnen, 

9 C hintn. 18 G lengst g. gethan. 21 G preng. 23 C gttldin. 



270 

Das die zwo Schwester zammen rttnnen 
Ye eh ye besser; auff das nichts prech, 
Wolt ich das es noch heynt geschech, 
Wann es ist eyne wie die ander. 
5 Also schieden sie von einander. 

Der dritt kleger. 

Am dritten tage kam sein bruder 
Und sprach zu im : Ich kumb auch zuder. 
Bin gewest zu Würtzburg da-nieden. 
10 Die weil ist dir dein weib verschieden. 
Das selbig ist mir warlich layd. 
Ich will auch tragen ein schwartz klayd, 
Mein hertzlayd auch anzaygen mit. 

Der man. 

15 Er antwort im : Es darff sein nit, 
Das man umb sie layd tragen sol, 
Wann sie ist ye gestorben wol. 
Wiewol sie war am leyb elend, 
Namb sie doch so ein schönes end, 

20 Das es mich frewt im hertzen mein. 
Wer künd den darumb traurig sein? 
bruder, best dus nur gesehen! 
Und ich darff für ein warheit jehen, 
Sie sey, wie man denn sagt vor jarn, 

25 Von mund gehn himel auffgefaren. 
Ich wolt nit, das sie wider khem. 
Schad wer, und das ein mensch ir nemb 
Die freud, die sie yetzt hat dort oben. 
Mein bruder, hilff mir danckn und loben, 

30 Das sie ^er tod hat bingenummen, 
Das sie nur ist gehn himel kummen! 
Das ich ir lengst wol günnet het, 
Wiewols mir nit viel gutes thet. 
Dieweil sie lebt auff dieser erd, 

35 Ward ich ir veracht und unwerd, 
Must all mal den Ölgötzen tragn. 
Doch thu bey meynem ayd dir sagen, 

22 C hetst. 30 hiBgenommeii : kommen. 



271 

Wolt ich uit, das hernidea wer. 
Zu ir ich auch nit nauff beger. 
Will ihr die freud lassen allein. 
So lieb ist mir die frawe mein, 
5 Das ichs \vill gar nit irren dran. 

Der dritt kleger. 

Sein bruder widerumb fing an : 
Ey so will ich auch sein guts muts. 
Ich günn ye meynem weib als guts. 

10 das der heylig tod auch khem 
Und sie von diesem erdtrich nemb 
Und fürts in himel zu der deinen! 
Ich künd ye auch darumb nit greynen 
Noch layd tragen, als weng als du, 

16 Weyl sie dort wer inn irer rhu 
Und het als Unglück überwunden, 
Ließ mich gleich auff dem erdtrich unden. 
Wolt, wenn sie decht auff erden her, 
Das sie noch höher doben wer. 

20 So grosse lieb trug ich zu ir. 

Der maji. 

Der bruder sprach: Ich merck an dir: 
Dein weib künd dir nit lieber sein. 
[K 1, 1064] Du hast sie lieb, wie ich die mein. 
25 wie soll ich die nacht vertreyben. 
Vor grossem hertzenlayd beleyben? 

[ABC 1, 529] Der dritt oleger. 

Der bruder sagt: bruder mein, 
Wir wollen hin gehn zu dem wein, 

80 Die seel vertrincken nach altem brauch. 
Wie dir yetz ist, so hoff ich auch^ 
Werd mir sein das zukünfftig jar, 
Wenn mein alte gehn himel far. 
So kumb auch zu mir und tröst mich, 

.15 Das nit lauff auff den boden ich 
Und mich vor hertzen-layd ertrenck, 

19 C droben. 30 C vertrinokB. 31 C jetst. 36 ? erhenk. 



272 

Sonder eins bessern mich bedenck, 
Nemb ein andre von der seel wegen! 
Nun wollen wir nit lenger tegen, 
Sonder dein alte lassen mit rhu 
5 Unnd wollen denn auff morgen fru 
Nach einer besseren umbsehen, 
Von der dir alles guts mag gschelien, 
Das du vergeßt als ungemachs 
Sambt deiner alten, spricht Hans Sachs. 

10 Anno salatis 1557, am 3 tag Augusti. 

* 
1 G Sondern. 3 C tagen. 4 C Sondern. 7 C als guts mag gesohehen. 



273 



Der bawern aderlaß sambt eynem zanbrecher. 

Es ist nit lang, das es geschach, 

Das kirchweyh was zu Dettelbach, 

Darauff ich auch geladen ward. 
5 Da macht ich mich bald auff die fart. 

Da ich nun auff die kirchwey kam, 

Da sach ich gar mannichen kram 

Mit leckuchen und brenteu-wein, 

Eölchte harbant und schlötterlein, 
10 Mit gürtel, bewtel, nestel, daschen, 

Mit roten schusseln und plechen flaschen, 

Pfeyffen, schaubhüt, würffei und kartn. 

Lange messer unnd spitzpartn. 

Da thetn die bawern-knecht mit hauffn 
15 Den pawern-maidn deß kirchtags kauffn. 

Ich gieng inn kremen hin und her. 

Inn dem ersah ich on gefär 

Bey des baders hauß sitzn allein 
. Ein faisten möstel auff eym steyn, 
20 Der het inn im viel faules blut, 

Ein ringen bewtel und schweren mut. 

Bey dem stund ein ruß-dürrer bader, 

Der dem bawern schlagen solt ein ader. 

Der selbig het an ein par prilln 
25 Und het im kopff gar seltzam grilln. 

Umb ihn stachen die hundsmucken. 

Nach dem thet er sein laßzeug zucken. 

Sein flitten war ein eißner keyl. 

Die setzt er auff mit schneller eyl, 
80 Schlug mit eym westfälischem harnen. 

* 

3 war zu Tettelbach. 7 C sah. 21 G Beutl. 30 C Westphalisohen. 
Hans Sachs. V. 18 



274 

Als im das but entgieng als-samen, 

Da verlur er geleich sein krafft. 

Da schrye er nach eym reben-safft. 

Da kam ein Franck mit eynem krug 
r> Und gab im deß saffts eben gnug, 

Darnacli ihn vor het lang gedürsf, 

Ein zvvölffer-weck und zwo bratwürst. 

Darmit thet er den krancken labn 

Und sprach, er solt sich wol gehabn, 
10 Ein katz die wer unden sein koch, 

Die briet im würst und bering noch. 

Auch stund im külwasser ein flaschen. 

Darmit raocht er sein goder waschen. 

Vor im hofiert im eyner gern, 
[K 1, 1065] Ein mennlein auff eyner quintorn, 

Das ihm viel liedlein davein sang. 
• Es dreet sich urab, hupifet und sprang. 

Da lacht ich mir der aderlaß, 

Gieng im kirchtag weyter mein straß, 
20 Wann ich sah dort ein grosse meng 

Der bawern, die mit eym gedreng 

Mit lachen und grossen gedöß 

Mit stifeln betten ein gestöß, 

Mit schweinspieß, drischein und mistgabeln. 
25 Theten faß durch einander krabeln 

Herumb ringweiß umb eyuen kram. 

Und als ich dem aucli neher kam, 

Da war allda ein zanbrecher. 

Ein bawern-bscheisser, gar ein frecher. 
30 Derselbig fing zu schreyen an: 

Her, her, wer hat ein bösen zan! 

Ein^ser^zan em böser ^ast^ 

Lest dem man weder rhu noch rast. 

Zu dem trung ein kropffeter man, 
3ö Der het ein bösen holen zan. 

Der setzt sich und reiß aufl^ sein maul 

Auffs weytest wie ein acker-gaul. 

Ins maul griff er im mit der zangen. 

Sein bösen zan herauß zu langen. 

1 BC blut. 2 C verlor. 3 C schrier er. 25 BC fast. 



275 

Da ergriff er im ein unrechten. 
Da ließ er einen schray mit mechten, 
Für auff vom stul und lieff darvon. 
Da fing erst der zanbrecher an : 
5 Kommet herbey, herbey, herbey! 
Ich hab gar gute artzeney 
Für das faul und den zipperlein, 
Für die blaw husten und den Weinstein, 
Für den meuchler, sanct Urbans plag, 

10 Vorn grimmen ob dem spiel (ich sag), 
Für die eyfersucht und das sehnen^ 
Fürs lauffend, krampff und bösen zeenen. 
Darzu mancherley würtz ich han, 
Kagwurtz, senfft und entzian, 

15 Petrolium und wurmsamen, 

Triackes unnd gut mucken-schwammen. 
Ich hab gut salben für die leuß, 
Gut pulver für ratzen und meuß 
Und hab aucli für die flöch gut schmer. 

20 Darumb wol-her, wolher, wolher! 
Inn dem ein bawer zu im kümbt, 
Der sich sehr hin und wieder krümbt, 
Geleich samb ein groß-pauchet weib. 
Der het die würm inn seinem leib. 

25 Dem er ein würmsämlein gab, 
Inn einer milch ihn fiöst hinab. 
Bald bückt er sich und thet sehr klagn 
Und pfercht ihm nieder auff den schragn 
Etwas fast auff ein dutzet würm, 

30 Eurtz und lang auff allerley fürm, 
Die der wurmsam het von im triebn. 
Umb in die sew sich fleissig riebn. 
Als nun bewert war sein wurmsamen, 
Die bawren sein darnach all namen. 

35 Also gieng ich von diesem platz, 
Lacht mir der seltzamen kramschatz. 

Anno salutis 1557, am 22 tag Septembris. 

19 C Flöh. 



18 



276 



^tyv^v-- 



[ABC 1,530] Schwanck. 

Wer Inst zu gwinnen hat ein krantz, 
Füg sich zu diesem nasen^dantz^ 

Ains tags viel kurtzweyl ich vernam 
6 Und auff ein hawern-kirchwey kam 

Inn ein dorff, Gümpels-hrunn genandt, 
[K 1, 1066] Da ich viel voller bawern fand, 

Schreyend, all stedel vol gesessen. 

Da ward ein trincken und essen. 
10 Die magd in die sackpfeiffen sungen, 

Die bawern-knecht luffen und rungen, 

Warffen einander auff den semper, /i^w»-^ 4' i 

Das manchem im leib kracht der gemper. 

Eins thails spilten in die leck-kuchen. 
15 Noch mehr kurtzweil ward ich ersuchen 

Und kam zu eynem hannen-dantz. 

Da machtens wunderlich kromantz 

Mit gnippen, knappen und verdreen. 

Das man ihn thet waiß wohin sehen. 
20 Offt einer an den andern hust, 

Das er sich gleich umbdrehen must, 

Traten einander mit den stiflen. 

Ich dacht: Es wirt sich noch andriflen 

Ein hader bey dem trutz und tratz. 
25 Ich gieng und schaut den kugel-platz. 

Da hieng ein rotes hoßtuch bey. 

Da setzten sie offt zwen an drey. 

Ich gedacht mir: Ob diesem kegeln 

Wedren sie noch eynander flegeln. 

* 

4 G Eins. 9 C vnd ein. HC loffen. 17 C kramantz. 



277 

Ich gieng fürbaß auff einen plon, 

Sach da viel alter bawern ston. 

Mitten dar-auff an einer Stangen 

Sah ich drey schöne klaynat hangen, 
5 Ein nasen-futter, pruch und krantz. 

Da sagt man mir, ein nasen-dantz 

Würd auff dem plon noch diesen abend, j 4^ i / 1 

Die gröstn drey nasen würn begabend, ^^^' ^^^^ * 

Die gröste nas gewünn den krantz 
10 Und würd könig am nasen-dantz, 

Die ander gwünn das nasen-futer, 

Die dritt die bruch. Gar wolgemutter 

Verzog ich da inn meinen sinnen,* 

Gwißlich ein klainat zu gewinnen, 
15 Würd ich änderst nit könig gar. 

Eh ich verzog ein viertel, dar 

Kamen zwen pfeiffer mit schalmeyen, 

Die bliessen auff zum nasen-reyen. 

Her-drungen bawern und ir baseft 
20 On zal mit*aso grossen nasen. 

Lang, dick und krumb, hencket und pucklet, 

Murret, muncket, prayt, pflüntscht, hucklet, 

Zincket, hacket, kiioiTet und knoUet, 

Dryeckicht, vireckicht und droliet, 
25 Gleisset und rot, küpfi&ren und högret, 

Vol engerling, wimmert und knögret. 

So ungfüg, das ich auff den tag 

Tantzens und klaynat gar verwag. 

Inn dem die pfeiffer beyd auff-pfiffen, 
80 Einander sie zun nasen griffen. 

Zogen einander an den rayen 

Und Sprüngen her nach den schalmayen 

Bei zweintzig person, man und firawen, 

Daran ich meinen lust thet schawen. 
35 Ich dacht: Wie west ich ir so viel. 
Die all recht weren zu dem spiel! 
Die wünschet ich all zu mir dar. 
Und als der dantz am besten war, 

2 Sah. 7 C plan. 8 C wttrdn. 13. 1« C Verzooh. 14 C Gewißlich. 
C gwinnen. 16 vierteU. 20 BO abo. 



278 

Da erhub sich ein grosses schlagen, 
Am kugelplatz, da ward ein jagen 
Einander her; in dem gedöß 
Wnrd ein gelauff nnd ein gestöß. 

5 All Hessen sie am rayen faren 
Und auch von leder zucken waren. 
Da war der nasen-dantz zu-trendt. 
Yedoch der scherg kam an dem endt 
Und schrey : Der richter und mein herren 

10 Yerliünden euch nahen und feiTcn: 
Weil der nasen-dantz ist zerstrewt, 
Soll man nit weyter dantzen hewt. 
Biß sontag 'Aöllens in an-stellen, 
Ob eyner hat ein guten gsellen 

16 Und der auch wol benaset wer. 
[K 1, 1067] Den mag er mit im bringen her, 
Sey burger, pawer, arm und reich, 
Dem Wirt man messen eben gleich 
Mit zircl^l, baßhart und dryangel, 

20 Das er sey unklaghafft und mangel. 
Wem dann ein klaynat thut gebüren, 
Der mags on nachred wol einfttren. 
Also der kirchtag namb ein end. 
Eylend ich wider heymwartz wend 

25 Und hab das bey jimgen und alten 
Im besten wollen nit verhalten, 
Weil der nasen-dantz ist angstelt. 
Ob ewer eyner daran wölt, 
Der mach sich auff biß morgen fru ! 

30 So kumbt er eben recht dar-zu 
Gehn Gümpelsbrunn an nasen-dantz. 
Und ob er da erlangt ein krantz 
Und wurd zum nasen-köng erweit, 
AUn grossen nasen für-gestelt, 

35 Der sind hie und jhenseyt des bachs 
Viel hofgesindes, spricht Hans Sachs. 

Anno saliitis 1534, am 12 tag Augusti. 

* 
7 C zertrent. 35 ? fint. 



279 



Schwanck. Der pawern - tantz , versammelt auß 

mancherley dörffern. 

Eins tags ich auif ein kirchweich kam 

Gehn MegeldorfP, da ich vernara 
5 Inn einem grossen wirtes-hauß 

Die pawern leben inn dem sauß. 

Die kalbsköpff, raagen und die kröß, 

Pfeffer und sultz die waren nit böß. 

Die rotseck und die Schweinen praten, 
10 Die sawermilch war wol geraten. 

Der wein wurd also knoUet truncken. 

Ir viel undter die penck hin suncken. 

Sich hub ein groß gröltzen und speyen, 

Ein kalleu. juchtzen, singen und schreyen. 
15 Inn dem wirtshauß an allem ort 

Sein aygen wort kaum einer bort. 

Gantz frölich waren jung und alt. 

Nit waiß ich, wer die tirten zalt. 

Nach dem sah ich zwen dölpet pfeiffer, 
20 Ir finger kolbet wie ein scbleyffer, 

Die stunden und pfiffen auff. 

Von mayden ward ein groß zulauff. 

Die stunden da, warten des mans, 

Biß sie auff-zug Fritz, Kuntz und Hans. 
25 Eins thails die hüten doch der spieß. 

Des sie gewunuen hoch vertrieß. 

Hans Tötsch-in-prey von Ramerloch 

Die Gred von Erbelting auff-zoch. 

Die het im geben eynen krantz, 

21 C da vnd. 



280 

Das er mit ir solt thun ein dantz. 
[ABC 1, 531] Kuntz Scliönenpflug von Rötenpach 

Selb zu der Rewel-Greden sprach: 

Wenn du wolst meines tantzen lachen, 
ö So wolt ich dir dein sach bald machen. 

Und der böß Liendl von Ganckhofen 

Der het sich gantz blind-vol gesoifen. 

Der dantzet mit der Spindel-Christen, 

Die hat vor den stal helffen misten. 
10 Darnach Füllhon von Pudenshöym 

Der west mit Krenichen den reym, 

Des Letschen von Putschbach, 

Wiewol ir mutter sawer sach. 

Darnach tantzt ül Scherg von Dreckhausen, 
15 Der thet gmach nach dem zäun her-mausen. 
[K 1, 1068] Der dantzt mit Ktinlen Zett-den-schaiß, 

Der vertreet sich offt in dem kraiß. 

Und der Stoffel Schmid von Ftinsing 

Macht auch am dantz viel krummer ding 
20 Mit seiner Adelheyt von Döltz, 

Der het er kaufft ein newen pöltz. 

Von Gerßhofen der Rubendunst 

Der brauchet an dem dantz groß kunst 

Mit der Hilla von Langenaw, 
25 Die faist als ein gemeste saw. 

Der Claß Schneider von Sumerhausen 

Thet auch her an dem rayen sawsen 

Mit dem Maria mit dem milch-krug. 

Den sie von Winterhawsen trug. 
30 Der schefer von der Newen-stat 
, Mit seiner Ellen umbher-knat. 

Er het viel lieber koren troschen. 

Doch thet ers umb die alten groschen. 

Der Nagel-Hans vom Kochers-perg 
35 Der dantzt am rayen uber-zwerg 

Mit Gümpels Warb, die war herauß 

Von Mümpach auß dem fladen-hauß. 

Merten Stock, schuster von Kolgarten, 

1 C thon. 4 C woltst. 5 C wiU. 12 BC toohtor von. 16 C Kttnlein. 
21 Bisen. 38 C Martin. vom. 



281 

Der koset stät mit seiner schwarten, 

Die war von Zeyselmawer kummen 

Und het den Engelmayer gnummen. 

Nach dem der meßner von Hirsaw 
5 Der dantzet mit des pfarrers fraw 

Von Pudenhaym, die het er lieb. 

Viel schertzens am dantz mit ir trieb. 

Vom Potenstain der Esel-müller, 

Der am tisch war der gröste faller, 
10 Mit Mayers Elßen umbhin sprang. 

Haintz Letsch der sah ihn an gar sträng. 

Deß grollet sehr der Jeckel Bader, 

Wolt nnr mit im anfangen hader. 

Das er mit Mayer Elßen redt, 
15 Der ir zu nacht gefenstert het. 

Voran dantzten zwo pawem-diern. 

Zwen knecht theten den rayen fOm. 

Die sah ich alle umbher springen. 

Ein theil die griffen zu den klingen. 
20 Ich dacht: Es wird int leng nit fein, 

Sie werden an einander streln 

Und wird ein grosses schlahen drauß. 

Ich macht mich auff und gieng zu hauß. 

Wann ich besorgt da ungemachs 
25 Auff der bawern-kirchweieh, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1528 am 15 tag Martü 
2 C Ziselmawer kommen : gnommen. 5 C Pfarrherrs. 



282 



Die neun eilenden wanderer. 

Der erst, ein kerner. 

Der erst, welcher mit karren fert, 
Dem ist mühe und arbeit beschert. 
5 Yetzt bricht im diß, yetz bricht im das, 
ünnd was er erfert auif der straß. 
Wird er im wirtshauß wieder an 
Und bleibt ein armer karren-man. 

Der ander, ein weib. 

10 Der ander eilend inn der weit 
Ist, so ein weib gebt über feldt, 
Dann sie ist blöd, machtloß und schwach 
Und muß allzeit gehn hinden-nach. 
Im wirtshauß muß sie sich auch schmign. 

15 Ein yeder narr will bey ir liegn. 

Der dritt, ein handTvercks-gsell. 

Der dritt, ein handwercks-gsell genand. 
Der ist des lauffens ungewand. 
[K, 1, 1069] Er geht bald den wolff, kamp und blasen 
20 Und ligt auch sehr lang auff der strasen, 
Biß er verzert sein gelt und wat. 
Das er vor lang ersparet hat. 

Der viert, ein bot. 

Der vierd ein bot, weist weg und steg 
25 Zum aller-nechsten fort und weg. 
Doch wird er müd, wie ander lewt. 

* 

5 G jetzt. 19 E kampff. 



283 

Der boten-lon kompt auß der hewt. 
ledoch bringt in das trüncklein bin. 
Des hat der wirrt den besten gwin. 

Der fünift, ein kremer. 

5 Der fünfft, ein kremer, der muß tragen, 
Sein kramscbatz durch die rauber wagen 
Und muß durch-lauffen all kirchweich 
Und auch die jarmärck der-geleich, 
Offt den gwin zum haubtgut verzert, 
10 So er nit bald vom wirtshauß kert. 

Der sechst, ein münnich. 

Der sechst, ein münnich, so der keß 
Will samlen, sind die pewrin reß. 
Sprechen, das er auch hack und rewt 
15 Und sich auch neer wie ander leut. 
Man sieht in ubert achsel an 
Und haist in weyter fürbaß gan. 

Der sibend, ein betler. 

Der sibend, ein betler (versteht!), 
20 Wo er zu eynem dorff eingeht, 
So thun die hund im viel zu laid. 
Im Winter hat er armes klayd. 
Groß unrhu machen im die leuß. 
Sein brot essen die spital-meuß. 

25 Der acht, ein reutter. 

Der acht ein reuter, so der muß 
Über feld traben, doch zu fuß, 
Tregt stifel, sporn an dem schwer dt. 
So er hat weder gelt noch pferdt, 
30 Wil auch kein wirrt in herbergn meh, 
Und thet das gehn im noch so weh. 

Der neundt ein landsknecht. 

Ein landsknecht ist auch wol der neundt. 
Wo er eiukert, hat er weng freund. 

2 C Trünoklin. 28 G sporen. 



284 

Hat er kein gelt, er ist unwerdt. 
Sein lauffen werd hewer wie fert. 
Er garrt und nimmet offt ein pewt, 
Die er muß zalen mit der hewt. 



1 C vnwerd. 2 C wert. 



285 



[ABC 1,532] Ein wunderlich gesprech Yon fflnff 

onhiilden. 

Eins nachts zog ich im Niderland 

(Die weg mir waren onbekand) 
5 Durch einen dicken wilden waldt. 

Zu einer wegscheyd kam ich bald. 

Erst west ich nicht, wo ein noch anß. 

Ich setzt mich ondter einen stranß, 

Zu bleiben an den morgen fra. 
10 Do giengen mir die äugen zu. 

Sichtlich sach ich in qualmes träum 

Fünf weibs-bild undter einem bäum, 

Alt, geruntzelt unnd ungehewer. 

Redten gar seltzam abenthewer. 

15 Die erst aawberin« 

Die erst sprach: Hört, ir lieben gspiln, 
[K 1, 1070] Wir thetcn her einander zieln, 

Jede ir kunst frej zu bewem 

Und eine yon der andern lern« 
20 So wist, das ich mit meiner kunst 

Bezwingen kan der mender gunst! 

Mit zawber-listen ich in tbu, 

Das sie haben on mich kein rhu. 

Das manns-glied ich eym nemen kan, 
25 Das er sunst nindert ist kein man. 

Die ander hex« 

Die ander sprach: Du kanst nk^t yiel. 

♦ 

3 looh. 21 HKanmr. 26 sonft. 



286 

Mein kuust ich auch erzelen \Nill. 
Ich kan undter das gschwell eym grahen, 
Das es darnach das gschoß muß haben. 
Die gschoß kan ich segnen und heylen 
5 Und melcken milch aus der thor-sewlen, 
Die attern bannen, den wurm segen, 
Und wo beschrierne kinder legen, 
Ean ich machen wieder gesund. 
Mein kunst im gantzen land ist kundt. 

10 Die dritt teii£fela-bannerin. 

Die dritt sprach : Mein kunst solt ir hörn. 

So kan den teuffei ich beschwern 

Mit meiner kunst in einem kreiß, 

Das er verborgen schetz mir weiß. 
15 Die kan ich graben, wenn ich will. 

Inn der christall und der parill 

Kan ich auch sehen viel gesiebt, 

Was über etlich meyl geschieht. 

Den leuthen kan ich auch warsagen, 
20 Wo man in etwas hat endtragen. 

Die vierdt v^ettermacherin. 

Die vierdt sprach: Ir seit seicht gelehrt. 

Mein kunst mir allein ist beschert. 

Den teuffei ich genommen han. 
26 Ich bin sein fraw und er mein man. 

Derselbig hilfft mir weiter machen. 

Das sein die wuchrer mtigen lachen, 

Wann ichs trayd inn die erden Schmitz 

Mit hagel, schawer, donner, plitz. 
30 Mit gspenst mach ich ein raysing zeug. 

Damit ich die einfelting treug. 

Die fiinlft unhuld. 

Die fünfft sprach : Mein kunst ob euch öUn, 
Kau mich inn ein katzen verstell u. 
35 Auch kan ich faren auff dem bock, 
Far über standen, stein und stock, 

« 

3 Vgl. Ayrers dramen 1, 248, 32. SchmeUers bayerisches wörterb. 2, 411. 
27 C mögen. 



287 

Wo hin ich will, durch berg und thäler. 
Auß der kuchen und dem wein-keller 
So hol ich gut Haschen mit wein, 
Wurst, hüner, gense, wo die sein. 
r> Damit erfrew ich meine gest. 
Mein kunst ist noch die aller-best. 

Der beschliiß. 

Inn dem ein vogel auff eym ast 

Wurd flattern gar lautraysig fast. 
10 Da erwacht ich in dieser sag. 

Da war es heller, liechter tag. 

Da kund ich gar wol mercken bey. 

Es wer ein träum und fantasey, 

Geleich als wol als mit den weyben, 
15 Die solche schwartze kunst sind treyben. 

Ist doch lauter betrug unnd lügen. 

Zu lieb sie nyemand zwingen mügen. 

Wer sich die lieb lest ubergan, 

Der selb hat im es selb geth an, 
20 Das es lauflft wie ain halber narr. 

Nimpt man ires eingrabens war. 

So ist es fantasey allwegen. 

So sind erlogen all ir segen. 

Der teuffei lest ein weih sich zwingen, 
[K 1, 1071] So ferr ers inn unglaub müg bringen. 

Auch wo man schetz waiß unverhol. 

Die grebt man on den teuffei wol. 

So ist der christallen gesiebt 

Lauter gespenst, teuffels gedieht. 
30 Ir warsagen ist warheyt-lär, 

Das zutrifft etwan ungefär. 

Das wetter-machen sie bethort. 

Schlug sonst gleich wol auch an das ort. 

Des teuffels eh und reutterey 
35 Ist nur gespenst und fantasey. 

Das bockfaren kumpt auß mißglauben. 

Der teuffei thuts mit gspenst betauben. 

Das sie ligt schlaffen in eym qualm. 

21 C Nimbt gar j. 25 C mög. 26 C weist. 



288 

Maint doch, sie far nmb allenthalbm 
Und treyb diesen und jbenen handel 
Und in ein katzen sich yerwandel. 
Diu als ist haidnisch und ein spot 
Bey den, die nicht glauben in Got. 
So du im glauben Gott erkenst, 
So kan dir schaden kein gespenst. 

Anno salutis 1531| am 9 tag Aprilis. 



1 C Meint. 



289 



Ein gesprech mit dem fawlen Lentzen, welcher ein 

haaptman des grossen fawlen hanfTen ist. 

Eins tags im Mayen hewer 

Gieng ich durch abenthewer 
5 Hinauß gehn Erlenstegen. 

Da kham mir undterwegen 

Geritten ein hauptman. 

Der sah mich schlefFrich an. 

Auff eynem esel saß. 
10 Ein küß sein sattel was. 

Vol stro hieng har unnd part. 

Sach gantz dtlrstmicher art. 

Sein rock vol federn hieng. 

Der fragt mich, wann ich gieng. 

15 Der dichter. 

Ich sagt, von Nürnberg her. 

[ABC 1, 533] Der faul Lenta. 

Da fragt mich wieder er, 

Ob er möch knecht auff-treyben, 
20 Willens wer er, zu schreyben 

Ein fennlein oder zwey 

Von leuten allerley, 

Wie ers möcht kummen an, 

Bayde fraw unde man, 
25 Herren, mayd unde knecht, 

Auch allerley geschlecht, 

MÜnnich, nunnen unnd pfaffen, 

12 BC dttßmioher. 19 mOoht. 
Hans Bachs. V. 19 



290 

Jung, alt, schön und angschaffen, 
Ann, reich, nahet und ferr. 

Der dichter. 
Ich sprach: Wer ist dein herr? 

5 Der faul Lentz. 

Er sprach: Ich bin der man. 

Der dichter. 
Ich fragt: Wer bist? sag an! 

Der faul Lentz. 

10 Er antwort mir behentz : 
Wißl Ich bin der faul Lentz, 
Der alle arbayt scheucht 
Unnd inn dem land umbzencht, 
Unnd schreyb lewt, die mir dienen. 
[K 1, 1072] Inn dem ward er auff-gienen. 

Der dichter. 
Ich fragt: Was wilt du ir? 

Der faul Lentz. 

Er sprach: Sie müssen mir 
20 Den Summer helffen schwtlrmen, 
Den faulen berg helffen sttlrmem, 
Der hindter Pfingsten leyt. 

Der dichter. 

Ich sprach: Sag, welche zeyt 
25 Du liegen wirst zu feld! 

Der faul Lent2^ 
Drey monat lang, er meldt; 



21 BG stürmen. 22 So jenseit montags Uhlands Schriften 3, 228. 3 meil 
hinter Weihnachten ebendas. s. 329. Zwischen Schlampampen , Ostern und 
Pfingsten Schwärm in Seheibles Kloster 1, 141. 3 meil hinter sanctUrbana tag 
Aufseßs Anseiger 1859, 369. So noch jetzt in Württemberg : zwischen £ßlingen 
and Pfingsten, zwischen Pfingsten und Neshausen. 25 C wirdst. 



Ö91 

Der brachmon unnd hewmoh; 
Den Augstmon ich ancb hon. 

Der dichter. 

Ich sprach: Zayg den begriff 
5 Inn deym artickel-brieff! 

Der fiaal laents. 

Er sprach: Du fragst zu viel. 

Doch ich nit bergen wil, 

Ob ich dich möcht erschleichen, 
10 Erstlich müssen die reichen 

Die drey monat spacieren 

Inn gerten umb-mayiren, 

Schalatzen, reytten unnd fam, 

Im wildpad nichtsen sparn, 
15 Lust, rhu und schatten suchen, 

Irs handeis nichts geruchen, 

Er nemb ab oder zu. 

Das gaistlich volck sucht rhu, 

Soll nit zu viel studieren, 
20 Das es nit schad dem hieren, 

Sunder im pett thu schwitzen 

Unnd auff dem polster sitzen 

Und ob den püchem natzen, 

Recht wie die kloster-katzen. 
25 Die handwercks-lewt die sollen 

Leben inn allem vollen, 
, Sollen frtt schlaffen gan, 

Morgens lancksam auff-stan, 

Als-bald gebn auff ein suppen, 
30 Darzu das fieschlein luppen. 

Denn gehn am sewmarck umb, 

Biß der mittag herkumb. 

Als-denn sich füllen wieder 

Unnd denn sich legen nieder, 
85 Kastn ein par stündlein drauff, 

Denn faren wieder auff, 

Fawlentzen hin unnd her, 

IS Vgl. 4, 258. ZfmUHMIh AdOk 8, U» «/ 119. 35 C ftttnAlin. 

10« 



292 



Erfaren newe mär 
Oder gehn zu dem wein, 
Sich fallen wie die schwein. 
Die gantz wochen durchauß 
5 Eeyner fragt nach seym hauß 
Oder seiner werckstat, 
Biß drey monat vergaht. 
Dergleich sollen die bawren 
Die drey monat an trawren 

10 Fliehen den sunnen-schein 
Und liegen bey dem wein, 
Auff alle kirchweich laufen, 
Sich Yol fressen und sauffen. 
Aber die knecht unnd gseln, 

15 Welche nur dienen wölln, 
Sollen all montag feyren, 
Dauß vor dem thor umb-leyren, 
Nach mittag spieln unnd zem, 
Am mitwoch haymwartz kern, 

20 Darnach unfleissig neen, 
Schinden, feylen unnd dreen, 
[K 1, 1073] Malen, weben unnd pachen, 

Zwen tag ein tagwerck machen, 
Weng arbeyten, viel schlaffen. 

25 Wens der maister will straffen, 
SoUens wandern und auffstehn, 
Ein tag zwo meyle gehn, 
Klayder verzern, verkauffen 
Unnd denn inn krieg hin-lauffen. 

30 ümb die weyber und mayd 
Hats auch ein andern bschayd. 
Müssen lancksam auffstehn, 
Zottet, unltlstig gehn 
Unnd nach den flöhen fischen, 

35 Die zen ans hemmat wischen. 
Am schlappermarck stehn schwatzen 
Und ob dem rocken natzen, 
Drey tag ein spulen spinnen, 
Das kraut an lassen brinnen, 

9 C on. 13 Eirohwey. 21 OK Schmiden. 



293 

Die Sappen uberlauffen, 
Haymiich menchlen und sauffen, 
Unlüstig spüln nnnd kochen, 
Nit kern die gantzen wochen, 
5 Nichts waschen uberal, 
Inn drey tagn pettn ein mal. 
So hab ich uberlauffen 
Die stück deß fawlen häufen, 
Deß sie mir müssen schwern, 
10 Undters fenlein zu mehm 
Faulkeyt inn haissen tagen; 
Der fewlst wirdts fenlein tragen. 
All, so arbayten gern. 
All außgemustert wem. 

15 Der dichter. 

Ich sprach: Wo wirst du bleibn? 
Zu hferberg dein knecht schreybn? 
Wo-hin solln die mit hauffen 
Jung unde alt nach-lauffen? 

29 Der faul Lentz. 

Er sprach: Dauß zu Schweinaw, 
Da-hin kumb mann und fraw, 
Bayde knecht unnd haußmayd. 
Da findens gelt und bschayd. 

25 Der dichter. 

Ich fragt: Vonn wann bist du? 

Der flAul Lentz. 

Er antwort mir: Hör zu! 
Ich bin vom Bettel-berg, 

30 Da ich all die herberg, 
[ABC 1, 534] Die mit mir ziehen ummer, 

Den Winter zu dem summer, 
Etwan viel mannich jar. 
Da zal ich offenbar, 
85 Was yeder selbs erwarb. 

12 C Fendlein. 1« wixdst. 18 dir. 35 C selb. 



994 

Das klaid ist mangel-farb. 

Da mttgens zu fuß traben 

Und essen, wenn sie es haben, 

Legen ein gbruten arm 
5 Auf ein hungrigen darm. 

Inn eynem ströen pett 

Da Schlafens inn die wett. 

Diese freyheyt sie hon 

Zn eyner proyision 
10 Forthin ihr leben lanck. 

Sie sind alt oder kranck, 

Mttssens mit mir fawlentzen, 

Dem fawlen hauffen schwentzen. 

Stürmen den fawlen berg, 
15 Spricht Hans Sachs zu Nürnberg. 

Anno salutis 1547, am 21 tag Aprilis. 

* 
2 C mögeni. 3 siei. 16 C von N. 16 C 1557. 



295 



[K 1, 1074] Ein gesprech mit der Faßnacht von 

ihrer ajgenschafft. 

Als ich am freytag uach faßnacht 

Mit mejmem pentel rechnung macht, 
5 Den ich fand eytel, ring unnd lär, 

Da wurd mir erst die faßnacht schwer. 

Vertrossen ich gleich auß-spaciert, 

Hinab an der Pegnitz refiert 

Biß gehn Schnigling, ward also rucken 
10 Hinab biß zu der stajmen pmcken. 

Von ferrn sah ich im sand her ziehen 

Ein grosses thier, da ward ich fliehen. 

Ich kund nit kennen, was es was. 

Sein panch war wie ein füdrich faß, 
15 Sein gantzer leyb vol schellen rund, 

Het starck zeen und ein weyten Schlund, 

Sein schwantz schewich war und beschom, 

Das het weder äugen noch om. 

Als ich floch etwas weit von im, 
20 RtlfPt es samb mit menschlicher stim, 

Ich solt an schaden zu im gehn. 

Ich creutzigt mich und bleib still stehn, 

Biß das es zu mir kruch gemach. 

Ich merckt wol, es war matt und schwach. 
25 Noch hielt ichs für ein gspenst allwegn. 

Ich bschwur es mit eim guten segn. 

Du seist ein thier, gaist oder gspenst, 

Gebeut ich dir, das du dich neust. 

Die Faßnacht. 
10 steinin. 11 C im Landt. 17 C sohewig. 19 G floh. 31 C on. 



296 

Das tbier fing an gar laut and lacht. 
Kenst mich nit? Ich bin die Faßnacht, 
Sprach es; kenst nit mein weyten pauch, 
Mein starcke zän und grossen schlauch? 

5 Wie viel kuchen ich hab auff-zert, 
Biß man mich Faßnacht hat emeert, 
Mit viel wilbret, vögel, fisch und gemüß, 
Sultz, pfeffer, eingmacht, sawer und süß, 
Gebratens, gewürtztes, eingebicktes, 

10 Gesottens, bratens und gespicktes! 
Dergleich hab ich gelärt viel keller 
Mit Fräncken-wein und Muscateller, 
Lagl mit Rainfal und Malvasier, 
Yiel fesser auch mit frembdem hier, 

15 Kandel, krausen gemachet lär, 
Sam sunst nit gut zu trincken wer. 

Der dichter. 

Ich sprach: Wie tregst du so viel schellen. 
Die umb dein gantzen leyb erhellen ? 



20 



Die Faßnaoht. 



Die Faßnacht sprach : Hie merck mit fleiß 
Viel thörichter freud und abweiß. 
Die umb mich Faßnacht allzeyt klingen 
Mit purschen, spiel, dentz, rayen-singen, 

25 Mit allerley fewerwerck brennen, 

Mit krönlein-stechen und scharpff rennen, 
Mit kolben-stechen in dem stro, 
Schwerd-tentz, rayff-tentz ist man auch fro. 
Viel faßnacht-spiel bring ich herbey 

30 Und an zal gar viel mummerey. 
Die sich vermummen und verbutzen. 
Eins thails wie weyber sich auff-mutzen, 
Eins tails wie münch, eins teils wie mom. 
Eins teyls sind wie Zigewner worn, 

35 Eins theils pawren, eines thails narrn, 
Darinn etlich viel zeyt verharrn. 

« 

7 C wildpret, vögl. C gmüß. 14 C frembden. 16 C Samb sonst. 
80 G on. 33 Ein teil w. Mönch, ein teil, 



297 

Auch mancherley man fahet an. 
Wer sich der nerrischt stellen kan, 
Der ist der best und hat den preiß 
Von wegen nerrischer abweiß. 

5 Der diohter. 

Ich sprach: Wie hast so starcke zeen? 

Die Faßnaoht. 

Sie sprach: Da magst du bey verstehn: 
[K 1, 1075] Viel peuttel hab ich mit zerkiffet, 
10 Viel geltseck darmit auff-getrieffet, 
Viel erbgüter hab ich zerstrewet, 
Viel abtragens gelts mit zerkewet, 
Viel karten hab ich mit zerrissen, 
Viel wtirffel zomigklich zerbissen, 
16 Viel wercken-täg darmit zernagen, 
Viel böser ebnbild drinn vertragen, 
Viel guter sitten mit verkert, 
Viel erbarkeit darmit versert. 

Der diohter. 
20 Ich sprach: Du hast ein weyten rächen. 

Die Faßnacht. 

Da fing die Faßnacht an zu lachen 
Und sprach: Mein räch verschlungen hat 
Gelt, klaider, pett, zin und haußrat; 
25 Hewser und stedl, äcker und wiesen 
Thet alles durch mein rächen fliessen. 
Das ich an anstöß hab verschlicket. 
Wer er nit weyt, ich wer ersticket. 

Der dichter. 

30 Ich sprach : Wie ist dein schwantz so mager, 
Dürr, schienherich, schewig und hager! 

Die Faßnaoht. 

Die Faßnacht sprach : Durch meine stück 
Mir nachfleugt mancherley unglück, 

9 C zerkifelt: auffgetriefelt. 27 C on. 31 BC sohienherig. 



298 

Schuld, armnt, laster, sünd und schand, 
Schuld zaleu und versetzen pfand. 
Was ich auff-fraß inn Überfluß, 
Manch haußvolck hart ersparen muß, 
[ABC 1, 535] Mit guten zenen übel essen, 

Frü auff-stehn, lang int nacht gesessen. 
Böß köpff und fieber auch nach-lauffen 
Meym grossen fressen und zusauffen, 
Der zipperlein und Wassersucht, 
10 Auch grosse hurweiß und unzucht, 

Jnnckfraw-schwechung und auch ehbruch. 
Falsch spiel, heder und böß geruch. 
Diß und mehr arges folgt mir nach. 

Der dichter. 

15 Zu der Faßnacht ich wieder sprach: 
Sag mir, du schwerer überlast, 
Wie dast kein aug noch obren hast! 

Die Faßnacht. 

Faßnacht sprach: Ich sich nyemand on. 

20 Keins menschen ich schew noch verschon, 
Gaistlichs noch weltlichs, ober noch under. 
Wann ich bin der weit ein meerwunder. 
Mich selb ich auch nit sehen kan, 
Was übel oder wol ist stan, 

25 Ich geh gleich wie ein blindes pferd, 
Bleib die Faßnacht hewer wie ferd. 
Dergleichen ich auch nichts gehör, 
Wer sich gleich gegen mir entpör, 
Mich straffet, schendet oder schmecht, 

30 Dem wird ich feind, gieb im unrecht, 
Thu mich gar an kein warnung keren, 
Biß man mir mit gewalt muß weren. 
Ich gieng snnst immer fort mein gang 
Noch zway oder drey monat lang. 

35 Nun bin ich trieben auß der stat. 
Da mir das glaid gegeben hat 
Mit grosser klag ein hauffen narrn, 

)9 BC aß. 21 C öbr. 






299 

Die wollen alle anff mich harrn, 
Biß zehen monat widerumb 
Vergehn, das ich denn wider knmb 
Und sie all thu wider erfrewen. 

5 Die weil habens an mir zu de wen. 
Mit dem die Faßnacht schwach und mat 
Anff die hoch staynen prucken drat 
Und thet int Pegnitz einen pflumpff, 
Das ich sah weder stiel noch stumpff 

10 Da liegn undter der brück verborgen. 

[E 1, 1076] Der dichter beechletiBt. 

Ich gieng hin-heym mit grossen sorgen, 
Gedacht deß Sprichworts vor viel tagen, 
Das ich die alten höret sagen: 

16 Einer jeden zeyt zu thun ir recht, 
Das machet manchen armen knecht. 
Das merck gwißlich inn einer sumb, 
Wenn die faßnacht herwider kumb, 
Das yederman sich duck und schmuck, 

so Das sie im nit zu viel verschluck 
Mit klaydung, gasterey und spiel 
Und der-gleich ander unkost viel, 
Das er das gantz jar mit gebruch 
Denn neen muß am hunger-tuch 

25 Und halben sack denn zu muß binden 
Bayde mit weihen und mit kinden, 
Zum schaden im der spot auffwachs, 
Warnt trewlicb, der dichter Hans Sachs. 

Anno salutis 1540, am 18 tag Februarii. 
7 C steinen. 



300 



Der narren-fresser. 



Heut frü spaciert ich auß umb drey, 
Zu sehen, wie der Hechte Mey 
Beklaydet het das weyte feld, 
5 Die awen unnd die wüsten wäld 
Mit blumen, laub unnd grünem graß. 
Das fand ich reichlich über maß, 
Lüstig mit rott und weisser blüt. 
Des war erfrewet mein gemüt. 

10 Bey eynem wald ich umb refiert, 
Darinn der vögel schar quintiert. 
Der gieng ich nach und war sehr bald 
Weyt hinein kummen inn den wald, 
Das mich gleich selb verwundert das. 

15 Inn dem da thaylet sich die straß 
Auß zu der lincken und der rechten. 
Und als ich stund inn den gedrechten, 
Welche Strassen ich wolt ein-gan. 
Da ersach ich ein grossen man, 

so Lang, grausam, thierisch, unfug und wildt, 
Ein sehr erschröcklich, scheutzlich bild. 
Sein lenge bey vier eleu was 
Gantz ungehewer von gliedmaß, 
Gantz wimret, knocket und gantz knorret, 

25 Sein haudt gefalten und verdorret. 
Sein augn tieff, sein maul nit klein. 
Bleich, tödtlich war die färbe sein. 
Buntzelt, henckend waren sein wangen. 
Sein drüssel undtersich ward hangen. 

so Der halß war dürr, harich und rauch. 

2 C loh spaziert heat firü aaß. 26 BC äugen« 



301 

Ein war gerompffen im der bauch. 

Dieser mann saß an der weg-scheyd. 

Mein bertz das klopfft inn bertzen-leyd. 

Da trabt ich gehn der lincken band 
5 Ein holtz-weg ein mir unbekandt, 

Dem grewlichen mann zu endtrinnen. 

Als ich floch mit forchtigen sinnen, 

Sah ich ein wagen gehn mir gan. 

Darauff saß noch ein grösser man, 
10 Sehr faist und groß über die maß, 

Sein bauch groß wie ein füdrich faß. 

Der hett ein sehr groß blutig maul, 

Starck, brayt zän wie ein acker-gaul, 

Sein kopff fast groß wie ein saltzscheübn. 
16 Ich dacht: Wo sol ich armer bleibn? 

So ich dem dürren thu entgehn, 

Fall ich dem faisten inn die zän. 

Ich floch zu-ruck, thet mich verstecken 

Inn einer dicken doren-hecken. 
20 Als ich umbsah und mich versan, 

Stund die heck bey dem dürren man 

Im wald zu-förderst bey der straß, 

Vor dem ich erst geflohen was. 

Erst war mein hertz in engsten schwer. 
25 Mit dem da fuhr der faist daher, 
[K 1, 1077] Der hielt still bey dem dürren man 

Und sprenget den mit wortten an. 

Sag an, mein freund, was dir gebrist, 

Das du so dürr und mager bistl 
so Er sprach: Mein here, ich bin der man, 

Die mender ich gefressen han. 

Die selber waren herr im hauß 

Und giengen darinn ein und auß 

Und die weiber nit fürchten theten, 
36 In dörffern, mercken, schloß und steten. 

Darvon hab ich mich lang geneeret. 

Aber yetz hat es sich verkeret. 

Wo ich hungriger yetz hin geh, 

Find ich der mender wenig meb, 

8 C gegD. 30 BC Herr. 31. 39 C Männer. 37. 88 C jet«t. 



302 

Die herr sind inn dem hftuß allein. 

Des muß ich lang nngessen sein. 

Also ich umb-gezogen bin 

In sehr viel landen her and bin 
[ABC 1, 536] Und hab doch hewer dieses jar 

Noch kein gefunden, glaub fürwar! 

Derhalb bin ich so gar versehmorref, 

Yerschmacht, erhungert und verdorret. 

Wolt yetz auch inn die stat hinein, 
10 Zu suchen auch die narung mein. 

Ich bitt: Laß faren mich mit dir! 

Yiel-leicht ein beut geratet mir. 

So theil ich dir mein narung mit. 

Der faist man sprach : Ich darfP sein nit. 
15 Ich hab selber ein guten bandel. 

Genug, wo ich im land umbwandel! 

Der dürr mann sprach: Du werder gast, 

Sag, was du für ein narung hast, 

Von wann du kumbst und wer du seyst! 
20 Da antwort widerumb der feyst: 

So wiß! ich bin der narren-fresser 

Und saltz der ein inn läre fesser 

Ein grosse sumb, die ich nit mag. 

Ob etwan körnen böse tag, 
25 Das ich hernach zu essen het. 

Wann wo ich kumb inn märck und stett, 

Da find ich meines wildprets viel. 

Dick, faist und groß, wie ich nur wil, 

Die friß ich all in meinen rächen 
30 Und zeuch also ein faisten bachen 

Und far auch yetz hinein die stat, 

Darinn man morgen faßnacht hat. 

Da will ich waidlich narren hetzen 

Und mich irs flaisch recht wol ergetzen, 
85 Gesotten, praten und geschmaltzen. 

Was ich nit mag, will ich einsaltzen, 

Das gar lang hab zu essen ich. 

Doch ist mir sicher laid für dich. 

Ich furcht, du werst ein fftler schieben, 

9. M C jetst. 19 komst 26 C konklj. 39 C w^iüirt. 



303 

Du werst keiner speiß künden gniessen, 

Die dir sey dienstlich für den leib. 

Inn der stat ist nur ein böß weib, 

Die findst du fast inn jedem hauß. 
5 Darumb ist all dein hoffnung auß, 

Und wer dir schwachen man viel weger, 

Du schlagest etwan dein geleger 

Auff einen unverschalckten grundt, 

Da magst du füllen deinen Schlund, 
10 Auff die einöd und kleinen weyler, 

Auff die mül und die kollen-meyler 

Und zu den hierten inn den velden 

Und zun waltbrüdem inn den weiden. 

Der dürr man sprach mit trotzing werten: 
15 Und ob ich schon an solchen orten 

Ettwan erschnap die narung mein, 

So ists doch nichts denn hawt und pein 

Von alten mannen, grob und knorret, 

Zeh, hautet, mager und verdorret, 
20 Der fleisch ich denn nit kan verdewen. 

Doch hofft ich, mich hewt zu erfrewen 

Mit guter junger faister speiß 

Inn dieser statt, in dieser reiß. 

Laß mich nur sitzen auff dein wagen! 
[K 1, 1078] Ich wil dir gleich das nit versagen. 

Der narrenfresser zu im jach: 

Sitz auff! so faren wir gemach. 

Wann wir nur bey der sunnen schein 

Heindt kummen inn die stat hinein, 
so Der dürr man auff den wagen saß 

Und füren hin gemach ir straß 

Auff die stat zu; da stund ich auff 

Und bin also inn eynem lauff 

Herein geloffen stät abwegs. 
35 Ich achtet weder pruck noch stegs 

Und wut durch moß, pech und gewesser. 

Ich het stetz sorg, der narren-fresser 

Würd mir verrenen weg und straß. 

Diß dürren maus ich gar vergaß, 

♦ 

1 C werdet. 2 C dein L. 21 C hoff. 34 C stets. 39 C Des. 



304 

Der doch die mender Mst allein, 

Die herr inn irem hause sein. 

Nun hin ich kommen auß der not, 

Bring euch allen das hotten-hrot, 
5 Das heind werden zu ahend spat 

Bayd menner kummen inn die statt. 

ünnd wer dem dürren wird endtrinnen, 

Den wird der narren-fresser finnen. 

Ir liehen gsellen, rathet zu, 
10 Wie man nur diesen dingen thu ! 

Wer nur der narren-fresser todt, 

Umh den andern het es kein not. 

Fund er schon einen oder zwen, 

Müst er darnach sein Strassen gehn. 
15 Das brecht dem bauffen nit vil schaden, 

Het wir deß narrenfressers gnaden. 

Der würgt uns wie die hüner nieder 

Und kumpt des jares offt herwider. 

Das hab ich allen guten gselln 
20 Im besten nit verhalten wölln 

Und diese trewe warnung than, 

Auf das sich fürseh yederman 

Mit sicberheyt inn seym gewar. 

Der menderfresser ist hnngerig gar 
26 Unnd brummet wie ein wilder bär, 

Zeucht yetzt gleich vor dem wald daher. 

Der narrenfresser auch mit im 

Mit bluting maul in zornes grimb. 

Sie sind von der stat nit fast weyt. 
30 Wer im furcht, der fliech (es ist zeyt), 

Das im kein unglück darauß wachs! 

Den rat gibt zu Nürnberg Hans Sachs. 

Anno salutis 1530, am 9 tag May. 

1 C Männer. 6 kommen. 24 C Männerfresser ist hungrig. 25 C alter B. 
30 C fbrcht der flieh. 



305 



Das narrn-bad. 



Nun höret, wie zu Mayland saß 
Ein burger, der ein artzet was! 
Gar hoch berümbt zu seiner zeyt 

6 Was er inn allen landen weyt. 
Was unsinnig im wurden bracht, 
Er widerumb freysinnig macht 
Inn kurtzer zeyt, jung unde alt. 
Nimb war sein kunst, also gestalt! 

10 Inn eynem hoff zu diesen Sachen 
Het er ein tieff, stinckende lachen, 
. Darinn er die narren zu-mal 
Band yedlichen an einen pfal. 
Welcher lebt ungestümig als, 

15 Den band er hinein biß an hals. 
Welcher hat aber mehr verstand, 
Den selben er noch höher band, 
Das in die lach schlug an die prust. 
Etlicher biß an gürtel must 

20 Stehn, etlicher biß an die knie. 
Also der artzt kestiget sie 
Mit diesem baden und dem hunger. 
Es wer gleich alter oder junger. 
Biß er gantz widersinnig ward. 

25 Nun het er ein geleicher art 
Gebadet, der im hof umb-gieng, 
[K 1, 1079] Jedoch also mit dem geding, 

Das er nicht khem hinauß fürs thor, 
Biß er wurd gantz vernünfftig vor. 

9 C Nun w. 18 C jm. 
Hans Sachs. V. 20 



306 

Eins tags stund er undter ier thttr 
Unnd sah ein jüngling reytten für. 
Der fürt ein sperber auff der band 
Und zwen bund an eym rüden-band. 
[ABC 1, 537] Den fragt der thöricbt, was es wer. 
Vermaint, bund, sperber und das pfer. 
Der jüngling im die ding erzelt 
Und wie er darmit paissen wölt. 
Der tböret sprach: Erzel mir! was 

10 Kost dich ein jar zu halten das? 
Der sprach: Ob hundert gülden par. 
Der thöricbt sprach: Sag, was ein jar 
Du mit deim paissen magst erobern! 
Er sprach : Was vögel ich erkobem 
15 Mag, die iß ich he wer als fert; 
Sind etwa dreyer gülden werd. 
Der thöricbt sprach : jüngling, fleuch ! 
Mit deinem waidwerck dich verkreuch! 
Dann wo mein artzet dich ergriff, 

20 So setzt er dich ind lachen tieff, 
An ein pfal biß über die obren, 
Als den grösten narren und thoren, 
Der dreissig mal mehr unkost verleust, 
Denn dir nutzes darauß entspreust! 

25 Bey dieser schimpff-red Bogii 
Ein yeder mag betrachten hie, 
Das es wer teudtschem land on schad, 
Wann es het auch ein narren-bad. 
Das man darein setzt die gesellen, 

30 Die keiner weißheit achten wollen 
Und narren seind mit irem schaden, 
Ob man auch die möcbt witzig paden. 
Erstlich, wer übel zeucht sein kinder, 
Lest sie auffwachsen wie die rinder, 

35 On zucht und straff, böß und mutwillig, 
Der saß im narreri-bad gar billicb. 
Dergleich wer grob ist, nichtsen kan. 
Will auch kein straff nicht nemen an, 
Sonder will ye ein püfiel bleiben. 

8 C damit. 9 C ThOricht. 16 G etwan. 29 sets. 



307 

Den solt man im narrenbad reyben. 
Dergleich wer gutes thut verstan 
Und ist dem bösen doch nacb-gan 
Und wirdt deß guten udertitz, 
5 Dem wer das narren-bad gar nütz. 
Dergleichen wer hat grosses gut 
Und darbey weder freud noch mut, 
Sonder nur spart all kisten vol, 
Dem gezem das narrnbad gar wol. 

10 Dergleichen wer will mehr verzehrn, 
.Dann im sein pflüge mag erneem, 
Unnd ist leichtfertig inn sein Sachen, 
Der ghört auch inn die narren-lachen. 
Dergleich wer gern zanckt unde greind, 

15 Macht sich mit yederman zu feind, 
Mit rechten, fechten, schlahen, rauffen. 
Der solt zum narrenpad zu-lauffen. 
Dergleichen wer durch neydig duck 
Trawret ob seines nechsten glück 

20 Und frewt sich, so im kompt ein schad, 
Der saß auch wol ins narren-bad. 
Dergleichen wer schwatzt hin und her 
Und stetz nachredet mit gefehr, 
Verleugt, verunglimpfft yederman, 

25 Der solt ins narren-bad auch gan. 
Dergleich wer sich rümbt solcher that, 
Der er doch wenig ehren hat, 
Unnd offenbart sein schand und schaden. 
Der solt im narrenbad auch baden. 

80 Dergleich wer stecket vol unzucht. 
Roch, wild und wüst, schild unde flucht, 
Unschamhafft in wort und gebern, 
Sol man dem im narrnbad auch schern? 
Dergleichen wer sich duncket viel, 

35 Über seins gleich sich brechen wil, 
Den Vorgang han zu aller stund, 
[K 1, 1080] Dem wer das narrenbad gesund. 
Wer dergleich tugenthafiFtig ist, 
Untrew und falsch, vol hinterlist, 

4 C vrderUtz. 31 C Roh. 

20 



308 

Fortheilhafft, uberal verschlagen, 
Dem soll man im iiarrenbad zwagen. 
Wer auffborgt und entlehend viel 
Und tracht nicht, wie er zalen wil, 
5 Und will viel hin und her popitzen, 
Der solt ins narrenbad auch sitzen. 
Dergleich wer faul ist, gern feyret, 
Teglich als ein statochs umbleyret, 
Und will seins handeis nit warnemen, 

10 Der dörfft sichs narrenbad nit Schemen. 
Dergleich wer loß gesellschafft hat, 
Die in verfüret frü und spat 
Von eynem unrat zu dem andern, 
Der solt ins narrenbad auch wandern. 

15 Dergleich wer gern prast und schlembt. 
Mit füUerey das sein verdembt 
Und wil stät frü und spat sein vol, 
Dem gezem das narmbad gar wol. 
Dergleichen wen die spielsucht treybt, 

20 Das im kein gelt im seckel bleibt, 
Versetzet kleyder, pett und zin, 
Der für ins narren-bad dahin. 
Dergleichen wer ein ehweib hat 
Und henckt sich sonst an ein unflat, 

25 Des er doch hat schand, schad und spot, 
Dem thet das narren-bad gar not. 

Beschluß. 

Nun secht, ob es nit wer ein gnad. 
So wir betten ein narren-bad, 

30 Das die all witzig würden gar 
Mit den, der ich nit nennen dar. 
Dann würd es besser stehn auff erdt. 
End würden nemen viel beschwerdt. 
Weyl aber solche thorheyt bleibt, 

85 Was man strafft, lehret oder schreibt. 
So ist es lauter als verloren, 
Wann die weit wimelt voller thoren 
Inn undtern und in öbern stenden, * 



31 don die. 



309 

Inn gaistlich, weltlich regimenten. 
Derhalb geht es, wie es dann geht, 
Das alle sach bawfellig steht 
Und alle laster gehn im schwanck. 

5 Die tngend ligt und^er der panck, 
Weil die war weißheit wird veracht 
Und yederman auff thorheit tracht. 
So geht es auch, als lang es mag, 
Und bleybet war des alten sag: 
10 Weil yedem gfelt sein weiß so wol, 

. So bleibt das land der narren vol. 
Hans Sachs, Schuhmacher. 

Anno salutis 1530, am 12 tag May. 
12 fehlt C. 



310 



Bald-anderst so bin ich genandt, 

Der gantzen weite wol bekandt, 

Ains abends gieng ich auß nach fischen, 

Ein gutes nachtmal zu erwischen, 
5 Mit eynem angel an den Reyn. 

Die sonn gar uber-hitzig schein. 

Hart stachen die bremen und mucken. 

ürbltitzlich war die sonn vertrucken 

Das schwartz gewülck'nach wetters furm. 
10 Der sudwind weht mit grossem stürm. 

Die landschafft wurd finster und dunckel. 

Des himels plitz leucht als carfunckel. 

Die donnersträl die wurden klopffen. 

Das gwülck regnet mit Hechten tropffen. 
[ABC 1, 538] Nach dem wurden sie reichlich giessen. 

Die klaynen pechlein wurden fliessen, 

Mit trüben wasser uberwalln, 

Auß dem gebirg unnd wälden falln, 

Das ich trieff-nasser kaum entptioch 
20 Am gstatt zu eynem felsen hoch. 

Da schmücket ich mich inn ein klufft, 

Zu warten inn des staynes grufft, 

Biß das schwer wetter uberkhem. 
|K 1, 1081] Inn dem ich eynen mann vernem 
26 Inn eynem hag für diesem hol. 

Erst ward ich sorg unnd engsten vol, 

Wann er verwandelt sein gestalt 

Yetz wurd er jung, denn wurd er alt. 

l Vgl. Grimms deutsche mythologie s. 188. Grimmeishaasens Simplicissimus 
1, 874 f. 879. Gödeke, deutsche dichtung seit S. Brant 1, 124. 3 BC Eins. 

8 C verrücken. 28. 29 C Jetzt. 29 C wur. 



311 



Yetz war er schön, dann wurd er scheußlich, 

Yetz holdselig, dann wurd er greußlich. 

Yetz sah er zornig, darnach gütig. 

Yetz war er ernstbafft, dann senfftmütig, 
5 Yetz wol geklaydet, dann zerhadert, 

Yetz stillschweygend, darnach er dadert. 

Yetz lachet er, darnach er weynet. 

Yetz war er kurtz, dann lang erscheynet. 

Yetz war er glat, dann kürtzlich partet. 
10 All augeublick sich änderst artet. 

Ich dacht: Das muß Yülcanus sein, 

Der Schmidt die donnersträl allein. 

solt ich diesen man ansprechen? 

Inn dem so war das wetter brechen. 
15 Der regn der war sitlich nachlassen. 

Da gieng der wunder-man sein Strassen. 

Ich eilt im nach und redt in an: 

Vulcane, wo wilt hin gan? 

Er sprach: Du feist; ich bin Bald-anderst. 
20 Ich sprach : Sag mir, wolier du wanderst ! 

Er sprach: Ich kumb von allen enden. 

Von undern und von obem stenden 

Und will nun hin an alle ort 

Der gantzen weit. Auff diese wort 
25 Sprach ich: Was ist dein werck bey ihn? 

Baldanderst sprach: Merck, wo ich bin, 

Bey adel, bawern unnd handwercken, 

Bey stetten, Schlösser, dorff und mercken, 

Inn königreich, provintz und lendern, 
»0 Da thu ich alle ding verendern. 

Den fried verender ich inn streyt, 

Fruchtbare jar inn thewre zeit, 

Die gwaltigen von leut unnd land. 

Die ehrlichen inn spott und schand, 
35 Die glückhafftigen in Unglück, 

Die senfftmüting inn zorens duck. 

Die großmütigen in verzagnng, 

Die milt, gabreichen inn versagung, 

Die reichen inn armut, hartsei, 



1 ff. c Jetit» 



312 

Die ruhsamen inn arbayt, quel, 
Die nutzhafften inn brechling schaden, 
Die gunstreichen inn ungenaden, 
Die liebhabenden inn den neyd, 

6 Die frölichen inn hertzen-leyd, 
Die Ijürtzwey lieben gar verdrossen, 
Die leding inn gfencknuß verschlossen. 
Die jungen verkher ich inn alt. 
Die schönen inn gantz ungestalt, 

10 Die gsunden inn kranckheyt und not, 
Die lebendigen inn den todt, 
Dergleichen auch her-widerumb. 
Das ist inn summa summarum 
Mein werck auff gantzer erden kreyß. 

15 Darumb ich wol Baldanderst heyß. 
Ich sprach: Du bist ein wüster gast, 
Weil du kein andere tugend hast, 
Wann das du alle ding verkerst. 
Baldanderst sprach: Kenst du mich erst? 

20 Bin ich doch lang gewest umb dich! 
Wo du hin kambst, da fandst du mich. 
Ich bin der gantzen weit durch-rayser. 
Verschon weder fttrsten noch kayser. 
Ich mach bald änderst alle ding. 

25 Mit dem er trutzig von mir gieng. 

Der besohluß. 

Ich sag im nach und dacht: Fürwar, 
Wie sind all ding so wandelbar! 
Wer nur auff sich hat selber acht, 
so Wie offt sich mit im tag und nacht 
Verkert sein sinn, gemüt und hertz 
Von frewden, wunn, in sorg und schmertz, 
Also sind alle ding unbstendig. 
Was wir haben auff erd behendig, 
[K 1, 1082] Als reich thumb, gwalt, gsundheyt und ehr, 
Kunst, weißheit, sterck und änderst mehr 
Nimbt ab und zu all augenblick. 
Derhalb du, mensch, dich darein schick 

6 kurtzweiligen. 27 sah. 



313 

Von diesem irrdischen, gebrechlichen 
Zu dem himlischen, unaußsprechlichen 
On- wandelbar als ungemachs! 
Daz wünschet von Nürnberg Hans Sachs. 

5 Anno salutis 1534, am 31 tag Julü 

4 C wünscht 



314 



' f^^'V' Der Hederlein bin ich genandt, 

Zenckischen leathen wol bekandt. 

Eins tags ich in dem brachmon beyß 
Für-namb ein kleyne abend-reyß 

5 Zu eym quellenden brünlein kül 
Inn eynem holtz bey einer mül. 
Als ich dem brünlein nahen kam, 
Ein grosses prastlen ich vernam 
Im holtz fast auff ein armprust-schuß. 

10 Ich gieng gemach für fuß für fuß. 
Inn dem krocli vor mir auß der stawden 
Am weg ein greulich man mit schnauden. 
Ein hären-hawt was sein gewand, 
Het ein bloß schwerd inn seiner hand, 

15 Ein parteson mit wider-hacken. 

Vol schrammen was sein kopff und backen 
Und het an im ein jegers-horn. 
Kein boden het sein taschen vom. 
• Sein gürtel die hieng vol schaf-glocken. 

20 Ich fioch vor im gantz hart erschrocken 
Auff der furstraß über ein steg. 
Er aber fürloff mir den weg 
Und spräche zu mir: Warumb fleuchst? 
Ich sprach: Das du also her zeuchst, 

85 Förcht ich, du möchst ein holtzman sein. 
Er sprach: Kenst nit den Hederlein? 
Ich sprach: Ich hab bey meinen tagen 
Vom Hederlein offt hören sagen, 
Wie das er sey des zenck leins brudor. 

21 C Fußstraß. 28 C Von, 



315 

Er sprach: Ich bins gleich und kumb zuder, 

Das du auch wist von mir zu lichten. 

Ich sprach : So thu mich undterrichten, 

Warumb du tregst die beren-hawt, 
5 Darinn ich dich für wild anschaut! 

Er sprach: Ich hab bären-natur. 

Wolt immer geren zürnen nur. 

Ich bin grimig und rachgierig, 

Unvertreglich, wütig und schwierig, 
10 Hefftig, verwegen an all orten, 

Bayde mit wercken und mit werten. 

Mein lust ist nur zürnen und fechten, 

Greynen, gronen, zancken, rechten. 

Ich sprach: Was deut dein blosses schwerdV 
15 Er sprach zu mir: Das ich auff erd 

In fried das schwerd nimmer einsteck; 

Wenn eh ein hader ich vol-streck, 

So fang ich einen andren an, 
[ABC 1,539] Damit ich stetz zu palgen han, 

20 Wann ich auff erd nit grünen mag, 

Wo ich nit hader über tag. 

Ich sprach: Was deudt der partisan? 

Er sprach: So ich an-platz ein man, 

Der zu hader nit helffen wil, 
25 Dem schlag ich krummer backen viel, 

Verker im selb die red im maul, 

Biß ich doch lauffen mach den gaul. 

Ich sprach: Wie hast du so viel wunden? 

Er sprach: Da hab ich offt gefunden 
30 Heins gleichen ein zenckischen man. 

Dann ließ wirs redlein umbher gan 

Und hab offt geletzt jung unnd alt 

Unnd hab auch offt das gloch bezalt 

Mit meiner hawt, wie man ist sagen: 
35 Wer vil hadert, der wird offt gschlagen. 

Ich sprach: Was deudt dein jegers-hom ? 

Er sprach: Wann ich nit wil rumorn 

Und das ich etwan furcht der hewt, 
[K 1, 1083] So hetz ich aber ander lewt 

18 C andern. 



316 

Und blaß zu allen hader-weschen. 
Kein grossen hader hilff ich leschen, 
Sonder trag immer holtz darzu. 
Das ist mein waidwerck spat und fru. 

5 Ich sprach : Wie hat dein tasch kein boden ? 
Er sprach: Das hat ein solchen knoden, 
Der procurator und ghrichts-handel, 
Der frevel, bußgelt, straff und wandel, 
Die Schergen und das artzet-gelt 

10 Die haben meiner taschen gstrelt 

Ich fragt: Was dewten die schaffglocken ? 
Er sprach: Das sein die grossen brocken, 
Do ich 80 hefftig von thu sagen, 
Wie ich hab den und jhen geschlagen. 

15 Mach mich viel böser, wann ich bin, 
Und setz mein datum gar dahin, 
Das mich sol fürchten yederman 
Und für ein hadermetzen han. 
Ich sprach: Heltst du im walde hauß? 

20 Er sprach: Wo wolt ich sunst hinauß? 
Ich hab gar manchen bracht inn schaden. 
Der feindschafft viel auff mich geladen. 
Derhalben yederman mich scheucht 
Und als den wüting teuffei fleucht, 

25 Weil nyemand kumbt mit lieb von mir. 
Ich sprach: So wolt ich rathen dir, 
Du thest dein bären-hawd abziehen. 
Er schlug auff mich, da ward ich fliehen 
Und loff, was ich von krefften kund. 

so Er loff mir nach biß inn ein grund 
Zu einer grossen hohen aychen. 

Besohluß. 

Ich aber eylt mit grossem keichen 
Auß diesem holtz an weg und straß 
35 Und gedacht: Wie warhafft hat das 
Gesaget der weiß Salomon! 
Ein verkert mensch focht hader on 
Und all, die gern hadern, scharren, 

19 Tasoh gestrelt. 15 G denn. 



317 

Dieselben sind zu-mal all narren, 
Es sey von mannen oder weihen. 
Wölt ir inn rhu und frieden bleyben, 
So thüt hader und zanck vertreyben! 

Hans Sachs, Schuhmacher. 

Anno salutis 1553. 

« 



3 C in. 



318 



Hans TJnfleiß. 



Eins abends spat da schawt ich auß 
Zu eym fenster inn meinem hauß. 
Darvor sab icb ein ungestalten 

5 Einäugig, zerbaderten alten 
Mit einem grossen weyten maul 
Halten aufiF eynem acker-gaul, 
Den bet er bey dem arß auffzaumbt. 
Dieser sagt mir, er bet versaumbt 

10 Das tbor, icb solt im berwerg gebn. 
Icb spracb: Das selb ist mir nit ebn, 
Weil icb nocb nit waiß, wer du bist, 
Dergleicb was dein bandtierung ist. 
Er sprach; So wiß! ich bin genandt 

15 Hans Unfleiß, uberal bekandt 
Inn weiter weit, inn allen lendern, 
Bayde den frawen und den mendem, 
Den armen, reichen, jung und alten, 
Yorauß dem haußgsind und ehalten. 

20 Wo man mein gwont, bat man mich gem. 
Mein bandtierung will ich erklern. 
Wiß, das icb selb bin halber blind, 
Darzu nachlessig und unbsind. 
Nur oben-bin, wie ein new kalb, 

25 Thu ein ding weder gar noch halb! 
Wo ich bin inn eym regiment. 
Da mach ich land und leut eilend, 
■AU ratschlag kindisch und entwicht. 
Schlimb urtbeyl schaff icb am gericht. 

10 C herberg. 28 C Rathsohleg. 



319 

Durch mich wirt auch in manchem ambt 

Viel übersehen und yersambt. 

Durch mich gut Ordnung gehn zu grund. 
[K 1, 1084] Gemeiner nutz wird durch mich wundt. 
s Im krieg verfür ich mannich beer. 

Viel schiff versenck ich inn das meer. 

Der krancken ich yerwarloß viel, 

Gwinn wenig kleynat mit ritterspiel, 

All freye künst tritt ich mit fassen. 
10 Die gierten vor mir weichen müssen. 

Ich mach gar manche öde schul 

Und unwert manchen predigstuL 

Ich zeuch viel ungeratner kinder. 

Mager mach ich roß, schaf und rinder, 
16 Treyb manchen burger von seym erb. 

Der kaufleut ich auch viel verderb. 

Inn den handwercken ich umbstttmpel. 

Viel gutes werckzeugs ich verhümpel. 

Ich mach manchem sein arbeyt sawer. 
20 Inn der kuchen bin ich ein schawer. 

Im haushalten ein ungewitter, 

Mach das hauß pawfellig und schitter. 

Summa summarum, wo ich bin, 

Friß ich das haubtgut und den gwin, 
26 Verderb, verwüst, verlaß und brich, 

Das die katz wird das beste viech. 

Und wo ich lang bleyb gast im hauß. 

Da muß der wirt zum thor hinauß. 

Ich sprach : Hast du ein solchen sitt, 
30 So gieb ich dir kein herberg nit. 

Ich will all nachpawern vor dir warnen. 

Er sprach: Ir künd vor meinen gamen 

Inn keynem weg gantz sicher sein. 

Eyer mayd und knecht mich lassen ein, 
35 Verbergen mich offt lang im hauß. 

Doch will ich reytten yetz hinauß. 

Ich weiß ein wirrt, da will ich zu. 

Dem bin ich willkumb spat und fru. 

Und ritt darmit auß unser gassen. 

2 C versaumbt. 31 C Nachpawrn. 36 C jetzt. 



320 

Die wort ward ich zu hertzen fassen. 
Dacht: Wie ein arg ding ist unfleiß! 
Weil köng Salomon spricht, der weiß: 
Der fleissigen hand machet reich. 

5 Auß dem man wol versteht der-gleich, 
[ABC 1, 540] Das der unfleiß muß armnt bringen, 
Wie man das spürt in allen dingen. 
Wo unfleiß nimmet überhand, 
Ein ding inn die leng hat kein bstand, 

10 Sonder mit schaden endt sein laufif. 
Derhalb seh yeder umb und aufif 
Inn all seinem gewerb und handel, 
Mit thun und lassen inn seym wandel, 
Wo unfleiß sich bey im zu-schlag, 

15 Das er in zeytlich von im jag, 
Thu fürthin alle ding mit fleiß, 
Das in nicht mit der zeyt umbreiß 
Die wassergüß als ungemachs 
Durch schnödn unfleiß, spricht Hans Sachs. 

80 Anno salutis 1534, am 20 tag Novembris. 

* 
19 C schnöden. 



321 



Haintz Widerporst 



Haintz Widerporst bin ich genandt, 
Eumb her auß wilden Lappenlandt. 
Gebn perg stehn mir all meine har, 
6 Wann ich bin widerspenstig gar. 
Mein sinn seltzam, eglisch und wunderlich, 
All mein gedancken die sind sunderlich. 
Mit keym menschen die concordiem. 
Aygensinnigkeyt thut mich ziem. 

10 Was yederman für gut erkend, 

Wirdt von mir veracht und geschendt. 
Was man vernicht, dem gieb ich preiß, 
Leb gantz wiederpörstiger weiß. 
Weß man sich frewt, des trawre ich. 

15 Weß man trawret, deß frew ich mich. 
Was man gutes will fahen an, 
Das wend ich allmal, wo ich kan, 
Und was auff gantzer erd geschieht, 
Das laß ich mir gefallen nicht. 
[E 1, 1085] Gottes wttrckung ich alzeit dadel, 
Regenten, fürsten und den adel, 
Gaistlich, weltlich, groß und klein, 
Rat und gericht und die gemein, 
Man predig, schreyb, sing oder sag. 

25 Über das als ich schrey und klag 
An alle ursach, fug und glimpff 
Und bin ein rechter wenden-schimpfF, 
Ein wilder lap, ja dem allein 
Gefeit der aygen willen sein. 

♦ 

1. 2 C Haints. 22 tnnde. 26 C On. 
IlADS Sachs. V. 21 



822 

Zwey esel-ohren ich auch hab. 
Darbey nembt; leicht ein weyser ab, 
Das umb mich ist die jveißheit klein. 
Zerstrewet sind die sinne mein 

5 Und gehn gleich durch einander wabern, 
Wie auff dem feld der gmete habem. 
Des sind meine wort unbehut. 
Solt ich verreden leib und gijt, 
So halt ich doch kein zal noch maß, 

10 Weil mir gfelt weder diß noch das. 
Schlag ich yedem ein plechlin an. 
Keiner billigkeyt schon ich nit dran. 
Es reym sich oder reym sich nicht. 
Das selbig mich nit hart anficht. 

15 Und wer mich darumb straffen wolt, 
Dem wurd ich feind und gar abholt, 
Wann ich will alzeit haben recht, 
Ob schon all weit mich widerfecht. 
Ye mehr man stillt, ye mehr ich tob, 

20 Wiewol ich selber bin so grob, 
Ey gröber viel, denn das ponstro, 
Ein ungeschickter schadenfro. 
Und west vor Unverstand dargegn 
Einer saw kein Sattel auff zu legn. 

25 Des bleib ich weiß gleich hewer als fert, 
Geleich wie unsers mtilners pferd. 
Mein gwand das ist ein igels-balck. 
Darmit deck ich mein groben ^chalck, 
Bin stachlicht, gantz iglischer art, 

30, Halt allenthalben wiederpart, 

Wann ich stich mit spitzigen werten 
Tückisch umb mich an allen orten. 
Sitz ich inn rath oder gericht. 
Laß ich der weißheit fürgang nicht. 

35 Wo ich dann inn eym handwerck bin. 
Anrieht ich viel unrats darinn. 
Wo ich denn inn gesellschafft kumb, 
So schlag ich offt ein lerman umb. 
Wo ich inn einer gassen sitz, 



2 nimpt. 



323 

Sticht die gantz nachparschafft mein spitz, 
Unnd wo ich denn kumb inn die eh, 
Da mach ich meym gemahel weh. 
Wo ich auch won inn eynem hauß, 

5 Da hebt sich mancher wilder Strauß. 
Ich sey bey layen oder pfafiFen, 
Hat yederman mit mir zu schaffen. 
Ich kyff, ich gran, ich grein und zanck. 
Kein mensch umb mich verdienet danck. 

10 Mach viel zenck, heder und auffrür, 
Krieg, Widerwillen unnd unfür, 
Das yederman mich billich schetz, 
Ich sey ein rechte hadermetz. 
Nach mir zeuch ich ein doren-strauch, 

15 Das mich blutrüstig ma^^het auch 
Mit scharpffen doren, meine schenckel, 
Fuß, soln, fersen und den enckel, 
Wann ich mir selb rieht- thörlich zu 
Durch mein abweiß grosse unrhu. 

20 Ich hab beyn leuthen gar kein stern. 
Nyemand hat mit mir zu schaffen gern. 
Weil ich nichts ungetädelt laß, 
Mist man mir auch mit solcher maß. 
Wer mir zu-mag, der thut mich rupffen, 

25 Mit Worten und mit wercken zupffen, 
Das ich doch nicht mehr dulden kan. 
Weil mir zu-setzet yederman, 
So will aucli ich, Haintz Widerporst, 
Wieder gehn inn des waldes forst, 
[K 1, 1086] Fliehen fürbaß menschliche bildnuß, 
Bleyben einsam iun meiner wildnuß, 
Weil mir mein weiß gefeit allein 
Und gentzlich unbekümmert sein 
Mit der weit, biß doch mit der zeit 

35 End nemb mein widerpörstigkeyt. 

Besohluß. 

Auß dem so merck ein yeder man, 
Will er gemach und friede han, 

« 

8 C gron. 10 C auffrliur: vnftihr. 21 C asohaflfn. 

21 * 



324 

So meyd er wiederpörstig art 

Und halte für nicht wiederpart! 

Was ander leut in lassen gfalln, 

Das thu er auch nit wieder-kalln. 
6 Ob gleich ein ding gebrechlich sej, 

So merck er das und schweig darbey, 

Vorauß wo es im ist nnschedlicht 

So helt man in anffiicht und redlich, . 

Leutselig, still, glimpfig und friedlich. 
10 Wol mag er richten undterschiedlich. 

Das gute von dem bösen schein 

Unnd im das gut denn außerwein, 

Doch alle ding zürn besten rieht, 

Wie auch herr doctor Freydanck spricht, 
15 Der man sey weiß- und wol gelehrt. 

Der alle ding zum besten kert. 

Als-dann mag er beyn leuthen bleyben, 

Mit guter rhu seih zeit vertreyben 

Und kan entgehn viel umgemachs. 
20 Senfftmut ist gut, spricht Hans Sachs. 

Anno salutis 1534, am 16 tag Aprilis. 

8 C Auffnohtig. 19 ?80 spricht. Vgl. s. 325, 15. 21 Die angäbe des 
tages fehlt C. 



325 



LABC 1,541] Spruch oder schwanck von demLttgen- 

berg. 

Als ich noch meym handwerck nach-zog, 

Kam ich zu eym gebirge hoch, 
5 Der war der Lügen-berg genandt. 

Darumb so stund da ungenandt 

Von allerley voickes die meng 

Unden an dem berg mit getreng. 

Inn dem da hört ich einen man, 
10 Der redet die schar also an: 

Der außsohreyer : 

Hieher, hieher zum Lugenberg, 

Er sey geleich rieß oder zwerg, 

Herr, fhiw, kinder, magd oder knecht, 
15 Reich und arm, listig und schlecht! 

Wer viel redet und selten schweyget, 

Derselb sich liederlich yersteyget 

Hie in des Lttgenperges wendten, 

Nach guckgu und nach bluwen endten, 
20 Nach trappen oder nach loröl. 

Das oben rindt auG einer hol. 

Schawt auf dem berg die neun gesellen. 

Die allzeit haben schwatzen wollen, ' 

Das selten geht an lügen ab, 
85 Die ich allhie erwischet hab, 

Yeden auff eym besundem ort! 

Nun hört und mercket ire wort. 

Wie sich ir yeder hab verstiegen , 

« 

19 blawen. Über die blauen enten s. Grimms Wörterbuch 2, 6. 3, 509. 
Wilwolt von Schanmbnrg bl. 51, s. 64. Vgl. unten s. 332. 24 C od. 



326 

Nach seiner art mit grossen lügen, 
Doch einer höher, denn der ander, . 
Und sich beklagen allesander 
Ob diesem geferlichen stand! 
5 Der Schwindel thut in allen and. 
Yedoch ihn nyemand helffen mag. 
Das ist ir alle-gröste klag. 
Nun höret, was ir yeder sag! 

Der ehrenlügner. 

10 lun dem sah ich zu undterst stan 
In parfel ein handwercks-man. 
Der schray: Helfft mir nah (es ist spat) 
Und last mich haym in mein werckstat! 
Ob ich gleich lügen hab gepflogen, 

15 Hab ichs doch thon von ehren wegen. 
Wenn ich die lewt nicht ftirdern kund, 
[Kl, 1087] Manch kluge lügen ich erfund. 

Het auch mein arbayt ein gebrechen, 
Mit lügen kund ichs bald verspechen. 

20 Auch wenn ich etwan borgen wolt 
Oder ein ziel bezalen solt, 
Wie bald hab ich ein lüg gefunden! 
Dergleich was Sachen mir zu-stunden. 
Die mir doch waren widerwertig, 

85 Die kund ich verglosiren ertig. 

Schoß doch pfft zu weyt von dem ziel 
Und ließ mir sehen inn das spiel, 
Das man offt über mich thet schnaltzen. 
Also thet ich den berg auffwaltzen, 

30 Das ich darmit beschützt mein ehr. 
Darumb verargt mich nit so sehr. 
Ob ich mich verstig etwan mehr. 

Der märlügner. 

Nach dem sah ich ein andern man 
35 An dem berg etwas höhers stan, 

Der schray: Leicht mir ein laytern her! 
Ich hab gesagt viel newer mJlr 

* 

7 BC aller gröste. HC eim parfehl ein. 19 C yersprechen. 



327 

Von königen und grossen herren, 
Von krieges-leufften gar von ferrn, 
Hab den viel pfeffer-körnlin geben, 
Vorauß, wo es sich reymet eben, 
5 On die ich selber gar erdicht. 
Und ob man gleich offt zu mir spricht, 
Ich hab gethon ein guten schuß, 
Auff das man mirs gelauben muß, 
Nenn ich ein dapffere person, 

10 Von der ich es gehöret hon, 

Unnd schnell mich also in die packen 
Und würflf offt gar zu weyt die hacken. 
Das ich ir nit mehr holen mag. 
Kein mewtlein ich auch darnach frag, 

15 Ob man gleich über mich thut pfeiffen. 
Wann man mich thut in lüg ergreiffen. 
So wisch ichs maul unnd geh darvon, 
Sprich: Ich gieb euch, wie ich es hon. 
Drumb muß am Ltlgenberg ich ston. 

20 Der alt lügner. 

Nach dem ich. ein eyßgraben man 
Noch höher sah am berge stan, 
Der schray: Der Schwindel thut mir weh. 
Hoch auff eym scharpffen fels ich steh. 

25 Ich hab gesagt von alten gschichten 
Und kan fein artlich darzu dichten. 
Ich hab dieses und jhenes gsehen. 
Bey.mein zeyten ist das geschehen, 
Ich sey gewesen dort und da, 

30 Das thet ich hie, jhens anderstwa. 
Ich denck, daß das nit also war. 
Vor zeyten waren andre jar. 
Also leug ich durch alle land, 
Weil mich lügstraffen darff nyemand. 

35 Das schafft, das ich bin alt und grab. 
Der land ich vil durchfaren hab. , 
Unnd wenn man mir genaw merckt zu, 
Fehl ich offt umb drey pawren-schw. 

21 C eißgrawQQt 



328 

Doch schweigt man stil und schmutzt mich an, 
Und weil mir recht lest yederman, 
Versteig ich mich teglichen sehr. 
Wiewol ich liegens hab kein ehr, 
5 Trost ich mich doch, ir sind viel mehr. 

Der schwatzlügner. 

Nach dem sah ich noch höher stan 

Am berg samb eynen losen man. 

Der schrey: Last mich nah! ich steh hart. 

10 Secht ir nit? ich bin hetzen art. 
Ich schwatz and klapper aber tag. 
Was mir einfeit, ich alles sag. 
Es sey geleich böß oder gats, 
Es bring mir schaden oder nutz, 

16 Es sey gelogen oder war. 

Daraaff hab ich kein achtung gar, 
[K 1, 1088] Wie es sich werd zusammen reymen, 
Thu ofit zwo lüg zusammen leymen. 
Ofit focht man mich mit eynem bossen, 

20 Spricht, ich hab undtert tauben gschossen. 
Ein lüg ich ofit verfechten thu 
Und mach auß eyner lügen zwu. 
Versteig mich denn damit noch weyter, 
Das ich bedörfft ein lange leyter. 

25 Offt gar nimmer zu-lenden kan, 
Das mein den lachet yederman. 
Yedoch kan ich int leng nit schweygen. 
Und solt ich mich gleich gar versteigen, 
Yederman finger auff mich zeygen. 

30 Der rumlügner. 

Nach dem ich an dem berg ergutzt 
Ein kerl, der war baß gebutzt. 
Der schray: Ich hab verstigen mich 
Mit grossem rhum hoffertigklich, 
35 Von kriegen groß bey meinen tagen, 
Wie ich hab den und jben geschlagen, 
Der-geleichen mit bulerey, 

* 

20 C ynter. 30 G Kttmlttgner. 



329 

Auch wie ich so geschicket sey, 
Aller kürtzweil fechten und springen, 
Dergleich mit sprechen und mit singen. 
Auch wo man redt von grosser kunst, 
5 Mach ich darzn ein blawen dunst 
Und es mit lügen als yerblüm. 
Sehr weyter wandterschafft ich rtUn. 
Dergleichen auch mit dem reichthumb 
[ABC 1, 542] Geh ich nur mit dem tausent umb. 

10 Unnd leug, sich möchten palcken biegen, 
Und hab mich offt so hart vestiegen, 
Das ich gar nimmer zu kund lenden. 
Hie an des Itlgen-berges wendten 
Leug ich eins auff, das ander ab. 
15 Ein frische lebern ich doch hab. 
Ich bitt euch: Helffet mir hinab! 

Der Bchmaiohel-lügner. 

Nach dem sah ich stehn höher gantz 
Ein man, der selb het ein fuchschwantz. 

20 Der schray : Kaum steh ich auff dem fels, 
Darauß doch rind so viel loröls, 
Darmit ich kan den falcken streichen, 
Vorauß bey mildten und den reichen. 
Den kan ich gar wol krapffen bachen. 

25 Ich hewchel in in allen Sachen. 
Ich lob ihn, das nye löblich ward, 
Und sehend, das nye het schendlich art. 
Und redt, was der man höret gem. 
So kan ich mit dem fuchßschwantz schern 

30 Und bin,ivie eym schmaichler gebürt. 
Gleich gaugklers würflfel abgerürt. 
Manchem flicht ich ein ströen part 
Und lob in trogenhaffter art. 
Vor äugen gut thu ich mich zeygen. 

85 Hindter rück weiß ich im die feygen. 
Wirt ich an eyner lüg ergriffen, 
So bin ich also naß geschliffen. 
Wenn ich mich hab zu weit verschossen, 

7 C mich r. 11 BC verstiegn. 



330 

So zeuch ichs denn in eynen possen. 

Des lacht man mein, das man thnt hossen. 

Der trug-Iügner. 

Noch höher sah ich stehn ein man, 

5 Den sah ich für ein kremer an. 
Der schray: helfft! mir schwindelt sehr. 
Mit Ittgen, triegen ich mich nehr. 
Wie es mir wirdt auff alle art 
Mit wort und wercken alle fart. 

10 Rund hin ich mit zelen und rechen, 
Mit kauffen, verkauffen und stechen. 
Mein wahr die loht ich auff das best. 
Ob ich gleich mangel daran west, 
So schwer ichs doch eym anß den äugen. 

15 Gelt-schuld ich eynem ab kan lawgen. 
[K 1, 1080] Vor recht brauch ich viel list und renck, 
Viel außzüg, umbschwaiff und einklenck, 
Mit list und lügen, wie ich kan, 
Verderb des manchen armeil man. 

20 Ich bin auch künstreich und gelert. 
Durch mich die warheit wird verkert, 
Wo es mir thut ein nutzung tragen. 
Wers merckt, darff nichts hin-wider sagen. . 
Die loyca ich brauchen kan. 

26 Des steh ich gar hoch oben an, 
Ob gleich auff mich zaygt yederman. 

Dec hader-lügner. 

Noch höher ward ich eins bericht. 
Der hat gar ein dückisch gesiebt, 

30 Der schray: helfft! ich fall dahin, 
Wan ich gar hart verstigen bin. 
Als, was ich hör an eynem end. 
Ich alles zu dem ergsten wend 
Und leug auch allmal mehr hin-zu. 

35 Darmit die sach ich bessern thu. 
Dem wider-thail ich es zu-blaß. 
Und redt er etwas wieder das, 

33 C ärgsten. 



331 

Sag ichs dem ersten wiiBder an. 
Also ich frawen unde man, 
Nachpawem, knecht und maid kan hetzen, 
Das sie einander ah tbun wetzen. 
5 Denn zeuch ich den kopff auß der schlingen. 
Dergleichen offt in grossen dingen 
Kan ich eynen haymlichen tragen, 
Der herrschafft lügenhafft versagen, 
Das ich bring manchen man in not, 
10 Umb ehr^ gelimpff, inn schand und spot. 
Grob hab ich ubert schnür gehawt. 
Derhalb man mir auch nit mehr trawt. 
Viel-leicht zal ich noch mit der hawt 

Der doppelt lügner. 

15 Zu Oberst sah ich auff dem spit« 
Ein man, der Let darauff sein sitz, 
Schray: über euch hab ich mit lügen 
Mich also auff den spitz verstiegen. 
Was ir acht liegen künd gemein, 

20 Das kan als liegen ich allein, 
Auff alle art gar maisterlich. 
Ob man gleich lewtet über mich, 
Des acht ich weder schand noch spot. 
Ob keyner lüg wird ich mehr rot. 

25 Lüg auffhebens hab ich gewondt. 
Ich hab den Lügenberg gepondt, 
Durch-stiegen alle fels und schrofen, 
Gleich-wie ein naiT am kachel-ofen. 
Durch auff und auff biß auff den spitz. 

30 Alda ich yetzund gerüglich sitz, 
Da mich die warheit nicht mehr irrt. 
Ich leug, samb sey mirs maul geschmirt. 
Wo ich ein mal bin an eym ort. 
Da glaubt man mir nachmals kein wort. 

35 Derhalb ich den lügfannen trag. 
Vom Lügenberg ich nit mehr mag. 
Verzeren muß ich drauff mein tag. 

Der hauff unden am berg. 

* 
HC vber dsohnor. 34 C naohmal. 



332 

Inn dem hört ich ein groß geschray 

Unden von dem yolck mancherlay. 

Ach was habt ir euch all geziegen, 

Das ir euch habt so hart verstiegen 
5 Hie an des Lflgenberges wendten 

Nach loröl und nach blawen endten? 

Nun steht ir doben allosand 

Vor uns in laster, spot und schandt 

Und mttst ins ritten namen schweygen, 
10 Mit fingern auff euch lassen zeygen, 

Wiewol es euch thut haimlich weh, 

Eynem minder, dem andern meh. 

Nun thut ir uns alsand angelffen. 

Das wir euch sollen abher helffen. 
15 Und wenn wir euch schon hülffen nieder, 
[K 1, 1090] So verstieget ir euch doch wieder. 

Besser ist, man euch doben laß. 

Das man euch kenne dester baß 

Und sich hüte vor unserm liegen, 
20 Auff das ir nyemand künd betriegen. 

Doch last euch sein die weil nit lang! 

Der berg hat ein grossen zu-gang 

Von Christen, Türeken, Juden und haiden. 

Von herren, knechten, frawen, mayden, 
25 Die all noch zu euch auffhin wollen, 

Inn lügen sich zu euch gesellen. 

Mit euch die lügen-glocken schein. 

Beschluß. 

Auß dem allen ermist man wol, 
30 Weil die weit steckt der lügen vol, 

Bey allem volck undter der sunnen. 

Das die rain warh^it ist endtrunnen. 

Derhalb ist glaub und traw so klein. 

Liegen unnd triegen ist gemein, 
35 Das die lüg ist durch wort und werck 

Gleich worden ist ein hoher berck, 

Darauff das volck hat sein Zuflucht, 

6 S. s. 325. 7. 17 C droben. 19 C ewenn. 23 C Türkn, Judn. 
35 Lttg jetB d. 



333 

Sein schalckheit mit zu decken sucht 
Und sich versteigt in lügen scharff, 
Die doch langer gedechtnuß darff, 
Bleibt doch int leng verborgen nicht. 

5 Die lüg kumbt mit der zeit ans liecht. 
Mit der lüg kumbt man wol durchs land, 
Tedoch herwider gar mit schand, 
Spot, schaden und feindseligkeit. 
Aber die außerweit warheit 

10 Die kummet hin und wide^ schlecht, 
Ist einfeltig, trew unnd gerecht, 
Ehrlich, standhafftig unnd adelich, 
ABC 1, 543] Bey reichen und armen undadelich. 
Hiebey ein weyser man betracht, 

15 Das er auff sich hab selber acht, 
Und halt sein zungen wol im zäum, 
Laß ir nit gar zu weytten räum. 
Sunder thues mit vernunfft regiern 
Und alle wort zuvor probiem, 

20 Eh er sie geb herauß an tag, 
Dardurch er sich verhüten mag 
Mit wenig reden oder schweigen. 
Das er sich gar nicht thu versteygen 
Inn die hoch oder inn die zwerg 

26 Auff diesem schendling Lügenberg. 
So spricht Hans Sachs zu Nürnberg. 

Anno salutis 1533, am 12 tag Decembris. 

27 BC 1534. 



3B4 



vVrvN/ 






P^^. 



<4 /r* r, y2/^ 



Stürm des YoUen bergs. 



Ains mals in dem Schlauraffen-land 
Ich ein gwaltig beerleger fand 
Von eynem grossen vollen beer, 
5 Das hat gar wunder-seltzam wehr. 
Ire schantzkörb waren weiufaß, 
Ir gscbütz von grossen kandeln was. 
Die züntens mit bratwürsten an, 
Liessens auff ire feind abgan. 

10 Ir hatten waren groß Weinkeller. 
Ir hämisch waren schtlssel und teller. 
Wein-trichter warn ir stnrm-haubn, 
Ir pulver-flasch gebraten taubn, 
Ir handrohr krautstengel, gleser wam^ 

15 Ir bantzer waren hasen-garn, . 
Ir heelbarten schweine braten, 
Ir spieß mit wursten wol geraten. 
Gens, hüner trugens an den spiessen. 
Inn der Ordnung sich herfür Hessen 

20 Der trummelschlager ein faists pössel, 
Der schlug die trummel auff eym kessel 
Mit zwey kochlöffel, als lerman was. 
Der pfeiffer pfiff auß eym wein-glaß. 
Der fendrich trug an seynem fannen 

25 Drey braten genß und siben bannen 
[K 1, 1091] Und darzu neun gleser mit wein. 

Das kund ir rechte umbschantz sein. 
Mit wein getraifft, die mewler gschmutzt. 
Das war ir hoffweiß wol erbutzt. 

2 BG Eins. 13 C Puluerflasohn. 



335 

Drey ips waren bey in i\ loß, 

Ir geschray brocken dawmen groß. 

Epicurus was ir hanptman, 

Der reytt aufiF eym esel voran 
5 Und fürt ein fladen in eym schild. 

Dem dorcklet nach das beere wildt 

Für ein scbloß, das lag nber-zwerg. 

Das war genandt zum vollen berg, 

Verwaret mit einer pastey. 
10 Die was gemawret von hirßbrey. 

Sonst gieng. ringweiß umb dieses scbloß 

Von leber-sultz ein tiefifes moß, 

Ein thum geflochten von bratwürsten. 

Darauff da hettens iren fürsten 
15 Bachum zu Oberst auff dem thron. 

Bließ die feind mit eym engster on. 

Ir polwerck waren von bretspiel. 

Darundter stunden trunckner viel 

Ir tartschen die waren Speckkuchen, 
20 Fladen, zwibachen, leckuchen. 

Die theten grosse gegenwehr. 

Als nun anloff das volle beer, 

Warffens ir leytter an zu dretzen, 

Waren bachen von ayer-pretzen. 
25 Da stiegen sie hinauff zu stürmen, 

Waren undter eynander schwürmen. 

Einer ließ keller-gschoß «bgehn. 

Das stieß im selber auß die zen. 

Auch zuriß eym das pulver-gseß. 
30 Eyner warff rab mit eym schaffkeß, 

Das eym hieng ubers maul die nasen. 

Der warff rab mit eym braten hasen. 

Das blieb aber nicht ungerochen. 

Er ward mit eym sewsack erstochen. 
35 Eyner warff mit eym kalbskopff rab 

Die taschen eym vom bauch herab. 

Einer schoß nauff mit eym ganß-ay 

Ein Stareken thum mitten entzway. 

Dem wurd ein stich mit eym weinglaß, 

* 

3 C war. 16 C an. 19 die] fehlt C. 



336 

Das er fiel nieder inn das graß. 

Eyner schoß rab mit eyner flaschen, 

Verwandet eynen inn der taschen, 

Das eym kein pfenning darinn blieb. 
5 Eyner ein mit der kandel hieb, 

Das auff der walstat blieb sein rock. 

Da lagen ir ein gantzes schock 

Im graben, die geschossen warn. 

Erst sah man hin nnd wider farn 
10 Becher, magölla, gleser, kransen. 

Das eynem nüchtern wol möcht gransen. 

Von kandeln war ein groß gedöß, 

Genßbench, leber, lung nnde kröß. 

Die ayerpletz die hört man krachen, 
15 Die grossen krapffen hört man bachen. 

Die strenblein inn der pfannen schmatzen, 

Die ayer im schmaltz höret man spratzen. 

Die Schweinen braten hört man zischen. 

Ein rauch gieng von gesotten vischen. 
20 Da wolt yeder der förderst ßein. 

Nun was die gegen-wehr nit klein. 

Einer tranck zwey, der andee drey 

Und betten sehr ein groß geschrey. 

Deß giengen ir gar viel zu hauffen, 
25 Denn auch ir gall was uberlauffen. 

Der Sturm weret mit gantzer macht 

Vom mittag biß auff mittemacht. 

Erst zogens ab von diesem stürm 

Inn ir leger mit grossem schwurm. 
80 Mannicher seckel het den grimb. 

Sein rock ließ mancher hindter im. 

Siben rotten waren verlorn 

Von selben vollen berg geschwom, 

Die kamen erst nach dreyen tagen. 
85 Die, theten grosse wunder sagen. 
[K 1, 1092] Den verband man ir wunden fein 

Mit brenten und mit wermut-wein. 

Umb mittag sie allsam genasen. 

Do ward man zu der pewt auff-blasen. 

17 C htfrt. 20 Tordent. 22 B ander. 



337 

Da ward yedem ein doller kopff, 
Ein lärer seckel. ein voller kropff, 
Auch gantze schuld, zerrißne kleyder. 
Das war die beut der parthey beyder. 
5 Darnach ward ein anstand gemacht 
Biß auff die nechste faßenacht. 
Da Werdens wieder zu feldt liegen. 
Und wer lust het mit in zu kriegen, 
Der füg sich ins Schlauraffen-land ! 
10 Dem wird ein plappart auff die hand. 
Und welcher ist so unverzagt, 
Das er keinem kein trunck versagt, 
An eim tag thut all becher lärn. 
Der mag ein doppel-söldner wern. 
15 Und welcher noch baß trincken mag, 
Das er sich füllet alle tag 
Mit brenten wein, met unde hier, 
Mit Rainfal und mit Malmasier 
Und treybt es das gantz jar hinein, 
[AB 1, 544] Der selb mag wol ein fendrich sein, 
[C 1, 544] So man zeucht für den vollen berg. 
So spricht Hans Sachs von Nürnberg. 



Anno salutis 1536. 

* 



22? Nürenberg. 



Hans Sachs. V. 22 



388 



Das Schlaweraffen-laiid. 

Ein gegeilt haist Sclilauraffen-land, 
Den fawlen lewten wol bekandt. 
Das ligt drey meyl hinder weynachten. 
5 Und welcher darein wolle trachten, 
Der muß sich grosser ding vermessen 
Und durch ein berg mit hirßbrey essen, 
Der ist wol dreyer meylen dick. 
Als-dann ist er im augenblick 

10 Inn den selbing Schlaweraffen-Jand, 
Da aller reichthumb ist bekand. 
Da sind die hewser deckt mit fladen, 
Leckuchen die haußthür und laden, 
Von speckuchen, dillen unnd wend 

15 Die thröm von Schweinen braten send. 
Umb yedes hauß so ist ein zäun 
Geflochten von bratwürsten braun. 
Von Malvasier so sind die brunnen, 
Kommen eym selbs ins manl gerunnen. 

20 Auff den tannen wachsen krapffen, 
Wie liie zu land die tanzapffen. 
AufiF flechten wachssen bachen schniten. 
Ayerpletz thut man von pircken scliitten. 
Wie pflfl'erling waclissen die flecken, 

35 Die Weintrauben inn dorenhecken. 
Auff weyden-koppen semel stehn, 
Darundter pech mit milich gehn; 
Die fallen dann inn bach herab, 

3 Vgl. g. 290, 22. 10 C demselbing. 28 C den 



3S9 

Das yederman zu essen hab. 
Auch gehn die visch in den lachen 
Gsotten, praten, gsultzt und pachen 
Und gehn bey dorn gestatt gar nahen, 
5 Lassen sich mit den hendn fahen. 
Auch Hiegen urab (raüget ir glauben) 
Gebraten hüner, geiiß und tauben. 
Wer sie nicht facht und ist so faul, 
Dem fliegen sie selbs inn das maul. 

10 Die sew all jar gar wol geraten, 
Lauffen im land umb, sind gebraten. 
Yede ein messer hat im rück, 
Darmit ein yeder schneidt ein stück 
Und steckt das messer wider dreyn. 

15 Die creutzkeli wachsen wie die stein. 
So wachsen bawern auff den bawmen, 
Gleich wie in unserm land die pflawmen. 
Wens zeytig sind, so fallens ab, 
Yeder in ein par stifel rab. 
[K 1, 1098] Wer pferd hat, wird ein reicher mayer. 
Wann sie legen gantz körb vol ayer. 
So schütt man auß den eseln feygn. 
Nicht hoch darff man nach kersen steygn, 
Wie die schwartzbär sie wachssen thun. 

25 Auch ist in dem land ein junckbrunn, 
Darinn verjungen sich die alten. 
Viel kürtzweil man im land ist halten. 
So zu dem ziel scliiessen die gest, 
Der weytst vom blat gewindt das best. 

30 Im lauffen gwindt der letzt allein. 
Das polster-schlaffen ist gemein. 
Ir waidwerck ist mit flöh und leusen, 
Mit wantzen, ratzen und mit mewsen. 
Auch ist im land gut, gelt gewinnen. 

3:-. Wer sehr faul ist und schlefft darinnen. 
Dem gibt man von der stund zwen pfennig. 
Er schlaff ir gleich viel oder wenig. 
Ein furtz gilt einen Binger haller, 
Drey gröltzer einen Jochims-taler. 



5 C Henden. 21 K Dann. 



22 • 



340 

Und welcher da sein gelt verspielt, 
Zwifach man im das wieder gilt. 
Und welcher auch nicht geren zalt, 
Wenn die schuld wird eins jares alt, 

5 So muß im jhener darzu geben. 
Und welcher gern wol ist lehn, 
Dem gibt man von dem trunck ein patzen. 
Und welcher wol die leut kan fatzen. 
Dem gibt man ein plappert zu Ion. 

10 Für ein groß lüg gibt man ein krön. 
Doch muß sich da hüten ein man, 
Aller vernunfft gantz müssig stan. 
Wer sinn und witz gebrauchen wolt, 
Dem wurd kein mensch im lande holdt, 

15 Und wer gern arbeyt mit der handt, 
Dem verbeut mans Schlauraffen-land. 
Wer zucht und erbarkeyt het lieb. 
Den selben man des lands vertrieb, 
Wer unütz ist, will nichts nit lehren, 

so Der kombt im land zu grossen ehren. 
Wann wer der fawlest wirdt erkandt, 
Der selb ist könig inn dem land. 
Wer wüst, wild unnd unsinnig ist. 
Grob, unverstanden alle frist, 

25 Auß dem macht man im land ein fürstn. 
Wer geren ficht mit leber-würsten, 
Auß dem ein ritter wird gemacht. 
Wer schltichtisch ist und nichtzen acht, 
Dann essen, trincken und viel schlaffen, 

30 Auß dem macht wan im land ein grafen. 
Wer dölpisch ist und nichtsen kan. 
Der ist im land ein edelman. 
Wer also lebt wie obgenandt. 
Der ist gut ins Schlauraffen-landt, 

35 Das von den alten ist erdicht. 
Zu straff der Jugend zu-gericht. 
Die gwönlich fawl ist und gefressig. 
Ungeschickt, hayloß und nachlessig. 
Das mans weiß ins landt zu Schlauraffn, 

* 

9 C plapart. 30 C man. 



341 

Damit ir schlüchtisch weiß zu straffen, 
Das sie haben auff arbayt acht, 
Weil. faule weiß nye gutes bracht. 

Hans Sachs, Schuhmacher. 
Anno salutis 15S0. 



2 G arbeit. 



\ 



342 



/• Za eym bescbluss inn diß buch 

Die drey güldn leer Chiloiiis, des philosophi. 

Es schreybt Plinius secundus, 
Wie Chilon, der philosophus, 

5 Hat uns drey gülden leer beschrieben. 
Die gar ein lange zeit sind blieben 
Menschlichem gschlecht zu eym eyempel 
In Apolinis schönen tempel 
Zu Delphfs, mit kriechischn buchstabeii, 

10 Künstlich mit klarem gold erhaben. 

[K 1, 1094] Die erst gülden leer. 

[ABC 1, 545 J Die erst gülden lehr also stat: 
Erkenn dich selber frü unnd spat! 
Mit diesem zayget der weiß an, 

15 Das sich selb prüff ein yeder man, 
Was inwendig im hertzen steckt 
Für naigung, begier unnd affect, 
Warzu er gründlich sey genayget, 
Von einfluß der natur geayget, 

20 Oder was er auch seiner zeit 
Hab für ubung odelr gwonheit. 
Solliches als er gwiß erkenn 
Inn im selber gründlich als-denn, . 
Was er inn im für unart find, 

25 Die unehrlich und schendlich sind 
Und eym byderman nit wol an-steh, 
Der selben er denn müssig geh 
Und halt sich selber inn dem zäum, 
Laß keinem laster in im räum, 

Kl * 

2. 5. 11. 12 güldin. 22 gewiß. 






348 

Sünder alle von im anßscblag, 

Mit fössen trett und sie verjag, 

Eh sie im mach ein boß gerüclit, 

Stinckend ein unlöblicb gezücht, 
5 Allein die tagend im erwel 

Und der mit böclistem ßeiß nacbstell 

In seinem leben allentbalben ! 

Die ist die aller-edelst salben, 

Hailsam, wolriecbend, erhelt eben 
10 Dem menschen gesnnd seel, leib und leben 

Bringt im ein gut gerücbt voran, 

Löblich, rumreich bei ycderman. 

Durch die tugend der mensch auch wirt 

Nach seinem tod gebalsamiert, 
15 Das sein lob nit faul und verderb, 

Sonder leb und ewig nit sterb. 

Die ander gülden lehr. 

Die ander lehr der weiß ließ klingen: 

mensch, halt maß inn allen dingen! 
20 Darmit wird angedeudt darzu, 

Tag unde nacht, was er laß und thu. 

Das er darinnen alle zeit 

Halt rechte mittelmessigkeit. 

Es sey inn frewden oder schertz, 
2b Es sey inn trawren oder schmertz, 

Es sey mit waynen oder lachen, 

Es sey mit schlaffen oder wachen, 

Inn essen, trincken, zürnen und glimpif, 

Inn reden, schweigen, ernst und schimplf, 
30 Ina zeren, sparen und panckatieren, 

In arbeyt, kurtzweil, in klayden und zieren, 

Inn lehren, straffen und vermonen, 

Auch in züchtigen und verschonen, 

Bayde in nemen und inn geben, 
35 Durch-aus in gantz menschlichem leben. 

Und was man auff erd fahet an, 

Soll alle ding im mittel stan 

1 C Sonder. 3 G böß. 10 C gsund. 21 vnd. 30 G sparn. 

31 G kttrUweU. G kleidn. 



344 

Mit hertzen, hand und auch mit mund, 
Und welch mensch helt den mittel bund, 
Dem selbigen gelingen muß, 
Dargegen aber der uberfluß 
5 Durchauß inn gantz menschlichem leben, 
Der ist ein böse endung geben 
Und stttrtzet alle ding zu grund. 
Man spricht: Zu viel ist ungesund 
Und muß auch brechen kurtzer zeit, 
10 Sagt uns das Sprichwort in warheit. 

Die dritt gülden leer. 

Die dritte leer des weisen spricht: 
Ein arm ding ist, wer vor gericht 
Sich in zenckische hendel geyt, 

15 Die sich nit enden kurtzer zeit. 
Sonder sich in viel zeit erstrecken, 
Ein list den andern thut auffwecken, 
Durch so viel außzttg und ein-klenck, 
Durch viel lügen, arglist und renck, 
[K 1, 1095J Das offt die warheit wirt geblendt, 
Das ir der richter nit mehr kend 
Und wechst der handel schwer und groß. 
Da wirdt gelt außgeben endloß 
Dem procurator und advocaten, 

96 Der man darzu nit kan geraten, 
Das manchem raichet zu armut. 
Eh das recht zu end lauffen thut. 
Ich schweig der sorg, angst und unrhu, 
Yersaumnus, kttmmernuß darzu, 

80 Deß fantasiren nach und dencken, 

Darmit sich ein mensch thut bekrencken, 
Dieweil das recht gar sinwel ist, 
Das offt der ghrecht durch hindterlist 
Mit rechter warheit undterlieget, 

85 Die ander parrt mit lüg gesyget. 

Beschluß. 
Zum bschluß der dreyen gülden leer 

11 C gUldin. 26 C reiohet. 



345 

Mag ein weyser hie mercken mehr 

Erstlich, das er sich selb erkhenu, 

Sein aygen natur, und als-denn 

Das beste darinn außerwel 
5 Und das arge von ihm abstel. 

Als-denn fQrt er ein ehrlich leben, 

Darvon im preiß und ehr wird geben. 

Zum andern halt die mittelmaß 

Inn all dem, was er thn und laß, 
10 Bayde mit hertzen, mund und band, 

Durch sein vernunfft, sinn und verstand, 

Wie kayserliche mayestat 

Maximilion ofFt gsprochen hat: 

Halt maß, halt maß inn allen dingen, 
15 So mag dir gar nit mi^selingen! 

Zum dritten hüt sich vor dem rechten 

Ein man, vor schuld, zancken und fechten, 

Und ob er gleich des ursach hab. 

Zu rechten, diselb er abgrab 
20 Durch mittel, wege in der gut. 

So bhelt er ein geruht gemüt. 

Das im auß den dreyerley wachs 

Ehr, frid und rhu, das wünscht Hans Sachs. 

Anno salutis 1558, am 16 tag Februarii. 
Ende dess fünfften unnd letzten teyls dieses buchs. 

13 Maximilian. 22 C dem. 25 K Büohs. Getruokt in deft Heyligeu 
Keichs Statt Kempten, bey Ghristoff Krausen, Anno, M.DCXII. 



346 



Zeittafel. 



1628 Mera 15 Schwanok. Der pauern-tanE, verBammolt aulb mancherlei dörffern 

8. 279. 
1528 Mai 1 Fabel mit dem frosch und der maus s. 84. 
1530 Mai 9 Der narrenfresser s. 300. 
1530 Mai 12 Das narrenbad s. 305. 

1530 Das Schlawerafifen-land s. 338. 

1531 Merz 3 Wie siben weiber über ihre ungeratne mender klagen s. 242. 
1531 Merz 6 Ein gesprech zwischen 7 mendern, darinn sie ihre weiber be- 
klagen 8. 237. 

1531 Apr. 9 Ein wunderlich gespreeh von 5 nnhulden s. 285. 

1531 Mai 1? Fabel mit der löwin und iren jungen s. 82. 

1531 Mai 9? Fabel mit der löwin und iren jungen s. 82. 

1531 Mai 9 Ein kampfgespreoh zwischen einer frawen und ihrer hausmagd 

8. 194. 
1531 Mai 9 Fabel. Die ameis mit dem grillen. Wider die faulen s. 78. 
1531 Aug. 12 Ein gespreeh von 5 personen. Der cuplerin schul s. 215. 
1531 Nov. 3 Fabel mit dem esel und der löwenhaut s. 89. 

1531 Ein kampfgesprech zwischen einer hausmagd und kindpett-kelnerin s. 202. 

1532 Jan. 18 Ein kampf-gesprech zwischen einer hausmagd und eii\em gesellen 
8. 208. 

1532 Febr. 9 Gesprech, mit 5 peraonen, heist die euien-paiß s. 219. 

1532 Apr. 7 Schwank. Die hausmaid im pflüg s. 179. 

1533 Mai 1 Schwank. Zweierlei ungleicher ehe s. 259. 
1533 Jun. 1 Schwank. Der alten weiber rossmark s. 261. 

1533 Deo. 12? Spruch oder schwank von dem Lügenberg s. 325. 

1534 Apr. 16 Hainz Widerporst s. 321. 
1534 Jul. 31 Bald-anderst s. 310. 
1534 Aug. 12 Schwank s. 276. 

1534 Aug. 20 Schwank. Die faul hausmaid s. 184. 
1534 Nov. 20 Hans Unfleiß s. 318. 
1534 Dec. 12? Von dem Lügenberg s. 325. 
1536 Sturm des vollen bergs s. 334. 

1539 Mai 17 Die Oerlei heud einer bösen frawen sambt ihren 9 eigenschafton 
f?. 232, 



347 

1539 Jul. 11 Die 9 gesohmeck inn dem ehliohen stand s. 228. 
1539 Jul. 9 Drei arme hansmaid klagen auch s. 188. 

1539 Nov. 21 Ein sohön kurzweilig fassnachtspiel mit 3 personen, nemlioh ein 
keiner und 2 bauren, die holen den bachen im teutsohen hoff s. 31. 

1540 Febr. 18 Ein gespreoh mit der Fassnacht von ihrer eigensohaft s. 295. 
1540 Deo. 31 Ein kurzweiligs und Instigs fassnaohtspiel mit 3 personen, nemlich 

ein barger, ein pawer und ein edelmann. Die holen krapfon s. 18. 
1547 Apr. 21 Ein gespreoh mit dem faulen Lenzen, welcher oin hauptman des 

großen faulen häufen ist s. 289. 
1550 Apr. 25 Schwank. Die hasen fangen und braten den jeger s. 159. 
1553 Oct. 8 Ein kurzweilig fasn achtspiel von einem bösen weib, hat 5 person s. 47. 
1553. Nov. 15 Schwank. Wer erstlich hat erfunden hier s. 166. 

1553 Der Hederlein s. 314. 

1554 Dec. 28 Fabel. Ein ieder sehe fllr sich und verborge sich hinter keinen 
sohmaichler s. 95. 

1555 Jan. 26 Klag 3 frawen über ir hausmägd s. 191. 

1555 Oct. 25 Schwank. Der profiant und mumplatz s. 170. 

1556 Mai 25 Der schönen frawen kugelplatz s. 222. 

1557 Jan. l Gesprech. Sanct Peter mit den landsknechten s. 117. 
1557 Merz 3 Schwank. Die 18 schön einer junkfrawen s. 176. 
1557 Merz 5 Gesprech. Der hasen klag s. 154. 

1557 Merz 30 Schwanck. Die eilend klagent rosshaut s. 146. 

1557 Mai 4 Schwank. Der pawer mit dem himel und höll und seinem esel s. 135. 

1557 Jun. 25 Fabel s. 92. 

1557 Jul. 2 Schwank. Der ainfeltig müller mit den Spitzbuben s. 104. 

1557 Jul. 12. Schwank. Der koler mit dem spulwerk s. 140. 

1557 Aug. 3 Ein klaggesprech dreier kleger mit dem man ob seinem verstorbnen 

bösen weih s. 267. 
1557 Aug. 7 Schwank. Das ai mit den 18 schänden s. 173. 
1557 Sept. 10 Gespreck. Sanct Peter mit dem faulen paurenknecht s. 114. 
1557 Sept. 15 Schwank. Pfarrer mit den ehbrecher-pawern , s. 137. 
1657 Sept. 22 Der bawern aderlaß sambt einem zanbrecher s. 273. 
1557 Sept. 24 Schwank. Der teufel hat die gaiü erschaffen s. 143. 
1557 Oct. 3 Ein fassnachtspiel mit 3 personen. Das narrenschneiden s. 3. 
1557 Oct. 6 Schwank. Der pawerknecht mit dem zerschnitten kittel s. 129. 
1557 Oct. 8 Schwank. Der ungehöret pawer s. 132. 
1557 Oct. 8 Schwank- Sanct Peter mit der gaiß s. 109. 
1557 Nov. 18 Schwank. Der schwanger karg man Kalandrin s. 126. 
1557 Nov. 20 Fabel. Die füchsisch gsellschaft s. 66. 
1557 Dec. 10 Schwank. Der katzen-kramer s. 163. 
1557 Dec. 28 Fabel. Der zipperlein und die spinn s. 71. 

1557 Schwank. Der teufel lest kein landsknccht mehr in die helle faren s. 121. 
1557 Schwank. Der lose man s. 247. 
1557 Die lose frau s. 255. 
1557 ? Schwank. Das ungeraten unheuslich weib s. 252. 



348 

1558 Jan. 10 Fabel mit dem frosoh und den tbierlein s. 86. 

1558 Febr. 16 Die 3 gülden leer Chilonis^ des philosophi 8. 342. 

? Fabel. Ein ieder trag sein jooh diese zeit und uberwind sein übel mit 

geduld 8. 101., 
? Fabel von dem neidigen und dem geizigen s. 98. 
?Da8 untrew-spiel s. 225. 
?Die 9 eilenden Wanderer s. 282. 



349 



Register. 



Ach liebe Gred, auf meinen aid 

188. 
Aderlaß der bauem 273. 
Äsop s. Esopus. 

Ain jung 'gesell, gerad von leib 259. 
Ains abends gieng ich auß nach 

fischen 310. 
Ains abends ich spacieret aus 237. 
Ains mals drank ein wolf und ein 

lamb 80. 
Ains mals ich in dem brachmon 

haiß 242. 
Ains mals in dem Schlauraffen- 

land 334. 
Ains morgens gieng ich durch ein 

wald 159. 
Ains nachts ich vor eim fenster 

ston 215. 
Ains tages in ein alten fuchs 66. 
Ains tags viel kurzweil ich ver- 

nam 276. 
Als ich am freitag nach fasnacht 

295. 
Als ich eins abends gieng spacieren 

232. 
Als ich noch meim handwerk nach- 
zog 325. 
Als ich spacieret auf ein tag 71. 
Als Ealandrin, dem argen 126. 
Am Kein ein pauer saß 132. 
Ameis, Die, mit dem grillen 78. 
Ania nus beschreibt ein fabel 98. 
Avianus beschreibt ein fabel 98. 



Avianus schreibt, der poet 89. 

Ay, Das, mit den 18 schänden 173. 

Bachen, Bauern holen den, 31. 

Bald-anderst so bin ich genant 310. 

Bauer, Der, mit dem himel und 
höll und seinem esel 135. 

Bauer, Der ungehöret, 132. 

Bauerknecht, Der, mit dem zer- 
schnitten kittel 129. 

Bauem, Der, aderlaß sambt einem 
zanbrecher 273. 

Bauern holen den bachen im deut- 
schen hof 31. 

Bauernknecht, Von dem faulen, 114, 

Bauem-tanz, Der, 279. 

Bier 166. 

Bingen am Bein 132. 

Blaue enten 325. 

Buch der kleineu warheit 135. 140. 

Chilonis 3 leer 342. 

Da noch auf erden gieng Christus 
109. 

Der erst, welcher mit karren fart282. 

Der Hederlein bin ich genant 314. 

Der poet Avianus schreibet 89. 

Dettelbach 273. 

Doctor Dölpianus der hat 143. 

Dölpianus, Doctor, 143. 

Ehe, Zweierlei ungleicher, 259. 

Ei, Das, mit den 18 schänden 173. 

Ein gegent heißt Schlauraffenland 
338. 

Ein guten abend! Ich bin dort 



350 



nieden 3. 
Ein jung gesell, gerad von leib 259. 
Ein löwin hat zwei wölflein klein 82. 
Ein maus bei einem wasser saß 84. 
Eins abends gieng ich auß nach 

fischen 310. 
Eins abends spat da schaut ich 

auß 318. 
Eins mal» ich am aschermittwoch 

179. 
Eins mals ich auf ein abend spat 225. 
Eins mals ich in dem brachmon 

heiß 242. 
Eins mals in dem Schlauraifen- 

land 334. 
Eins mals trank ein wolf und ein 

lamb 80. 
Eins montags fiü, als ich aufstimd 

146. 
Eins morgens frü spaciert ich aiiß 

208. 
Eins morgens gieng ich durch ein 

wald 159. 
Eins nachtes gieng ich auß spacie- 

ren 194. 
Eins nachts ich vor eim fenster 

ston 215. 
Eins nachts zog ich im Niderland 

285. 
Eins tages an eim abent spat 222. 
Eins tages in eim alten fuchs Qß, 
Eins tages starb eim man sein weil) 

267. 
Eins tages zog ich über land 170. 
Eins tags an einem abend spat 121. 
Eins tags ich auf ein kirch weich 

kam 279. 
Eins tags ich im SchlaurafFenland 

261. 
Eins tags ich in dem brachmon 

heiß 314. 
Eins tags im Maien heuer 289. 
Eins tags im Schlawerattenland 261. 
Eins tags in meinen jungen jarn 

154. 



Eins tags viel kurzweil ich vernam 

276. 
Enten, Blaue, 325. 
Ernst und schimpf 247. 
Es ist nit lang, das es geschach 273. 
Eh schreibt Plinius secundus 342. 
Es steht im buch der kleinen -war- 

heit 135. 
Esel, Der, mit der löwenhaut 89. 
Esopus der hat uns beschrieben 86. 
Esopus uns beschreibt ein fabel 78. 
Esopus uns ein fabel saget 95. 
Esopus uns im andern buch 101. 
Eulenbaiß 219. 
Fabel 92. 
Fabel. Der zipperlein und die 

spinn 71. 
Fabel des wolfs mit dem lamb 80. 
Fabel. Die ameis mit dem grillen. 

Wider die faulen 78. 
Fabel. Die füchsisch gsellschaft 66. 
Fabel. Ein ieder sehe für sich 

und verberge sich hinter keinen 

schmaichler 95. 
Fabel. Ein i6der trag sein joch 

diese zeit und uberwind sein 

übel mit geduld 101. 
Fabel mit dem esel und der löwen- 
laut 89. 
Fabel mit dem frosch und dem 

thierlein 86. 
Fabel mit dem frosch und der 

maus 84. 
Fabel mit der löwin und iren 

jungen 82. 
Fabel von dem neidigen und dem 

geizigen 98. 
Fasnachtspiel, Ein, mit dreien 

personeu. Das narrenschneiden 3. 
Fasnachtspiel, Ein kurzweilig, von 

eim bösen weib 47. 
Fasnachtspiel , Ein kurzweiliges 

und lustigs , mit 3 personon, 

nemlich ein burger, ein i)awer 

und ein edelmann. Die holen 



351 



krapfen 18. 

Pasnachtspiel , Ein schön kurz- 
weilig, mit 3 personen, nemlich 
ein keiner und 2 bawren, die 
holen den bachen im teutschen 
hof 31. 

Faule, Der, Lenz 289. 

Pliecht, fliecht , fliecht , fliecht , ir 
lieben gselln 219. 

Frau, Die lose, 2-55. 

Frau, Die 9 häute einer bösen, 232. 

Frau und hausmagd 194. 

Frauen, Der schönen, kugelplatz 
222. 

Frauen, Klag dreier, über ir haus- 
magd 191. 

Fritz, Kunz und Hans 279. 

Frosch und maus 84. 

(Jambrin 166. 

Geschmeck, Die 9, in dem ehli- 
chen stand 228. 

Gesell und hausmagd 208. 

Gesellschaft, Die fuchsisch, 66. 

Gesprech, Ein, mit dem faulen 
Lenzen, welcher ein hauptman 
des gi'oßen faulen häufen ist 289. 

Gesprech, Ein, mit der Fasnacht 
von ihrer- aigenschaffc 295. 

Gesprech, Ein, von 5 personen. 
uplerin schul 215. 

Gesprech, Ein, zwischen 7 mendern, 
darinn sie ihre weiber beklagen 
237. 

Gesprech , Ein wunderlich , von 5 
unhulden 285. 

Gesprech. Der hasen klag 154. 

Gesprech mit 5 personen , haist 
die eulenpaiß 219. 

Gesprech. Sanct Peter mit dem 
faulen paurenknecht 114. 

Gesprech. Sanct Peter mit den 
landsknechten 117. 

Gewalt der geht gar oft für recht 
80. 

Glück zu , ir herrn und gsellen 



mein 47. 
Hainz Widerporst bin ich ge- 
nant 321. 
Hans Unfleiß 318. 
Hasen, Der, klag 154. 
Hasen, Die, fangen den jeger 159. 
Hausmagd 191. 
Hausmagd 194. 202. 208. 
Hausmaid, Die, im pflüg 179. 
Hausmaid, Die faul, 184. 
Hausmaid, Drei arme, klagen auch 

188. 
Hederlein 314. 
Heinz Widerporst bin ich genant 

821. 
Heud, Die neunerlei, einer bösen 

frauen sambt ihren 9 eigenschaf- 

ten 232. 
Heut frü spaciert ich auß umb drei 

300. 
Hört ! am Rein ein bauer saß 132. 
Hört ! soll ich nit von unglück 

sagen 173. 
Hört zu ein visierlichen schwank 

129. 
Hof, Der deutsche, 31. 
Hort! soll ich nit von unglück 

sagen 173. 
Jamprinius, ein küner held 166. 
Ich fragt ein doctor künstenreich 

228. 
Ich spaziert heut frü auß umb drei 

300. 
Im buch der kleinen warheit steht 

135. 140. 
Im Summer erst vergangen heuer 

184. 
In dem büchlein von ernst und 

schimpf 247. 
Joch, Ein ieder trag sein, 101. 
Ir erbarn herrn in einer summ 18. 
Kalandrin 126. 
Kampfgesprech, Ein, zwischen einer 

frawen und ihrer hausmagd 194. 
Kampfgesprech, Ein, zwischen ei- 



352 



ner hausmagd und einem ge- 
sellen 208. 
Eampfgesprech , Ein, zwischen ei- 
ner hausmagd und kindpettke]- 
nerin 202. 
Katzen-kramer, Der, 163. 
Kindbett-kellnerin 202. 
Kittel des bauernknechts 129. 
Klag dreier frauen über ir haus- 
magd 191. 

Klaggesprech , Ein, dreier kleger 
mit dem man ob seinem ver- 
storbnen bösen weib 267. 

Krapfen, Die holen, 18. 

Kugelplatz 222. 

Kuplerin, Der, schul 215. 

Landsknechte in der helle 121. 

Landsknechten, Sanct Peter mit 
den, 117. 

Leer, Die 3 gülden, Chilonis, des 
philosophi 342. 

Lenz, Der faule, 289. 

Löwin, Fabel mit der, und iren 
jungen 82. 

Lügenberg 325. 

Männer beklagen ihre weiber 237. 

Man, Der lose, 247. 

Man, Der schwanger karg, 126. 

Man mit dem verstorbnen bösen 
weib 267. 

Megeldorf 279. 

Müller, Der einfeltig , mit den 
Spitzbuben 104. 

Narren-bad, Das, 305. 

Narrenfresser, Der, 300. 

Narrenschneiden, Das, 3. 

Nechten zu abend ich spaciert 176. 

Neidigen, Von dem, und dem gei- 
zigen 98. 

Nun höret, wie zu Mailand saß 305. 

Nun höret wunderseltsam ding 114. 

Nun schweigt und hört! so will 
ich sagen 255. 

Oft einer grebt ein grub, allein 84. 

Pauernknecht 129. 



Paul, Johann, 247. 

Peter, Sanct, mit dem faulen pau- 
renknecht 114. 

Peter, Sanct, mit den landsknech- 
ten 117. 

Peter, Sanct, mit der gaiß 109. 

Pfarrer mit den ehbrecher-pauem 
137. 

Pflug, Die hausmaid im, 179. 

Plinius secundus 342. 

Poppenreut 137. 

Rossmark der alten weiber 261. 

Schlauraffenland 334. 338. 

Schlötterlein 273. 

Schmeichler 95. 

Schön, Die 18, einer junkfrauen 
176. 

Schwanger, Der, man 126. 

Schwank 276. 

Schwank. Das ai mit den 18 schän- 
den 173. 

Schwank. Das ungeraten unheus- 
lich weib 252. 

Schwank. Der ainfeltig müUer 
mit den Spitzbuben 104. 

Schwank. Der alten weiber ross- 
mark 261. 

Schwank. Der katzen-kramer 163. 

Schwank. Der koler mit dem 
spulwerk 140. 

Schwank. Der lose man 247. 

Schwank. Der pauer mit dem 
himel und höU und seinem esel 
135. 
Schwank. Der pauerknecht mit 

dem zerschnitten kittel 129. 
Schwank. Der pauern-tanz, ver- 
sammelt auß mancherlei dörfPem 
279. 
Sdhwank. Der profiant und mum- 

platz 170. 
Schwank. Der schwanger karg 

man Kalandrin 126. 
Schwank. Der teufel hat die gaiß 
erschaffen 143. 



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Schwank. Der teufel läßt kein 
landsknecht mehr in die helle 
faren 121. 

Schwank. Der angehöret pauer 132. 

Schwank. Die 18 schön einer 
junkfrauen 176. 

Schwank. Die faul hausmaid 184. 

Schwank. Die hasen fangen und 
braten den jeger 159. 

Schwank. Die hausmaid impflug 
179. 

Schwank. Pfarrer mit den ehe- 
brecher-bauem 137. 

Schwank. Sanct Peter mit der gaiß 
109. 

Schwank. Wer erstlich hat er- 
funden hier 166. 

Schwank. Zweierlei ungleicher 
ehe 259. 

Seit gott-will-kumb, ir erbam 
gest 31. 

Spruch oder schwank von dem 
Lügenberg 325. 

Sturm des vollen bergs 334. 

Teufel, Der, hat die gaiß erschaf- 
fen 143. 

Teufel, Der, und die landsknechte 
121.. 

Tötsch-in-prei 279. 

ünfleiß, Hans, 318. 

üntreu-spiel, Das, 225. 

Volle, Der, berg 334. 



Vor jaren dient ich in eim haus 

202. 
Vor kurzer zeit ein müUer saß 

104. 
Wanderer, Die 9 eilenden, 282. 
Warheit, Buch der kleinen, 135. 

140. 
Weib, Das verstorbne böse, 267. 
Weib , Ein unheusliches, 247. 252. 
Weib , Pastnachtspiel von eim 

bösen., 38. 
Weiber, Der alten, rossmark 261. 
Weiber , Wie 7 , über ihre un- 

geratne mender klagen 242. 
Weil ich noch war ein junger 

knab 191. 
Weil noch auf erden gieng Christus 

109. 
Welcher ein schön weib bulen 

wil 225. 

. Wer andern zufügt ungemach 82. 

Wer erstlich hat erfunden hier 166. 

Wer hat gehört vor diesen tagen 92. 

Wer hie fürgeh, der schau mich 

an 92. 163. 252. 
Wer lust zu gwinnen hat ein 

kränz 276. 
Widerporst, Hainz, 321. 
Wolfs, Fabel des, mit dem lamb 80. 
Zanbrecher 273. 

Zipperlein, Der, und die spinn 71. 
Zu Poppenreut ein pfarrer saß 137. 



Hans Sachs. V. 



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Stanford, California